Symbolbild: Fahrgäste mit Mund-Nasen-Schutz stehen auf dem U-Bahnhof Französische Straße in Berlin-Mitte neben der eingefahrenen U-Bahn. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
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Offener Brief - Studierende und VBB streiten über teureres Semesterticket

Zwischen dem Verkehrsverbund VBB und Studierenden in Berlin und Brandenburg schwelt ein Konflikt: Bis Sonntag sollen die Studierenden entscheiden, ob sie höhere Preise für das Semesterticket akzeptieren. "Uns wird die Pistole auf die Brust gesetzt", klagen sie nun.

Die Studierenden aus Berlin und Brandenburg fühlen sich vom Verkehrsverbund VBB massiv unter Druck gesetzt. Bis Sonntag sollen sie nach eigenen Angaben den geplanten Preiserhöhungen für das Semesterticket für die kommenden drei Jahre zustimmen.

Derzeit liegen die Semesterticketpreise je nach Standort der Hochschule zwischen 280 und 387 Euro. Im ersten Jahr sollen sie um fünf oder sechs Euro pro Semester steigen, auf das Jahr gerechnet um 15 oder 18 Euro. Nach Angaben des VBB können sich die Studierenden für eine einjährige "Brückenlösung" entscheiden, also bereits nach einem Jahr den für drei Jahre geltenden Tarif kündigen.

Studierende fühlen "Pistole auf der Brust"

Studierende in Berlin und Brandenburg haben sich bereits vor Monaten zu einer "Interessengemeinschaft Semesterticket" zusammengeschlossen. Am Donnerstag veröffentlichte die Gruppe einen offenen Brief [lak-berlin.de], in dem zum Widerstand gegen die VBB-Pläne aufgerufen wird.

In dem Brief heißt es, der VBB habe den Studierenden bis kommenden Sonntag (15. November) ein Ultimatum gesetzt. Bis dahin müsse man sich für die Preiserhöhung oder gegen das Semesterticket als Ganzes entscheiden. "Damit wird uns unverfroren eine Pistole auf die Brust gesetzt, und das obwohl aus unserer Sicht die Verhandlungen noch nicht beendet sind", heißt es in dem Brief.

Studierende: "Wir sind mehr daheim als in der Uni"

Matthias Weingärtner, Verhandlungsführer für die Berliner Studierenden, sagte am Donnerstag dem rbb, man fühle sich über den Tisch gezogen. Und: "Wir sehen momentan auch nicht die Situation, einen Drei-Jahres-Vertrag zu unterschreiben. Im Endeffekt kann keiner absehen, wie sich die momentane Situation entwickeln wird. Wir sind momentan wirklich mehr daheim als in der Uni. Und da für die nächsten drei Jahre eine gestaffelte Preiserhöhung mitzumachen, wäre die Katze im Sack zu kaufen."

Tatsächlich finden nur mit wenigen Ausnahmen im Anfang November aufgenommenen Wintersemester Präsenzveranstaltungen in Berliner und Brandenburger Hochschulen statt, die Lehrveranstaltungen werden fast ausschließlich digital durchgeführt. Auch im Sommersemester gab es bereits diese Einschränkungen.

Als Minimum fordern die Studierenden für die kommenden beiden Semester, dass die Preise auf dem Stand 2020 eingefroren werden. Langfristig streben sie das 365-Euro-Ticket an und somit eine Gleichstellung mit Auszubildenden.

VBB verteidigt "moderate" Preisanhebung

VBB-Sprecher Joachim Radünz wies im Gespräch mit dem rbb diese Forderungen als "uneinlösbar" zurück. Über ein 365-Euro-Ticket entschieden im übrigen allein die Länder, und in deren Haushalten sei derzeit wenig Geld. Zudem verwies Radünz auf die steigenden Kosten für die Verkehrsunternehmen. "Um eine ganz moderate Preiserhöhung kommt man da nicht herum", so der VBB-Sprecher.

Man habe die dreiprozentige Tariferhöhung, die alle anderen Fahrgäste träfen, für Studenten extra ein Jahr lang ausgesetzt, das werde erst jetzt nachgeholt, so der VBB-Sprecher weiter. "Das heißt, dass man als Studierender in Berlin ABC im Jahr für 405 Euro, also für 1,11 Euro pro Tag, das gesamte Verbundsystem nutzen kann, das ist wirklich sehr günstig", verteidigte Radünz die Pläne des VBB. An die Studierenden gerichtet sagte er schließlich: "Wir sind weiter gesprächsbereit, unsere Türen stehen auf."

Sendung: Fritz, 12.11.2020, 17:30 Uhr

19 Kommentare

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  1. 19.

    Warum liegt das Toastbrot eigentlich im Kühlschrank? ;)) An Daniel (5.) Wie kommen Sie darauf, dass es eine Rückerstattung vom VBB giebt? Ich bin schon lange Kunde; hab davon aber noch nichts gehört...

  2. 18.

