Torbogen eines Zisterzienserklosters in Himmelpfort (Quelle: imago images/Hohlfeld)
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Pilgern auf dem Brandenburgischen Klosterweg - Spirituelle Erfahrungen auf den Wegen des Mittelalters

Von Himmelpfort bis Zehdenick führt das zweite Teilstück des Brandenburgischen Klosterwegs. Der Pilgerweg verbindet ehemalige Zisterzienserklöster in der Region und führt zu Begegnungen mit sich selbst und anderen. Von Susanne Hakenjos

Kleine hellbraune Schilder mit einer weißen, fünfteiligen Muschel stehen bereits auf dem ehemaligen Klostergelände am Himmelpforter Haussee. Von hier führt der Brandenburger Klosterweg über 36 Kilometer bis zum ehemaligen Nonnenkloster Zehdenick. Das Emblem des neuen Pilgerwegs entstand in Anlehnung an das Logo der Jakobswege, der stilisierten gelben Muschel auf blauem Grund, erklärt Karl-Otto Winkler vom Himmelpforter Kirchengemeinderat.

Die Strecke soll 100 Kilometer lang werden

Von Winkler stammt die Idee, ehemalige Zisterzienser-Klöster im Norden Brandenburgs durch einen Pilgerweg zu verbinden. Im Logo des Brandenburgischen Klosterwegs ist die geöffnete Jakobsmuschel aufgefächert zu fünf gotischen Spitz-Bögen, die damit an die Form gotischer Kirchenfenster erinnert, erläutert Pfarrer Gernot Fleischer vom evangelischen Kirchenkreis Oberes Havelland. An die Zeit der Gotik will das Projekt erinnern, an die im Mittelalter gebauten Zisterzienser und Zisterzienserinnen-Klöster, die Brandenburg geistig-kulturell und wirtschaftlich geprägt haben.

Am 19. September wurde das zweite Teilstück offiziell eröffnet, jetzt werden bis Ende Oktober 100 Muschel-Wegweiser auf der Strecke bis Zehdenick angebracht. 2021 wird der Weg dann über eine Gesamtstrecke von gut 100 Kilometern weniger bekannte Kloster-Standorte miteinander verbinden.

Initiator Karl-Otto Winkler (li.) mit Pfarrer Gernot Fleischer auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienser-Klosters Himmelpfort (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)
Bis Ende Oktober werden 100 Muschel-Wegweiser zwischen Himmelpfort und Zehdenick angebrachtBild: rbb/Susanne Hakenjos

Im Pilgern sich selbst auf die Spur kommen

Himmelpfort wurde als Koster vom Orden der Zisterzienser im Jahr 1299 gegründet, 1660 wurde ein Teil zur heutigen evangelischen Pfarrkirche umgebaut, gerade wird das Brauhaus der "Weißen Mönche", [Zisterzienser erhielten diesen Namen aufgrund ihrer weißen Mönchskutten mit schwarzem Überwurf, d. Red.], mit seinem repräsentativen gotischen Schaugiebel wiederaufgebaut.

Während das erste sechs Kilometer lange Teilstück ab Fürstenberg, das bereits 2019 eröffnet wurde, noch vorhandene Wanderwege nutzt, führt der spirituelle Weg ab Himmelpfort nun über ganz neue Strecken, mitten durch ganz viel Natur.

Pilgern hat touristisches Potenzial

Von der Klosterruine aus kann jetzt bis Zehdenick gelaufen werden. "Bis zum Kloster in Zehdenick ist das eine sehr schöne Wegeführung", findet Pfarrer Fleischer, "sehr abwechslungsreich, wald-, wiesen- und wasserreich, auch die Tonstichlandschaft bei Zehdenick ist sehr schön. Eine Landschaft, die einlädt zum Laufen und sich selbst auf die Spur zu kommen."

Karl-Otto Winkler, der auch Mitglied im Vorstand der Bürgerstiftung Kulturerbe Himmelpfort ist, erklärt den Weg: "Wir laufen zunächst vom Stolpsee weiter entlang der Havel, queren kurz vor Bredereiche die Verbindungstraße, erreichen die Ortschaft also von hinten her."

Die Zehdenicker Verwaltung unterstützt das Projekt, etwa dort, wo Wege extra umgewidmet werden mussten. Auch der Tourismusverein ist engagiert mit im Boot, erklärt Grit Kutsch von der Tourist-Info: "Wir sind gemeinsam die ganze Strecke abgefahren, haben alles durchgeschaut: Wo können die Muschel-Emblem-Schilder angebracht werden, wo müssen neue Wegweiser aufgestellt werden?"

Himmel und Wolken spiegel sich in der Oberhavel bei Himmelpfort (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)
Der Pilgerweg führt durch ganz viel Natur, schwärmt Initiator Karl-Otto WinklerBild: rbb/Susanne Hakenjos

Weiter bis Zehdenick geht es mitten durch die Tonstichlandschaft, deren früherer Tagebau zu einer 3.200 Quadratmeter großen Seenlandschaft umgestaltet wurde. In schwerster Handarbeit wurde hier früher mit messerscharfen Tonspaten Stich für Stich der Ton für die Ziegelproduktion abgebaut. "Man läuft durch die einzelnen Tonstiche, mit viel Wasser, Vögeln, viel Natur - das ist eine ganz fantastisch-schöne Strecke", schwärmt Kutsch.

Aus Sicht der Touristiker stellt der Pilgerweg eine Bereicherung für den Tourismus in der Region dar: "Pilgern hat Potenzial, einfach weil man es auch das ganze Jahr machen kann. Wir freuen uns bereits auf die vielen Pilger", sagt die Mitarbeiterin der Tourist-Info. Der Klosterweg sei ein neuer, willkommener Baustein zum großen Wasser- und Radtourismus in der Region. Herbergen, in denen die Pilger unterwegs ihr müdes Haupt betten können, stehen bereits parat, sagt Kutsch.

