Der im Oktober 2020 getötete Bartgeier Dolomie im Juni 2020 in den Cevennen. (Quelle: LPO Grands Causses)
Bild: LPO Grands Causses

Nach Auswilderung - Bartgeier aus dem Berliner Tierpark in Frankreich getötet

Im Juni wurden zwei junge Bartgeier aus dem Berliner Tierpark in den französischen Cevennen freigelassen. Nun wurde Dolomie, einer der beiden Jungvögel, tot aufgefunden. Von Caroline Winkler

Dolomie hatte alle überrascht. Kaum zehn Tage in seiner Felsnische angekommen, hüpfte der junge Bartgeier über die kleine Absperrung und flog los. Dolomie stammt wie Fario, ein zweiter Jungvogel, aus dem Berliner Tierpark. Die Beiden waren im Juni in den französischen Cevennen freigelassen worden. Am 11. Oktober wurde er im Nationalpark der Cevennen tot aufgefunden. In seinem Körper fand man 15 Schrotkugeln.

Die örtliche Vogelschutzorganisation LPO hat den Vorfall angezeigt, er kann mit drei Jahren Gefängnis und 150.000 Euro Strafe belegt werden. Die französische Umweltministerin Barbara Pompili verurteilte auf Twitter die Tat, der französische Staat werde ebenfalls Klage einreichen.

"Der Verlust von Bartgeier Dolomie stimmt uns sehr traurig", erklärt Katharina Sperling, Pressesprecherin des Berliner Tierparks.

Bartgeier Basalte am 08.10.2020 (Quelle: Christian Couloumy)
Adulte Bartgeier bilden ein helleres Gefieder aus. Basalte im Ecrins Nationalpark, in den französischen Alpen.Bild: Christian Couloumy

Erheblicher Aufwand zur Wiederansiedlung

Der Tod des Vogels ist ein herber Rückschlag für das Artenschutzprojekt. Mit erheblichem Aufwand wird der einst in den Alpen ausgerottete Bartgeier wiederangesiedelt. Eine über Jahrzehnte aufgebaute, sorgfältige und internationale Kooperation von Zoos, Naturparks, Vogelschutzorganisationen und Freiwilligen arbeitet bei der Ansiedlung, dem Monitoring und der Aufklärung der Bevölkerung zusammen.

Im Alter von 90 Tagen werden mit der "Hacking-Methode" je zwei Jungtiere gemeinsam in einen Felsvorsprung freigelassen. In den ersten Monaten nach ihrer Auswilderung werden sie gefüttert und beobachtet, selbst die Anzahl ihrer Flügelschläge wird gezählt, um den Muskelaufbau indirekt einzuschätzen. "Unsere Partner von der Vulture Conservation Fundation leisten hier eine außerordentlich wichtige Arbeit – jeder einzelne Vogel wird vom Forscherteam begleitet und in den ersten Wochen und Monaten genauestens beobachtet", sagt Katharina Sperling.

Den Jungvögeln werden zur Wiedererkennung vor der Auswilderung neben ihrer Beringung einzelne Federn gebleicht und jeweils ein GPS-Sender "angezogen". Jährlich finden europaweite Bartgeierzähltage statt, an denen insbesondere in der Schweiz, Österreich und Frankreich fast 1.000 Freiwillige teilnehmen.

Bartgerie Basalte und Partnerin brüten 2020 im französischen Ecrins Nationalpark. (Quelle: Christian Couloumy)
Basalte und Bartgeier-Partnerin in ihrem Nest im Ecrins Nationalpark in den französischen AlpenBild: Christian Couloumy

Ausnahme im Artenschutzprojekt

Der Vorfall stellt dabei glücklicherweise eine Ausnahme dar. Unter den direkt ausgewilderten Bartgeiern aus dem Tierpark starb nur einer, und das durch eine Attacke eines Steinadlers. Seit 1988 wurden vom Tierpark 34 Junggeier dem Artenschutzprojekt zur Verfügung gestellt. Davon wurden 21 Jungvögel direkt ausgewildert, sieben davon in den Hohen Tauern, fünf in den französischen Alpen, vier in Andalusien, zwei im Engadin, und in den Cevennen wurde neben Dolomie und Fario im Jahr 2012 Basalte freigelassen. Er hat sich im Hochgebirge der französischen Alpen, im Ecrins Nationalpark, zum Brüten niedergelassen, zwei Nachkommen sind hier geschlüpft. Besonders viele Nachkommen hat der weibliche Bartgeier Gelas zu verzeichnen. Elf Jungtiere schlüpften zwischen 2002 und 2016 im Vanoise Nationalpark, unweit des Mont-Blanc-Massivs.

