In Stockholm fährt eine Seniorin auf einem Fahrrad an der Tramstation vorbei. (Quelle: dpa/Alexander Farnsworth)
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Kampf gegen das Virus in Schweden - Die schwedische Corona-Strategie lässt sich Monate durchhalten

Der schwedische Kampf gegen das Coronavirus ist ein Marathon. Davon hat sich der Staat von seiner obersten Gesundheitsbehörde zu Anfang überzeugen lassen und ist der Strategie der moderaten Einschränkungen treu geblieben. Geändert hat sich fast nichts. Von Anke Fink

Seit Beginn der Pandemie hat sich in Schweden nicht viel verändert. Was im März und April galt, gilt jetzt immer noch. Der Staat bittet die Bevölkerung Abstand zu halten, sich regelmäßig die Hände zu waschen, auf unnötige Reise zu verzichten und zu Hause zu arbeiten. Die schwedische Idee war, auf Maßnahmen zu setzen, die sich über Monate, wenn nicht Jahre, durchhalten lassen sollen. In Restaurants darf weiterhin nicht am Tresen bestellt werden und Zusammenkünfte von mehr als 50 Leuten sind nach wie vor nicht gestattet.

Es gibt aber auch keine Maskenpflicht und die Schulen bleiben offen. Einzig in Pflegeheimen wurde das Besuchsverbot seit dem 1. Oktober wieder gelockert. Allerdings gab es in der vergangenen Woche in einigen Einrichtungen neue Infektionsfälle, so dass die Lockerungen zum Teil schon wieder kassiert worden sind. Der schwedische Sonderweg in der Corona-Krise ist kurz gesagt der: Risikogruppen schützen, medizinische Versorgungseinrichtungen nicht überstrapazieren, damit ausreichend Intensivbetten frei bleiben und Virusinfektionen durch Verhaltensänderungen vermeiden.

Menschen sitzen am 06.04.2020 in einem Park in der Sonne. (Quelle: dpa/Maxim Thore)Schweden geht bisher mit freizügigeren Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie vor.
Bild: dpa/Maxim Thore

Mach' es für die Oma!

Die schwedische Regierung hat dabei immer an ihre Bevölkerung appelliert und nie auf Verbote gesetzt. Diese Appelle sind nun nochmal variiert und emotionalisiert worden. So heißt es auf den Bildschirmen in den Bussen: "Arbeite zu Hause, wenn Du kannst!, Benutze keine öffentlichen Verkehrsmittel, wenn Du nicht musst!, Fahr mit dem Fahrrad zu Arbeit!, Mach es für Deine Oma!"
Jetzt, wo der Herbst Einzug hält, werden die Busse und Bahnen aber auch wieder voller. Und Schweden hat genau wie andere Länder wieder mit höheren Infektionszahlen zu kämpfen, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. Nach offiziellen Angaben liegt das an Studentenpartys, Familienfesten, Sportvereinen und der Rückkehr von Menschen in die Büros.

Lokale Lockdowns nicht ausgeschlossen

In der vergangenen Woche hat Schweden nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität 4.509 neue Infektionsfälle und 16 Todesopfer registriert [jhu.edu | Stand vom 14.10.2020]. Sollte der steigende Trend anhalten, sind laut dem Staatsepidemiologen Anders Tegnell auch in Schweden die Maskenpflicht und Lockdowns mit Schulschließungen denkbar, allerdings nur lokal begrenzt, etwa in einzelnen Stadteilen und nicht länger als zwei oder drei Wochen.

Schulbesuch hat oberste Priorität

Der Grund dafür ist der ganzheitliche Ansatz der schwedischen Gesundheitspolitik. Der Schutz vor Krankheiten wird immer auch im Zusammenspiel mit anderen Risiken für die Gesundheit bedacht. So könne ein Lockdown hohen psychologischen Schaden anrichten und zu Alkoholmissbrauch führen. Auch hätten die Kinder ein Recht auf Bildung. Für manche von ihnen sei der Schulbesuch damit verbunden, wenigstens einmal am Tag ein warmes Essen zu bekommen.

