Auf der Seite eines Sitzes in einem ICE ist eine Reservierung angezeigt (Bild: imago images/Ralph Peters)
Bild: imago images/Ralph Peters

Reservierbare Plätze reduziert - Deutsche Bahn ändert Reservierungssystem

Mehr Züge, dafür weniger Reservierungmöglichkeiten: Nach dem Bund-Länder-Beschluss zur Corona-Krise passt die Deutsche Bahn ihr Angebot im Fernverkehr an. Die von vielen Seiten kritisierte Reservierungspflicht ist vorerst vom Tisch.

Die neuen Corona-Beschränkungen von Bund und Ländern machen sich auch im Fernverkehr der Deutschen Bahn bemerkbar: Fahrgäste können von Freitag an nur noch einen Sitzplatz pro Doppelsitz reservieren, wie der bundeseigene Konzern am Donnerstag mitteilte. Der jeweilige Platz daneben bleibt demnach für eine Reservierung gesperrt. Insgesamt sollen maximal 60 Prozent der Plätze pro Zug reservierbar sein. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung über die Pläne berichtet.

Nur schräg gegenüberliegende Plätze reservierbar

An den Tischen sind demnach nur sich schräg gegenüberliegende Plätze reservierbar. Gemeinsam Reisende wie Familien und Paare können in Extra-Bereichen nebeneinander liegende Sitzplätze reservieren, wie es hieß. Einzelreisenden werden der Bahn zufolge automatisch Fenstersitzplätze zugewiesen, sofern diese noch frei sind. Allerdings können Fahrgäste auch weiterhin ohne Reservierung in den Zug steigen.

"Ab Mitte Dezember bieten wir darüber hinaus mit neuen Zügen zusätzlich tausende Sitzplätze und häufigere Fahrten auf vielen Hauptstrecken an", teilte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber mit. Um rund 10 Prozent will die Bahn eigenen Angaben zufolge das aktuelle Fahrplanangebot aufstocken.

Deutsche Bahn lehnt Reservierungspflicht ab

Die Bahn folgt damit den Anordnungen des Bundes und der Länder, die sich am Mittwochabend auf diese Maßnahmen geeinigt hatten, um soziale Kontakte zu erschweren und das Coronavirus weiter zurückzudrängen. Um eine Reservierungspflicht, wie sie zwischenzeitlich in den Vorschlägen des Bundes auftauchte, ist die Bahn damit vorerst herumgekommen. "Die Entscheidung von Bund und Ländern begrüßen wir", teilte Huber mit.

Zwar sind fortan nur noch bestimmte Sitze in einem Zug reservierbar und zu volle Züge sollen online gar nicht mehr buchbar sein. Doch wer ein flexibles Ticket ohne Reservierung kauft, kann sich trotzdem auf den Sitzen am Gang niederlassen, sollte es keinen freien Fensterplatz mehr geben.

Bahn nur zu 20 bis 25 Prozent ausgelastet

Die Bahn hofft, die Auslastung mit dem zusätzlichen Fahrplanangebot so gering zu halten, dass solche Situationen nur selten auftreten werden. In den vergangenen Wochen ist die Nachfrage ohnehin wieder deutlich gesunken. Die Fernzüge sind derzeit laut Bahn lediglich zu 20 bis 25 Prozent ausgelastet. Im Sommer nach dem ersten Lockdown lag sie bei rund 30 bis 40 Prozent. In normalen Zeiten sind es im Schnitt 60 Prozent.

Eine Reservierungspflicht, mit der das Fahrgastaufkommen in den Zügen möglicherweise besser gesteuert werden könnte, hatte die Bahn stets abgelehnt. Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hält nichts von der Idee. Sie fürchtet um zusätzliche Belastungen für die Zugbegleiter, die durchsetzen müssten, dass tatsächlich kein Fahrgast ohne Reservierung an Bord geht.

14 Kommentare

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  1. 14.

