Bombenentschärfung in Oranienburg (Quelle: Eike-Kristin Fehlauer)
Eike-Kristin Fehlauer
Audio: Inforadio | 18.11.2020 | Stefanie Brockhausen | Bild: Eike-Kristin Fehlauer

Evakuierung unter Corona-Bedingungen - Weltkriegsbombe in Oranienburg erfolgreich entschärft

Erneut ist in Oranienburg eine Weltkriegsbombe entschärft worden - zum 212. Mal. Dieses Mal fand die Evakuierung allerdings während der Corona-Pandemie statt. Das machte es deutlich schwieriger.

Eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Mittwoch in Oranienburg (Oberhavel) unschädlich gemacht worden. Gegen 14:50 Uhr wurde der 500 Kilogramm schwere Blindgänger im Stadtteil Lehnitz erfolgreich entschärft, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Der Sperrbereich wurde rund 30 Minuten später aufgehoben.

"Es hat alles gut funktioniert", sagte Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos). Er bedankte sich bei den Anwohnern, die unter diesen besonderen Bedingungen einer Pandemie ihre Häuser verlassen mussten und sehr kooperativ dazu beigetragen haben, dass die heutige Entschärfung ohne Zwischenfälle abgeschlossen werden konnte."

Evakuierung unter schwierigen Bedingungen

Bis 8 Uhr musste der Sperrbereich um den Fundort nahe der Havel geräumt werden, rund 5.500 Menschen waren betroffen. Die Evakuierung fand wegen der Corona-Pandemie unter erschwerten Bedingungen statt. Wie die Sprecherin der Stadt, Eike-Kristin Fehlauer, sagte, habe es zehn positiv Getestete sowie zwölf Kontaktpersonen Kategorie 1 im Sperrkreis gegeben.

Diese sollten entweder in ihren Wohnung verbleiben, "wenn sie denn weit genug und sicher entfernt von der Bombe wohnen" oder in Hotels oder einer der kleinen von insgesamt sechs Notunterkünfte untergebracht werden. Wichtig sei, dass Infizierte und Nicht-Infizierte getrennt voneinander untergebracht würden.

In den Notunterkünften galt eine Maskenpflicht. Außerdem musste regelmäßig gelüftet und ausreichend Abstand gehalten werden. Den Angaben der Stadt zufolge fanden sich 60 Personen in den zentralen Anlaufstellen ein.

Vorbereitungen zu einer Bombenentschärfung in Oranienburg am 18.11.2020. (Quelle: Stadt Oranienburg)

212. Bombenentschärfung für Oranienburg

Es waren 94 Einsatzkräfte der Feuerwehr vor Ort, hinzu kamen technische Einsatzkräfte sowie Polizei und Ordnungsamt. 44 Einsatzkräfte sicherten den Sperrbereich, teilte die Stadt auf ihrer Webseite mit. Demnach war auch eine Drohne mit Wärmebildkamera im Einsatz. Wer sich der Evakuierung verweigerte, musste mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 Euro rechnen.

Es war die 212. Entschärfung von Weltkriegsmunition für die Stadt Oranienburg seit 1990. Die Bombe mit einem chemischen Langzeitzünder lag in viereinhalb Metern Tiefe. Da sich der Blindgänger in direkter Nähe zur Havel befand, mussten Spundwände gesetzt und das Grundwasser abgesenkt werden.

Gegen 9:30 Uhr am Vormittag hatte die Stadt gemeldet, dass die Bombe annähernd waagerecht liege und in einem weitgehend gutem Zustand sei. "Das macht Mut und Hoffnung auf eine reibungslose Entschärfung", hieß es. Von 11:30 Uhr an war der Sperrkreis von 1.000 Metern geräumt und der Kampfmittelbeseitigungsdienst Brandenburg (KMBD) konnte mit der Arbeit beginnen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.11.2020, 16:00 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Meine besondere Hochachtung gilt immer wieder den Männern des Kampfmiftel- beseitigungsdienstes . Diese gefährliche Arbeit ist immer mit einem Restrisiko verbunden und müsste noch mehr in der Öffentlichkeit anerkannt werden. Ich erinnere mich noch, dass wir als Kinder zum Kriegsende 1945 mit herumliegender Kriegsmunition UND Waffen gespielt haben und nicht wussten , was wir taten.

  2. 2.

    Die deutsche Luftwaffe hatte im 2. Weltkrieg massenhaft Städte in anderen Ländern bombardiert. Aber gibt es in den Städten diesen Ländern auch das Problem, dass dort noch immer massenhaft Blindgänger gefunden und dann entschärft werden müssen? Und sind darunter auch solche Bomben mit Langzeitzündern? Wer könnte mir dazu eine verbindliche Auskunft geben. Aber bitte keine allgemeine Polemik.

  3. 1.

    Gut, schneller evakuiert als in Berlin. Liegt vielleicht doch an die Bewohner.

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