    Wie oft waren die Studierenden im letzen Semester an der Uni? Wie oft in diesem Semester? Wie oft werden Präsenzveranstaltungen im SoSe 2021 und WiSe 22/23 stattfinden? Warum nicht das Semesterticket mangels Bedarf pausieren? Aktuell und seit längerem wird davon abgeraten ohne wichtigen Grund kreuz und quer durch die Stadt zu fahren. Kann sogesehen im Sinne von Public Health ein wesentlicher Beitrag zur Gesundheit auch der Studierenden sein; den ÖPNV selten zu nutzen.

  3. 17.

    Find ich auch gut. Kann auch zu weniger Verkehr beitragen, wenn mensch wohnortnah arbeitet. Wobei für den seltenen Bedarf ÖPNV Tickets gekauft werden können. Ein Ende der Pandemie wurde - wenn alles gut läuft - vorsichtig für das Wintersemester 2021 prognostiziert. Bis dahin gilt der ÖPNV nicht als sicherstes Verkehrsmittel - social distancing!
    "In the United States and most other developed economies, the epidemiological end point is most likely to be achieved in the third or fourth quarter of 2021" www.mckinsey.com/industries/healthcare-systems-and-services/our-insights/when-will-the-covid-19-pandemic-end
    "Until we have an effective vaccine and better contact tracing and testing, Johns Hopkins University epidemiologist Justin Lessler says public health measures should continue encouraging the use of face masks and social distancing."
    www.axios.com/when-will-coronavirus-pandemic-end-ecef1ae7-33b5-474c-8a02-2471742dbe99.html

  4. 16.

    Ich habe mich gerade über die vollkommen überzogen Preise von 280 bis 387 Euro für ein Semesterticket gewundert. Der Grund dafür ist, dass es sich hierbei sehr wahrscheinlich um die gesamten Semestergebühren handelt. Die Preise für das Ticket macht nur einen Teil davon aus. Die realen Preise liegen in Berlin bei 198,80 Euro im Semester für ein ABC Ticket und in Potsdam bei 188,16 Euro für ein Ticket welches für den gesamten VBB-Bereich gültig ist.
    Eine Preiserhöhung von 6 Euro im Semester (ich komme auf 12 Euro im Jahr) ist auch vergleichsweise günstig. DIe ABC-Jahreskarte wurde bei der letzten Preiserhöhung um 116 Euro teurer. Ich hoffe zum Wohle der Studenten, dass sich die AStAs nicht wieder gegen ein Semesterticket entscheiden. An das Desaster beim letzten Mal kann ich mich noch sehr gut erinnern. Alternativen zum ÖPNV sind leider nicht für jeden Möglich, da die meisten nicht den Luxus haben bei schönem Wetter innerhalb von ein paar Fahrradminuten die Uni zu erreichen.

  5. 15.

    Studierende sind Erwachsene, können den Vollpreis zahlen. Fertig.

  6. 14.

    unglaublich
    das Studium ist komplett kostenlos, die steuerfreien Verdienstmöglichkeiten sind auch nicht ohne, fast jeder benutzt das ticket öfter auserhalb der vorlesungszeiten und dann gibt es eine nicht geringe anzahl die nur aufgrund des semestertickets überhaupt noch eingeschrieben sind
    also jetzt mal budder bei die fische diese disskusion wegen max. 2€ montl. ist sowas von daneben
    sry

  7. 13.

    ... zumal Auszubildende in der Regel ein Gehalt bekommen. Studierende müssen neben dem Studium jobben, um an Geld zu kommen.

  8. 12.

    18 Euro pro Jahr sollen für die Jung-Erwachsenen nicht tragbar sein?? Sind ungerechnet 2 Std Mehrarbeit/anno...Unzumutbar!

  9. 11.

    Wer braucht beim "Studieren zu Hause" ÖPNV? Mit Swapfiets verhandeln, die schon jetzt für 14 EUR im Monat ein Fahrrad für Studierende anbieten"
    Und gehen wir noch einen Schritt weiter:
    Wer braucht in Zeiten von "Home-Office" noch einen subventionierten Autoverkehr?
    Also-km-Pauschale abschaffen und ab aufs Rad.
    Sollte dann aber auch für alle gelten.

  10. 10.

    Ich habe auf mein Abo keine Rückerstattung bekommen, wenn ich nichts auf dem Konto verpasst habe. Brauche ich auch nicht. Ich bin froh, dass die BVG weiter voll fährt, auch wenn ich seit Monaten im Homeoffice bin. So gibt es für alle, die sie brauchen, einen Effekt leererer Wagen und wenn ich doch mal bspw. zum Facharzt muss, profitiere auch ich davon.
    Im Artikel stehen 405€ im Jahr. Wie kommen Sie da auf 800€ Mehrkosten?

  11. 9.

    "um fünf oder sechs Euro pro Semester steigen, auf das Jahr gerechnet um 15 oder 18 Euro"
    seit wann hat denn das Jahr 3 Semester?

  12. 8.

    > Mit welcher Begründung?

