Polizeibeamte sind am 22.09.2020 im Rahmen einer Durchsuchung auf einem Grundstück in Kleinmachnow unterwegs. (Bild: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 22.09.2020 | Rainer Unruh | Bild: dpa/Paul Zinken

Verdacht auf Steuerstraftaten - 300 Ermittler durchsuchen Objekte des Abou-Chaker-Clans

Geschäftsräume und Immobilien des Berliner Abou-Chaker-Clans sind am Dienstagmorgen durchsucht worden. Es bestehe der Verdacht auf "erhebliche Steuerstraftaten in der Rapszene", hieß es von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft.

Die Berliner und Brandenburger Polizei sind wegen des Verdachts der großangelegten Steuerhinterziehung und Geldwäsche mit einer Razzia gegen den Clanchef Arafat Abou-Chaker und weitere Verdächtige vorgegangen. Es geht um Managerhonorare in der Rapszene, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Unter Verdacht stehen vier Personen, die "teilweise dem Bereich" der organisierten Kriminalität zuzurechnen sind. Es gab keine Festnahmen.

Mehrere Millionen Euro sichergestellt

Polizei und Steuerfahnder durchsuchten seit dem frühen Dienstagmorgen 18 Wohnungen, Häuser und Büroräume in Berlin, Brandenburg und der Schweiz. Darunter war auch die Villa von Abou-Chaker in Kleinmachnow. Laut Staatsanwaltschaft wurde Vermögen in Höhe von mehreren Millionen Euro vorläufig sichergestellt. Um welche Art Vermögen es sich dabei handelt, Bargeld, Immobilien, Fahrzeuge, wollte die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage nicht sagen.

Der 44-Jährige, der als Chef eines arabischstämmigen Clans gilt, und drei seiner Brüder sind derzeit vor dem Berliner Landgericht angeklagt, weil sie den Rapper Bushido bedroht, beschimpft, eingesperrt und angegriffen haben sollen. Bushido hatte in den vergangenen Wochen als Zeuge berichtet, dass Abou-Chaker als Manager und Geschäftspartner im Lauf der Jahre insgesamt neun Millionen Euro von ihm erhalten habe. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für Abou-Chaker die Unschuldsvermutung - dies gilt auch für die jetzt laufenden Ermittlungen.

In einem Tweet der Staatsanwaltschaft vom Dienstag hieß es, es gehe um den Verdacht auf "Steuerstraftaten in erheblichem Umfang im Zusammenhang mit Managementleistungen innerhalb der "Rapszene"". Ermittelt wird auch wegen des Vorwurfs des Betrugs. Kriminalpolizei und Steuerfahndung beschlagnahmten schriftliche Unterlagen und Datenträger. Ziel sei es, Beweise zu finden und Vermögenswerte einzuziehen, erklärte die Polizei.

GdP begrüßt Durchsuchungsaktion

Mehr als 300 Polizisten waren im Einsatz, darunter auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) sowie drei Abteilungen des Landeskriminalamtes (LKA). Zwischenfälle gab es bei der Aktion nach Angaben der Polizei nicht: "Das verlief bislang alles unproblematisch."

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte die Razzia. "Die heutigen Maßnahmen sind wichtig, denn der Rechtsstaat muss immer weiter dran bleiben, um den Sumpf trocken zu legen." Clans hätten in den letzten Jahren viel illegales Geld in den legalen Kreislauf gespeist und "mit Drogengeschäften, Schutzgelderpressung und anderen kriminellen Einnahmequellen Immobilien und andere Luxusgüter finanziert". Jährlich würden im Geldwäscheparadies Deutschland mehr als 100 Milliarden Euro reingewaschen.

Sendung: Abendschau, 22.09.2020, 19:30 Uhr

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30 Kommentare

  1. 30.

    Kurz und perfekt zusammengefasst. Die etwas steile These der unzureichenden Integrationsangebote ist eine Beleidigung aller Flüchtlinge, die trotz aller Hürden gut hier angekommen sind.

