Jan Böhmermann, TV-Entertainer (Quelle: dpa/Sven Hoppe)
Bild: dpa/Sven Hoppe

Drohschreiben "NSU 2.0" - Daten von Jan Böhmermann aus Berliner Polizeicomputer abgerufen

Schon mehrfach haben Politiker und Prominente rechtsextremistische Drohschreiben erhalten, nachdem zuvor von Polizeicomputern ihre persönlichen Daten entwendet worden waren. Jetzt trifft es offenbar auch Jan Böhmermann. Die Spur führt nach Berlin.

Aus einem Berliner Polizeicomputer sind illegal Daten des Satirikers Jan Böhmermann abgerufen worden. Das berichtet die Frankfurter Rundschau in ihrem Online-Portal am Donnerstagabend.

Demnach wurden die persönlichen Daten in einem Drohschreiben benutzt, das mit NSU 2.0 unterschrieben wurde. Die Abfrage in Berlin sei nur wenige Tage, bevor das Schreiben versendet wurde, erfolgt. Darin habe die private Adresse des ZDF-Moderators gestanden.

Mail wurde am 1. August versandt

Laut Frankfurter Rundschau bestätigte die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) im Hessischen Landtag, dass Daten Böhmermanns abgefragt wurden. Sie machte aber keine weiteren Angaben. Der Vorgang sei Teil der Ermittlungen im Zusammenhang mit rechtsextremen Drohschreiben.

Der Frankfurter Rundschau liegt jedoch ein Drohschreiben von "NSU 2.0" vor, in dem Böhmermanns Adresse verwendet worden sei. Es sei am 1. August per Mail versandt worden, also wenige Tage nach der Abfrage. Das Schreiben sei aber nicht an Böhmermann, sondern an andere Adressaten gegangen, schreibt die Onlineausgabe der Zeitung.

Weitere Spuren führen nach Berlin

Bereits Anfang September war bekannt geworden, dass Sonderermittler aus Hessen in Neukölln und Spandau zwei Berliner Polizeibeamte vernommen hatten. Diese sollen aus der Polizeidatenbank private Daten der Kabarettistin Idil Baydar und der "taz"-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah abgefragt haben. Beide Frauen erhielten kurz darauf Drohschreiben, in denen sie beleidigt und mit dem Tode bedroht wurden. Auch diese Schreiben waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet.

Die Beamten sollen ohne dienstlichen Grund die persönlichen Daten der Kabarettistin und der Kolumnistin abgefragt haben, heißt es in den Berichten. Eine Abfrage von Baydar gelte als besonders auffällig; sie sei am 5. März 2019 erfolgt, zeitgleich mit einer derartigen Abfrage auch in Hessen, in einem Polizeirevier in Wiesbaden.

Schon zahlreiche NSU-Drohmails verschickt

Die abgefragten Daten hätten allerdings nicht allzu viele private Informationen über die Künstlerin Baydar erhalten, heißt es von Seiten der Ermittler. Es sei nur eine sehr oberflächliche Abfrage erfolgt. Etwa seien keine Namen von Familienangehörigen abgefragt worden - die aber standen in einer anonymen Droh-SMS, die Baydar nur wenigen Tage später erhalten hatte.

Seit mindestens zwei Jahren kommt es immer wieder zu rechtsextremen Todesdrohungen per E-Mail, vorrangig gegen Politikerinnen und Journalistinnen, sowie Bombendrohungen an Rathäuser und Gerichte im gesamten Bundesgebiet. Die Verfasser unterschreiben die E-Mails unter anderem mit "NSU 2.0", "NationalSozialistischeOffensive" und "Staatsstreichorchester".

Sendung: Abendschau, 17.09.2020, 19:30 Uhr

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    Also "schwafeln" tut nur einer und das sind sie. Sie beleidigen nicht nur mich sondern mit ihren haltlos Unterstellungen auch tausende Polizisten.

  2. 26.

