Wildschweine, Archivbild (Quelle: DPA/Jens Büttner)
Bild: DPA/Jens Büttner

Landkreis Spree-Neiße - Erster Verdachtsfall von Afrikanischer Schweinepest in Brandenburg

Die Afrikanische Schweinepest ist offenbar in Deutschland angekommen. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurde ein totes Wildschwein im Spree-Neiße-Kreis positiv getestet. Ein zweites Testergebnis zur Bestätigung steht noch aus.

Zu diesem Sachverhalt gibt es einen neuen Stand. Bitte informieren Sie sich hier

In Brandenburg gibt es einen amtlichen Verdachtsfall der Afrikanischen Schweinepest (kurz ASP). Das Landeslabor Berlin-Brandenburg habe den Verdacht bei einem Wildschwein-Kadaver festgestellt, der wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze im Spree-Neiße-Kreis gefunden wurde, teilte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft am Mittwoch mit.

Daraufhin sei eine Probe des toten Tieres an das Friedrich-Loeffler-Insitut (FLI) geschickt worden, wo sie virologisch untersucht werden, hieß es. Das FLI ist das nationale Referenzlabor. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) werde am Donnerstag über das Ergebnis informieren. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre dies der erste Fall der Tierseuche in Deutschland.

Ausbruch kann massive wirtschaftliche Folgen haben

Die Krankheit ist für den Menschen ungefährlich, verläuft bei Wild- oder Hausschweinen jedoch in den allermeisten Fällen tödlich. In den vergangenen Jahren mussten mehrfach osteuropäische Mastbetriebe ihre gesamten Schweinebestände töten, nachdem das Virus in Ställen festgestellt worden war.

Ein Ausbruch kann massive wirtschaftliche Folgen für Schweinehalter haben: Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums könnten Exporte in Nicht-EU-Staaten, vor allem nach Asien, weitgehend wegfallen. Für den Export nach China beispielsweise muss bislang zertifiziert werden, dass Deutschland ASP-frei ist. Der Handel innerhalb der EU kann jedoch aufrechterhalten werden. Nur für Betriebe in der Umgebung des Fundorts gibt es Einschränkungen.

In Brandenburg wurden nach Angaben des Landesbauernverbands vom November 2019 rund 750.000 Schweine in etwa 170 Betrieben gehalten. Aus Brandenburg werden Ferkel insbesondere in andere Bundesländer und EU-Staaten exportiert.

Erste Schutzmaßnahmen werden vorbereitet

Der Sprecher des Verbraucherschutzministeriums Brandenburg, Gabriel Hesse, sagte der dpa: "Wir haben heute einen amtlichen Verdachtsfall für Afrikanische Schweinepest festgestellt." Erst wenn das nationale Referenzlabor den Verdacht ebenfalls bestätige, könne von einem Ausbruch gesprochen werden. Das Landeskrisenzentrum und die kommunalen Krisenzentren seien aktiviert. Erste Maßnahmen zum Schutz würden vorbereitet.

Während im März der westlichste Fundort eines an Schweinepest gestorbenen Wildschweins in Polen etwas mehr als zehn Kilometer von der deutschen Grenze gelegen habe, lag der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens im August laut Bundesagrarministerium wieder weiter östlich. Brandenburg hatte wegen der grenznahen Fälle in den beiden Landkreisen Oder-Spree und Spree-Neiße sowie in der Stadt Frankfurt (Oder) einen 120 Kilometer langen mobilen Elektroschutzzaun errichtet. Er sollte an der Grenze zu Polen vor wandernden Wildschweinen schützen.

Für Menschen ungefährlich, bei Schweinen fast immer tödlich

Neun von zehn infizierten Schweinen sterben statistisch an der Viruserkrankung. Es gibt weder eine Impfung noch Behandlungsmöglichkeiten. Hat sich ein Tier infiziert, kann es bis zu zwei Wochen dauern bis die Krankheit ausbricht.

In dieser Zeit wäre in einer Schlachterei ohne Labortests kaum feststellbar, ob ein Tier betroffen ist. Allerdings ist das Virus nicht ganz so einfach zu übertragen, wie etwa die ihr verwandte Europäische Schweinepest, bei der eine Tröpfcheninfektion zur Übertragung ausreicht. Die Afrikanische Schweinepest wird hauptsächlich durch Blut übertragen - und zwar nur von Tier zu Tier. Die Viren können aber auch lange Zeit in ungekochter Wurst überleben, weswegen seit Jahren davor gewarnt wird, Essen an Straßen oder in Wäldern achtlos wegzuwerfen.

Sendung: rbb24, 09.09.2020, 21:45 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Zwischen Wunsch bzw. Wissen und Realität klafft leider vielfach eine große Lücke. Dass Landwirte wir Agrarfabriken wissen, wie es sein sollte, bezweifel ich überhaupt nicht. Wären da nicht die finanziellen Zwänge, die einen schnell mal vergessen lassen, wie es sein sollte. Das ist die Realität, von der ich ständig im Emsland, Sauerland und der Eifel höre. Leider.

