Bildcollage: Die East Side Gallery in Berlin. Links von 2017 mit dem Living Levels Tower und rechts von 2008 (Quelle: Imago/Brexel)
Bild: Imago/Brexel

10 Jahre Google Street View in Deutschland - Echt jetzt - so sah das hier mal aus?

Vor zehn Jahren startete Google Street View in Deutschland. Dafür wurde bereits 2008 unter anderem auch ganz Berlin von den Straßen aus fotografiert. Seitdem wurden die Bilder nicht mehr aktualisiert - so kann man die Veränderung der Stadt gut sehen.

Zoo/City West

Rund um den Bahnhof Zoo war 2008 von Großstadt-Glamour nicht viel zu sehen. Eine ziemliche Schmuddelecke mit Sex-Kaufhaus. Hotel-Türme und Shopping-Paradies sorgen mittlerweile für ein bisschen New-York-Gefühl in der Stadt. Für diese Sichtachse musste das Schimmelpfenghaus am Breitscheidplatz weichen. Das Geschäftshaus über dem letzten Zipfel der Kantstraße wurde 2009 abgerissen.

Das Hotel Motel One Berlin-Upper West (links) sowie das Waldorf Astoria Hotel (rechts) an der Kreuzung Kantstraße und Budapester Straße in Berlin. (Quelle: dpa/M. Vorwerk)
Bild: dpa/M. Vorwerk

Mühlenstraße

Die Mühlenstraße zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof lädt nicht wirklich zum Schlendern ein - mal abgesehen von der East Side Gallery geht es meist schnurstracks in einen Club - oder auf der anderen Straßenseite zum Konzert, zu Alba oder den Eisbären Berlin in die große Mehrzweckhalle. Seit 2018 hat die einen neuen Namensgeber - und zahlreiche Nachbarn bekommen, unter anderem Ende 2018 auch eine neue gigantische Mall.

Die Mercedes Benz Arena im Jahr 2020. (Quelle: dpa/Schoening)
Bild: dpa/Schoening

Pettenkofer Straße Ecke Dolziger Straße

Ein gutes Beispiel für die schrumpfenden Brachen in der Stadt. Leerstand wird beseitigt, wo immer es nur geht. Baulücken werden besonders gerne mit Neubauten für Wohnungen gefüllt.

Blick in die Pettenkofer Straße auf Höhe Dolziger Straße (Bild: rbb/Rike Runge)
Bild: rbb/Rike Runge

Kottbusser Tor

Am Kotti sieht es auf den ersten Blick aus wie immer: Die Häuser stehen noch, die Hochbahn donnert quer über den Platz. Doch bei genauem Hinsehen hat sich einiges getan: Es wurde reichlich saniert und die Geschäfte und Banken parterre sind längst nicht mehr die selben wie vor zehn Jahren.

Kreuzberger Zentrum, Kottbusser Tor in Berlin Kreuzberg. (Quelle: dpa/Schoening)
Bild: dpa/Schoening

Holzmarktstraße

Hier wurde 2008 noch in der legendären Bar 25 gefeiert - der Geist als Party-Spielwiese soll im genossenschaftlichen Holzmarkt weiterleben. (Zurzeit ruht er wegen des Corona-Lockdowns.)

Der Holzmarkt in Berlin Friedrichshain. (Quelle: imago images/P. Meissner)
Bild: imago images/P. Meissner

Humboldtforum

In Berlin brauchen Baustellen ja bekanntlich etwas länger. Deshalb sind auf den Aufnahmen von 2008 schon Baukräne zu sehen. Aber auch noch finale Zeugnisse des Palasts der Republik. Die zunächst für September geplante erste Teileröffnung des Humboldtforums war coronabedingt verschoben worden. Nach drei Eröffnungsetappen soll das Forum bis Herbst 2021 komplett zugänglich sein.

Berliner Stadtschloss nach der Pressekonferenz zur Eröffnung des Humboldt Forums im Dezember 2020. (Quelle: dpa/B. Pedersen)
Bild: dpa/B. Pedersen

Seydelstraße in Mitte

In Mitte reicht schon ein kleiner Mittelstreifen für feudal aussehende, schnell entstehende Stadtvillen.

Blick in die Seydelstraße in Berlin Mitte. (Bild: rbb/Rike Runge)
Bild: rbb/Rike Runge

Chausseestraße/Bundesnachrichtendienst

2008 schottete ein Bauzaun das künftige Gelände des Bundesnachrichtendiensts ab (Spatenstich 2006). Heute sieht die Zentrale kaum einladender aus. 135.000 Kubikmeter Beton, 20.000 Tonnen Stahl, längs der Chausseestraße in nordwestlicher Mitte gelegen. Rundherum wuchsen noble Wohnquartiere, die Sapphire, The Mile oder Garden Livin heißen.

Bundesnachrichtendienst in der Chausseestrasse, Berlin Mitte. (Quelle: dpa/Joko)
Bild: dpa/Joko

Im Juli 2008 fuhren die ersten Google-Street-View-Autos durch Deutschland. Sie fotografierten die Straßenzüge der Städte. Doch in Deutschland regte sich Protest wie nirgends sonst auf der Welt. Menschen legten zu Tausenden Widerspruch gegen die Veröffentlichung der Bilder ihrer Hausfassaden ein.

Google verlor die Lust. Am 18. November 2010, also vor zehn Jahren, veröffentlichte der Dienst die deutschen Aufnahmen, nur aus ausgewählten Städten und viel weniger das Land abdeckend als anderswo - und seitdem, ebenso im Gegensatz zum großen restlichen Teil der Welt, hat der Online-Dienst sie auch nicht mehr aktualisiert.

So schuf Google unfreiwillig ein zeithistorisches Dokument. Der folgende Beitrag erschien erstmals am 23. Juli 2018 anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Aufnahmen.

Collage: Blick auf den Berliner Dom 2008 und 2020 (Quelle: imago images/Rolf Zöllner)
imago images/Rolf Zöllner

10 Jahre Google Street View - Gefangen in der Zeitkapsel

Vor zehn Jahren wurde Google Street View in Deutschland veröffentlicht. Wegen eines Datenschutzstreits stellte der Dienst nur wenige Orte hierzulande online - und hielt damit unfreiwillig Zeitgeschichte fest, zum Beispiel in Berlin. Von Sarah Mühlberger und John Hennig

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