Visualisierung der neuen Empfangs- und Wartehalle des ZOB am Berliner Westend (Quelle: Architekturbüro Die Brücke)
Bild: Architekturbüro Die Brücke

Neubau bis 2022 - Abriss der Wartehalle des ZOB wird vorbereitet

Einige Imbisse sind bereits geräumt, eine Klavierschule musste ausziehen: Am Berliner Westend steht der Abriss der ZOB-Wartehalle bevor. Innerhalb von zwei Jahren soll dort ein neuer, heller und weitaus größerer Ersatz entstehen.

Baustelle am ZOB in Berlin (Quelle: rbb/Vanessa Witzki)
Bild: rbb/Vanessa Witzki

Am Zentralen Omnibusbahnhof in Berlin-Charlottenburg wird der Abriss der Warte- und Empfangshalle vorbereitet, dem sogenannten Haus AC auf dem Gelände. Das teilte die Senatsverwaltung für Umwelt Verkehr und Klimaschutz auf Anfrage von rbb|24 mit. Einige Nebengebäude sind bereits geräumt und werden derzeit entkernt. Mit dem Abriss werde begonnen, sobald ein Neubau an der Zufahrt fertiggestellt ist, hieß es. Dann "kann die Leitstelle des ZOB dort ihren Dienst aufnehmen und der vollständige Abriss von Haus AC erfolgen".

An gleicher Stelle wird anschließend ein neues, zweistöckiges Bahnhofsgebäude entstehen, das sich durch eine offene Architektur mit großen Glasflächen auszeichnet. Dort soll künftig eine größere Wartehalle untergebracht werden. Standen bisher 80 Sitzplätze zur Verfügung, sollen es künftig 280 sein. Außerdem soll es künftig ein größeres gastronomisches Angebot geben. Die Senatsverwaltung rechnet damit, dass dieser dritte und letzte Bauabschnitt im Jahr 2022 fertiggestellt werden kann. "Der ZOB wird für die Fahrgäste deutlich mehr Komfort und Service bieten und künftig überall barrierefrei sein", hieß es.

Deutliche Kostensteigerung wegen maroder Bausubstanz

Insgesamt rechnet das Land mit Kosten von knapp 40 Millionen Euro für den komplett überholten Busbahnhof. Ursprünglich hatten die bestehenden Gebäude nur saniert werden sollen. Dafür waren Kosten von 3,7 Millionen Euro für die Infrastruktur veranschlagt worden sowie rund fünf Millionen Euro für die Sanierung von Wartehalle, Sanitäranlagen und der Verkehrsleitstelle.

Bei den Vorbereitungen stellte sich jedoch heraus, dass die originale Bausubstanz aus den sechziger Jahren marode war. Stattdessen wurden ein Abriss und Neubau bei laufendem Betrieb beschlossen. 2016 waren dafür 14 Millionen Euro vorgesehen. Mehrfach musste diese Kalkulation nach oben korrigiert werden. Zuletzt im Dezember um drei Millionen Euro. "Die Preise für Leistungen des Baugewerbes sind stark gestiegen", so die Senatsverwaltung. "Daher unterliegt, wie andere Bauvorhaben in Berlin, auch der ZOB einer Kostensteigerung."

Neue Haltestellen werden bereits genutzt

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1966 hatte der Berliner ZOB sich nicht grundlegend verändert. Mit der Liberalisierung des Fernbusverkehrs in Deutschland Anfang 2013 stiegen die Beförderungszahlen allerdings derart rapide, so dass die Infrastruktur der alten Anlage an ihre Grenzen geriet. Vor Beginn der Corona-Pandemie nutzten pro Jahr rund sechs Millionen Passagiere den Berliner ZOB. Seit einigen Wochen sind die neuen Haltestellen vollumfänglich zugänglich.

Berlins Zentraler Omnibusbahnhof am Messedamm von oben (Quelle: Bildagentur-online/Schoening)

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7 Kommentare

  1. 7.

    Das Konzept der BusshalteStelle stammt noch aus der Zeit der automobilgerechten Stadt (selbstverständlich mit AbgasVerbrennungsmotoren) Damals war noch zu erwarten das der Zuzug von Migranten mit und ohne Dt. Staatsbürgerschaft anhält. Es fehlt dort ein Konzept zur Elektromobilität. Zum fehlenden Bahnumsteiger wurde schon einiges gesagt. Das nahe gelegene AutobahnAnschlusskreuz wird mit Fertigstellung diese ZOB umgebaut. Nun endlich werden wohl auch alte Bahnverbindungen nach HRO RÜG Stettin DD Prag Wien usw. reaktiviert.
    Die Zentrale Lage bedeutet Stundenlange Anfahrt. Fazit überdimensioniert. Nicht der Zeit entsprechend! SeelenverkäuferBusunternehmen dürfen weiterhin ihre Marode Flotte auf unsere Straßen schicken.

  2. 6.

    Von Warte und - Empfangshalle kann man wohl kaum sprechen. Eher von einem Obdachlosenhäuschen, wo es überall nach Schweiß und Urin riecht. Wer hier auf seinen Bus warten muss muss sich anschließend die Hände desinfizierten, weil alles klebrig und glibberig ist.

  3. 5.

    Nur 2 Jahre und 40 Millionen? Ich glaube da geht doch bei beiden Zahlen noch was.

  4. 4.

    Gewiss wird auch von Autobahn gesprochen, weil Fahrzeugen - gleich, ob Asphalt oder Schiene - eine Bahn angeboten wird. Da ist das Prinzip Bahn gemeint, so auch volkstümlich bspw. bei "sich den Weg bahnen". Das ist in der Tat "größer" als die Eisenbahn, die Bahn auf Schienen.

    Wo aber sind auf einem Bushof, der dem Ein- und Ausstieg aus Bussen und in Busse dient, solche Bahnen zu sehen? Ich ziehe manchmal "meinen Hut" vor der akribischen Lenkarbeit derjenigen, die die Busse fahren.

  5. 3.

    Aus Wikipedia: "Eine veraltete volkstümliche Bezeichnung lautet Gummibahnhof." Alles klar?

    "Von Bahn ist weit und breit nichts zu sehen." Stimmt nicht ganz: von EISENbahn ist nichts zu sehen.

  6. 2.

    Warum wird das Areal eigentlich Busbahnhof genannt? Von Bahn ist weit und breit nichts zu sehen. Meines Erachtens müsste es Bushof heißen. Das aber klingt offenbar zu profan, sodass die Bus-Einstiegs- und Umsteigehöfe deshalb sprachlich vom Bahnhof profitieren wollen.

  7. 1.

    Bei 6 Millionen Passagieren pro Jahr - also so viele wie an den Flughäfen (stimmt das?!) - erscheint die Wartehalle unterdimensioniert ;) Flächeneffizienz und Kosten erscheinen erstaunlich im Vergleich zum BER Flughafen. Bleibt zu hoffen, dass der europäische Ausbau der Bahnen ebenso zügig vorangebracht wird.

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