Junges Paar auf der Glienicker Brücke (Quelle: imago-image/Eberhard Thonfeld)
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30 Jahre Deutsche Einheit - Studie: Ost und West haben sich in vielen Bereichen angenähert

Der Osten und der Westen: Eine solche Einteilung ist 30 Jahre nach der Wiedervereinigung in manchen Bereichen kaum noch sinnvoll. Das zeigt eine Studie von Bevölkerungsforschern. Doch nicht in allem sind die beiden Landesteile eins.

In 30 Jahren Deutscher Einheit haben sich Ost- und Westdeutschland laut einer Studie in vielen Bereichen wechselseitig angenähert. Trotzdem gibt es teilweise noch immer erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Landesteilen. Zu diesem Befund kommt das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), das am Dienstag in Berlin demographische Zahlen aus Anlass des 30. Jahrestags der deutschen Vereinigung vorstellte [bib.bund.de]. Der Titel: "30 Jahre Deutsche Einheit & Vielfalt".

Demografisch und wirtschaftlich vom Osten und vom Westen zu sprechen, sei nach den Ergebnissen der Studie kaum noch sinnvoll, erklärten die BiB-Forscher. Hingegen seien die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen innerhalb Ost- und innerhalb Westdeutschlands teilweise beträchtlich.

Entwicklung in den einzelnen Regionen "dynamisch und pulsierend"

Es gebe viele boomende Regionen in den neuen Bundesländern. Dazu zählten der Großraum Berlin sowie die Städte Dresden, Leipzig und Jena. Gleichzeitig gebe es in Westdeutschland Gebiete mit Bevölkerungsrückgängen, etwa die Strukturwandelregionen im Ruhrgebiet und im Saarland. Die Entwicklung in den einzelnen Regionen sei dynamisch und pulsierend. Regionen, die heute zu den "Verlierern" zählten, können schon bald eine sehr positive Entwicklung nehmen.

Bei der Annäherung des Ostens an den Westen nannten die Forscher etwa die Entwicklung der Wirtschaftskraft. Bei der Ausstattung der Infrastruktur sei in Ostdeutschland die Lücke großenteils geschlossen worden. Als Beispiele für die Annäherung des Westens an den Osten Deutschlands nannten die Bevölkerungsforscher die Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie den Ausbau der Kinderbetreuung. Früher bestehende Unterschiede hätten sich verringert.

Abwanderung in den 1990ern hat noch heute Folgen

Die Binnenwanderung sei weitgehend ausgeglichen. Auch bei den Geburtenraten und der Lebenserwartung seien sich Ost und West mittlerweile ähnlich, so die Forscher. In anderen Bereichen gibt es aber deutliche Unterschiede.

Da gerade in den 1990er Jahren mehr Frauen als Männer aus Ostdeutschland abgewandert seien, gebe es viele ostdeutsche Regionen, in denen mehr Männer als Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren lebten.

Auch beim Anteil der Bevölkerung mit ausländischen Wurzeln stellte das BiB einen immer noch bestehenden Unterschied zwischen Ost und West fest. In der DDR lebte eine vergleichsweise geringe Zahl an sogenannten Vertragsarbeitern. In den alten Bundesländern hingegen stieg mit dem Familienzuzug der sogenannten Gastarbeiter ab etwa Mitte der 1970er Jahre die Zahl der ausländischen Bevölkerung. Dieser Ost-West-Unterschied macht sich laut Studie noch heute in demografischen Erhebungen bemerkbar.

Andere kritische Punkte, bei denen es nach wie vor große Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern gibt, untersuchte diese Studie nicht näher: Beispielsweise die Vermögensverteilung, Unternehmensstandorte oder der Umstand, dass Ostdeutsche nach wie vor in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spitzenpositionen unterrepräsentiert sind.

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10 Kommentare

  1. 10.

    Unter www.bkg.bund.de/Zeitreise-30-Jahre-Deutsche-Einheit gibt es die Broschüre auch noch als interaktive Kartenanwendung

  2. 9.

    "Warum muß sich eigentlich immer der Osten an den Westen angleichen? Können die "Wessis" nicht mehr länger arbeiten ?"
    Nicht notwendig, denn der Wessi leistet in weniger Zeit offensichtlich mehr.

  3. 8.

    Da kommt mir der Kaffee hoch.

  4. 7.

    "aus unseren kombinaten ist noch viel mehr herauszuholen". Ja, es hat Lug und Trug bei der Treuhand auch gegeben. Kein vernünftiger Mensch würde das bestreiten. Bei solchen historischen Umbruchprozessen kommen schnell die Gauner aller Gattungen in Aktion, übrigens, auch einige von der SED waren dabei. Im Zuge der als "Putnik-Deal" bekannt gewordenen Aktion sollten mit Hilfe der KPdSU 107 Millionen D-Mark ins Ausland verschoben und so dem Zugriff des Staates entzogen werden. Die Moskauer Scheinfirma "Putnik" stellt dazu fingierte Rechnungen über angebliche Altforderungen aus.
    Genosse Gysi fuhr deshalb nach Moskau. Doch mal zurück zu den Kombinaten. Sie waren strukturell nicht überlebensfähig. Die Treuhand hatte sie angeboten wie sauer Bier. Aber keiner wollte sie haben.

  5. 6.

    Selbst in den eigenen "Unternehmen" dem öffentlichen Dienst macht der deutsche Staat noch Unterschiede zwischen Ost und West! So kämpft Verdi aktuell um die Angleichung der Ost-Arbeitszeiten an die West-Arbeitszeiten! Warum muß sich eigentlich immer der Osten an den Westen angleichen? Können die "Wessis" nicht mehr länger arbeiten ?

  6. 5.

    Nicht nur die Wirtschaftsunternehmen auch im öffentlichen Dienst ist es so. Da gibt es immer noch unterschiede nach 30 Jahren. Im Westen wird 39 Stunden gearbeitet im Osten 40 bei im Schnitt weniger Gehalt.

  7. 4.

    ...und auch die Arbeitszeiten sind in den neuen Bundesländern höher.u und das nach 30 Jahren!!!!

  8. 3.

    Pulsierende und boomende Regionen im Osten? Wo? Im Vergleich mit einem 3. Welt Land vielleicht, ja. Das war es dann aber auch.

  9. 2.

    Hahahaha, über diesen Kommentar kann ich wirklich nur lachen! Ich werd vor Lachkrämpfe gar nicht schlafen können!

  10. 1.

    Im Osten hat "uns Eeerisch" immer gesagt:"aus unseren kombinaten ist noch viel mehr herauszuholen". Das haben die Konzernchefs aus dem Westen nahtlos übernommen. Und sie sind noch nicht fertig, denn der Ossi ist noch weit entfernt von den West-Tarifen

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