All das sind Erwägungen, die auch zu einer gänzlich anderen Quarantäne-Regelung für Kinder führen. Wenn jemand positiv getestet wird, wird sein gesamter Haushalt unter Quarantäne gestellt, aber Schulkinder sind davon ausgenommen. Denn die Regierung geht davon aus, dass die Gewinne aus der Abschottung niedriger sind als der Schaden für die Bildung der Kinder, wenn sie nicht zur Schule dürfen. Außerdem dauert die Isolation nur fünf bis sieben Tage, verglichen mit zwei Wochen etwa in Deutschland. Die Handlungsmaxime hierbei lautet: Das Risiko, die Krankheit in der zweiten Woche zu verbreiten, ist gering. Der Schaden aber für die psychische Gesundheit durch eine längere Isolation ist ungleich höher.

Viele Tote, die nicht hätten sein müssen

Die Gesundheitsbehörde mit dem Epidemiologen Tegnell hat niemals das Ziel ausgegeben, eine Herdenimmunität erreichen zu wollen, hat aber auch gesagt, man müsse einen Weg finden, mit dem Virus zu leben. Viele, viel zu viele, lautet die Kritik aus dem Aus- aber auch Inland, konnten nicht damit leben. Rund 6.000 Menschen sind durch das Coronavirus gestorben. Das ist im Vergleich mit anderen Ländern immer noch eine beängstigend hohe Zahl, gemessen an der Einwohnerzahl von 10,2 Millionen.

Mehr als 5.200 der Verstorbenen waren über 70 Jahre alt. Covid-19 hat den Schweden die Augen für ihre teils katastrophale Situation in der Altenpflege geöffnet, in der prekär Beschäftigte, die nicht auf ihre Arbeit verzichten konnten, das Virus einschleppten. Daraufhin hat die Politik gehandelt und den Pflegekräften vielfach ordentliche Arbeitsverträge gegeben. Der Preis dafür war allerdings sehr hoch. Berichten zufolge hat besonders die Vorgabe, genügend Intensivbetten freizuhalten, Heime und Kliniken dazu veranlasst haben, Menschen sterben zu lassen, anstatt ihnen zu helfen [spiegel.de].

Corona ist nur eines unter vielen Themen in den News

Während das Coronavirus inzwischen wieder den gesamten europäischen Kontinent in die Zange nimmt, bleibt es in Schweden aktuell vergleichsweise ruhig. Seit August sind die Todeszahlen pro Tag einstellig, an manchen Tages vermeldete das Land sogar keinen einzigen Toten. Die nationalen Nachrichten beginnen nicht mit Meldungen über Infektionen, sondern beschäftigen sich eher mit einem Streit um die Lockerung des Kündigungsschutzes, der die Regierung zu Fall bringen könnte. Das Vertrauen der Bevölkerung in die nationale Gesundheitsversorgung ist laut einer aktuellen Umfrage der Universität Göteborg [gu.se] von 68 auf 88 Prozent gestiegen. Das Parlament konnte als Institution den höchsten Vertrauensanstieg verzeichnen und liegt nun bei 59 Prozent Zustimmung.

Kauf von Alkohol ist reglementiert

Auf Sperrstunden oder Alkoholverkaufsverbote verzichtet Schweden. Denn Kneipen haben etwa in der Hauptstadt Stockholm eh nicht länger als bis 23 Uhr auf. Alkohol gibt es nur in den staatlichen Alkoholläden "Systembolage" zu kaufen, die unter der Woche um 19 Uhr schließen und am Samstag bereits um 15 Uhr. Beschwipstes Beisammensein mit der Gefahr, sich anzustecken, muss im privaten Bereich also genau geplant und gewollt sein. Spontan noch ein paar Biere am Späti holen wie in Berlin - das gab es in Schweden noch nie. Das ist in diesen Zeiten aber vielleicht auch gesünder - in jeglicher Hinsicht.

Beitrag von Anke Fink

114 Kommentare

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  1. 114.

    Das mit dem "Gesünder Leben" würde ich hingegen im Vergleich zu den Skandinavischen Länder ganz und gar nicht unterstützen. Aber sei es, wer so denkt darf das natürlich.
    Sonst kann ich diesem Beitrag nicht hinzu fügen.

  2. 113.