    Ich glaube schwafeln tun sie.
    Auf ale Fälle haben sie keinerlei Benehmen und vermutlich auch keinerlei Respekt gegenüber der Polizei, da sie es sonst vermutlich nicht wagen würden im Stil eines "Connewitzer Linksautonomen" solche Generalverdächtigungen gegenüber der Polizei unseres Staates auszusprechen.
    Ende und Aus.

  3. 25.

    Wie wäre es mal mit dem Versuch zu lesen und zu verstehen?

    "Schon mehrfach haben Politiker und Prominente rechtsextremistische Drohschreiben erhalten, nachdem zuvor von Polizeicomputern ihre persönlichen Daten entwendet worden waren."

    Angekommen oder brauchen sie noch ein bißchen?

  4. 24.

    Monika, die Information war bis vorhin anders. Also schwafeln Sie nicht von Verschwörungstheorien. Ein Fakt bleibt, wenn auch VIELLEICHT nicht bei Böhmermann zutreffend, aus Polizeicomputern wurden vermehrt Daten abgeschõpft, persönliche Daten von Personen, die sich gegen Rechts positionieren, worauf NSU 2.0-Drohmails folgten. Als Drohung, Einschüchterung. Verschorungstheoretisch ist der Thread, es könnte sich um PR von Böhmermann handeln, denn, gedroht wurde auch ihm. Vor 1,5 Monaten. Er selbst hats nicht öffentlich gemacht.

  5. 23.

    Der rbb24 hat heute einen Beitrag veröffentlicht ("Polizei: Datenabfrage zu Böhmermann dienstlich begründet").
    Könnten sich alle, die hier jetzt schon wilde Verschwörungstheorien entwickelt haben mal bitte wieder runter schrauben?

  6. 22.

    Ich gebe Ihnen Recht. Wir haben jetzt schon mehrere Beiträge, wo deshalb die Kommentarfunktin deshalb geschlossen werden mußte.
    Unsere Gesellschaft ist gespalten und es wird immer schlimmer.

  7. 21.

    Man ist von einzelnen Kommentatoren ja Etliches gewöhnt, aber echt jetzt - Jan Böhmermanns Daten werden polizeiintern unbefugt abgerufen, er wird in der Folge mit einem Drohschreiben des NSU 2.0 bedroht und kommentiert wird tatsächlich, dass hier offensichtlich eine PR Aktivität seitens Böhmermann vermutet wird?

    Das Opfer einer Straftat, die wohl nicht ins eigene Weltbild passt, sind also eher "selber schuld", als das man über die Täter (ggf neu) reflektiert und diese verurteilt. Wow, eine reife Leistung!

  8. 20.

    "Man ist beim Einwohnermeldeamt angemeldet, da ist man auch im Computersystem."
    Wo kann man sich beim Einwohnermeldeamt anmelden? Ich würde dafür sogar meine Anmeldung bei Amazon kündigen, falls man nur eine bestimmte Zahl von aktiven Anmeldungen haben darf.

  9. 19.

    Das ist Unfug was sie hier verbreiten.
    Wissen Sie überhaupt was eine Polizeidatenbank ist????? Das sind z.B. Daten für spezielle Einsatzleitsysteme und keine Daten der Einwohnermeldeämter bzw. der Kfz-Zulassungsstellen in den kommunalen Ämtern. Das sind alles Datensysteme, deren Daten nicht bei der Polizei liegen und auf die lediglich speziell berechtigte Accouts bei der Polizei Zugriff haben. Es sind keine Jedermannsrechte der Polizeibediensteten!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Ich hatte zitiert "Diese sollen aus der Polizeidatenbank private Daten der Kabarettistin Idil Baydar und der "taz"-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah abgefragt haben."

  10. 18.

    ...weil die Behörden untereinander alle zusammen arbeiten und das Einwohner-Melderegister für die Polizei zugänglich ist. Und sobald Sie irgendwann einmal Post von der Polizei in irgendeinem Zusammenhang bekommen haben ist eine Registrierung schon da..

  11. 17.

    Das ist eine haltlose Unterstellung und Mutmaßung. Das hat mit dem Thema zudem auch absolut nichts zu tun. Was versuchen Sie hier eigentlich?

