Ein Wildschwein im Düsseldorfer Wildpark am 11.09.2020 (Bild: dpa/Laci Perenyi)
Video: Brandenburg aktuell | 15.09.2020 | Andreas B. Hewel | Bild: dpa/Laci Pernyi

Verdacht auf Tierseuche - Weitere Wildschweine in Brandenburg positiv auf Schweinepest getestet

In Brandenburg sind offenbar weitere Wildschweine von der Afrikanischen Schweinepest betroffen. Labortests von fünf Tieren seien positiv ausgefallen, sagt die Landwirtschaftsministerin - nun soll die problematische Zone vergrößert werden.

Fünf weitere Fälle der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen sind am Dienstag in Brandenburg festgestellt worden. Die Tiere seien nahe der Gemeinde Neuzelle im Landkreis Oder-Spree - nur wenige Kilometer entfernt vom Fundort des ersten Schweinepest-Falls in Deutschland - in Sembten (ein Ortsteil der Gemeinde Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße) entdeckt worden, teilte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) im Brandenburger Landtag mit.

Die ersten Tests der neuen Funde seien positiv ausgefallen, hieß es. Letzte Sicherheit soll nun eine Untersuchung der Tiere durch das Nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) bringen.

"Kernzone" wird ausgeweitet, das "gefährdete Gebiet" angepasst

Die neuen Funde lägen zwar innerhalb des als "gefährdetes Gebiet" definierten Areals (in einem Radius von 20 bis 25 Kilometer um den Erstfund), aber nicht innerhalb der mit einem Zaun abgesperrten sogenannten Kernzone von drei Kilometer rund um den ersten Schweinpestfall, teilte das Ministerium mit.

Nach den am Dienstag bekannt gewordenen Fällen werde nun an einer Ausweitung und Verlagerung der "Kernzone" über den bislang um den Fund in Sembten erstellten Kernzonen-Kreis gearbeitet, sagte Nonnemacher am Dienstag im rbb. "Jetzt haben wir Funde in Neuzelle und das muss natürlich berechnet werden, dass man 'Kernzone' und 'gefährdetes Gebiet' anpasst und die neuen Funde miteinkreist."

Bei den untersuchten Tieren handelt es sich den Angaben zufolge um vier tot aufgefundene, sowie um ein krank erlegtes Wildschwein.

Gabriel Hesse, Sprecher des Landesverbraucherschutzministeriums, sagte rbb|24 am Dienstag, dass die neuen und bislang nur vorerst bestätigten Fälle in der Zeit vom vergangenen Freitag bis Montag gefunden wurden. Die Dauer vom Einschicken des Gewebetests bis zum Vorliegen der Diagnose betrage zwei Werktage, an Wochenenden könne das unter Umständen ein wenig länger dauern.

Die neuen Fälle kommen für Nonnemacher nicht überraschend: Das erste infizierte Tier sei eine zwei- bis dreijährige Bache gewesen, die mit großer Wahrscheinlichkeit auch Frischlinge hatte.

Fundort eingezäunt, Einschränkungen bei Jagd und Ernte

Die Afrikanische Schweinepest war vergangene Woche erstmals in Brandenburg und zugleich in Deutschland nachgewiesen worden - bei einem bei Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße gefundenen toten Wildschwein. In den letzten Tagen wurde ein zwölf Kilometer langer mobiler Elektrozaun rund um die Kernzone am ersten Fundort errichtet.

Hinzu kommt das sogenannte gefährdete Gebiet mit etwa 1.100 Quadratkilometern. Sicherheitsmaßnahmen betreffen laut Landeslandwirtschaftsministerium die Kreise Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald. Dort wurden demnach sogenannte Tierseuchen-Allgemeinverfügungen mit allen Maßnahmen veröffentlicht.

Bislang gilt in einem Radius von 25 Kilometern um den Fundort ein Jagdverbot. Hier werden nach Regierungsangaben Wildschweine nur noch mit Fallen gefangen, aber nicht mehr bejagt.
Außerhalb dieses Kreises werden dagegen nun Wildschweine verstärkt bejagt und die Körper der erschossenen Tiere auf mögliche Infektionen mit der Schweinepest getestet.

Die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen ist innerhalb der "Kernzone" nun verboten, für Schweinehalter gelten weitere Beschränkungen. In dem Gebiet gibt es laut Ministerium 41 Schweinehalter und rund 12.700 Schweine.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.09.2020, 16:30 Uhr

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Antwort auf [Alfred M.] vom 15.09.2020 um 17:35
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29 Kommentare

  1. 29.

    Wildschweine können Hausschweine anstecken. Da haben Sie Ihren Zusammenhang. Da muss man nicht einmal fanatischer Tierschützer sein, um das zu erkennen.Und dass die Schweinehaltung in diesem Land unter aller "Sau" ist, ist ja nun hinreichend bekannt.

  2. 28.

    Bei jeder Gelegenheit über die Tierhaltung polemisieren ist für fanatische "Tierschützer" bei allen Gelegenheiten wohl ein Muss. Aber was hat die Tierhaltung mit dem Ausbruch der Schweinepest bei den Wildschweinen zu tun? Da fehlt irgendwie der Zusammenhang. War hier nur mal wieder die Gelegenheit beim Stichwort "Schwein" günstig um völlig zusammenhanglos einen gegen die Massentierhaltung und Billigpreise raus zulassen?
    Wo soll der Zusammenhang zwischen dem Ausbruch der Schweinepest und der Haltung von Schweinen zur Lebensmittelherstellung liegen? Wo soll der Zusammenhang zwischen dem Ausbruch der Schweinepest und dem kapitalistischem Wirtschaftssystem liegen?

  3. 27.