    Die Zustimmungsrate der schwedischen Bevölkerung ist in den letzten Monaten von 68 % auf 88 % gestiegen! Daraus kann man ableiten, dass die Bevölkerung mit dem „liberalen Vorgehen“ Schwedens in sehr hohem Masse einig ist.
    Im Gegensatz zu Deutschland, der Schweiz und anderswo, dort liegt das Verhältnis genau umgekehrt! D.h. Diese Bevölkerungen „bevorzugen“ den hart restriktiven Weg, sogar die Ausserkraftsetzung der Gesetze!
    Mir die altbekannte justitianische Regel „Non ex regula jus sumatur, sed ex jure, quod est regula fiat“ in den Sinn. Es ist bemerkenswert, dass die Mentalität in Schweden in reziprokem Verhältnis zu den anderen Länder steht, wenn es um Freiheit, Liberalismus, Verantwortung und damit Zufriedenheit geht.
    Schweden hat auch eine der höchsten Staatsquoten in der Welt, d.h. Der „Wohlstandstaat“ ist in diesem Land eine Selbstverständlichkeit. Und, Schweden zählt dicht hinter Dänemark zu „den glücklichsten Ländern der Welt. 31 % des BIP gehen in die soziale Wohlfahrt.

  3. 112.

    Schweden setzt auf die Eigenverantwortung der Bürger und erinnert laufend an diese "Pflicht". Für mich der richtige Weg, anstatt Verbot über Verbot, Einschränkung und noch mehr Einschränkung. Das ist ein hilfloser Rundumschlag unserer hilflosen Politiker. Angst verhindert rationales Denken.

  4. 111.

    Der schwedische Lern-Erfolg ist sehr hoch - und messbar:
    Im Vergleich zum HöchstStand im Juni sind die "Intensiv-Fälle" bei ca 10%
    und die Todesfälle unter 5%.
    Siehe "Corona-in-Zahlen"
    ----------------------------------------------------------
    Der beste Beweis, dass "die Schweden" es gut machen, sind die Deutschen Medien:
    Beim Start tat sich Schweden sehr schwer - und es war viel negatives zu Lesen.
    Wer jetzt nach +Schweden +Corona sucht, findet alles Möglichen -massenweise-,
    aber zu Schwedens Corona-Entwicklung, als gute Erfolge "vermeldet" werden könnten, DAZU fast nichts !
    Alles Gute - und freundliche Grüsse !

  5. 110.

    Sicherlich haben die Schweden anfangs katastrophale Fehler gemacht beim Schutz der Seniorenheime.
    Daher auch die vielen Toten am Anfang der Pandemie. Beim Vergleich mit Norwegen (reichstes Land Europas)
    sollte man aber berücksichtigen, daß dort ca. 8 -12 Senioren in einem Heim leben, in Schweden dagegen bis zu 400.
    Äh, kleiner Unterschied !!!

  6. 109.

    "Maßnahmen über Monate und Jahre", das sollte jedem doch klar sein. Bei den aktuellen Infektionszahlen dauert es schon 6 Monate bis ganz München infiziert ist. Für die 83 Mio Deutschen brauchts bei 6000 täglich fasst 40 Jahre! Also locker bleiben und dran denken, dass das Impfen bei der Grippe auch nicht so erfolgreich ist wie gewünscht! Man denke nur an die "Welle" vor 2 Jahren, mit besonders "insuffizienten" Impfstoffen. Und auch an der Grippe sind seit jeher auch Junge gestorben, auch ganz "Gesunde", die die Grippe "verschleppt" haben. Doch es gab nie "eine Maskenpflicht oder einen Lockdown". Die Menschheit lebt seit Anbeginn mit Infektionen und dies hat das Bevölkerungswachstum nie ernsthaft verlangsamt.

  7. 108.

    Da liegt doch der Schlüssel: Schweden erreicht ohne krasse Einschränkungen die selben Sterberaten wie Spanien, Frankreich und Italien, welche Maskenpflicht und Lockdowns frönen.

    Damit hat sich der Sinn dieser Eingriffe in die Grundrechte der Menschen komplett erledigt !

    Deutschland steht etwas besser da als viele EU-Nachbarn, schlicht weil der Bürger im Schnitt ein wenig gesünder lebt, vor allem aber, weil die Grippe 2017/2018 welche die tödlichste sei 30 Jahren war, die meisten Kranken und Schwachen dahin gerafft hat. Somit waren jetzt weniger Opfer für das Virus verfügbar. Die med. kennt das als 'Dry-Tinder-Prinzip'

  8. 107.

    "der entscheidende Unterschied zu D ist doch wohl, dass die Menschen in S selbstständig und eigenverantwortich handeln können. Daher reichen dort Empfehlungen und Appelle. Dieselben übrigens, die in D gelten."

    Ah, ja. Darum gibt es auch in Schweden aktuell 12 mal zu viel Erkrankte wie in Deutschland pro 100.000 Einwohner trotz deutlich niedrigerer Einwohnerdichte? Weil dort Appelle reichen?

