Toilette am Leopoldplatz (Quelle: rbb/Klüber)
rbb/Klüber
Video: rbb|24 | 17.09.2020 | Vanessa Klüber | Bild: rbb/Klüber

Ärger um Toilettenhaus auf dem Leopoldplatz - Pinkelst du im Stehen, so kann ich dich sehen

Eine neue Toilette wird auf dem Leopoldplatz gebaut - und empört. Denn Nutzer, Passanten und Gäste eines benachbarten Cafés können Männern nun beim Urinieren zusehen. Von Efthymis Angeloudis und Vanessa Klüber

Für ein Café ist Aussicht die halbe Miete - wer will denn nicht bei einem heißen Getränk Menschen beim Flanieren beobachten oder seinen Blick über einen schönen Platz oder die Spree schweifen lassen? Männern beim Urinieren zuzusehen, müsste dabei für die meisten ziemlich weit unten auf der Liste der Aussichtswünsche liegen. Dabei ist es genau das, was Gäste des Café "Leo" auf dem Leopoldplatz in Wedding täglich beim Genuss ihres Çay oder Kaffees zu sehen bekommen.

Direkt vor dem beliebten Lokal wurde Anfang September ein neues Toilettenhäuschen aufgestellt. Dieses Toilettenhäuschen verfügt rückseitig über ein Pissoir mit geringem Sichtschutz, das in direkter Nähe und Sichtweite zum Café liegt. "Niemand setzt sich in ein Cafe, das in direkter Nähe zu einem Pissoir ist und auf das Pissoir schaut", sagte Bezirksverordneter Taylan Kurt (Grüne) am Donnerstag rbb|24. Auch Personen, die dieses Pissoir nutzen wollten, würden sich durch die Gäste des Cafés beobachtet fühlen. Da "Leo" kaum über Sitzmöglichkeiten innen verfüge, werde der Sinn und Zweck des Lokals konterkariert.

Café versucht Menschen "zurückzuholen"

Dabei ist das "Leo" ein vom Bezirksamt genehmigtes Café, das versucht, Menschen aus dem Kiez, die den Leopoldplatz bisher aufgrund der Drogenproblematik vor Ort gemieden haben, zurück auf den Platz zu bringen. Auch die Preise im "Leo" seien für die Menschen im Wedding mit geringem Einkommen bezahlbar, erklärt Kurt.

Das Toilettenhaus ist Teil des neuen Toilettenkonzepts des Landes, nach dem 172 vollautomatische barrierefreie öffentliche WCs aufgebaut werden sollen. Das Unternehmen Wall wurde ausgewählt und errichtet berlinweit die Anlagen. Laut einem Bericht des "Tagesspiegel" können Passanten allerdings auch an anderen Standorten Männer beim Urinieren beobachten.

Die Toiletten-Misere im Video

Blick auf ein neues Toilettenhäuschen mit Pissoir am Leopoldplatz in Berlin-Wedding. (Bild: rbb/V.Klüber)
rbb/V.Klüber
2 min

Video | Pissoirs von außen einsehbar - Ärger um City-Toilette auf dem Leopoldplatz

Bezirksbürgermeister: Männer pinkeln überall hin

"Der Platz braucht eine Toilette, das ist richtig", sagt der Betreiber des Leo, Hüseyin Ünlü dem rbb. "Aber dann sollte es nicht so aufgestellt werden, mit dem Pissoir in Richtung des Cafe", verzweifelt der Betrieber des Café. "Ich bitte die Behörden, auch mich mal zu fragen, wie sie so etwas aufstellen sollen", sagt Ünlü, der auch Stadtteilvertreter des Kiezes ist und am Runden Tisch Leopoldplatz teilnimmt. Eine Lösung hätte er bereits parat. Eine einfache Sichtschutzmauer vor den Eingängen könne das Problem lösen, schlägt Ünlü vor. So wie es jetzt sei, würde er es auch nicht benutzen wollen. "Ich würde mich beobachtet fühlen", erklärt der Cafe-Betreiber.

Stephan von Dassel (Grüne), Bezirksbürgermeister von Mitte ist da anderer Meinung. "Natürlich würde ich die Toilette benutzen", sagt er dem rbb Donnerstagmorgen auf dem Leopoldplatz. Wenn jemand auf das Klo müsse, sei es besser, dass er das hier tue als an einen Baum oder an den Zaun der Kita, fügt von Dassel hinzu.

Von Dassel hält es zwar für möglich, eine kleine Schwingtür einzubauen, um die Sichtachse geringer zu halten und die störende Sicht zu verbergen. "Man muss aber auch sagen, hier gibt es oft gar keine Sichtachse, weil Männer einfach überall und irgendwo hinpinkeln - vor allem diejenigen, die schon etwas getrunken haben." Allein deswegen sei die Toilette am Leopoldplatz, auch mit der etwas zu großen Einsichtbarkeit, ein großer Fortschritt im Vergleich zu dem was sich sonst hier abspiele. "Es ist wichtig, eine niederschwellige Toilette zu haben, in die man nicht 50 Cent einwerfen muss, sonst würde das nicht viel nutzen", so von Dassel.

