Heroin in einem Berliner Konsumraum (Quelle: dpa/Eisele)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.09.2020 | Anna-Teresa Kiefer | Bild: dpa/Eisele

BKA-Bericht zu Rauschgiftkriminalität - Zahl der Drogentoten in Berlin deutlich gestiegen

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Lagebericht des Bundeskriminalamts (BKA) zur Rauschgiftkriminalität hervor.

Demnach wurden im vergangenen Jahr bundesweit 1.398 drogenbedingte Todesfälle registriert, das sind 9,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die meisten Drogentoten wurden in den bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen mit 292 Toten, Bayern (263 Tote) und Berlin (215 Tote) festgestellt. Berlin verzeichnete einen deutlichen Anstieg bei den Todeszahlen, 2018 waren es noch 191 Drogentote.

Mehr Drogentote in Berlin, weniger in Brandenburg

Gemessen an der Einwohnerzahl war Berlin im vergangenen Jahr am stärksten betroffen, hier gab es rein rechnerisch 5,9 Todesfälle pro 100.000 Einwohner – mehr als in jedem anderen Bundesland. 2018 waren es noch 5,6 Todesfälle. Der Bundesdurchschnitt der sogenannten Belastungszahl liegt bei 1,7.

Entgegen dem Bundestrend ist die Zahl der Drogentoten in Brandenburg gesunken. 22 Fälle wurden im vergangenen Jahr registriert, das ist ein Minus von 40,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Belastungszahl sank von 1,5 auf 0,9.

Cannabis wird am häufigsten gehandelt

Die Drogenkriminalität ist bundesweit gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden laut dem BKA-Bericht insgesamt 359.747 Drogendelikte registriert und damit 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit stieg die Zahl der Straftaten durch Drogenhandel und -konsum das neunte Jahr in Folge.

Der mit Abstand größte Anstieg wurde bei Kokaindelikten registriert. Die Zahl der erfassten Straftaten stieg im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwölf Prozent auf 20.107 Fälle. Cannabis bleibt aber das am meisten gehandelte Betäubungsmittel in Deutschland. Auch beim Drogenkonsum betreffen zwei Drittel der erfassten Straftaten Cannabis.

Viele Drogen würden im Internet gehandelt, hieß es in dem Bericht. Das habe sich weltweit als fester Vertriebsweg etabliert. "Die vermeintliche Anonymität im Netz lockt viele Konsumenten, aber auch neue Händlerstrukturen an, da beim Erwerb von Betäubungsmitteln kein persönlicher Kontakt zu den Händlern aufgenommen werden muss." Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, betonte aber, trotz des "hohen Anonymisierungsgrades im Internet" sei es den Ermittlern auch dort möglich, Tatverdächtige zu identifizieren und Straftaten aufzuklären.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.09.2020, 16 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    Ich möchte mit dem folgenden Artikel auf die außerordentlich positiven Änderungen in Portugal seit der Entkriminalisierung von Drogen hinweisen. Es ist wichtig und an der Zeit, auch in Deutschland Bewegung in die Drogenpolitik zu bringen, um dafür zu sorgen, wirkliche Prävantionsprogramme und nicht nur Strafverfolgung als Ziel dieser zu haben.
    Artikel 1: https://www.heise.de/tp/features/15-Jahre-entkriminalisierte-Drogenpolitik-in-Portugal-3224495.html
    Und hier noch die aktuelle Kampagne des Deutschen Hanfverbandes: https://hanfverband.de/nachrichten/pressemitteilungen/ueber-cannabis-aufklaeren-aber-richtig

  2. 9.

    Wenn sich R2G nicht drum kümmert, weil das seine Wähler sind, dann passiert sowas. Aber möchte ja keiner wahr haben.
    "der Deal mit den Dealern" aus der Produktion von Kontraste (vom Freitag, 04.10.19 20:15 - 20:45 Uhr https://www.youtube.com/watch?v=hdcie36Hyh4 ) ist zu empfehlen. Da werden einigen Verharmlosern die Augen auf gehen.
    Ich habe selbst schon wegen andauernd kiffender Nachbarn, deren Kiffgestank dann stets in meiner Wohnung war, ich quasi mit kiffen musste, bei der Polizei angefragt was man denn tun könnte. Die sagten mir "nichts" Die Staatsanwaltschaft kümmert sich um soetwas nicht. Staatsanwälte sind ja auch weisungsgebunden der Politik gegenüber. Da weiß man bescheid was die Stunde geschlagen hat.
    Da verstehe ich auch warum das R2G Klientel pop up Radwege braucht.

  3. 8.

    DIe meisten sterben eher an den Umständen die durch das Verbot erst entstehen. Schnell mal auf der Toilette einen Schuss mit der second hand Spritze mit Unbekannten Zeug vom Straßendealen, bevor die Polizei noch kommt. Man ist ja eh schon auf Entzug und musste schon wegen der hohen schwarzmarktpreise eine Oma ausrauben.
    Heroin ist im übrigen nicht giftig. Giftig können allerdings unbekannte beimengungen bei auf dem Schwarzmarkt erworbenen Stoff sein. Wo wir wieder am Anfang, beim Verbot wären. Dann erst ist es möglicherweise Rauschgift.

  4. 7.

    Das ist nur richtig was den Cannabis-Consum betrifft, am Alkohol sterben in Deutschland jedes Jahr Tausende.

  5. 6.

    Mich wundert das nicht. Was konnte man im RBB sehen? Ja richtig: "der Deal mit den Dealern" Es lief mir eiskalt den Rücken runter, was im R2G regierten Berlin heutzutage im Görli alles möglich ist. Danke für diesen informativen Filmbeitrag.

  6. 5.

    Wenn man Cannabis legalisieren würde, hätte die Polizei mehr Ressourcen sich um die tödlichen Drogen zu kümmern.

  7. 4.

    Das Elend ist schlimm auf Berliner Straßen alle schauen weg, rennen vorbei und geben noch Geld für den nächsten Stoff. Wir haben für alles und jeden Geld aber nicht für die Armen am Ende der Gesellschaft. Danke Rot-Grün

  8. 3.
    Antwort auf [Petra] vom 08.09.2020 um 22:39

    Drogenkonsum ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, man findet es in allen Gesellschaftsschichten. Zu behaupten, dass es sich bei den Konsumenten vor allem um linkes Klientel handelt ist schlichtweg falsch und soll hier wohl eher die eigene politische Weltsicht zementieren.

  9. 2.

    Am Cannabis Konsum stirbt man in der Regel nicht. Am Bier trinken auch nicht.

  10. 1.

    215 Drogentote in Berlin - und kaum eine Reaktion.
    Aber bei rund 40 Verkehrstoten geht ein Aufschrei durch die Massen(medien): Autos raus aus der Innenstadt!

    Bitte nicht falsch verstehen, jeder Drogen- oder Verkehrstote ist einer zuviel!
    Aber vielleicht sollte sich die öffentliche Meinung mal fragen, wo mehr Handlungsbedarf besteht ...

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