    In Schweden genügen die Appelle nicht, darum gibt es auch so viele Tote. In keinem Land der Welt reichen Appelle.

  9. 105.

    Man sollte nun nicht pauschal sagen "oh toll nur Schweden hat alles richtig gemacht"
    Auch die Aussagen ... die Schweden denken halt selber nach und die Deutschen sind eben Egoisten... dürfte so auch nicht stimmen, denn dann wären Franzosen, Engländer, Spanier, Italiener usw. alles nur Egoisten.
    Bedeutend interessanter dürfte die Frage sein, was hat man mit den Maßnahmen erreicht ? Wenn man jetzt wieder die Aussagen hört... es ist jetzt von entscheidender Bedeutung.... wir müssen einen 2. Lockdown verhindern .... das hört sich das nicht so an als hätte man mit den Maßnahmen wirklich etwas erreicht, etwas langfristig verbessert.

  10. 104.

    der entscheidende Unterschied zu D ist doch wohl, dass die Menschen in S selbstständig und eigenverantwortich handeln können. Daher reichen dort Empfehlungen und Appelle. Dieselben übrigens, die in D gelten. Nur, dass in D eben die Menschen nicht in der Lage sind, freiwillig Beschränkungen hinzunehmen, in D muss es per Verbot geregelt werden. Sons hält sich keiner daran. In D suchen die Menschen Schlupflöcher in den Regeln.

  11. 103.

    Je mehr ich über Schweden erfahre, umso sympathischer wird mir dieses Land ! Ich habe in den letzten Jahren rund ein Dutzend Bewohner Schwedens persönlich kennengelernt. Zu Zeiten "europäischer Herdentriebmassnahmen" was Corona angeht, bleibt Schweden autonom, lässt sich nicht allzu stark mitreissen, nur ein wenig, hält Augen und Verstand offen. Ein bekannter Schweizer Journalist bezeichnete Corona als selbstfabrizierten "Spuk". Das hat etwas. Bei einem Spuk neigt man zu überzogener Angst ansteller cooler Vernunft. Ich denke, in Schweden spukt es etwas weniger als bei uns.

  12. 102.

    Für mich wichtigste Satz im Artikel: "...Idee war, auf Maßnahmen zu setzen, die sich über Monate, wenn nicht Jahre, durchhalten lassen sollen"
    Viele in D scheinen zu meinen, COVID-19 wäre in ein paar Monaten vorbei, wir müssten nur jetzt mal die Zähne zusammen beißen. Das wäre vllt. so, wenn es ab Januar einen Impfstoff gäbe, mit dem sich innerhalb kürzester Zeit erstaunlich viele Menschen (70%???) weltweit impfen lassen UND (!!) der diesen Menschen einen 100%igen Imfschutz für eine ausreichend lange Zeit (mind. ein paar Jahre) böte. Beides ist extrem unwahrscheinlich. Auch für 2022 oder 2023 noch.

    Kein Politiker spricht von Langzeitstrategien für dieses Langzeitproblem. Mein ultimativer Check für alle derzeit vorgeschlagenen Maßnahmen ist, immer "...für die nächsten 2 bis 7 Jahre" anzuhängen. Einfach mal ausprobieren. Bspw.: "Überlegen Sie sich, ob sie wirklich verreisen müssen" ... für die nächsten 2 bis 7 Jahre.
    "Beherbung nur mit negativem Test" .... für die nächsten ...

  13. 101.

    Schweden mit dem Musterknaben Deutschland zu vergleichen ist nicht anders als Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

    Schweden hat pro 1 Millionen Einwohner unter 600 Tote...
    Deutschland hat pro 1 Millionen 109 Tote....
    Italien Spanien Vereinigtes Königreich Frankreich und USA.......liegen alle bei 600 - 700 Tote pro 1 Millionen Einwohner

    Belgien sogar über 1000 pro 1 Million Einwohnern...

    Übrigens haben unsere Bundesländer auch Riesige Unterschiedliche Zahlen.

    Berlin 64 Tote und Bayern 210 Tote pro 1 Millionen Einwohner warum wird das nicht hinterfragt.

    Nachzulesen unter Statistik corona weltweit.....Google.

  14. 100.

    Wissen Sie Katharina, gleich wird sicher jemand schreiben, dass er einen 3-jährigen kennt, dem das alles überhaupt nichts ausmacht, und sich die anderen Kinder daher mal nicht so anstellen sollen. Das Kind aus Ihrem Beitrag hat zudem sicher noch ganz andere Probleme... Das Mitgefühl für ihre Mitmenschen scheint einigen hier gänzlich abhanden gekommen zu sein - traurige neue Coronawelt.

