Urteil gegen den Angeklagten Djordje S. vor dem Berliner Landgericht am 20.0.92018 (Quelle: rbb/Morling)
Audio: Inforadio | 06.11.2020 | Ulf Morling | Bild: rbb/Morling

Mutter und Kind schwer verletzt - Berliner Landgericht mildert Urteil gegen Raser ab

Ein Raser hatte vor drei Jahren in Berlin in der Kreuzberger Oranienstraße eine Mutter und ihr Kind schwer verletzt. Ein Urteil wegen versuchten Mordes wurde wieder kassiert - im zweiten Verfahren wurde er nun wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.

Das Berliner Landgericht hat einen Raser in einem Revisionsprozess wegen fahrlässiger Körperverletzung zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Er soll im Herbst 2017 betrunken und auf der Flucht vor der Polizei in Kreuzberg eine Mutter und ihr Kind mit seinem Wagen erfasst haben. Der heute 35-jährige Djordje S. war dafür zunächst vor zwei Jahren unter anderem wegen versuchten Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt worden.

Vorsitzender Richter sah keinen Tötungsvorsatz

Der Mann ging gegen das Urteil vor, der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob es vor einem Jahr vollständig auf. Zur Begründung des neuen Urteils sagte der Vorsitzende Richter am Freitag, man könne nicht von einem Tötungsvorsatz ausgehen. Es sei nicht auszuschließen, dass der Angeklagte die Kreuzung in der Annahme überquerte, dass kein Fußgänger komme.

Die Angehörigen der Opfer zeigten sich empört über die Entscheidung; sie wollen in die nächste Instanz gehen.

Das neue Urteil des Landgerichts Berlin sieht neben der Haftstrafe die anschließende Unterbringung in einer Entziehungsanstalt vor, zudem wird dem Verurteilten für fünf Jahre die Fahrerlaubnis entzogen.

Neben fahrlässiger Körperverletzung wurde S. wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und vorsätzlicher Trunkenheit verurteilt.

Tochter querte Straße an Hand ihrer Mutter - bei Grün

Mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit soll der Angeklagte im September 2017 auf der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg vor der Polizei geflüchtet sein, der Kofferraum war beladen mit gestohlenen Baumaschinen. Im morgendlichen Berufsverkehr, kurz vor acht Uhr, raste er mit seinem Fahrzeug durch eine Tempo-30-Zone.

Die fünfjährige Didem* war zur selben Zeit an der Hand ihrer Mutter unterwegs zur Kita. Sie überquerten die Straße bei grüner Fußgängerampel. Das Auto erfasste die 27 Jahre alte Mutter und ihr Kind, die bis zu 20 Meter durch die Luft flogen. Wären nicht zufällig zwei Krankenschwestern vor Ort gewesen und hätten die beiden nicht sofort wiederbelebt, wäre zumindest Didem gestorben. So hieß es im erstinstanzlichen Urteil.

"Intensivtäter im Straßenverkehr"

Der Serbe, der kurz nach seiner letzten Abschiebung wieder nach Berlin gekommen war, hatte im ersten Prozess ein Teilgeständnis abgelegt. Als "Intensivtäter im Straßenverkehr" war Djordje S. bezeichnet worden. Der bereits sieben Mal auch einschlägig Vorbestrafte habe sich "betrunken und ohne Führerschein auf Teufel komm' raus einer Polizeikontrolle entzogen".

Das erstinstanzliche Urteil war unter anderem wegen Trunkenheit im Straßenverkehr, Fahrens ohne Führerschein, zweifachen versuchten Mordes, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, gefährlicher Körperverletzung und Unfallflucht so hoch ausgefallen. Doch nach Ansicht der Karlsruher Richter sei nicht erwiesen, dass man dem Angeklagten zu Recht den Vorwurf des zweifachen versuchten Mordes an der damals lebensgefährlich verletzten Mutter und ihrer Tochter mache. Deshalb war das Urteil nicht zu halten, der Prozess wurde neu aufgerollt.

 

Sendung: Abendschau, 06.11.2020, 19:30 Uhr

29 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 29.