Die Vögel werden mit fünf Jahren geschlechtsreif, im Durchschnitt erfolgt die erste erfolgreiche Brut mit acht bis neun Jahren. Der siebenjährige Nerpio beispielsweise hat sich in Andalusien bereits mit Sonia verpaart, hier steht der Nachwuchs noch aus.

Nahrungsnische, die kaum jemand streitig macht: Knochen

Bartgeier werden ausschließlich an Orten ausgewildert, an denen sie früher heimisch waren. Sie finden sich leicht in freier Natur zurecht: Die Zootiere sind weder darauf angewiesen, Flugrouten noch Jagen zu lernen, als Aasfresser ernähren sie sich von toten Tieren und helfen damit der Hygiene. Bartgeier haben sich eine Nahrungsnische gesucht, die ihnen kaum einer streitig macht: Durch seinen sehr säurehaltigen Magen kann der Bartgeier Knochen verdauen.

In den Cevennen sind die Geier Teil der Landschaft geworden. In der Region gibt es rund 100 so genannte "Placettes", Orte an denen Schäfer verendete Tiere von den Geiern auf natürliche Weise entsorgen lassen.

Bartgeier Fario aus dem Tierpark in den Cevennen im August 2020. (Quelle: Frederic Delmas)Der im März im Tierpark geschlüpfte Fario fliegt in den Cevennen.

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 12.

    Geht's eigentlich noch?? Wenn man schon keine Ahnung hat, wenigstens die F..... halten, ernsthaft!! Es gibt in
    Frankreich, Spanien, auf Malte, in der Türkei, dem Libanon genügend Vollpfosten, die einfach nur Spass und Freude
    am Abschuss eines Vogels haben. Was die Fressen, Jagen oder ob die vielleicht einfach auch nur ins Winterquartier
    fliegen wollen, interessiert die überhaupt nicht. Es geht nur um's Töten, oft mit noch widerlicheren Methoden als
    dem Abschuss. Haben Sie gelesen: 15 Schuss Munition. Was für eine armselige Wurst muss dieser "Jäger" oder
    besser Killer sein!

  2. 10.

    Was meinen Sie mit ihrem Kommentar? Was diese Vögel fressen steht doch im Artikel: Bartgeier fressen Aas. Und falls Sie nicht wissen, was das Wort "Aas" bedeutet: Ass sind sind Tiere, die bereits tot sind. Diese Vögel jagen nicht. Sie töten keine anderen Tieren. Wer lesen kann ist klar im Vorteil und es tut mir Leid, dass Sie ganz offensichtlich nicht zu diesem Menschen gehören.

  3. 9.

    Wird schon ein Grund gehabt haben, den was Frist er den.

  4. 8.

    Läuft in Frankreich. Bergab und Rückwärts aber läuft

  5. 7.

    Wie dumm muss dieser Mensch sein?

  6. 6.

    Da zeigt sich auch, wie wichtig Zoos sind. Schade um den Bartgeier.

  7. 5.

    Das ist so schlimm und feige, was der Mensch sich dabei gedacht bzw. nicht nachgedacht hat, der das getan hat. Ich hoffe, man erwischt denjenigen und bestraft ihn mit voller Härte. Ich wünsche viel Erfolg bei der weiteren Auswilderung dieser wunderschönen und eleganten Bartgeier. Das gilt natürlich auch für die vielen anderen Auswilderungsprojekte von immer mehr gefährdeten Tieren.

  8. 4.

    Es stimmt traurig, dass das Tier Vogelwilderei zum Opfer gefallen ist. Es wäre aber schön, wenn dies zum Anlass genommen würde, neuerlich auf das Thema aufmerksam zu machen. Etliche Zugvögel werden jährlich Opfer illegalen Abschusses, in diversen Staaten.
    Dass man hier den Schuldigen dingfest machen wird, glaube ich nicht.

  9. 3.

    Da ich mich den halben Tag zu Corona ausgelassen habe,
    muss ich jetzt wenigstens noch eine Lanze für den Bartgeier brechen!
    Wer macht denn sowas?
    Sinnlos ein Tier abknallen und dann liegen lassen?
    Armer Geier!
    Da hatte ein Zoo mal eine gute Aufgabe (Arterhaltung) und
    dann sowas.
    Ich habe vor Jahren im Garten einen Milan gesehen, der gerade die Flügel gespreizt hat.
    Das war ein einzigartiges Erlebnis. Dazwischen hätte ein Auto gepasst.


  10. 2.

    Das spricht mal wieder für die Blödheit der Menschen.

  11. 1.

    :-( oh Mann, Idioten...

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