Eine Grafik der Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberg zeigt ein Modell der autofreien Bergmannstraße. Quelle: Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Video: Abendschau | 15.09.2020 | K. Riha/C. Riha | Bild: Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg

Verbot für Autos und Motorräder - Bergmannstraße in Kreuzberg soll Fußgängerzone werden

Die Parklets sind weg, die grünen Punkte und Findlinge wieder entfernt. Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will den Verkehr im Bergmannkiez künftig anders beruhigen. Auf 500 Metern soll die Bergmannstraße für Autos und Motorräder gesperrt werden.

Das Bezirksamt in Friedrichshain-Kreuzberg will einen 500 Meter langen Abschnitt der Bergmannstraße zur Fußgängerzone umgestalten. Zwischen Nostitzstraße und Schleiermacherstraße soll sie für Autos komplett gesperrt werden, wie das Bezirksamt am Dienstag mitteilte.

Für Radfahrer soll ein breiter, zweispuriger Radweg entstehen, Geschäfte und Restaurants dürfen nach den Plänen der Verwaltung nur noch zwischen 6 und 11 Uhr beliefert werden. Zusätzlich sollen in den umliegenden Straßen Tempo-20-Zonen und Einbahnstraßen zu einer Verkehrsberuhigung im gesamten Kiez beitragen.

In einem Modellversuch ist derzeit bereits ein Abschnitt der Friedrichstraße in Mitte bis Ende Januar 2021 für Autos gesperrt. Dort ist die Begründung, dass mehr Kunden in die Läden gelockt werden sollen.

Grünflächen und Wasserelemente gegen Hitze

Für die Gestaltung der neuen Fußgängerzone will das Bezirksamt einen städtebaulichen Wettbewerb ausschreiben. Die Pläne aus dem Rathaus sehen allerdings eine Neugestaltung mit Grünflächen und Wasserelementen vor. Dieses Vorhaben ist laut Verwaltung auch den zunehmend wärmeren Temperaturen durch den Klimawandel geschuldet. Sie sollen an heißen Tagen Abkühlung ermöglichen und Insekten einen Lebensraum bieten. Wann die Umgestaltung beginnt, ist noch offen. In der kommenden Woche soll das Bezirksparlament über den Beschluss beraten.

Das Konzept für die umfangreiche Neugestaltung beruht auf den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung im Rahmen der Testphase der Begegnungszone Bergmannstraße im Vorjahr. Zuvor hatte der Bezirk gelbe Parklets an die Straßenränder gebaut, die dann im September 2019 vorzeitig abgebaut und durch Findlinge ersetzt wurden. Die sind mittlerweile ebenso gewichen, wie die grünen Punkte auf dem Asphalt, die später aufgetragen wurden, um Motorräder und Autos auf der Bergmannstraße zu bremsen.

Die neuen Pläne gehen nun deutlich über die bisherigen Maßnahmen hinaus [berlin.de/bergmannkiez].

Bezirksbürgermeisterin Herrmann: "Vormachtstellung des Autos ist vorbei"

"Der Bergmannkiez wird unser Modellprojekt für den Kiez der Zukunft. Hier werden wir in den nächsten Jahren sehen, wie wir in der Innenstadt besser miteinander leben können: mit weniger Durchgangsverkehr, mehr Grün und einer klimafreundlich gestalteten Fußgängerzone", teilte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) mit.

"Die Vormachtstellung des Autos und die Zeit der autogerechten Stadt sind vorbei. Diejenigen, die in unseren Kiezen leben, haben größtenteils kein eigenes Auto und bewegen sich klimafreundlich mit dem Rad, dem ÖPNV oder zu Fuß fort. Daher fordern sie zu Recht mehr Flächengerechtigkeit und mehr Platz für die Menschen."

Über die Gestaltung des Kiezes können sich Bürger ab dem 17. September in der Ausstellung "Zukunft Bergmannkiez – Öffentlicher Raum, Mobilität, Lebensqualität" im ehemaligen Rathaus Kreuzberg informieren. Die Ausstellung ist bis zum 2. Oktober 2020 in der Yorckstraße 4-11 zu sehen.

Sendung: Inforadio, 15.09.2020, 19 Uhr

Kommentar

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93 Kommentare

  1. 93.

    "Fußgängerzone" wie lustig! Genau wie die "Flaniermeile" in der Friedrichstrasse wird es vor allem eine unsichere Raserzone für die Radler.

  2. 92.

    "Lesen Sie bitte die Kommentare durch. Wo sagt ein Autofahrer, dass er Radfahrer hasst?"

    Sie sollten ihren eigenen Tipp beherzigen.

    "Aber es fällt schon auf, das die Radfahrer, die die StVo nicht kennen, sich oft sehr wichtig nehmen. Auch die werden nicht gehasst, eher müde belächelt, weil sie sich ja zu Unrecht aufregen also sozusagen mit "unglaublicher Dummheit"."