    Die Zuständigkeit für die Veterinärmedizin und den Tierseuchenschutz liegt bei der Verbraucherschutzministerin. Da die Landwirtschaft unmittelbar betroffen ist gibt es selbstverständlich eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Ministerien. So sind auch eine Vielzahl von Beschäftigten der Landesforstverwaltung vor Ort aktiv.

  4. 25.

    Ich frage mich schon die ganze Zeit warum wir an der Grenze zu Polen und Tschechien nicht alle Wildschweine schießen, gibt eh zu viele!
    Und wie die Berliner mit ihrer Wildschweinplage umgehen ist eh ein Witz!!

  5. 24.

    Es wird ein Dittel von einem Schwein nach China/Asien exportiert weil die Deutschen nur noch Schnitzel/Schinken/Steak kennen !!
    Was ist mit dem Kopf/Pfoten/Bachfett/Innerreien usw. ???
    Wenn wir alles selber verwerten könnten (es muss aber auch gekauft werden) bräuchten wir das nicht exportieren !!

  6. 23.

    Die Schweine haben keine Fressfeinde außer mir. Ich und Obelix werden aber gehindert da tätig zu werden. Also vermehren sie sich, biss sie im Wald tot rumliegen und dann ihre Artgenossen satt werden. die aber infizieren sich weiter und schon ist das "Problem" gelöst. Kein Schuss und nur vereinzelt ein Aufschrei eine Win win Situation.

  7. 21.

    Bester Spruch in den Kommentaren: "Zu DDR-Zeiten wurde eine viel längere Grenze überwacht." jepp, Tram, supi, das können wir ja wieder einführen. Von mir aus... mach nur... Ansonsten: kein Staat muss SChweinefleisch, -füße, -ohren und Co von uns kaufen. Oder gar ESSEN!!! Ich sach nur Feldermäuse und Corona.

    Und nochmal anders formuliert: Schwein, lokal aufgewachsen, für den lokalen Markt (die Seuche bringt uns wohl dazu) ist ok. Zu angemessenen Preisen, vernünftig gehalten. Weg mit der Massentierhaltung! Keiner muss täglich Fleisch für 2fuffzig essen!

    Die Natur schlägt zurück.

    Achso, ich finde, die Wildschweine sind in Zehlendorf, Kleinmachnow und Stahnsdorf keine "Plage". Wir wohnen in ihrem angestammten Gebiet. Ein friedliches Miteinander ist durchaus möglich, wenn nicht Lebensmittel in den KOmpost oder auf die Straße geworfen würden. Wir verlangen von Wildschweinen diszipliniertes Verhalten - und schaffen es selber nicht!

  8. 20.

    Die Page ist wohl eher der Mensch. Die betroffenen Berliner sind sozusagen in den Wald zu den Schweinen gezogen. Wie können da die Schweine die Plage sein?

  9. 19.

    Ordnet doch einfach ne Maskenpflicht für alle Schweine an, dann schützen die sich gegenseitig.

  10. 18.

    Es reicht nicht wenn man sich über Ausbeutung beschwert und Sklavenarbeit dann muss man auch Wege aufzeigen wie man die Menschen in Arbeit hält und bringt

  11. 17.

    Weiter so, Massentierhaltung zur Gewinnmaximierung gehört abgeschafft. Keine Exporte mehr mit derartigen Geschäften.

  12. 15.

    Was macht die Gesundheitsmnisterin bei der Sache, haben wir keinen Landwirtschaftsminster oder darf er nichts sagen

  13. 14.

    @all : Zum Thema Fleisch nach China
    Ich möchte aber bei der Diskussion zu bedenken geben, dass es nicht unbedingt nur das schiere Fleisch ist, das exportiert wird. Die Chinesen kaufen viele Produkte, die in Europa nur zu Tierfutter verarbeitet werden (Nasen, Ohren, Schwanze, Füße, Euter usw.)
    Nur für die Diskussion, persönlich bin ich gegen die Massentierhaltung.

  14. 13.

    Mein Mitleid mit den Fleischproduzenten hält sich in Grenzen. Weder die Fleischindustrie noch die Landwirtschaft hat doch die Jäger bisher bei der effektiven Bejagung der Schwarzwildbestände unterstützt. Die Industrie hätte Abschussprämien ausloben sollen anstelle zu jammern und Wildschaden anzumelden.
    Die Einzigen die mir richtig leid tun sind die Wildschweine, denn das ist eine echt miese Krankheit und die die Tiere verenden nicht, sie verrecken elendig.
    Aber wenn man sich die Wildschweinbestände im betroffenen Gebiet anschaut (Schlaubetal) dann könnte das ein echter Hotspot werden ...
    Ich bedanke mich schon jetzt bei allen Freiwilligen auf der Fläche, die helfen werden, diese Kriese zu meistern. Das wird ein hartes Stück Arbeit.

  15. 12.

    Ja das kommt eben durch die Verbots und Versagerpartei (B90/Gr).
    Unser grüner Umweltmann in Potsdam hat die Jagt der Wildschweine mehr als Sabotiert.
    Seht euch die Berichte aus Stahnsdorf an.
    Ansonsten gut beurteilt "UDO"

  16. 11.

    Na, vielleicht hat das ganze wenigstens etwas Gutes: Könnte es nicht sein, dass dadurch die Wildschweinplagen z.B. in Kleinmachnow sowie in einigen Berliner Stadtteilen abgemildert wird?

  17. 10.

    Dazu braucht man keine Schweine, die Höfe mit gelangweilten Pferden von Großstädtern reichen.
    TÜV & DEKRA sind bestimmt nicht weltweit anerkannt, möchte nur an den Dammbruch in Südamerika erinnern. Die Lebensverhältnisse von anderen Länder mit Deutschland zu vergleichen hinkt, wenn man, wie sie, sich nur die Rosinen herauspickt.

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