Einblick in eine Restaurantküche (Bild: imago images/Cavan Images)
Audio: Inforadio | 15.10.2020 | Dirk Behrendt | Bild: imago images/Cavan Images

"Transparenzbarometer" - Berlin plant Hygiene-Ampel für Gastronomie ab 2023

Beim Restaurant- oder Café-Besuch, beim Bäcker oder in der Kantine soll in Berlin künftig ein "Transparenzbarometer" anzeigen, wie es dort um die Hygiene bestellt ist. Den Gesetzentwurf dazu hat die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz ausgearbeitet. "Wir streben an, dass es noch in diesem Jahr einen Senatsbeschluss dazu gibt", sagte ein Sprecher am Mittwoch. Zuvor hatte der "Tagesspiegel" online (Mittwoch) darüber berichtet.

Betriebe sollen zuvor nachbessern können

Das sogenannte Barometer ist ein Farbstrahl, bei dem für den Betrieb mit einem Pfeil markiert wird, wie die Lebensmittelkontrolleure des Bezirks ihn von Grün für gut über Gelb für mittel bis Rot für schlecht einstufen. "Wir wollen für die Gäste und die Kunden Transparenz schaffen", sagte der zuständige Senator, Dirk Behrendt (Grüne), der Zeitung. "Die Menschen sollen wissen, was sie erwartet. Sie können ja nicht selber in der Küche nachschauen."

Dem rbb sagte Behrendt am Donnerstag, Betriebe sollten zunächst die Chance erhalten nachzubessern, bevor der Sticker angebracht wird: "Wir wollen ja niemanden anschwärzen und sagen, ihr seid alle schlecht, ihr kriegt alle eine rote Bewertung und die Kunden bleiben weg, sondern wollen sie mit einem Stups dazu bringen, dass sie mehr auf die Hygiene achten."

Regelung greift erst nach der Corona-Pandemie

Laut Behrendt soll das neue "Gesetz zur Transparentmachung von Ergebnissen amtlicher Kontrollen in der Lebensmittelüberwachung" nicht während der Corona-Pandemie in Kraft treten, um die Gastronomen nicht zusätzlich zu belasten. Das "Transparenzbarometer" wird voraussichtlich 2023 verpflichtend, Unternehmen können es den Angaben zufolge aber schon davor freiwillig einsetzen.

Bei der Bewertung werden unterschiedliche Kriterien in den drei Kategorien Verhalten des Unternehmers, Verlässlichkeit der Eigenkontrollen und Hygienemanagement herangezogen. Dazu zählen etwa, wie gut die Bestimmungen aus dem Lebensmittelrecht eingehalten werden, wie es um die Mitarbeiterschulung zu entsprechenden Themen steht, wie gut der Betrieb instandgehalten wird, ob die Kühlung funktioniert oder Reinigung und Desinfektion ernst genommen werden.

Sendung: Inforadio, 15.10.2020, 16:52 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    Auch ich bin verwundert, warum die Umsetzung so unfassbar lange brauchen soll. Die entsprechenden Hygieneprüfungen gibt es doch bereits, nur das Ergebnis bleibt für den Kunden geheim. Der erfährt nur davon, wenn die Zustände so extrem sind, dass der Betrieb geschlossen werden muss. Alle anderen kleinen und großen Sauereien kann der Betreiber heimlich still und leise weitermachen und damit mächtig Geld sparen, weil ordentliche Hygiene eben auch ein Kostenfaktor ist. So kann man den Gewinn nämlich auch optimieren, weil der Kunde eigentlich dafür genug zahlt.

  2. 9.

    Es geht hier ausschließlich um Hygiene, nicht um Qualität der Waren oder Umweltschutz. Eine Vernachlässigung der Hygiene ist niemals entschuldigst, sie ist entweder in Ordnung, dann gibt es grün, oder sie ist es nicht, dann wird je nach Schwere abgewertet. Das Mindestmaß an Hygiene kann und muss jeder beim Umgang mit Lebensmitteln gewährleisten. Das trifft auch für den kleinen regionalen Bäcker zu. Da gibt es keinen Bonus. Das System funktioniert in Dänemark seit langer Zeit hervorragend. Dort gibt es Smileys auf einer Hygiene-Urkunde, die zwingend gut sichtbar am Eingang ausgehängt werden muss. Hygienisch miserable Zustände sind entsprechend deutlich zurück gegangen. Ich wünsche mir das für Deutschland schon lange.

