Lasse Brandt mit seinen weißen Hähnen (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)
Audio: Antenne Brandenburg | 16.09.2020 | Susanne Hakenjos | Bild: rbb/Susanne Hakenjos

Beratungsprojekt zur mobilen Hühnerhaltung - Wenn der Hühnerberater kommt

Lasse Brandt sorgt dafür, dass freilaufende Hühner immer im frischen Grün picken können. Denn er berät Landwirte in Sachen ökologische Mobilstall-Haltung. Und diese Art der Hühnerhaltung soll in Brandenburg vorangetrieben werden. Von Susanne Hakenjos

Begeistertes Gackern empfängt Lasse Brandt, wenn er morgens die Stalltüren öffnet. Dann spazieren seine braunen Legehennen raus auf frisches grünes Gras. Nebenan stehen weitere versetzbare Leichtbauställe auf einer Wiese mit Bäumen, begrenzt von Hecken: "Na Jungs", begrüßt der 27-Jährige liebevoll die weißen Hähne. Zweimal am Tag schaut der studierte Landwirt nach seinen 115 "Praxis-Hühnern" in Blankenfelde (Teltow-Fläming).

Stattliche Hennen und Hähne sind es, mit gepflegtem, glänzendem Gefieder. "Das sind verschiedene Rassen, um auch einen Vergleich zwischen verschiedenen Hühnern zu haben. Ich erfasse hier Daten von den Tieren, etwa das Gewicht, und messe den Futterverbrauch." Die Daten helfen ihm bei seinem Hauptjob: Er berät kostenlos andere Landwirte beim Einstieg in die Haltung von Legehennen und Masthähnchen in ökologischer Mobilstall-Haltung.

"Die Fragen drehen sich darum, welche Rasse eignet sich vielleicht eher für einen Mobilstall, wie ist der tägliche Arbeitsablauf, wie ist das mit der Fütterung?", erklärt Brandt. Vor allem auch, welches der mittlerweile allein zehn Mobilstall-Modelle passt am besten zum Vorhaben, was sind Vor- und Nachteile?

Ein mobiler Hühnerstall (Bild: Lasse Brandt/Hühnermobilstallprojekt Brandenburg)
Bild: Lasse Brandt/Hühnermobilstallprojekt Brandenburg

Zehn verschiedene Modelle von Mobilställen für Hühnerhaltung

Es gibt Ställe auf Rädern oder Stahlkufen, die per Traktor versetzt werden, winterfeste, belüftete vollautomatische High-Tech-Unterkünfte mit Trinkwassertank, Futterautomaten, Kaltscharr-Raum, in dem Hühner auch bei schlechter Witterung im Stall scharren und staubbaden können. Lasse Brandt nutzt für seine wenigen Praxis-Hühner Sommerställe in Leichtbauweise.

Auch die Frage, wie eine Vermarktung laufen kann, klärt der "Hühner-Berater" direkt vor Ort: "Neulich erst in Trebbin bei einem Öko-Junglandwirt, der auch gerne in die mobile ökologische Hühnerhaltung einsteigen möchte, oder zuletzt im Kreis Barnim, wo ein Weidevieh-Betrieb mit Mutterkuh-Haltung ein weiteres wirtschaftliches Standbein erwägt."

Ackerbauern, Obst- oder Gemüsebauern, Rinder- ebenso wie Pferde-Höfe mit Interesse an einem neuen Betriebszweig und auch Privat-Personen mit ausreichend Fläche können ihn anfragen. Rentabel wird es in der Bio-Mobil-Stall-Haltung übrigens ab 200 Hühnern, erklärt Berater Brandt: "Schließlich muss man ja auch immer überlegen, dadurch dass die Tiere ja auch irgendwann geschlachtet werden, ist vielleicht eine zweite Gruppe sinnvoll, um kontinuierlich Eier zu liefern", erklärt der Geflügel-Experte. Lasse Brandt hat nach seinem Studium der Landwirtschaft auch eine Ausbildung in der Geflügelhaltung absolviert.

Wichtig sei auch, dass genügend Hähne in einer Legehennen-Gruppe sind, sie sorgen für Sicherheit und Wohlbefinden. Seine Beratung ist Teil des Projekts "Mobile Hühnerhaltung" der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) und wird vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg mit Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds gefördert.

Umweltschonend, artgerecht und profitabel

"Das Projekt ist initiiert worden, weil es in Brandenburg, so wie in ganz Ostdeutschland verhältnismäßig wenig mobile Hühnerställe gibt im Vergleich zu Gesamtdeutschland. Aber das Interesse hier wächst", hofft Brandt. Der Vorteil der Mobilstallhaltung zeigt sich ihm zufolge an der Grasnarbe, die ansonsten "besonders im stallnahen Bereich sehr zerscharrt und zerpickt wird".