    Solche Richter erziehen die Ganoven zum weitermachen, passiert eher nichts. Diese Strafen haben den erzieherischen Wert, kannst weitermachen. Richter sind durch ihren Beamtenstatus lebenslang tätig. Richter sollten gewählt werden, damit sie sich mit den Realitäten richtig auseinandersetzen und die Straftäter nicht noch auszeichnen.

  2. 28.

    Manchmal wünsche ich mir die DDR zurück.

  3. 27.

    Sind die Unfallopfer jetzt weniger verletzt und
    traumatisiert? Dieses Urteil ist völlig ungerecht.
    3Jahre 4 Monate gegen lebenslänglich. Ich
    hoffe, dass die Revision erfolgreich ist. Über
    den Täter wird lange gesprochen, die Opfer sind
    schnell vergessen. Alles Gute den Opfern und
    gute Besserung.

  4. 26.

    Was haben die Machthaber aus unserem Land gemacht ? Jeder gewählte Politiker müßte unmittelbar vor seinen Wählern einen Eid leisten. 10 Jahre Haft bei Vergehen. Wer heute noch Vertrauen hat, der muss nur den obigen Text lesen. Wer zerstört unser Land ? Schaut alle mal in den Spiegel.

  5. 25.

    Es wird Zeit das wir eine Art Kooperation mit unseren Osteuropäischen Partnern oder Russland vereinbaren. Anstatt deutschen Luxusknast mit Frühstücksauswahl, TV und Fitnessraum, Unterbringung im ausländischen Knast. Weder unsere Rechtssprechung noch unsere Justizvollzugsanstalten halten diese Art von Kriminellen ab. Kein Wunder das Deutschland zum Wunschland von Clans, Islamisten, Salafisten und Kriminellen geworden ist. Sozialleistungen und aufopfernde Toleranz runden das Paket ab.

  6. 24.

    Deutschland, was stimmt nicht mit Dir? Was muss dieser Mann noch machen, damit ihr den Knall hört?

  7. 23.

    Schengen muss reformiert werden.
    Weshalb der Täter überhaupt in Deutschland sich aufhalten darf ist mir völlig unverständlich. Wiedereinreise Verbot nach Verbüßung der Haft und drohende Lebenslange Haft bei illegaler Wiedereinreise wäre angebracht.

  8. 22.

    Ich verstehe nicht warum solche Straftäter hier immer noch frei rumlaufen oder wie in diesem Fall rasen, stehlen und andere verletzen oder schlimmeres.
    Solche Personen wie dieser Serbe gehören auf immer abgeschoben! Und das schlimmste ist ja wohl seine eigene Schuld zu verleugnen und Verurteilungen anzufechten.
    Schöne neue Welt.

  9. 21.

    Bei dem bisherigen Fahrunverhalten des Herrn wird ihn der 5jährige Führerscheinentzug wahrlich hart treffen.
    Ich seh schon sein künftiges Dilemma: Bin besoffen, die Kiste ist auch nicht verkehrstauglich, wäre alles kein Problem, wenn da nur der fehlende Führerschein nicht wäre.
    Da werde ich wohl lieber mit dem Tretroller fahren.
    Oder so.

  10. 20.

    Kurz nach der Abschiebung wieder nach Berlin gekommen, mit gestohlenen Baumaschinen im Kofferraum besoffen durch eine Tempo-30-Zone gerast, dann auch bei Rot über eine Kreuzung, zwei Menschen fast getötet, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, sieben Mal auch einschlägig vorbestraft, "Intensivtäter" - ich verstehe nicht, weshalb dabei nicht eine Bewährungsstrafe heraussprang. Der Angeklagte könnte ja noch eine (von irgendjemandem verfasste) Erklärung verlesen lassen, dass es ihm doch sehr leid tue und er beabsichtige, sich eventuell irgendwann zu bessern.

  11. 19.

    Hoffentlich kommt es bei der Revision des jetzigen Urteils zu einer gerechten Bestrafung. Was nützt der Entzug der Führescheins? Nichts, er hatte bei der Tat schon keinen mehr. Wer sich vorsätzlich und betrunken in ein Auto setzt, sich der Kontrolle entzieht erfüllt für mich auch den Tatbestand des Mordes aus niedrigen Bewegründen(Vertuschung einer Straftat/Diebstahl von Maschinen). Der Täter lernt es sonst nicht! Noch dazu als Intensivtäter.