  2. 21.

    "Schön, dass seit kurzem teilweise in Supermärkten neben dem eigentlichen Preis für das jeweilige Produkt auch die Folgekosten mit angegeben werden"

    Immer schön bei den Fakten bleiben: es ist genau ein Penny Markt, in dem als Pilotprojekt bei 8 (acht) ausgesuchten Produkten auch die Folgekosten genannt werden. Interessant ist es jedoch allemal, vielleicht finden wir es sogar später mal flächendeckend im Lebensmittelhandel. Aber so richtig glauben will ich daran noch nicht.

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Discounter-Penny-weist-wahre-Verkaufspreise-aus-4884506.html

  3. 20.

    Früher wurde zweifelsohne in manchen Fällen Gülle entsorgt in dem überdüngt und auch zum falschen Zeitpunkt ausgebracht wurde. Heute wird Gülle möglichst effektiv als Dünger genutzt. Nicht ohne Grund sind große, teure Lagerbehälter gebaut worden damit die Gülle auch wirklich dann ausgebracht wird wenn die Pflanzen Sie benötigen. Vor 20 und mehr Jahren war es so, dass wenn der Pott voll war halt Gülle gefahren wurde.

    Keine Sorge meine weiteren Ausführungen zu Nitrat halten jeder wissenschaftlichen Überprüfung statt. Nitrat ist für Pflanzen nun mal ein Grundnahrungsmittel. Das Problem ist, dass viele Leute das nicht verstehen können/wollen.

  4. 19.

    "Die Zeiten wo Gülle auf Feldern entsorgt wurde sind lange vorbei."
    und
    "Gülle ist ein biologischer Dünger! Heute ist die Verwendung streng reglementiert."

    Ja, was denn nun, lange vorbei, sprich nicht mehr praktiziert? Oder doch noch, wenn auch streng reglementiert?

    Und ob wohl Ihre weiteren pseudowissenschaftlichen Abhandlungen einer strengen Überprüfung standhalten?

  5. 18.

    Also wie man sich über eine Seuche freuen kann, ist doch krank!!! Gerade die Biobauern bzw. die Freilandhaltung von Schweinen ist mit der ASP vorbei!! Fast alle Tiere werden dahigerafft, in einem hermetisch abgeriegelten Stall sind die chancen des Überlebens größer. Die Wildschweine haben fast gar keine Überlebenschance. Die normale Schweinepest ist schon krass, aber die afrikanische Schweinepest ist noch schlimmer und es gibt kein Gegenmittel (Impftstoff). Einfach mal überlegen und nicht immer gegen die Bauern wettern. Es gibt wie immer und überall, solche und solche.

  6. 17.

    Ich finde nicht, dass die Landwirtschaft pauschal dafür verantwortlich ist. Wobei sich da ja die Landwirt- und Jägerschaft fleißig gegenseitig den schwarzen Peter zuschiebt. Die einen mästen angeblich die Wildschweine mit dem Mais, die anderen schießen angeblich zu wenig. Beide Seiten haben Recht und Unrecht.

    Tatsächliche Preise sind ein zweischneidiges Schwert. Denn die, die die Produkte kaufen (sollen) werden ja auch nicht danach bezahlt, was sie tatsächlich verdienen sollten. Wer Preise bezahlen soll, die die tatsächlichen Ausgaben widerspiegeln, muss auch entsprechend verdienen, um sich das leisten zu können.
    Neutral ist für mich persönlich das gleiche Unwort wie Nachhaltigkeit. Beide (so inflationär, wie sie derzeit benutzt werden) völlig nichtssagend und nur gut, um das persönliche Gewissen zu beruhigen

  7. 16.

    1. "Massentiehaltung , Massentiehaltung..." Definiere doch mal Massentierhaltung! Was verstehst du darunter?
    2. Die Zeiten wo Gülle auf Feldern entsorgt wurde sind lange vorbei. Gülle ist ein biologischer Dünger! Heute ist die Verwendung streng reglementiert. Man darf davon nicht einmal soviel ausbringen wie die Pflanze eigentlich braucht. Sondern man muss noch Kunstdünger zukaufen, um eine ausreichende Versorgung der Pflanzen sicher zu stellen.(Die Industrie freut's)
    Nachhilfe in Chemie und Biologie:
    Nitrat ist für unsere Landpflanzen ein grundlegender Nährstoff. Die Pflanzen können Stickstoff (N) nahezu ausschließlich in Form von Nitrat (NO3) über die Wurzeln aufnehmen. Stickstoff ist aber ein grundlegendes Element für alle Eiweißformen. Auch Chlorophyll enthält im Kern vier Stickstoffatome (schau mal bei Wikipedia). Pflanzen aber stellen letztendlich unsere grundlegende Nahrungsbasis dar!

  8. 15.