  3. 8.

    Eine längst überfällige Idee, die unsere dänischen Nachbarn schon seit Jahren erfolgreich praktizieren. Dass der Pankower Vorstoß 2014 nach lauten Protesten des DEHOGA verhindert wurde, war ein weiteres Indiz dafür, wie es um die Hygiene in der Berliner Gastronomie bestellt ist. Wer Zweifel an der Sinnhaftigkeit hat, kann ja mal nach „Hygiene Checks Pankow“ googeln und sich die Bilder anschauen. Guten Appetit!

  4. 7.

    Hygienehinweise waren doch vor Jahren schon mal angedacht und einige Restaurants hatten auch ihre Aufkleber an den Türen gehabt. Wurde aber nach kurzem aber abgeschafft (war damals Bezirk Pankow dagegen?)

  5. 6.

    Wer wissen möchte, wie es in der Küche eines Restaurants aussieht, sollte sich vorher die Toilette ansehen. ;)

  6. 5.

    Eine im Prinzip sinnvolle Maßnahme, denn Transparenz hat ja noch nie geschadet.

    Der weitere Aspekt, der damit verbunden sein könnte, hat mit dem individuellen Verhalten derjenigen zu tun, die als Kunden dieses Barometer erblicken und es für sich einordnen. Ich hoffe mal, dass ein geringfügig geringerer Wert bei der Hygiene nicht als ausschlaggebender empfunden wird als die Qualität, die ein Bäcker herstellt. Wenn es so wäre, würden die 08/15-Backketten, die ihre Billigware von sonstwoher per Autobahn und per Flug beziehen, besser abschneiden als der klassische Bäcker, der zwar grundsätzlich auf Hygiene achtet, aber doch niemals ein umfangreiches Management auf die Beine stellen kann.

    Muss nicht so sein, aber kann. Mit diesem Zungenschlag bitte ich meinen Beitrag zu verstehen.

  7. 4.

    @Wolfgang: Bisher gab es eine solche Maßnahme doch noch gar nicht, inwiefern kann man sich dann darüber beklagen, dass sie "erst" 2023 kommen soll? Gibt es in Fürstenwalde schon eine solche Ampel?

    Schwierig finde ich die Ausgangsbewertung, da es den Behörden vermutlich nicht vor Beginn dieser Ampel möglich sein wird, sämtliche Gastronomiebetriebe zu besuchen oder auch nur aus dem Büro heraus anhand von Unterlagen oder dergleichen zu bewerten. Bekommt also am Anfang jeder Betrieb eine grüne Ampel?

    Unabhängig von Verfahrensfragen und Fehlern, die am Anfang bestimmt gemacht werden (wie bei allen neuen Unternehmungen) finde ich die Idee gut und bin gespannt auf die Umsetzung.
    Eine rote Ampel wird man als Betreiber bestimmt um jeden Preis verhindern wollen. Und selbst wenn nur diese Furcht der Antrieb für eine angemesse Hygiene im Betrieb sein sollte, ist den Kunden damit auch schon gedient.

  8. 3.

    2023 ? Ist das durch die Blume gesagt, dass wir noch so lange corona erleben dürfen oder ist es einfach nur eine der vielen nicht realisierbaren Ideen von RRG?
    Persönlich hoffe ich auf die typische RRG unrealisierbare Idee.

  9. 2.

    Bisschen spät 2023. Bis dahin kann also weiter geschlampt werden von den schwarzen Schafen in der Gastronomie.
    Wieder so eine Posse.

  10. 1.

    Hygiene-Ampel für Gastronomie
    Idee ist ja nicht schlecht. Nur frage ich mich wer das überwachen soll.

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