    Ohne Worte

  3. 91.

    Die Wasserrinne, in der glückliche Kinder in sauberem Trinkwasser! spielen, ist ja ein echter Witz. Wie sieht die nach kurzer Zeit aus? Hundebad, Abfallhafen,voll verkeimt. Ähnliche Rinnen gab es in den Fünzigern noch an einigen Berliner Straßen. Da haben wir natürlich drin gespielt und die hießen "Pissrinne" und rochen auch so. Kommt aller wieda.

  4. 90.

    Lesen Sie bitte die Kommentare durch. Wo sagt ein Autofahrer, dass er Radfahrer hasst? Das ist Ihre Interpretation und Ihr Vokabular!. Ja..es gibt etliche Fussgänger, die von Radfahrern genervt sind...das müsste gar nicht sein, wenn es keine erwachsenen Radfahrer auf Gehwegen gäbe ( Kinder Begleitende ausgenommen). So einfach ist das. Aber es fällt schon auf, das die Radfahrer, die die StVo nicht kennen, sich oft sehr wichtig nehmen. Auch die werden nicht gehasst, eher müde belächelt, weil sie sich ja zu Unrecht aufregen also sozusagen mit "unglaublicher Dummheit".

  5. 88.

    "Sie haben's einfach nicht verstanden, leider. "

    Was genau habe ich denn nicht verstanden? Dass hier Autofantiker unterwegs sind, die keine Argumente, dafür aber umso mehr Hass besitzen?

  6. 87.

    Als Anwohnerin und Berlinerin bin ich sehr froh über die Entwicklung und bitte die hier Meckernden, mal von der ‚die da oben, wir hier unten’-Attitüde Abstand zu nehmen. Hier wird Senatsgeld endlich für die Lebensqualität der Menschen ausgegeben, unter Bürgerbeteiligung ganz nebenbei. Nochmal ausdrücklichen Dank an den abgesägten Florian Schmidt, der sich am Bergmannkiez festgebissen und damit wesentlich zu den positiven Veränderungen beigetragen hat.

  7. 86.

    2.Teil: Zitat von Frau Hermann: ....diejenigen, die in unseren Kiezen leben....... Wem gehören die Kieze? Den Grünen alleine? Stören da z.B. mobilitätseingeschränkte Menschen? Möchte man die Wohnungen der Senioren? Ich dachte bisher, die Stadt lebt von Mischung und gehört allen. Aber wie vermessen ist das denn, wenn grüne Politiker von "unseren " Kiezen reden. Wo ist der Unterschied zu manchen Afdlern, die ihre Kieze auch von bestimmten Gruppen freihalten wollen. Nicht Separierung sondern Mischung und rücksichtsvoller Umgang sind urban. Die Friedrichstr.ist natürlich keine Wohnstr., aber ist es jetzt dort schöner oder eher provisorisch hässlich und ist es fussgängerfreundlich? Nicht wirklich.

  8. 85.

    Kann man mir das erklären? Das GfA das unseren schönen Platz pflegt und abwechselnd mit der Bsr täglich von Partymüll reinigt, kommt nach 11 mit dem Lastenrad (Gartengeräte, Rasenmäher, Abfuhr Müllsäcke)Der Bfdler mit dem Mittagstisch kommt vor 11. Pakete, die ich täglich für die Nachbarn( besonders für die 2 pkwlosen WG ) gern annehme, kommen vor 11. Die Straße wird verstopft da es wegen der Verkehrsberuhigung nur eine Abfahrtsmöglichkeit gibt und Lieferwagen nicht wenden können. Ab 11 ist dann Ruhe ? Dürfen Verwandte, die mich mal zum Arzt fahren, mit dem PKW kommen...Taxis wahrscheinlich, aber auf Dauer teuer. Gibt es dann mehr Busse auf den umliegenden Hauptstr. damit auch Familien mit Kinderwagen besser mitkommen...die müssen jetzt schon zu bestimmten Zeiten ewig warten und nehmen deshalb den PKW wenn sie Oma besuchen. Zu 82: die müssen alle mit dem Rad kommen...das macht meine Hilfe im Winter bestimmt gern, so zu ihren 3 Senioren zu kommen. Ich hab es noch nicht verstanden.

  9. 84.

    Ich stimme Ihnen insofern zu, als dass die "Fahrkultur" unabhängig des gelenkten Verkehrsmittels ist. Der Denk- und Handlungsfehler besteht oft genug darin, aus einer Umweltfreundlichkeit des Rades einen Rückschluss auf das Zurückhaltende bei der Fahrweise zu schließen. Das ist pauschal gedacht nicht so. Und genau darauf muss reagiert werden. Wenn eine Radverkehrstrasse berücksichtigt werden soll, muss sie auch Vorkehrungen für eine Geschwindigkeitsbremse mit beinhalten.