    Was Sie dabei vergessen: der Ausbruch der ASP kostet vor allem den Steuerzahler Unmengen an Geld. Die Zäune, vor allem aber deren Errichtung und Wartung sind unfassbar teuer. Dazu kommen die Ausgaben für die Suchmannschaften, die das betroffene Gebiet absuchen, Jäger, Entschädigungszahlungen für Ernteverbote, Anlegen von Jagdschneisen, getötete Hausschweine, Statusuntersuchungen etc. Das verschlingt Millionen. Und nicht nur im ein- bis zweistelligen Bereich.
    Geld, für das wieder der Steuerzahler bluten muss.
    Und wofür? Damit die Landwirtschaft nicht wieder Sturm läuft. Anstatt dass die ihre Risiken selbst versichern oder tragen, geht das wieder zu Lasten des Steuerzahlers. Landwirte sind unschätzbare Wählerstimmen.

  9. 14.

    Sie sprechen mir aus der Seele. Obwohl ich es schon schade finde, dass es immer der ganz großen Keule bedarf, bis die Menschen zum Umdenken gelangen.

  10. 13.

    "Sie sind als denkender Mensch nicht gefährdet."

    Ein sehr gewagte Aussage! Die Anderen, die es möglicherweise gibt, schweben also in Gefahr? :-))

  11. 12.

    Leute kommt mal wieder runter. Satiere, m.E. auch Zynismus, ist im Post von Hiltrud doch deutlich zu erkennen. Wäre doch eine Steilvorlage für einen schönen, schrägen Cartoon - so'ne Wildschweinrotte mit Maske und 1,50 Abstand. Motto: Nie wieder illegale Open-Air-Feten.

  12. 11.

    Nun, wenn sich die Mastviehschweine dadurch drastisch dezimieren, kann man doch nur froh sein... und das ist nicht zynisch gemeint, sondern echte Tönnies, äh - Tragik. Also wenn alles nix hilft, dann hilft sich die Natur selbst.

    Ich mag Schweine, Wildschweine fast noch lieber - also nicht zum Essen, sondern einfach so, schöne, intelligente Tiere beides. Zugewandt, aufgeschlossen. Stehen unserem Hund in nix nach (sie liest nicht mit...), sind aber ein bisschen chaotischer, was das Graben im Garten angeht ;-) Ich hoffe, noch lange gesunde Schweine hier zu sehen, und weniger Mastvieh-Anlagen und glücklichere Hausschweine.

    Nicht nur Corona zwingt uns, über die Notwendigkeit der Übertreibung nachzudenken, auch die SChweinepest.

    Beide Seuchen könnten der Umwelt zu Gute kommen....

  13. 10.

    Ah, da ist es wieder: die bösen Landwirte sind an allem schuld, das ist ja so einfach. Schön, dass seit kurzem teilweise in Supermärkten neben dem eigentlichen Preis für das jeweilige Produkt auch die Folgekosten mit angegeben werden, da kann man sicher sein auch nur das neutralste zu kaufen so wie den "grünen" Strom oder den Biosprit oder das nachhaltig produzierte E-Auto.

  14. 9.

    Zu 1)
    Klingt erstmal plausibel. Massentierzucht hat negativen Einfluß auf Tierwohl und Umwelt.
    Aber die Seuche wird in einem hochtechnisierten Betrieb vermutlich besser vermieden werden können, als in Biobetrieben mit Freilandhaltung.
    Und über eine Seuche sollte man sich nie freuen.

  15. 8.

    Ich schlage vor, Sie lesen den Text noch einmal.
    Vielleicht verstehen Sie ihn dann.
    Oder war das nur ein Corona-Leugner-Witz?

  16. 7.

    Auf diese Nachricht habe ich lange gewartet. Denn das hat nun zwei positive Konsequenzen. 1. Wird der Export von billigem Schweinefleisch aus Deutschland nun erschwert, was langfristig die Massentierhaltung von Schweinen unwirtschaftlicher macht und diese zurückdrängt. Dadurch entsteht weniger Gülle, die auf unseren Feldern entsorgt wird, was die Nitratbelastung im Trinkwasser endlich senkt. Und 2. wird der übermäßige Bestand an Wildschweinen leicht dezimiert. Das, was Jäger seit Jahren versprechen und nicht schaffen. In Berlin und Brandenburg sind Wildschweine inzwischen zu einer Plage geworden. Für mich ist das daher eine gute Nachricht.

  17. 6.

    Solche bl..... Kommentare sollte man sich sparen. Sorry

  18. 4.

    Genau. Nur muß es bei den Durchsagen an den S-Bahnhöfen und in den Zügen mit hinzugefügt werden. -Ist nur ironisch gemeint-

  19. 3.

    Da haben Sie etwas nicht richtig gelesen, die Krankheit betrifft nur Wildschweine und ich gehe nicht davon aus, dass Sie das erste lesende und schreibende Wildschwein sind. Sie sind als denkender Mensch nicht gefährdet.

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