    Zitat:"Eine Reservierungspflicht, mit der das Fahrgastaufkommen in den Zügen möglicherweise besser gesteuert werden könnte, hatte die Bahn stets abgelehnt. Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hält nichts von der Idee. Sie fürchtet um zusätzliche Belastungen für die Zugbegleiter, die durchsetzen müssten, dass tatsächlich kein Fahrgast ohne Reservierung an Bord geht."

    Obiger Artikel, letzter Abschnitt, wer alles liest, ist klar im Vorteil. ;-)

  2. 13.

    Naja, das hinzubuchen ist zwar schön und gut, aber das sind auch wieder (unnötige) Kosten, die keiner will. Wer sich für ca. 350 €/Monat eine Zeitkarte kauft will nicht nochmals für 100 €/Monat Reservierungen dazu kaufen, damit in der früh/am Abend in 4/5 Züge ein Platz reserviert werden kann, da man ja nicht weiß, welchen Zug man nimmt.

    Leider fordern das viele Leute die wohl maximal viermal pro Monat einen ICE besteigen und überhaupt keine Ahnung vom aktuellen Zustand haben. Aber das scheint ja im Moment Standard zu sein.

  3. 12.

    Zumindest über Weihnachten hätte man eine Reservierungspflicht aussprechen müssen. Da wird es vermehrtes Reiseaufkommen geben und in dieser Zeit sind auch sonst flexible Tickets mal verzichtbar. Zum Schutz für sich selbst und alle anderen.
    Warum Paare und Familien besondere Bereiche zugewiesen bekommen sollen, erschließt sich mir nicht. So wie ich mich erinnere war das System doch schon im Frühjahr so eingestellt, dass man nur bei einer Reservierung von zwei Plätzen innerhalb derselben Buchung diese nebeneinander legen konnte. Buchte man getrennt, war der Gangplatz dann gesperrt. Da ist doch egal, in welchem Wagen man sitzen möchte. Oder wird dann ein Wagen mit Paaren und Familien voll belegt, während die anderen nur mit Einzelplätzen fahren? Das wäre ja ein Treppenwitz...

  4. 11.

    Meines Erachtens wäre nur ein Ticketkauf in Verbindung mit einer Platzreservierung sinnvoll. Wie anders sollten sonst Abstandsregelungen eingehalten und eine Überfüllung von Zügen vermieden werden? Alles andere ergibt keinen Sinn.... Auch für Regios hätte längst ein Konzept von der Bahn erarbeitet werden können - Zeit genug war ja....Aber eigentlich soll der Bürger ja nicht von einem Bundesland in ein anderes reisen (außer zur Arbeit)...aber hält sich jeder daran?....Statt weitere Einschränkungen zu kritisieren, sollte sich jeder Einzelne fragen: "...halte ich mich an die Maßnahmen, was kann ICH tun, damit die Infektionszahlen nicht weiter steigen?...Denn im Endeffekt will´s niemand gewesen sein...

  5. 10.

    Seit wann kontrollieren Zugbegleiter, ob eine Reservierung für den Platz hat auf dem man sitzt?

  6. 9.

    Ihre Beobachtung im Regionalverkehr ist, obwohl auch die Fernzüge sehr leer sind und Flix den Betrieb auf Schiene und Straße deshalb gleich ganz eingestellt hat, ein anderes Thema, zumal für den seit 1994 die Länder zuständig sind. Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein bieten für Regionalzüge Dauerreservierungen an - glücklich wer feste Arbeitszeiten oder zumindest einen festen Arbeitsbeginn hat. Im hier thematisierten Fernverkehr können Abo-Kunden gegen geringen Aufpreis bereits heute Reservierungen dazu buchen. Der Vorlauf bietet aber noch Potential nach oben.
    https://www.bahn.de/p/view/angebot/sitzplatzreservierung/sitzplatzreservierung-dauerreservierung.shtml

  7. 8.