  2. 29.

    Ohne Frage haben da schon mehrere Regierungen mit verschiedener Zusammensetzung versagt. Ich verweise daher bewusst nicht auf RRG, denn das wäre falsch. Ich finde es im Gegenteil sogar sehr gut, dass der aktuelle Innenminister hier mal beginnt, klare Kante zu zeigen. Das ist ein guter Anfang, aber noch ein sehr steiniger Weg. Kein Verständnis habe ich an verschiedentlicher Kritik an diesem Vorgehen, das spielt nur den Clans in die Hände. Ehrliche und fleißige Zuwanderer leiden ja selbst unter diesen Kriminellen und werden wegen diesen grundlis zum Teil sogar vorverurteilt oder ihnen zumindest weniger Vertrauen entgegen gebracht. Ich kenne zum Beispiel selbst einen jungen Pakistaner, dem es leider so ergeht, obwohl er bestens integriert ist, fleißig arbeitet und sehr intelligent und zuvorkommend ist. Auch deshalb muss gegen Kriminelle konsequent vorgegangen werden.

  3. 27.

    Lieber RudiRastlos, schade, dass Sie unter einem Pseudonym schreiben. Haben sie etwas zu verbergen? Unsere damalige Regierung hat damals sicher Fehler in Bezug auf "Intergration" gemacht. Das ist aber kein Grund, kriminell zu werden.

  4. 26.

    Dann lesen Sie einfach nach in der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 bzw Ergänzung vom 31.01.1967, der 147 Staaten beigetreten sind. Damals waren diese Asylanten Flüchtlingfamilien aus dem Bürgerkrieg im Libanon von 1975, der erst 1990 endete.
    Und gleichzeitig können Sie sich auch informieren, welche staatlichen Integrationsangebote damals den Flüchtlingen zuteil wurden. Vielleicht haben diese auch mit einen Anteil an der heutigen Situation.

  5. 25.

    Über die Umtriebe der Clans hatte neben Anderen der inzwischen verstorbene Autor Udo Ulfkotte schon vor mehr als 10 Jahren ausführlich berichtet, auch über den Miri - Clan in Bremen. Ulfkotte wurde als Rassist beschimpft und in die rechte Ecke gestellt. Nicht alle Menschen, die zu uns kommen, sind unsere Freunde.

  6. 24.

    Und Herr Henkel seinerzeit hat vor Allem mit Worten bekämpft.
    Im Übrigen - als die damaligen Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Libanon ab 1976 überwiegend über den DDR-Zentralflughafen Berlin-Schönefeld ein- und mit Bussen zum Grenzübergang nach Westberlin weiterreisten war von 1981 bis 1986 der als besonders hart verschrieene "Law and Oder-Man" CDU-Innensenator Heinrich Lummer Innensenator. Der hat aber auch keine Auffälligkeiten bemerkt - jedenfalls ist mir darüber nichts bekannt. Er bekämpfte lieber Hausbesetzer.

  7. 23.

    Ist doch schön wenn wenigstens Sie einen Sinn in solchen Aktionen sehen..es ist nicht die erste Razzia dort gewesen und wenn es so effektiv ist warum rennen die Herren dann immer noch frei herum.. Pustekuchen die wissen genau wie man es macht aber wie gesagt.. Schön dass sie da einen Sinn drin finden können..

  8. 22.

    Endlich wird diesen Verbrechern das Handwerk gelegt. Absolute Schande für unser Land dieser Abou und seine Söhne des Bösen

  9. 21.

    Kann ich alles unterschreiben. Doch wer ist politisch verantwortlich für dieses Desaster, wer hat sie nach Deutschland hereingelassen?

  10. 20.