Toilette am Leopoldplatz (Quelle: rbb/Klüber)

Kein Gespräch mit Anwohnern

"Dieses Malheur hätte sicherlich verhindert werden können", kritisiert Taylan Kurt den Vorgang. Der Bau des neuen Toilettenhäuschens sei aber unzureichend mit Akteuren vor Ort, wie der Stadtteilvertretung Turmstraße, dem Betreiber des Café "Leo" sowie dem Runden Tisch Leopoldplatz besprochen worden.

Zu Gesprächen mit den Anwohnern kam es vor der Errichtung jedoch nicht. "Der Plan ging sehr schnell", erklärte von Dassel. "Wir waren auch überrascht." Die Gremien, wie zum Beispiel der "Runde Tisch Leopoldplatz" konnten Corona-bedingt lange nicht zusammenkommen. Das werde nun bei der nächsten Sitzung im Oktober nachgeholt. "Manchmal gehen die Dinge doch schneller, als man es erwartet und da kann man schwer Beteiligung erzeugen."

Doch warum wurde die Ausrichtung des Pissoir direkt vor das Café gestellt, fragt sich Betreiber Hüseyin Ünlü. Die Toilette ließ sich wegen Statik über dem U-Bahndeckel nicht anders anordnen, erklärte von Dassel. Baulich war keine andere Ausrichtung möglich, da die Traglast für die Tunnelanlage mit der BVG abgestimmt werden mussten. "Unserer Meinung nach wäre es sinnvoller, die Sitzrichtung des Cafés Richtung Nazarethkirche zu drehen", sagt von Dassel. Dabei sei es auch geplant, das Café "Leo" neu auszuschreiben.

Jede Toilette ist besser als keine Toilette

Auch Kurt und Ünlü sind davon überzeugt, dass die neuen Toilettenhäuschen wichtig sind. "Problematisch wird es nur in Fällen wie am Leopoldplatz, wenn die öffentliche Hand am Reißbrett neue Toilettenhäuschen plant, ohne die lokalen Bedingungen vor Ort zu kennen", empört sich Kurt.

Doch für den Leopoldplatz wäre die Belastung ohne eine Toilette zu hoch. Eine weitere, größere Toilette auf dem Platz sei, so von Dassel, zum Drogenumschlagplatz verkommen. Der Bezirk konnte das, "trotz großer Bemühungen" nicht verhindern und würde das alte Toilettenhaus jetzt abreißen. Nur dann müsste man bis zum nächsten Sommer gänzlich auf eine Toilette verzichten. "Jeder auf dem Leopoldplatz weiß, dass das wilde Urinieren ein großes Problem ist und den Platz nach unten zieht", erklärt von Dassel. Deswegen sei klar: "Jede Toilette ist besser als keine Toilette."

24 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 24.

    Am Comeniusplatz steht ein solches Toilettenhäuschen. Die Pinkelgelegenheit ist dem Park zugewandt. Allerdings von der Parkseite hervorragend einsehbar. Dazu kommt eine extrem helle LED Beleuchtung. Es sieht aus als ob die Herren der Schöpfung auf einer Bühne im Rampenlicht stehen. Eine absolute Fehlplanung.

  2. 23.

    Ganz sicher hat sich da ein gutbezahlter Architekt mal wieder ein Denkmal setzen wollen, unter dem die Bevölkerung zu leiden hat. Wie irre kreativ! Passt nach Berlin. Und die Kosten für den Steuerzahler sind ja auch wurscht.Weiter so, nur nix sagen!

  3. 22.

    Ist das das berliner Niveau geworden, entweder man pisst im offenen PiPi-Häuschen und wird dabei beobachtet oder man geht auf ne Demo und zerlatscht und vermüllt die Umgegend.
    Berlin, wie haste Dir vaendert :-(

  4. 21.

    Dazu hätten die Entscheidungsträger aber nachdenken müssen - und das ist bei den verantwortlich regierenden Herrschaften nicht sehr populär.

  5. 20.

    Blöde ist nur Ihr Kommentar. In Berlin benötigt man für alles eine Genehmigung. Auch für Sichtschutzwände.

  6. 19.

    hätte denn eine Drehung um 180° oder +/- 90° ein besseres Ergebnis zur Folge?
    dann wäre es wirklich albern, nicht auf die Begebenheiten vor Ort einzugehen.

  7. 18.