    Das würde ich auch gern wissen. Faktisch sind Studierende nichts anderes als Auszubildende, haben deshalb meines Erachtens nach auch den Anspruch auf ein 365-Tage-Ticket. Bildung darf keine Frage der Finanzen sein!

  13. 7.

    Ich würde den Vertrag zu den jetzigen Bedingungen kündigen. Studierende werden in der Pandemie sehr bescheiden unterstützt. Wer braucht beim "Studieren zu Hause" ÖPNV? Mit Swapfiets verhandeln, die schon jetzt für 14 EUR im Monat ein Fahrrad für Studierende anbieten. Das sind unter 50 Cent am Tag inklusive Service. Bestimmt wären die bei entsprechender Nachfrage bereit Räder an allen Hochschul-Standorten anzubieten. Mittelfristig könnten die Studierendenvertretungen sogar ein eigenes Leihfahradsystem für Studierende an schlecht erschlossenen Hochschulstandorten aufbauen.
    Ist gesünder - auch ohne Pandemie - und kann die Verkehrswende sowohl im Radverkehr (der dadurch weiter zunimmt) als auch im ÖPNV (der entlastet wird) vorranbringen. Ist ja nicht so, dass etwa die BVG für Studierende bedarfsdeckend Züge einsetzt. Viele versuchten bereits vor der Pandemie dem extremen Gedränge z.B. in der U3 zu bestimmten Zeiten zu entfliehen.

  14. 6.

    Clever Daniel: Wie seid ihr dann mobil? Das wird bestimmt deutlich teurer als 800 € im Jahr. Kündigen ist keine Option und darum wurde ja das Bild von der Pistole auf der Brust bemüht.
    1,50 € im Monat ist kein Geld. Da besucht man seine Oma, gibt mal Flaschenpfand ab, steigt aus dem Fitnessstudiovertrag aus oder dergleichen und schon ist das Geld drin.
    Akzeptieren und weiter geht's. Senf und Toastbrot im Kühlschrank zum Monatsende. Da mussten viele durch und geschadet hats nicht.

  15. 5.

    Der VBB ist schon eigenwillig. Die Studenten bekammen als einzige Gruppe keine Rückerstattung der Beträge für Corona abokunden schon. Das Semesterticket ist in Gegensatz zum normalen Abo kein wenn man will, man muss es nehmen. Heißt jeder Student muss dafür zahlen auch wenn er es gar nicht braucht. Was hier einige Vergessen ein Vollzeitstudium ist ein Vollzeit Studium heißt 40h woche. Dazu darf man pro woche maximal 20hr die Woche arbeiten das selten mehr als mindeslohn sind.
    Studenten bekommen dazu kein Kurzarbeitergeld und wurde bei corona zuerst entlassen und in Gegensatz zu allen anderen bekammen wir kein Fördergeld. Wir bekommen nur Kredite von Bund mit Zinsen drauf. Nun hocken wir alle zuhause seit wochen machen digitale Lehre und gehen kaum raus um andere zu schützen. Nun sollen wir alle mehr zahlen pro jahr fast 800€ das sind 2 Monatsgehälter. Wir sollten den Vertrag kündigen dann soll der VBB sehen woher die 80Millionen Einnahmeverlust wieder her nimmt.

  16. 4.

    Klar, die Studenten nutzen den VBB ja auch ausschließlich für den Weg von und zur Uni. Nicht?
    Wegen einer moderaten Erhöhung von einem bis 1,50 Euro im Monat so ein Theater zu veranstalten, zeigt wieder nur auf, dass jeder nur billig billig will. Ist halt nicht. Es kann nicht sein, dass die anderen Fahrgäste die Studenten noch mehr quersubventionieren. Die bekommen auch regelmäßig Tariferhöhungen.

  17. 3.

    Erst splittet man das ehemalige, einheitliche DDR Tarifgebiet der Deutschen Reichsbahn in unzählige kleine Regionalklitschen auf und dann stülpt man ihnen wieder Dachverbände wie den VBB als Käseglocke über. Und alle natürlich mit eigenen Verwaltungen, Geschäftsführern etc. Diese Verbände verbrennen seit zig Jahren Unsummen an Geld, das bei der Erhaltung und Ausbau der Infrastruktur fehlt und sind auch dafür verantwortlich, daß die Preise bei zumindest gleichen, mittlerweile aber bei immer schlechter werdenden Leistungen, massiv steigen. Damit ist auch der VBB überflüssig wie ein Kropf. Darum meine Forderungen: Regionalklitschen wieder zusammenlegen, Verkehrsverbunde abschaffen und die dadurch frei werdenden Mittel in die Infrastuktur stecken bzw. direkt auf die Kunden umlegen.

  18. 1.

    Alles alles kann es ja nicht umsonst geben. Das kostenlose Schülerticket ist schon grenzwertig, in allen anderen deutschen Bundesländern zahlt man ein vielfaches und für unsere lieben Studenten ist das eine moderrate und gerechte Erhöhung. Es können ja nicht alle Kosten den Geberländern aufgebrüstet werden. ÖPNV kann es nicht umsonst geben.

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