Die Macher des rbb|24 Crime Podcasts "Im Visier": RBB-Moderator Uwe Madel ("Täter, Opfer, Polizei") und Journalistin Teresa Sickert. (Quelle: rbb/Gundula Krause)
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Neue rbb|24-Crime-Podcast "Im Visier" - "Kaum jemand ist so nah dran an den Fällen"

Reale Verbrechen, die Jahre später noch Fragen aufwerfen: Der Crime-Podcast "Im Visier" geht schweren Kriminalfällen nach. Die Podcaster Uwe Madel und Teresa Sickert erklären im Interview, warum Taten aus der Vergangenheit oft spannender sind als aktuelle.

Er ist Ehrenkommissar der Brandenburger Polizei - und natürlich langjähriger Moderator der rbb-Sendung "Täter, Opfer, Polizei", sie hat das Gespür für die spannenden Details: Uwe Madel und Teresa Sickert nehmen sich im neuen Crime-Podcast "Im Visier" reale Fälle aus Berlin und Brandenburg vor, die heute noch unter die Haut gehen. Wie konnte es zu so einem Verbrechen kommen? Gibt es eine Erklärung für die Abgründe des Täters? Mit welchen Methoden konnten die Ermittler das Verbrechen aufklären?

rbb|24: True Crime-Podcast-Formate sind beliebt - aber auch schon recht zahlreich. Warum noch eins?

Teresa Sickert: Die rbb-Sendung "Täter, Opfer, Polizei" kann aus einer einzigartigen Menge an Material schöpfen. Wir können nicht nur Fälle nacherzählen, sondern haben Kontakte und auch Originalton-Material von Betroffenen, Rechtsmedizinern, Ermittlern, Psychiatern. Uwe und sein Team waren häufig sehr nah an den Ermittlungen dran, haben die Orte der Verbrechen als Journalisten besucht. So nah an den Fällen ist kaum jemand dran.

Uwe Madel: Das ist in der Tat besonders: Wir erzählen Geschichten, die wir selbst recherchiert haben. Wir verwerten also keine Zweitinformationen aus Zeitungsartikeln, sondern berichten das, was uns die Beteiligten selbst erzählt haben und in dem Podcast auch selbst erzählen.

Um welche Art von Fällen wird es gehen?

Teresa Sickert: Es geht vor allem um Mordfälle aus Berlin und Brandenburg. Es sind Serientaten dabei und besonders spektakuläre, einzigartige Fälle, die auch den Ermittelnden bis heute in Erinnerung geblieben sind. Es geht um einen brutalen Serienmörder, der scheinbar wahllos Frauen vergewaltigte und mit Unterwäsche umbrachte. Oder um eine verschwundene junge Frau, deren Fall erst nach über 20 Jahren gelöst wird.

Bedienen True Crime-Formate nicht einfach die Sensationslust der Menschen? Worum geht es Ihnen beiden: Grusel, Spannung – oder Aufklärung?

Teresa Sickert: Als Erzählerin möchte ich natürlich Spannung erzeugen, ich möchte, dass die Hörer*innen dranbleiben. Spannend ist für mich aber immer auch zu verstehen, warum etwas passiert ist - aus einer Täter*innen-Perspektive. Ich glaube davon kann man viel mitnehmen.

Uwe Madel: Wir Menschen mögen starke Emotionen. Sie geben uns ein Gefühl von Lebendigkeit. Das ist in der Liebe so, aber auch im Alltag. Und natürlich erzeugen gut gemachte True Crime-Formate starke Emotionen. Aber das ist nicht unser Antrieb. Ich finde es spannend herauszufinden, warum Menschen "böse" werden und wann sie ihre dunklen Fantasien in die Tat umsetzen. Und natürlich - wie man sich und andere Menschen davor am besten schützen kann.

Wird es auch mal lustig?

Teresa Sickert: Selten. Dafür sind die Fälle zu ernst. Aber manchmal fallen wir uns auch ins Wort, weil uns eine lustige Anekdote einfällt.

Uwe Madel: Wir erzählen ja keine kuriosen Kriminalfälle. Die gibt es allerdings auch häufig. Das wäre eine Idee für eine neue Podcast-Reihe...

Uwe Madel, Sie moderieren seit 1992 "Täter – Opfer – Polizei". Dabei geht es um aktuelle Kriminalfälle. Sind die Archivfälle im Vergleich nicht langweilig?

Nein, im Gegenteil. Viele Details, die wir in der aktuellen Berichterstattung noch gar nicht wussten, sind jetzt bekannt. Dadurch können wir im Podcast viel genauer und kenntnisreicher über Tatmotivation und Tatablauf nachdenken. Die Fälle, über die wir im Podcast berichten, sind alle ausermittelt. Das heißt, da wo es möglich war, standen der oder die Täter bereits vor Gericht. Es gab Gutachten von Sachverständigen und Aussagen von Zeugen während der Gerichtsverhandlung.

Teresa Sickert, das Thema Verbrechen ist für Sie neuer. Was war für Sie die Herausforderung bei dem Thema?

Mich berühren besonders Fälle, in denen Kinder oder Jugendliche involviert sind. Ich denke, das wird den meisten Eltern so gehen. Da muss ich schon mal den Kloß im Hals wegschlucken. Und Fälle, die keine Beziehungstaten sind. Diese scheinbare Wahllosigkeit in der Auswahl der Opfer ist schwer zu ertragen.

Und worum geht es in der ersten Folge?

Teresa Sickert: Das ist eine Geschichte, die noch vor der Wende spielt. Es geht um einen Mann, der zunächst in Ostdeutschland Kinder vergewaltigt. Dann wird er in den Westen abgeschoben und beginnt auch hier eine Serie. Fast zeitgleich treibt er sich aber auch immer noch im Osten herum. Wie das überhaupt möglich war und wie Ost- und West-Ermittler den Mann nach dem Zusammenbruch der DDR fassen konnten, erzählen wir in der ersten Episode.

Uwe Madel: Das Besondere an diesem Fall ist, dass er so noch nie öffentlich erzählt wurde, weil das in den Wirren der Nachwendezeit in den Medien keine Rolle spielte. Ich habe sie eher zufällig von den damals beteiligten Ermittlern erfahren. Selbst passionierte True-Crime-Podcast-Hörer werden hier garantiert etwas Neues entdecken.

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1 Kommentar

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  1. 1.

    Warum sollte der Zuschauer verstehen sollen, aus welchem Grund jemand Kinder missbraucht? Warum wird sich wieder nur mit den Tätern beschäftigt? Warum sollen wir uns die Mühe machen, uns mit Beweggründen von Tätern zu beschäftigen? Macht Ihr das, um Quote zu machen und Voyeurismus zu befriedigen? Emphatisch ist das nicht...

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