  12. 16.

    Ich hätte auch nichts anderes von Jarn Böhnermann erwartet, als dass er sich PR-Methoden von Uschi Glas abkupfert. So wie damals mit Erdogan. War auchn Super PR-Gag für den Podcast.

  13. 15.

    Schämen Sie sich denn gar nicht? Wie können Sie es wagen, die Bedrohung des Lebens eines Mitmenschen derart abzutun? Das hat Herr Böhmermann doch nicht selber initiiert, haben Sie den Kontext denn gar nicht begriffen? Der Betroffene hat übrigens keinerlei Manöver nötig, seine Arbeit spricht für sich. Vermutlich macht er Ihnen einfach nur Angst, weil Sie mit seiner Intelligenz nicht mithalten können!

  14. 14.

    Gustav, Ihr Thread strotzt von Perfididät. Ob Böhmermann oder Lieschen Müller oder gar ein Gustav G... Keiner hat das Recht Andersdenkende zu bedrohen. Ist bei den Rechten Masche, die keine Andersdenkenden dulden. Und wenn sich jemand, auch mit Bekanntheitsgrad, gegen Rechts einsetzt, dann wird gedroht, eingeschüchtert. Was wäre, wenn sich Böhmermann für rechts geäußert hätte? Bestes Beispiel ist ja Fabian Schröder, der ja seine Satire im leeren NDR - Studio brachte (Überschrift:"ob der nochmal beim NDR auftreten darf?") , wurde auch von rechts gefeiert, die Feiernden haben die Satire während und vor allem am Ende (ging ja 15 Minuten, für viele recht lang, um sich zu konzentrieren)überhaupt nicht mitgebekommen. Wurde ja dann sogar von den "Querdenker" in Stuttgart auf die Bühne geholt, wo er diese sehr intelligent vorgeführt wurden, er sich als Andersdenkender, als die Einladendenden, eben nun klar outete.
    Nee, dumsdei...unkluge Menschen, sollen nie Meinungshoheit bekommen. Schande

  15. 13.

    Man hat ein Auto angemeldet? Das sind z. Bsp. Daten, auf die die Polizei Zugriff hat, z. Bsp bei Verkehrsverstößen relevant. Man ist beim Einwohnermeldeamt angemeldet, da ist man auch im Computersystem. Aber, ist das für Sie nicht logisch nachvollziehbar?

  16. 12.

    Solche Geschichten erinnern mich immer an Uschi Glass, die auch immer an die Öffentlichkeit drängt, wenn es ein neues Buch, eine neue CD zu pomoten gilt.
    Der obere abgebildete Mann scheint seine neue Talkshow zu bewerben. Mit allen Mitteln. Letztlich ist er noch bedeutungsloser, als die im Text namentlich Genannten.

  17. 11.

    "Diese sollen aus der Polizeidatenbank private Daten der Kabarettistin Idil Baydar und der "taz"-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah abgefragt haben."
    Für mich stellt sich eine ganz andere Frage. Wieso werden von offensichtlich unbescholtenen Bürgern polizeiintern Daten gespeichert?

  18. 10.

    Nein! Es sensibilisiert dafür, dass man jenen, denen man uneingeschränkt vertrauen sollte, nicht immer vertrauen kann. Das ist, salopp gesagt, beschi****, aber: die Sensibilisierung findet statt und das ist gut so!

  19. 9.

    Noch besser wird das Ganze, wenn Polizei gegen Polizei ermittelt und die Verfahren verschleppt werden. Warum gibt es wohl bis heute keine Ermittlungserfolge bzw. Täter, geschweige denn entsprechende Strafverfahren?

  20. 8.

    Das Aufklären solcher Missstände hat auch was mit Polizeiarbeit zu tun - hier scheint es zu haken. Ausserdem schafft es auch Vertrauen, wenn solche Zustände öffentlich gemacht werden und in der Folge auch die Ergebnisse entsprechend einer Selbstkontrolle der Polizei der Öffenlichkeit zugänglich gemacht werden.

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