    Warten wir mal ab.
    Noch gab es keine Konsequenzen.
    Ein großer Polizeieinsatz ist noch lange kein Erfolg im Kampf gegen Kriminalität.
    SPD und Grüne verschweigen eher Kriminalität anstatt sie zu bekämpfen - vor allem wenn diese nicht in deren Weltbild passt.
    Man kann nur hoffen, der Senat wird 2021 abgewählt.

  11. 19.

    Die nimmt doch kein Land dieser Welt (wieder) ab, man weiß ja nicht mal sicher, welche Nationalität die in Wirklichkeit haben, weil die Clanchefs damals als staatenlos ohne Pass eingereist sind. Hinzu kommt, dass ein Großteil inzwischen eingebürgert wurde. Aus Angst, Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen zu bekommen, hat man sie einfach in Ruhe gelassen, hat die wachsende Kleinkriminalität ignoriert, war ja nicht so schlimm. Derweil sind die Arten der Straftaten immer mehr gewachsen, bis das Problem nicht mehr zu übersehen war. Inzwischen sind diese Clans so dreist, dass selbst schwer bewachte Museen kein Tabu mehr sind. Der Ruf ist denen egal, Hauptsache der Profit stimmt. Und ein paar Jahre Gefängnis gehört offenbar als Minimum in den Lebenslauf. Man hat die Probleme viel zu lange klein geredet, das ist das Problem. Jetzt ist das System so verwoben, dass es kaum noch zu zerschlagen ist.

  12. 18.

    - ach ja, die hatten wahrscheinlich eine schwere Kindheit, sind traumatisiert worden auf dem Weg nach Deutschland, hier müssen sie unter Rassismus und Diskriminierung leiden... Wo war der Senat all die Jahre? Wo waren die Herren Müller und Henkel? Wo waren SPD, Grüne, Linke bis jetzt?...ach so, es galt ja die heile Multi-Kulti-Welt, die Inlandsbürger ist nur (noch) das Beiwerk, das bei Kritik natürlich "rechts" ist...

  13. 17.

    Die Hartz 4 Variante gilt keineswegs nur für das Fußvolk der Clans. Die Vorkommnisse mit "rumänischen" Luxusautofahrern und gleichzeitigen Hartz 4 Handaufhaltenden in Neukölln haben dies jüngst bestätigt. Ich vermute mal, die Jobcenter-Mitarbeiter sind froh, wenn die Clan-Mitglieder wieder aus dem Dienstzimmer sind und sie nicht den Kllngelknopf unter der Tischplatte bedienen müssen. Da Sie Schwden ansprechen, sogar die Sozialdemokraten dort erkennen, dass die Integration teils gescheitert ist und es ein schwer Fehler war, soviele Ausländer ins Land zu holen.

  14. 16.

    Ich kann immer noch nicht verstehen, daß es unsere Regierung nicht fertig bringt, diese wieder abzuschieben, da wo sie herkommen, sondern ihnen die Gelegenheit auch noch geboten hatte, daß solche arabisch-stämmige Clans hier in Deutschland sich immer breiter machen und zwar in unverschämter Weise und nicht mehr abgeschoben werden können.

  15. 14.

    Richtig erfolgreich ist erst der "konzertierte " Zangengriff von Sozialamt, Ordnungsamt, Ausländeramt und der Steuerverwaltung, damit Ehrlichkeit wieder Spaß macht.
    PS. Siehe auch heutige Meldung über erschreckende Clankriminalität in Schweden/ Abba/Ulvaeus!

  16. 13.

    Genau "das" wird von den Herrschaften gemacht. Deswegen die Razzien, und die Sicherstellung horrender Summen und Beweismittel. Oder meinen sie, das Schwarzgeld liegt auf dem Sparkonto? Und wenn ich richtig gelesen habe, wurde auch in der Schweiz durchsucht und wahrscheinlich auch sichergestellt. Über die Steuer bekommt man jeden. Da scheint jemand, wahrscheinlich im Rahmen einer Selbstanzeige geplaudert zu haben

  17. 11.

    Ist schon lange überfällig.

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