    Es ist schon merkwürdig, daß man sich so gegen eine Reservierungspflicht stellt. Funktioniert im Flugzeug und funktioniert bei anderen europäischen Bahnen. Nur hier in Deutschland muss mal wieder ausgiebig diskutiert werden.

  8. 7.

    Sehe gerade, dass der RBB um 18:14 den Artikel noch mal überarbeitet und ergänzt hat, dass die Fernverkehrsauslastung ganz gering ist.
    Na ok, dann... Muss doch eigentlich eh überhaupt keiner -zumal kostenpflichtig- vorreservieren, oder??
    Egal, man hat sich zumindest Gedanken gemacht und eine Art Alibi-Sicherheitsmaßnahme fürs gute Gefühl der Passagiere getroffen-- die Bahn hat es auch nicht leicht dieser Tage und muss auch sehen, wie sie die Menschen zum Reisen animieren kann... Insofern...Passt schon.

  9. 6.

    Ich bin gestern früh (5:02 Uhr) alleine (einziger Fahrgast im Zug) mit dem Flughafen-Express vom Gesundbrunnen zum Hbf gefahren. Jeder der hier nach Reservierungspflicht schreit sollte mal wieder Zug fahren. Die Züge sind extrem leer. Sowas wäre extrem sinnlos. Man könnte höchstens als Bahn die Reservierung kostenlos machen, so dass sie jeder mitnimmt. Die mit Zeitkarten sind nur eine Minderheit. Dazu bringt das beim Regionalverkehr eh sehr wenig.

  10. 5.

    Wäre es nicht sinnvoller gewesen, dass es nur mit automatischer Platzzuweisung/reservierung geht und dafür aber keine extra-Gebühr anfällt? So entfällt die Mehrarbeit für die Zubegleitung durch umfangreichere Kontrollen. Zugewiesen bei der Buchung werden dann halt immer die versetzen Sitzplätze und in jedem Waggon bleiben 2 Reihen je Seite für die Flextickets frei.

  11. 4.

    ich bin berufspendler (mit dem ICE) und könnte damit schwer leben. Ich weiß teilweise 30 minuten vor der Abfahrt noch nicht welchen Zug im heimwärts nehme. Bei einer Reservierungspflicht erwarte ich dann eine bezahlte Freistellung (dies müsste dann der Bund zahlen) da ich nicht mehr flexibel zur Arbeit kommen kann.

    Nur weil Leute die alle 2 Monate ggf. 4x ICE fahren dies fordern heißt es noch lange nicht dass es sinnvoll ist.

  12. 3.

    Eine Reservierungspflicht wäre sinnvoller gewesen. Oder zumindest die Regelungen, dass sich niemand auf die freien Gangplätze setzen darf. Es gibt doch so viele Leute, die nur das Zugticket buchen ohne Sitzplatzreservierung, nur weil sie ein paar Euro sparen möchten... und die belegen dann doch die Gangplätze... *fail*

  13. 2.

    Offenbar bin ich zu doof für diese Strategie. "Die Bahn hofft..." - ich glaube kaum, dass direkt vor Weihnachten die Züge leer sind. Und dann werden sich Leute ohne Reservierung auf die freien Plätze setzen. Ich würde auch ungern stundenlang stehen wollen. Also, was soll das Ganze? Wenn ein Zug vermutlich kaum ausgelastet ist (das kann man ja halbwegs abschätzen), braucht man überhaupt keine Reservierung und setzt sich möglichst mit Abstand irgendwo hin. Wie gesagt, ich versteh's nicht.

  14. 1.

    Kann mir bitte jemand verraten, was das bringen soll? Es kann sich doch trotzdem jemand ohne reservierten Platz (nur mit Fahrkarte also) daneben setzen und dann ist wieder kein Abstand gegeben.
    Warum werden die Plätze nicht gleich komplett gesperrt, sondern nur die Reservierbarkeit eingeschränkt?

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