    Er hat im Beitrag genau erklärt, warum das Toilettenhaus dort hingekommen ist. Wenn man es erst in 2 Jahren gebaut hätte, wegen fehlender Leitungen, hätten sie sich auch beschwert. Wahrscheinlich stören ihnen auch viele Dinge, die der Nachbar macht.

  8. 17.

    Am Metzer Platz in Spandau wurden genau diese Toilettenhäuser schon vor Monaten in Betrieb genommen. Interessiert wieder keinen oder es beschwert sich einfach niemand. Ich finde die einsehbaren Toiletten jedenfalls auch unmöglich. Vielleicht findet man diese Modelle bald in ganz Berlin...

  9. 16.

    Au das ist doch idyllisch... Während du so deine Fanta trinkst plätschert es ein paar Meter weiter romantisch wie an einem kleinen Bach.. Und der Argumentation dass" Jeder auf dem Leopoldplatz weiß, dass das wilde Urinieren ein großes Problem ist und den Platz nach unten zieht", erklärt von Dassel. Deswegen sei klar: "Jede Toilette ist besser als keine Toilette." kann ich nur zustimmen...ich habe noch 2 alte Bretter daraus kann man ein prima Donnerbalken basteln und gespült wird mit den Getränkeresten aus dem Café..is ja schließlich alles besser als keine Toilette..

  10. 15.

    Die einfältige und abweisende Antwort des grünen Herr Dassel ist, wie alles was er so von sich gibt, nicht hilfreich und völlig unbrauchbar.

  11. 14.

    Beim alten Cafe Achteck kann man nicht hinensehen.

  12. 13.

    Genau so ein Pinkelhäuschen steht auch in der Altstadt Spandau. Jeder der vorbeikommt, kan den Männern beim Pinkeln zusehen.Als ob man das möchte, da kann man ja gleich das Häuschen weglassen und nur eine Pinkelwand aufstellen!

  13. 12.

    Vorher standen die Männer an Bäumen ... auch sichtbar. Und ehrlich, was genau sieht man denn? Einen stehenden Mann. Der Geruch dürfte schlimmer sein. Sommerlochthema

  14. 11.

    Sparwahnsinn Berlin. Warum hätte man sonst, laut Aussage des Bürgermeisters, 2 Jahre warten müssen ? Hat Hygiene im Bezirk Mitte keinen Stellenwert, wenn der Bezirk selber zahlen muss?

  15. 10.

    Nachtigall ick hör dir trapsen "Dabei sei es auch geplant, das Café "Leo" neu auszuschreiben." Das schönste Pissoir befindet sich immer noch in der Piss-Alley direkt an die Hauswand des NKZ geschraubt auf einem Gehweg zur INA Kita ohne jeglichen Sichtschutz. Kreuzberg kann das zumindest am Kotti immer noch am Besten ;) Kommet und staunet :)
    Wird sogar genutzt, aber die meisten Frauen und Kinder meiden diesen Gehweg seitdem :(

  16. 9.

    Sorry - ich schmeiß mich weg - das ist ja unglaublich (witzig für mich, gruselig für den armen Herrn Ünlü). OMG, er tut mir echt leid - es sieht fast so aus, als wolle man ihn weg-ekeln! "Dabei sei es auch geplant, das Café "Leo" neu auszuschreiben." Herr Ünlü soll verschwinden, nicht das Klohäuschen? Hm.... Und er hat natürlich vollkommen Recht - ein auch nur halbwegs normal sozialisierter Mann pinkelt nicht vor den Augen der Cafe-Besucher, offen, mittig auf einem belebten Platz!

    Leider pinkeln Männer immer öfter sogar hinter Straßenschilder oder Laternen und meinen, die Wertgegenstände werden durch den Pfahl vollends abgedeckt... Irrtum, Jungs, SO klein isser dann doch nicht! Und NIEMAND, wirklich keiner, will DAS mit ansehen müssen...

    Wo ist übrigens das Damen-WC?

  17. 8.

    Man wird doch wohl eine Sichtschutzwand davor stellen können, stellt euch nicht so blöde an.

  18. 7.

    Und wieder einmal ein Stück aus dem Berliner Tollhaus - schlimmer geht immer. Die Einlassungen des Bezirksbürgermeisters sind poetische Kostbarkeiten, Auf solche Ausreden muss man erst mal kommen.

  19. 6.

    Kann das Café nicht einfach ein Pflanze dazwischen Stellen. Wäre am einfachsten.

  20. 5.

    Sind die Sichtschutzwände denn so überteuert geworden dass der letzte Meter dann doch fehlt? Hoffentlich wird das ein toller Schildbürgerstreich und man lenkt von der Erlangung der Weltherrschaft der Radfahrer ab.

    Im Ernst gebt mir eine IBAN Nummer als Spendenkonto und ich zahl den letzten Meter, Hauptsache so ein Müll landet nicht auf der Startseite vom RBB.

Das könnte Sie auch interessieren