Spirituelle Erfahrungen auf der Spur der "weißen Mönche"

Neben dem äußeren Weg geht es auch um den inneren Weg: Unterwegs auf dem Brandenburgischen Klosterweg kann es zu ganz individuellen spirituellen Erfahrungen kommen, sagt Pfarrer Gernot Fleischer. Pilgern sei mehr als bloßes Wandern, sagt er: "Man kann sich einfach von der Schönheit, von der Sprache der Architektur der Kirchen ansprechen lassen. Andere Menschen mag dagegen die Natur, der sie begegnen, begeistern." Wichtig sei dabei, dass man Freiraum und Zeit habe, über sich nachzudenken, dass man auf dem Weg, den man gehe, seinem Lebensweg ein Stück näherkomme, und schaue, was eigentlich wesentlich sei, wo man hinmöchte, sagt Fleischer. All das spiele eine Rolle beim Pilgern, "auch dass man sich vielleicht freiläuft von den Dingen im Alltag, die einen belasten."

Und so könne auch das kulturelle und geistliche Erbe der Mönche und Nonnen im Geist der lutherischen Reformation neu entdeckt werden, erläutert der Pfarrer aus Lychen, der auch die Kirchengemeinde Himmelpfort betreut. "Man mag sich vielleicht wundern, warum wir als evangelische Kirchengemeinden uns für dieses Zisterzienser-Erbe interessieren und diesen Pilgerweg ins Leben rufen, das hat ja alles eigentlich seinen Ursprung im Katholischen. Die Orden, die Klöster, waren ja katholisch. Aber das haben wir abgelegt, also es soll keine 'Verpflichtung' sein, man soll sich nichts 'erwerben' können. Es sind freiwillige Übungen, die einem gut tun können."

Pilgerstempel, spirituelle Begegnungen, Selbstveränderung

Auch Pilger-Stempel wie beim Jakobsweg lassen sich unterwegs sammeln. Im ehemaligen Nonnekloster in Zehdenick (gegründet 1250) mit seiner eindrucksvollen Ruine des großen Dormitoriums, erhaltenen Giebelwänden und mehreren Gewölberäumen als dem 14. Jahrhundert, werden die Stempel ausliegen. Gestempelt wird in einen kleinen Flyer, der als Pilger-Buch dient und in den Informationszentren für Touristen der Region ausliegt. Schon wurde auch die nächste Etappe über Gransee bis zur Zisterzienserinnen-Klosteranlage (um 1230) in Lindow/Mark im Kreis Ostprignitz-Ruppin ausgeguckt.

Von Lindow mit seinem 2019 eröffnetens "Garten des Buches" wird die Strecke ab 2021 weiter nach Mirow in Mecklenburg-Vorpommern führen, dort schließt der Brandenburgische Klosterweg wieder an den bereits bestehenden Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte an. Dort werden jährlich bereits etwa 1.000 Pilger gezählt. Auf der Spur der Mönche und Nonnen werden unterwegs besondere geistige Begegnungen am Weg möglich.

Initiator Karl-Otto Winkler, freut sich bereits auf anregende geistige Gespräche: "Wir haben ja bereits die gesamte Runde vorbesichtigt und in Lindow/Mark haben wir den glücklichen Umstand, dass es dort einen Eremiten gibt. Und dieser hat sich bereits spontan bereiterklärt, für diesen Bereich für spirituelle Begegnungen zur Verfügung zu stehen." Immer mehr Menschen auch in Brandenburg interessierten sich für diese Art des Sich-Besinnens, ist sich Karl-Otto Winkler sicher. Der Bauingenieur verfügt bereits über Pilger-Erfahrung und beschreibt die Faszination: "Sie erlaufen sich Wege wesentlich intensiver. Und es können auch ganz andere Emotionen freigesetzt werden. Das ist das Ziel letztendlich. Es verändert einen schon, diese Erfahrung habe ich gemacht."

Hintergrund

Das zweite Teilstück des "Brandenburgischen Klosterwegs" wurde am 19. September mit Vertretern des Evangelischen Kirchenkreises Oberes Havelland, Stiftsamtsfrau Gabriele Pielke vom Evangelischen Stift Kloster Zehdenick und Vertreter der Stadt Zehdenick gemeinsam feierlich eingeweiht. Der erste fünf Kilometer lange Abschnitt des Brandenburgischen Klosterwegs wurde im Mai 2019 zwischen Fürstenberg und Himmelpfort eingeweiht.

Das Evangelische Stift Kloster Zehdenick ist eine kirchliche Stiftung, die von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz beaufsichtigt wird. Es bietet Wohnraum für kirchennahe Personen. Einige Räume werden von der Kirchengemeinde, dem Posaunenwerk der Landeskirche und einer Beratungsstelle für Ehe- und Familienfragen genutzt. In den Gewölbesälen finden kirchliche und sonstige öffentliche Veranstaltungen statt.

Zisterzienser in Brandenburg: Im Spätmittelalter hatte der im französischen Burgund gegründete Orden der Zisterzienser ein weites Netz von Klöstern über ganz Europa gelegt. Auch im heutigen Nordosten Deutschlands gab es eine beachtliche Zahl von Niederlassungen der wegen ihres Habits - weiß mit einem schwarzen Gürtel und schwarzem Skapulier - sogenannten "Weißen Mönche". Deutschland zählt weit mehr als ein hundert ehemalige Zisterzienser-Klöster, die von der "Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland" betreut werden.

Mehr Infos unter: evangelische-zisterzienser-erben.de

Beitrag von Susanne Hakenjos

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