Denn als ausgesprochene Fluchttiere entfernen sich Hühner ungern weiter als 10 bis 15 Meter von ihrem Stall, es sei denn sie finden ausreichend Deckung unter Büschen und Bäumen. "Mit einem Mobilstall kann man weiterziehen, der Auslauf bleibt grün und interessant für die Hühner", weiß Brandt. Auch der Nährstoffeintrag über den Kot werde gleichmäßig verteilt. "Das schont die Umwelt beziehungsweise unser Grundwasser vor Nitratbelastung." Durchs Umsetzen bilden sich um einen Stall auch keine keimbelasteten verschlammten Bodenflächen und auch der Parasitendruck sinkt.

Um die einzelnen Eier-Produzenten mit Mobilstall-Haltung zu vernetzen und den Absatz gemeinsam zu organisieren und auch damit zu fördern, plant die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) auch den Aufbau einer Erzeuger-Gemeinschaft: "Wir wollen auch eine Vermarktungsmöglichkeit schaffen für die Betriebe, die eben sagen, eine Direktvermarktung bei mir ab Hof ist nicht möglich. Da arbeiten wir an einer Lösung und wollen eine Packstelle aufbauen", kündigt der Hühnerberater an. Die Nachfrage nach solchen Eiern bei Verbrauchern sei da, das Interesse bei potenziellen Erzeugern steigend.

Ein mobiler Hühnerstall (Bild: Lasse Brandt)Die mobilen Hühnerställe gibt es in unterschiedlichen Modellen.

Mobile Hühner und Weide-Rinder - eine gute Kombination

Nicht nur das frische Grün unter ihren Krallen begeistert Brandts Hühner. Bald sitzen und picken sie unter kleinen Sträuchern auf dem ihrem Auslauf, der mit einem transportablen Elektro-Netz-Zaun gesichert ist. Außerdem weiden gleich nebenan die Kühe vom Bio-Bauernhof Blankenfelde. Das ist gut für beide Seiten, weiß Landwirt Volker Woltersdorff: "Weil Raubvögel vor so großen Tieren doch Respekt haben. Immer wieder dürfen die Hühner auch auf abgeweidete Flächen, dann fangen sie an die Kuhfladen zu zerscharren und auseinander zu ziehen, was ich sonst mühsam mit der Egge machen müsste. Sie picken dann auch die Parasiten raus." Bald landen die prächtigen weißen Hähne von Lasse Brandt übrigens als Brathähnchen im kleinen Hofladen. Regionaler geht es hier kaum, freut sich die Kundschaft: "Großartig! Welcher Mensch, der denken kann, will Legebatterien! Und wenn dieser Hühnerberater für mehr Mobilställe in Brandenburg sorgt, das ist doch super."

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.09.2020, 14:12 Uhr

Beitrag von Susanne Hakenjos

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7 Kommentare

  1. 7.

    Quatsch.
    Kunstdünger und industrielle Landwirtschaft zerstören langfristig Ackerflächen durch Verdichtung, Erosion und Vergiftung. Der so erzielte höhere Ertrag ist nur von kurzer Dauer und führt langfristig durch den Verlust des Bodens zu einem deutlichen Minderertrag. Die ökologische Landwirtschaft ist nicht nur ein Schritt in die richtige Richtung, sondern ein Schritt auf dem einzig gangbaren Weg. Wir müssten weg von flächenfressenden Monokuturen die nur noch maschinell bearbeitet werden können, hin zu kleinteiligen Agroforstsystemen die ihren größtenteils Wasserhaushalt selbst regulieren und gleichzeitige Mehrfachnutzungen zulassen.

  2. 6.

    Hand aufs Herz - wer hat hier so wie ich auch gelesen HühnerBRATER? :-)

  3. 5.

    Heute hungern immer noch Millionen Menschen, trotz Dünger, Pestiziden, Gentechnik und Überproduktion. Zusätzlich verseuchen wir Luft, Boden und Grundwasser durch Massentierhaltung und Monokulturen in Feld und Wald. Dass das nicht mehr lange gut gehen kann, zeigen die Pandemie Corona, die Ausbrüche von globalen Tierseuchen wie Schweinepest oder Vogelgrippe, die immer größer werdenden Brände weltweit und natürlich der Klimawandel.

  4. 4.

    In der französischen Farm Le Bec-Hellouin funktioniert es auch ohne Dünger, bzw. wird der Dünger über den eigenen Kompost erzeugt. Mit dem heutigen Wissen ist es also möglich. Warum so wenig in die Richtung passiert, liegt z.B. am Bauernverband, weil der natürlich ein Verlierer wäre. Der Ertrag ist übrigens genauso, liegt daran, dass der Boden gesünder ist und er mehr Wasser speichern kann.

  5. 3.

    Wo kann man die Eier kaufen und zu welchem Preis?

  6. 2.

    Auch wenn das niemand gerne hört, aber mit ökologischer Landwirtschaft allein bekommen wir keine 7 Milliarden Menschen satt.

    Der Ertrag ist schlicht zu gering und der Flächenbedarf viel zu hoch.

    Leider vergessen zunehmend immer mehr Menschen, dass noch vor 150 Jahren tausende Menschen vor Erfindung des Kunstdüngers regelmäßig verhungert sind.

  7. 1.

    Und dann kommt wieder die "Hühnerpest" und die Behörden erschweren eine solche Art der Tierhaltung zum Nutzen und Frommen der industriellen Geflügeljunker.

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