Feuerwehrleute löschen das Unfallwrack eines Autos. (Quelle: dpa/Julian Stähle)
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Video: rbb|24 | 15.09.2020 | Material: Super.Markt | Bild: dpa/Julian Stähle

Einsatz bei brennenden E-Autos - "Wenn der Verkehr digital wird, muss die Feuerwehr auch digital werden"

Ende Juli verunglückte eine 19-Jährige in einem brennenden Elektro-Auto tödlich. Die Einsatzkräfte kritisierten, dass sie ungenügend vorbereitet waren. Vertreter der Brandenburger Feuerwehr fordern mehr Schulungen und bessere Technik. Von Jana Strauß

Feuerwehren in Brandenburg fordern weiterhin eine bessere technische Ausstattung für den Fall, dass Elektro-Autos in Brand geraten. Auch Schulungen der vielen, meist ehrenamtlichen Helfer seien zwingend nötig, sagt Gemeindewehrführer Kristian Titsch aus Groß Kreutz dem rbb-Verbrauchermagazin "Super.Markt".

Titsch warf auch der Landespolitik fehlendes Engagement vor. "Wenn der Verkehr auf den Straßen digital wird, dann muss die Feuerwehr auch digital werden. Und um helfen zu können, brauchen wir standardmäßig nicht nur den Schlauch und das Strahlrohr, sondern wir müssen auch elektronische Hilfsmittel wie Tablets haben, wo eine entsprechende Software drauf ist", so Titsch.

Gemeindewehrführer Kristian Titsch (Quelle: rbb/Super.Markt)
Gemeindewehrführer Kristian Titsch aus Groß Kreutz | Bild: rbb/Super.Markt

Tote bei Unfall in Potsdam-Mittelmark

Der Gemeindewehrführer und seine Kollegen waren Ende Juli zu einem Einsatz gerufen worden, bei dem eine junge Frau in ihrem E-Auto im Landkreis Potsdam-Mittelmark verbrannte. Die Feuerwehr beklagte schon damals Schwierigkeiten bei den Löscharbeiten. Erst vor Ort hatte sich herausgestellt, dass es sich um ein Elektro-Auto handelte. Langwierig musste über die Leitstelle geklärt werden, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelte und wie die Löscharbeiten zu handhaben sind.

Hilfreich sind bei solchen Einsätzen für die Feuerwehrleute sogenannte Rettungsdatenblätter. Diese zeigen den Einsatzkräften zum Beispiel an, an welchen Stellen ein Fahrzeug aufgeschnitten werden kann oder wo bei einem E-Auto Hochspannung herrscht. Mit einem Tablet, das die entsprechende Software besitzt, können Feuerwehrleitstellen das richtige Rettungsdatenblatt flexibel und schnell abrufen - und entsprechend handeln.

"Nicht größere Gefahren, aber andere Gefahren"

Rund 150 Feuerwehrkräfte schult die Berliner Feuerwehr jährlich zu dem Thema, dieses Jahr auch aus Brandenburg; "E-Mobilität - Herausforderungen für die Feuerwehr" heißt das Seminar, bei dem auf die entscheidenden Fragen vorbereitet werden soll. Rolf-Dieter Erbe von der Pressestelle der Berliner Feuerwehr fordert, dass jede einzelne Einsatzkraft geschult wird. "Wir haben nicht größere Gefahren, aber andere Gefahren. Das bedeutet, wir müssen den Antrieb erkennen. Wir müssen unsere Einsatztaktik entsprechend anpassen", so Erbe. So zeigen erste Erfahrungen, dass mehr Wasser und mehr Einsatzzeit benötigt werde.

Rettungskräfte haben bei einem E-Fahrzeug auf die Besonderheit "Hochvoltsystem und Lithium-Ionen-Batterie" zu achten. In einer Lithium-Batterie-Zelle befindet sich ein sogenannter Separator, ein Gerät zur Trennung von unterschiedlichen Stoffen. Ist dieser Separator beschädigt, etwa durch einen Unfall, können sich Plus- und Minuspol in Kontakt geraten. Ein Kurzschluss entsteht und damit so große Hitze, dass sich die Zelle entzündet. Und weil es in einem Batterie-Block mehrere Zellen gibt, kann das Feuer von einer zur nächsten springen. Da hilft nur sehr viel Wasser, um die Batterie zu kühlen. Damit sie sich nicht wieder selbst entzündet, werden einige E-Autos sogar in einem Wassercontainer versenkt, so auch damals in Groß Kreutz.