    In Potsdam ist dies am unteren Ende der Langen Brücke leider versäumt worden.

  10. 83.

    Die Kasernierung der Jüngsten abseits allen Geschehens war einmal. Der Mensch lernt schließlich hinzu, als bloß fortdauernd Reservate zu schaffen, damit zumeist nicht benutzte Gegenstände durchschnittlich 23 Stunden lang nutzlos herumstehen und anderen den Platz wegnehmen.

  11. 82.

    Ist ja alles schön und gut, muss man den Anwohnern nur noch beibringen dass die Kollegen vom Service, Klempner, TV Service und ähnliches nur noch von 6.00 bis 11.00 vorbeischauen. Alles wie immer gut durchdacht.

  12. 81.

    Wenn die RRG Regierung nicht bald abgelöst wird,und eine etwas vernünftigere Regierung kommt,dann gibt es bald kein Berlin mehr sondern das Dörfchen Berlin.Noch sind wir eine Gross Stadt,aber wie lange noch?Übrigens Statt Spielstrassen konnte man ja auch vernünftige Spielplätze bauen.

  13. 80.

    echte Berliner gibt es doch kaum noch. Seit 53 Jahren lebe ich hier und Kämpfte für den Erhalt des Urbankrankenhauses, geben die Baumfällungen am Landwehrkanal usw. Musste mit ansehen wie gegen unseren
    Willen Umbauten am Ufer vorgenommen wurden und dadurch noch mehr Lärmbelästigung entsteht. Ist
    Frau Herrmann alles bekannt. Bin bis vor 3 Jahren auch noch 20 bis 40 km mit dem Rad gefahren, geht aus
    gesundheitlichen Gründen nicht mehr, Auch Frau Herrmann kommt noch dahin, sie kann es sich dann aber
    leisten Taxe zu fahren. Bin jetzt froh, dass mein 29 Jahre altes Auto noch nicht seinen Geist aufgab.
    Vielleicht merkt ja einmal jemand das die Grünen die Berliner bevormunden wollen.
    Habe die Bomben im Keller, die Russen, die Teilung Berlins überlebt, so werden ich doch auch noch den
    Schwachsinn der GRÜNEN überleben.

  14. 79.

    Berlin soll eine Hauptstadt sein und keine Kleinstadt, wenn ich mich recht erinnere.

  15. 77.

    "Die Vormachtstellung des Autos ist vorbei" - bitte zu Protokoll nehmen, Fr. Hermann vordert die Einrichtung staatlicher Pferdezuchtstationen, die stadtweite Umstellung auf Liefer- , Müllsammel-, Kranken-, Omnibus- Fuhrwerke, die Einstellung von Kutschern, Hufschmieden, Pferdepflegern, Mistkehrern, Tierärzten. - Es müssen Wohnhäuser abgerissen werden um Remisen einzurichten, Pferderuheplätze und selbstverständlich Wiesenflächen zur Ernährung der Tiere. Be Berlin, be sexy.

  16. 76.

    Die Grünen haben diese Stadt nicht verstanden. Mit der radikalen Politik gegen Autofahrer spalten sie die Bürger in Gruppen. Illegale Aktionen werdèn unterstützt und Bürger vergreifen sich an Eigentum, das Auto. Ich bin Fußgänger habe eine DB Monatskarte,habe schon immer ein Fahrrad und ein Auto. Ich hatte mit der Srrasse noch nie Probleme wenn sich jeder respektvoll -und die StvO hält Autofahrer zahlen Steuern und Parkgebühren. Was ist aus der Friedrichstr geworden, welche angeblich für Fußgänger autofrei im Pilotprojekt umgesetzt wurde. Fussgänger werden von radfahrern rücksichtslos verdrängt! Radikale Hetze der Grünen. Diese Politik unterstellt, dass jeder Autofahrer grundsätzlich sinnlos sein Auto benutzt und als Statussymbol anschafft. Falsche und dumme Unterstellungen. WIr haben ein Auto damit Pferdesport und 3 Jobs bewälltugt werden können. Demokratie heisst gestalten für alle und nicht Verbote und gegen andere radikaliseren. Als Kind wollte ich nicht auf einer spielstrasse spielen,obwohl es sie da beteits gab. Es gibt schönere Orte für Kinder. Naja jetzt spielen Erwachsene damit Verbote angeblichen Sinn versprühen. Berlin ist nichts für Grüne Politiker, sondern für die echten Berliner. Ich hoffe auf die Verdrängung bei der nachsten Wahl!

  17. 75.

    Immer weiter so, Berlin schafft sich ab.

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