Neolithische Rinderbestattungen bei Schmerzke (Bild: Krauskopf/BLDAM)
Bild: Krauskopf/BLDAM

Bei Brandenburg an der Havel - Grabstätte mit Rindern aus der Jungsteinzeit entdeckt

Brandenburg ist weiterhin ein gutes Pflaster für Archäologen: Wenige Monate nach dem Fund eines mehr als 5.000 Jahre alten Frauenskeletts in der Uckermark ist jetzt im Westteil des Landes eine Grabkammer aus der Jungsteinzeit entdeckt worden.

Drei seltene Rinderbestattungen aus der Jungsteinzeit sind von Archäologen bei Neuschmerzke nahe Brandenburg an der Havel entdeckt worden. Sie gehörten zur Kugelamphorenkultur, teilte das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM) am Dienstag mit. Diese wurde nach den für diese Zeit typischen kugelförmigen Gefäßen benannt, die einen reich verzierten zylindrischen Hals haben.

Neolithische Rinderbestattungen bei Schmerzke (Bild: Krauskopf/BLDAM)
Das Archäologenteam bei den Grabungsarbeiten | Bild: Krauskopf/BLDAM

Funde sind "erstaunlich" gut erhalten

Der Zustand der Gefäße nach 5.000 Jahren im Sandboden sei wirklich erstaunlich, sagte Ralf Lehmphul, Fachreferent des Landesamtes für steinzeitliche Archäologie. Von den Knochen hingegen seien wegen der Kalkarmut der sandigen Böden meist nur Zähne und einzelne Skelettreste gefunden worden.

Die Rinderbestattungen gruppieren sich um eine aufwendig konstruierte Grabkammer mit teilweise verbrannten menschlichen Resten aus der gleichen Zeit. Die Anlage vermittle einen Einblick in das komplexe Totenritual an der Wende vom 3. zum 2. Jahrtausend vor Christus, wird betont. Zudem werde die kultische Bedeutung der Rinder in jener Epoche dargestellt.

Neolithische Rinderbestattungen bei Schmerzke (Bild: U. Uhl/BLDAM)
Völlig intakt: eine mehr als 5.000 Jahre alte Amphore | Bild: U. Uhl/BLDAM

Keramikgefäße noch intakt

Die reich mit Schnureindrücken und Einstichen verzierten Gefäße wurden nach den Angaben vorsichtig geborgen. In der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes werden sie nun präpariert und weiter erforscht.

Auch wenn sich von den Rindern nur die Zähne und einzelne Skelettreste im sandigen Boden erhalten hätten, seien die Keramikgefäße auch nach 5.000 Jahren noch intakt, hieß es weiter. Die reich mit Schnureindrücken und Einstichen verzierten Kugelamphoren seien vorsichtig im Block geborgen worden und würden nun weiter erforscht.

Weiterer außergewöhnlicher Fund in der Uckermark

Erst im Mai war an anderer Stelle in Brandenburg ein spektakulärer archäologischer Fund gelungen: In Bietikow (Uckermark) wurde ein Frauenskelett ausgegraben, das mehr als 5.300 Jahre alt war.

Die Frau lebte wahrscheinlich zwischen 3.500 und 3.100 vor Christus - höchstwahrscheinlich zwischen 3.400 und 3.300 v. Chr. Die Knochen sind also etwa so alt wie jene von "Ötzi", der berühmte Gletschermumie aus den Alpen. Die Frau wurde innerhalb einer Siedlung begraben. Sie ruhte in der sogenannten Hockerstellung, die nach Auskunft des Archäologen eine der ältesten Formen der Niederlegung von Verstorbenen ist.

Sendung: Brandenburg aktuell, 13.10.2020, 19:30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Eine Zeit in der die Tiere noch geachtet wurden. Daran sollte man sich ein Beispiel nehmen.

  2. 1.

    Herzlichen Glückwunsch, mich begeistern solche Funde immer wieder.

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