hausgemachter Cheeseburger auf dunklem Holz (Quelle: Imago/Chromorange/Juergens
Bild: Imago/CHROMORANGE / Bernd Juergens via

Interview | Delicious! Pop-Up Shop - "Man vergisst, wie viele Food-Trends aus den USA kommen"

Im Jahr des Corona-bedingten Ausfalls der Berlin Food Week organisieren die Macher ein zweiwöchiges Event im Bikini-Berlin - mit Gerichten und Drinks auf Basis US-amerikanischer Produkte. Geschäftsführerin Alexandra Laubrinus erklärt, warum.

rbb|24: Frau Laubrinus, in diesem Jahr gibt es keine "Berlin Food Week". Dafür haben Sie den "Delicious! Pop-up-Shop" organisiert.

Alexandra Laubrinus:
Aber auch hier gibt es eine Kontinuität. Denn wir arbeiten für den Pop-up-Shop wieder mit dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium zusammen. Die waren auch vor zwei Jahren unsere Partner beim "Berlin Food Week"-Stadtmenü "Roast Trip". Unsere PR-Agentur hat jüngst für das amerikanische Landwirtschaftsministerium eine Plattform entwickelt - "DelicioUS!". Und wir von der Berlin Food Week hatten nun die Idee, eine Win-Win-Situation zu schaffen: einmal Berliner Restaurants zu helfen und gleichzeitig auf diese Plattform hinzuweisen.

Alexandra Laubrinus, Geschäftsführerin Berlin Food Week (Quelle: Tom Wagner)
Alexandra Laubrinus, Geschäftsführerin der Berlin Food WeekBild: Tom Wagner

Was wird auf der Plattform angeboten?

"DelicioUS!" ist eine Plattform, die das amerikanische Landwirtschaftsministerium zusammen mit den US Handelsverbänden ins Leben gerufen hat. Die Aufgabe dieser Plattform ist die Vernetzung amerikanischer Produzenten mit europäischen Gastronomen, Händlern, Manufakturen, die mit diesen Produkten arbeiten möchten. 90 Prozent der amerikanischen Landwirtschaftsbetriebe sind oftmals sehr kleine Familienbetriebe, und die brauchen einen Türöffner zu uns. Da kommen wir als "Berlin Food-Week" ins Spiel.

Das passiert zu einer historischen Zeit des Umbruchs, dem nahenden Ende der Trump-Ära. Die hat auch viele Ressentiments gegenüber der USA geschaffen...

Darum geht es ja auch. Es gibt sicherlich auch diese Ressentiments gegenüber amerikanischen Produkten. Gerade deswegen wollen wir auf der Plattform zeigen, wie hochwertig amerikanische Produkte sein können, dass ein Handwerk dahinter steht und der Qualitätsanspruch extrem hoch ist - und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette. Und dass sie sich eben auch sehr viel mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Die Liste der Restaurants, die sich spontan bereiterklärt haben, für diese Plattform mit uns zusammenzuarbeiten, zeigt auch, dass da wirklich ein großes Potenzial ist.

Die künftige Vizepräsidentin Kamala Harris hat vor wenigen Tagen eine Rede gehalten, mit der sie sich für verminderten Fleischverzehr und Nachhaltigkeit bei der Nahrung ausspricht. Erstaunlich aus einem Land, das für viele für uns für Monokulturen in der Landwirtschaft steht.

Da vergisst man leicht, wie viele Food-Trends aus den USA kommen. Comfort-Food zum Beispiel. Oder selbst Fast-Food, was dort mit sehr guten Produkten hergestellt wird. Oder "Beyond Meat": Auch diese Firma und dieser Trend hat seinen Ursprung in Kalifornien.

Wer macht bei diesem Pop-up-Shop aus Berlin mit? Was steuern die Berliner Partner bei?

Also grundsätzlich geht es um einen Pantry-Shop, es geht um Eingemachtes, um schöne Produkte im Glas. Das kann eingeweckte Hausmannskost sein, Delikatessen für die Festtagstafel. Es ist jetzt auch die Zeit, wo es gemütlicher wird, wo man über die Festtage nachdenkt, wo Weihnachten vor der Tür steht. Für die Berliner Restaurants ist der Außer-Haus-Verkauf eine der wenigen Möglichkeiten, Umsatz zu erwirtschaften. Wir haben 20 Restaurants und Bars, die exklusiv für uns Produkte generieren. [beispielsweise vegetarische Steinfrucht-Jus, Hummer-Bisque oder Macaron mit kalifornischen Pflaumen und gerösteter Hefe, Anm.d.Red.]. Die Produkte aus dem Shop haben alle einen QR-Code auf dem Etikett, damit landet man direkt auf dem Rezept und kann das alles nachkochen.

Wie läuft der Verkauf im Bikini?

Wir haben eine kleine Box unten im Erdgeschoss. Wir achten natürlich auf sämtliche Abstands- und Hygieneregeln. Der Einzelhandel ist momentan noch befreit von Lockdown-Regelungen. Insofern hoffen wir ganz fest, dass das so bleibt. Und dann kann man einfach zu uns kommen, kann sich beraten lassen. Also wir wissen eigentlich über alle Produkte sehr intensiv Bescheid, wissen, wie sie produziert worden sind. Wir wissen, was drin ist. Und dann kann man einfach fleißig einkaufen und damit etwas Gutes tun. Die Restaurants profitieren natürlich davon, dass wir die Produkte verkaufen, die Einnahmen gehen 1:1 an die Restaurants.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Alexandra Laubrinus sprach Johannes Paetzold.

Beitrag von Johannes Paetzold

6 Kommentare

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  1. 6.

    Tolle Idee für die Berliner Gastronomen! Gerne mehr von solch produktiven Ideen und weniger von diesen stereotype Hetzkommentaren.

  2. 5.

    Braucht man das oder kann das weg. Was ist da nachhaltig, wenn alles über den großen Teich geschippert wird. Mein Fall ist das nicht und werde das nicht unterstützen. Trump hin oder her.

  3. 4.

    "Wie läuft der Verkauf im Bikini?"

    Echt jetzt? Bei dem Temperaturen? ;-)

  4. 3.

    Mein persönliches Empfinden:

    Kaum eine Gesellschaft ist so zweigeteilt in Essensfragen wie die US-amerikanische. Ein gutes Mittelfeld, das solide und schmackhafte Kost zu zivilen Preisen anbietet, ist eher eine Seltenheit. Billige Abfertigung oder perfekt durchgestyltes Food, das mehr für das Auge bietet als für den Gaumen. Etwas Nachahmenswertes oder Inspiratives, mit Verlaub, kann ich darin nicht erkennen.

  5. 2.

    Ich wundere mich, warum man wenn das Thema Nachhaltigkeit wichtig ist, auf Produkte aus den USA zurückgreifen sollte, wo so ziemlich alles in Europa zu bekommen ist, am besten eben regional. Ich begrüße es durchaus wenn die Amerikaner Raubbau am eigenen Land betreiben (siehe Grundwasserentnahme in Kalifornien)statt woanders, aber übermäßig vermarkten muss man das ja nicht, die Produkte sind hier ja schon auf dem Markt...

  6. 1.

    Beyond Meat ist wirklich ein schlechtes Beispiel. Das schmeckt sowas von eklig und besteht aus eher ungesunden Zutaten. Ob man dieses amerikanische Zeug braucht? Ich kann drauf verzichten.

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