31.10.2020, Berlin: Starke Polizeikräfte begleiten eine Demonstration linker und linksradikaler Gruppen gegen Kapitalismus und Räumungen durch Friedrichshain. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
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Video: rbb|24 | 31.10.2020 | Material: TNN | Bild: dpa/Paul Zinken

Festnahmen in Berlin-Friedrichshain - Pyrotechnik und Flaschenwürfe bei linker Demo gegen Räumungen

Auch gut drei Wochen nach der Räumung des ehemals besetzten Hauses "Liebig 34" in Berlin-Friedrichshain reißen die Proteste nicht ab. Bei einer Demonstration linker Gruppen am Samstag kam es zu Gewalt gegen Polizisten - und mehreren Festnahmen.

Rund 1.000 linke und linksradikale Demonstranten haben am Samstagabend in Berlin-Friedrichshain gegen Räumungen von Wohnungen und den Kapitalismus protestiert. Sie zogen auch an dem kürzlich geräumten Haus Liebigstraße 34 vorbei, das lange ein Symbol der linksextremen Szene in Berlin war.

Nach Angaben der Polizei wurden während der Demo Flaschen und Steine auf Polizisten geworfen. Wie Polizeisprecher Michael Gassen rbb|24 sagte, seien mehrere Randalierer festgenommen worden. Es sei zu Rangeleien gekommen. Zudem seien Autoreifen und ein Container angezündet worden. Insgesamt seien 600 Polizisten im Einsatz gewesen, so Gassen.

20 Festnahmen, 32 Strafermittlungsverfahren

Wie die Polizei am Sonntag bilanzierte, hatte sie insgesamt 14 Männer, fünf Frauen und eine intersexuelle Person vorübergehend festgenommen. Zudem habe sie 32 Strafermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs, des tätlichen Angriffs sowie der versuchten Gefangenenbefreiung und Beleidigung.

Bei dem Einsatz seien nach derzeitigem Polizeistand sieben Beamte verletzt worden, zwei davon müssten in einem Krankenhaus behandelt werden.

Die Demonstranten zogen mit Transparenten mit Aufschriften wie "United we fight" zunächst durch die Straßen rund um den Boxhagener Platz. Unter ihnen waren auch einige Dutzend Linksautonome in schwarzer Kleidung und mit Vermummung. Die Menschen skandierten: "Yuppieschweine raus aus den Kiezen."

Immer wieder zündeten Teilnehmer Böller und Pyrotechnik. Von Dächern am Rand der Strecke wurden Feuerwerksraketen in den Himmel geschossen. Auf der Warschauerstraße hätten Teilnehmer Gegenstände auf die Fahrbahn der Autos geschoben.

Banner von Dach des geräumten "Liebig 34"

Als die Demonstration durch die Rigaer Straße am teilweise besetzten Haus Nr. 94 zur Liebigstraße 34 zog, hing dort ein großes Transparent an langen Leinen vom Dach herab: "L34 forever". Auf dem Dach und umliegenden Dächern standen Menschen und zündeten bengalisches Feuer, schossen Raketen in die Luft und warfen Farbbeutel auf die Straße. Währenddessen hätten Teilnehmer einen Baucontainer und Autoreifen auf die Kreuzung Liebigstraße Ecke Rigaerstraße geschoben und angezündet.

Polizeisprecher Gassen zufolge betraten Polizisten später das Haus und entfernten das Transparent. Bei der Überprüfung der Innenräume seien keine Personen festgestellt worden, so Gassen. Mit einem Scheinwerferwagen leuchtete die Polizei die Kreuzung und benachbarte Häuser aus. Im Internet vermuteten manche Nutzer, das Haus sei erneut zum Teil besetzt worden. Über den Twitter-Kanal "Liebig34bleibt" wurde am späten Abend aber mitgeteilt: "Nicht wieder besetzt. Dennoch: eine mega starke Aktion!!! Liebig 34 lebt! Ungebrochen Unversöhnlich!"

Am Bersarinplatz sei die Demonstration gegen 22 Uhr schließlich von der Versammlungsleitung aufgelöst worden.

Senat: Wachsende Gewalt bei Linksextremisten

Anfang Oktober wurde das besetzte Haus "Liebig 34" unter dem Protest Hunderter Menschen zwangsgeräumt. Dabei setzte die Polizei Kettensägen und Trennschleifer ein, um sich Zutritt zu verschaffen. Es gab mehrere Festnahmen. Seitdem kommt es immer wieder zu Ausschreitungen rund um die Liebigstraße.

In einer Debatte im Verfassungsschutz-Ausschuss des Abgeordnetenhauses vergangene Woche hatte der Senat auf eine wachsende Gewaltbereitschaft bei Linksextremisten hingewiesen. "Linksextremistische Angriffe richten sich nicht nur gegen Institutionen, sondern zunehmend eben auch gegen Personen", sagte Innen-Staatssekretär Torsten Akmann (SPD) im Ausschuss.

Knapp zwei Wochen nach der Räumung zündete eine Gruppe vermummter Täter einen großen Haufen Müll und Fensterrahmen vor dem Haus an. Meterhohe Flammen schlugen empor. Zu dem Zeitpunkt waren auch drei Wachleute im Haus. Niemand wurde verletzt. Die Feuerwehr löschte den Brand.

Sendung: rbb24, 31.10.2020, 21:45 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Frei stehende Häuser sind in dem Teil der Stadt selten. Man erreicht das Dach des einen Hauses deshalb auch vom Dach des Nachbarhauses.

  2. 3.

    Man nimmt den Menschen Lebensqualität und erlaubt solche Demonstrationen? Der Sinn, erschließt sich mir nicht wirklich.

  3. 2.

    Habe ich kein Verständnis dafür daß sich der linke Mob in dieser Stadt austoben darf und die Polizei immer wieder den Kopf dafür hinhalten muß. Hier ist die Politik und die Gerichte gefragt dieses endlich ein Ende zu setzen.

  4. 1.

    Wie kommen die Demonstranten an das Obergeschoss der Liebigstraße 34? Es hieß doch, da sei ein Wachschutz im Haus. Ich nehme an, die Transparent-Entroller werden wegen Hausfriedensbruch angezeigt? Und was ist mit den Brandstiftern, die dort Reifen angezündet haben? Hat es da nicht schon oft genug gebrannt? Wer Feuer in einer dicht bebauten Wohngegend legt, der hat doch nicht mehr alle Tassen beisammen.

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