Symbolbild - Das Metallschild neben dem Eingang zum Justizzentrum mit dem roten Adler als Landeswappen und dem Verweis auf Amtsgericht, Landgericht und Staatsanwaltschaft. (Bild: dpa/Soeren Stache)
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Audio: Antenne Brandenburg | 15.09.2020 | Lisa Steger | Bild: dpa/Soeren Stache

Mann fuhr mit Absicht gegen Baum - Sechs Jahre Haft wegen versuchten Mordes an Ehefrau

Mitten in der Fahrt steuerte er das Auto gegen einen Baum - und rief vor dem Aufprall seiner Beifahrerein noch "Tschüss" zu: Jetzt wurde ein 37-Jähriger am Landgericht Potsdam wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau zu Haft verurteilt.

Wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau ist ein 37-Jähriger vom Landgericht Potsdam zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte mit seiner Frau vor gut einem Jahr absichtlich vor einen Straßenbaum gefahren ist, um sie zu töten. Die Frau überlebte.

Mann sprang aus fahrendem Auto

Während einer gemeinsamen Autofahrt am 6. August 2019 soll der Angeklagte den Wagen bei Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) in einer Rechtskurve mit 70 Stundenkilometern nach links in Richtung eines Baumes gelenkt haben, so die Staatsanwaltschaft. Er soll die Fahrertür geöffnet und "Tschüss" gerufen haben. Die Frau hatte demnach ins Lenkrad greifen und so das Auto erst durch zwei Bäume hindurch lenken können, der Wagen sei dann gegen einen dritten Baum geprallt. Die Frau, die sich laut Anklage von dem Angeklagten trennen wollte, wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von neun Jahren wegen versuchten Mordes beantragt. Die Verteidigung des 37-Jährigen plädierte auf fahrlässige Körperverletzung.

Sendung: Brandenburg aktuell, 15.09.2020, 19:30 Uhr

7 Kommentare

  1. 7.

    Das ist weder ein germanistisches noch ein romanistisches Verständnisproblem ('tschüss' kommt von frz "Adieu"). Nur haben Sie vermutlich übersehen, dass es keinen Zeugen gibt, der die Version der Frau eindeutig belegt. Insofern ist es schon legitim wenn die Verteidigung das als Unfall darstellt.

  2. 6.

    Ein Fall - bzw Sprung - der nicht so 100%ig eindeutig scheint, ja. Aber bei Verurteilung wegen versuchten Mordes dürfte hoffentlich immerhin außer Zweifel gestanden haben, dass der Verurteilte vor der Kollision irgendwie aus dem Auto gekommen ist und die Frau bei der Kollision noch darin saß. Und auch die Aufprallgeschwindigkeit des KFZ wurde vermutlich einigermaßen genau ermittelt. Also, auch wenn es nicht allzu wahrscheinlich ist, kann es sich offenbar so zugetragen haben. Wäre dennoch interessant zu wissen, wie stichfest das ermittelt wurde. Nebenbei würde mich auch interessieren, ob und ggf wie der Verurteilte sich geäußert hat. - Wie auch immer, auf jeden Fall ist es gut, dass seriöse Paarberater* heute auch Trennungsberatung im Angebot haben...

  3. 5.

    Wie springt man bei 70 kmh aus dem Auto? Selbst für Stuntman zu gefährlich... Aber egal, so war es, wenn es hier steht.

  4. 4.

    Die Strategie der Verteidigung ist schon schlüssig, denn der Verurteilte wird das ja als Unfall präsentiert haben. Wenn nun aber das Gericht tatsächlich auf versuchten Mord erkennt, hätte man hinsichtl des Strafmaßes m.E. dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgen müssen, denn das ist ja schon eine sehr perfide Art zu versuchen jemanden "loszuwerden".

  5. 3.

    Fahrlässige Körperverletzung, wenn der Fahrer Tschüss ruft und aus dem Wagen springt? Hä? Was hab ich da gerade germanistisch nicht verstanden?

    Die leider verletzte Frau hätte zurücksetzen und ihn überfahren sollen - sorry für die Deutlichkeit, aber nichts anderes hatte der verhinderte Mörder selber vor!

  6. 2.

    Danke! Sehe ich ganz genauso.
    Und mir ist unklar, wie man hier auf fahrlässige Körperverletzung plädieren kann, ohne sich zum Trottel zu machen. Ich saß aber auch nicht im Gerichtssaal.

  7. 1.

    Erstaunlich, dass hier das Kind mal beim Namen genannt wird und es nicht "versuchte Beziehungstat" oder "vereitelte Familientragödie" heißt. Weiter so, denn Mord bleibt Mord (hier spezifisch "Femizid").

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