  15. 99.

    Auch an Sie gilt: Ich hoffe sehr für Sie, dass falls Sie mal eine psychische Krankheit befällt, ihre Mitmenschen Ihnen mit mehr Respekt gegenübertreten, als Sie hier kundtun. Also haben Menschen, die schon vor Corona psychische Probleme hatten kein Recht auf Hilfe und Beistand? Ihnen ging es ja gut, kann dann wohl nicht so schlimm sein bei den anderen... Es ist erschreckend welch feiste Selbstgerechtigkeit einige hier ohne Scham ausbreiten.

  16. 98.

    Sie haben absolut Recht, dass es die Möglichkeit gibt die Grundrechte, nach Artikel 1 - 19 GG, zeitweilig und unter ganz bestimmten Voraussetzungen einzuschränken. Das bestreitet auch niemand und das war bis Mai/Juni meiner Meinung nach so auch in Ordnung. Seither ist es, inbesondere im gelebten Ausmaß, ohne Gesamtstrategie und ohne weitere Beteiligung des Parlamentes so nicht in Ordnung. Das sehen unsere Gesetze nicht vor und dazu gibt es auch klare Entscheidungen der Verwaltungs- Oberverwaltungsgerichte und des Verfassungsgerichtes; abgesehen die Forderung z. B. der FDP seit Juni! Verordnungen, die in unverhältnismäßigem Maß in die Grundrechte eingreifen sind verfassungswidrig. Begründen Sie doch bitte, weshalb ein unberechtigter Eingriff dies nicht sein sollte, denn vielleicht irrt man sich beim Verfassungsgericht ja! Das hat mit "querdenken" übrigens nichts zu tun, aber die haben die Aufhebung vor Gericht durchgekämpft,das stimmt.

  17. 97.

    Was wollen Sie denn genau sagen? Die Geschichtsbücher sind lang und ja, viele bewegen sich derzeit überhaupt nicht, obwohl es Sonderbefugnisse gibt und das Parlament anteilig entmächtigt ist. Da Sie in Geschichtsbüchern zu lesen scheinen, können Sie sich ja einmal überlegen, warum das evtl. eine Gefahr darstellen könnte.

    @Immanuel. Ja, seit März gelten die Sonderbefugnisse und das Parlament ist bei einigen Entscheidungen ausgenommen.
    Verfassungswidrige Entscheidungen (in Auszügen):Demoverbot, Kontaktverbot bei Paaren,Beherbergungsverbot,Kontaktverbot in Paliativkliniken,usw.!Sie lesen doch RBB24 und die Berichten über die Urteile;der Senat ist wegen der Grundrechte gescheitert.
    Kompetenzen werden dort überschritten, wo über die Freigabe des Parlaments hinaus Entscheidungen am Parlament vorbei getroffen werden. Warum glauben Sie denn, dass gerade alles richtig sei und wie interpretieren Sie die Anträge der Opposition und die Rede von Herrn Lindner am 30.09.?

  18. 96.

    Ich hoffe das mit dem Tageslicht war ein Versprecher äh "Verschreiber". Fenster sollte die Münchener Wohnung ja hoffentlich haben.
    Nein - Psychoterror ist das nicht, das ist eine Schutzmaßnahme! Aber diese Ausnahmesituation ist sehr schwierig für Kind und Eltern. Wenn diese Quarantäne vom Gesundheitsamt angeordnet sein sollte, dann ist sie auch berechtigt: direkter Kontakt 15 min lang im gleichen Raum mit dem positiv getesteten Kind.
    Wem machen Sie einen Vorwurf? Was wäre in diesem Fall angemessener?
    Tipps für Eltern in dieser Situation: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/COVID-19_Tipps_fuer_Eltern.pdf

  19. 95.

    Erklären Sie mal einem 3-Jährigen, dass er 14 Tage lang nicht aus seiner Münchner Stadtwohnung rausdarf und nicht ans Tageslicht, bloß weil im Kindergarten irgendein Kind einen postiven Test beim Hausarzt hatte. Und im nächsten Monat ein erneuter Fall und dann wieder mit diesem Kind in eine 14-tägige Quarantäne. Das ist absoluter Psychoterror und unserer Zeitrechnung nicht angemessen..

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