Kurz nach dem Einsatz zeigte sich Gemeindewehrführer Titsch verunsichert. "Wenn die Verkehrsdichte mit diesen Fahrzeugen noch mehr wird und wir nachher alle 14 Tage so einen Einsatz haben, fehlt mir die Fantasie, wie wir als Freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr solche Einsätze abarbeiten können", sagte er. Inzwischen hat auch Titsch mit seinen Kameraden an einer Fortbildung in Berlin teilgenommen.

E-Autos sind im Verhältnis zu Verbrennern zwar nach wie vor eine Rarität, doch ihre Zahl steigt. Mit 16.798 Zulassungen allein im Juli 2020 liegt der Anteil deutschlandweit nun bei 5,3 Prozent bei den Neufahrzeugen. Zum Vergleich: Im Juli des Vorjahres gab es 5.963, was einem Anteil von 1,8 Prozent bei den Neuzulassungen entspricht. Zuschüsse im Rahmen des Corona-Konjunkturprogramms befördern vermutlich diese Entwicklung. Und mit einer weiteren Zunahme ist zu rechnen. So wollen zum Beispiel auch die Berliner Verkehrsbetriebe bis 2030 all ihre Busse elektrisch fahren lassen.

Tablets für Retter von Groß Kreutz

Auf Nachfrage des rbb beim Brandenburger Innenministerium, inwieweit die Probleme für die Feuerwehren bekannt seien, verweist dieses auf die Zuständigkeit der Kommunen. Trotzdem prüfe man derzeit "wie den Einsatzkräften flächendeckend im Land die für einen qualifizierten Einsatz hilfreichen Informationen (z.B. Rettungsdatenblätter für Fahrzeuge) zugänglich zu machen sind".

Nach rbb-Recherchen gibt es aus der Gemeinde Groß Kreutz immerhin schon mal positive Nachrichten: Dort werden alle acht Ortsfeuerwehren nun mit Tablets ausgestattet.

Beitrag von Jana Strauß

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5 Kommentare

  1. 5.

    Laufen Sie auch laut schreiend weg, wenn Sie sich in ein Auto setzen sollen, welches mit einer ähnlichen Energiemenge brennbarer Flüssigkeiten befüllt ist? Trauen Sie sich, in eine Linienbus oder eine U-Bahn umzusteigen?

  2. 4.

    Wir sollen alle auf E-Autos umsteigen !!
    Bei dieser Gefahr, zu verbrennen?? NIEMALS !!!

  3. 3.

    Die Rettungskarten wurden vor langen Jahren auch digital eingeführt, weil in den Autos immer mehr Airbags und andere Sprengsätze verbaut sind. Man sollte deshalb die Rettungsschere auch nicht gedankenlos überall ansetzen.

    Mittlerweile müssen Neuwagen auch eine automatischen Notruf absetzen, wenn z.B. die Airbags ausgelöst haben. Dadurch erfahren die Rettungskräfte sehr früh, um welches Fahrzeug es sich genau handelt. Um so verwunderlicher, dass die Wehren immer noch nicht entsprechend ausgerüstet sind. Was bringt die beste Technik zur Rettung von Leben, wenn sie nicht genutzt werden kann, weil sie nicht angeschafft worden ist?

    Auch andere Ausbildungsdefizite wurden deutlich wie z.B. der Anteil brennbarer Stoffe in einem x-beliebigen Fahrzeug unabhängig von der Antriebsart. Zur Freude der Verbrenner-Stammtische wird das aber erst jetzt in den Medien gehyppt.

  4. 2.

    @RVBB24: Gibt es mittlerweiele Erkenntniss, ob die Traktionsbatterie durchgegangen ist? Ich erinnere nur wieder an ein anderes Elektro-Auto, welche in Tirol verunfallte und danach ähnlich ausgesehen hatte. Dort hatte sich kurze Zeit später herausgestellt, dass die Traktiionsbatterie nicht gebrannt hatte.

  5. 1.

    Was genau ist an Metallbränden “digital”? Ich habe so langsam den Eindruck, dass das Wort inzwischen komplett ausgelutscht ist.

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