  12. 18.

    "Es sei nicht auszuschließen, dass der Angeklagte die Kreuzung in der Annahme überquerte, dass kein Fußgänger komme."
    Sowas zum Kotzen mal wieder. Also wenn Fußgänger grün haben und ich als Fahrer rot, brauch ich also nicht annehmen, dass Fußgänger die Straße queren??? Aha! Diese Begründung hätte ja demnach auch bei dem Ku´damm-Raser gelten können. Wo ist da der Unterschied? Ob lebenslang oder 3,5Jahre kommt darauf an, an welche Richter man kommt?
    Außerdem widerspricht die festgestellte Fahrlässigkeit irgendwie der vorsätzlichen Trunkenheit in Verbindung mit der Vergangenheit und dem Tathergang an sich.

  13. 17.

    Einfach nur zum Ko**en. Solche Richter sollten sich schämen!

  14. 16.

    Warum denn so ein hartes Urteil?! Hatte doch was mit der heiligen Kuh "Auto" zu tun - hätte da nicht auch "ohne Nachtisch ins Bett" gereicht?! - Es ist zum Speien...

  15. 15.

    Dass der Tötungsvorsatz fehlt, kann ich sehr gut nachvollziehen, auch wenn das die Tat für mich nicht weniger schlimm macht. Aber nur fünf Jahre Fahrverbot nach so einer Tat? Da reib ich mir dann doch verwundert die Augen. Wenn die führerscheinlose Zeit seit dem Datum der Tat angerechnet wird, kann es ja bald wieder losgehen. Bis das Urteil rechtskräftig ist sogar ganz sicher.
    Um die fünf Jahre zu retten: Falls er jemals wieder einen Führerschein machen darf, wären fünf Jahre auf Probe eine Hausnummer. Und wenn er die vermasselt, wars das dann.
    Mit etwas Glück haben wir dann auch einen kompetenten Verkehrsminister. Er muss ja nicht unbedingt schon wieder von der CSU sein. Dann gäbe es vielleicht weniger Umgehungsstraßen in Bayern, aber das wäre es wert.

  16. 14.

    Danke der Autolobby von CDU und CSU für die rechtlichen Grundlagen zu diesem Urteil.

  17. 13.

    Wer sich in ein PKW setzt und diesen in Fahrt bringt, ohne die notwendige Berechtigung zu besitzen, macht das vorsätzlich! Die Folgen können dann nicht fahrlässig sein! Auch der Alkoholkonsum war vorsätzlich, oder ist ihm der Alkohol eingeflöst worden ? Die Justiz handelt gegen die Tatsachen.

  18. 12.

    Was nützt ein Einreiseverbot, wenn es nicht durchgesetzt wird. Ein Einreiseverbot hatte er sicherlich schon nach seiner Abschiebung

  19. 11.

    Tja es bleibt dabei, die Geschädigten sind immer die Bösen und nicht die Verursacher!
    Da werden sich die Raser freuen, es passiert ihnen nicht viel, wenn sie jemanden umnieten. Warum stehen die Leute auch doof im Weg, wenn sie ihrem Geschwindigkeitsrausch fröhnen wollen.

    Da kann einem doch nur die Galle hochkommen!

  20. 10.

    Es fehlt eine rechtlich treffende Vorschrift. Ein Raser ist kein Mörder. Die Tatmerkmale passen nicht. Körperverletzung ist zu allgemein und wird der Schwere der Tat nicht gerecht. Für echte Raser - und das sind diejenigen die deutlich zu schnell unterwegs sind und nicht diejenigen die 10 Km/h im Ort oder 20 Km/h auf der Autobahn zu schnell sind (in der Presse werden letztgenannte oft mit echten Rasern in einen Topf geworfen - muss eine eigene Vorschrift her. Diese angemessen zu formulieren ist Aufgabe der Juristen unter Einbeziehing von Sachverständigen.

Das könnte Sie auch interessieren