Archivbild: Eine Ladesaeule für Elektroautos in einem Mast, aufgenommen am auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. (Quelle: dpa/F. Schuh)
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Audio: Inforadio | 17.11.2020 | Thorsten Gabriel | Bild: dpa/F. Schuh

Elektromobilität - Senat unternimmt erneuten Anlauf bei Laternen als Ladestationen

Strom fürs Licht liegt schon an, nun muss nur noch eine Steckdose dran: Der Senat will 1.000 Straßenlaternen zu E-Ladestationen machen. Währenddessen erfreut sich das Förderprogramm für E-Fahrzeuge in Unternehmen großer Nachfrage.

Nach großen Anlaufschwierigkeiten und mit fast zwei Jahren Verzögerung sollen nun erneut Berliner Straßenlaternen zu Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufgerüstet werden. Eine entsprechende Ausschreibung wurde am Dienstag von der Senatsverwaltung für Verkehr angekündigt.

Insgesamt sollen 1.000 Straßenlaternen mit Ladepunkten für Elektrofahrzeuge ausstattet werden. Die Ladestationen sollen im Rahmen eines Modellprojekts in Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf entstehen.

Es ist bereits der zweite Anlauf für das Projekt: Bereits Anfang 2019 hatte die Verkehrsverwaltung dem Anbieter Ubitricity den Auftrag erteilt, Laternen umzurüsten. Wie der rbb berichtete, gab es dann allerdings größere Schwierigkeiten mit den deutschen Regularien. Der Einbau der Ubitricity-Technik in die Laternenmasten wurde abgelehnt. Nun soll die Ladevorrichtung außen an den Mast angebaut werden.

Forschungsprojekt "Neue Berliner Luft"

Mit dem Forschungsprojekt will der Senat untersuchen lassen, ob Lademöglichkeiten an Laternen dazu beitragen, Elektromobilität attraktiver zu machen. Außerdem soll geprüft werden, ob die neue Technik anwenderfreundlich und wirtschaftlich ist. Umgerüstet werden sollen die dann dafür vorgesehenen Laternen im nächsten und übernächsten Jahr.

Ganz bewusst solle mit der Auswahl der beiden Randbezirke Elektromobilität jenseits des Stadtzentrums gefördert werden, heißt es in der Senatsmitteilung. Das Forschungsprojekt trägt den Titel "Neue Berliner Luft" und wird auch über ein Bundesprogramm finanziell gefördert.

Kritik von der CDU

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici, warf dem Senat vor, beim Ausbau der Elektromobilität anderen deutschen Städten hinterherzulaufen. Er bezog sich dabei auf die jüngste Entscheidung des Carsharing-Anbieters Drivenow, Elektrofahrzeuge aus der Flotte zu entfernen - wegen fehlender Ladeinfrastruktur und zu hoher Parkgebühren.

"Andere Städte verzichten bei Sharing-Fahrzeugen mit Elektroantrieb auf Parkgebühren und bauen ihre Lade-Infrastruktur konsequent aus", sagte Friederici. Berlin tue das nicht, obwohl immer mehr Menschen die Vorzüge rein elektrischer Fahrzeuge erkennen würden. "Mit ihrer Verweigerungshaltung setzt hier die grüne Senatsverkehrsverwaltung ein anderes Zeichen: alternative, klimaschonende Antriebe sind unerwünscht."

Zuschuss von bis zu 15.000 Euro pro Fahrzeug

Derweil meldet die Wirtschaftsverwaltung, dass das Berliner Förderprogramm "Wirtschaftsnahe Elektromobilität" stark nachgefragt werde. Mit dem Programm werden kleine und mittelständische Unternehmen bezuschusst, wenn sie E-Fahrzeuge anschaffen, entweder durch Kauf oder Leasing: Für E-Nutzfahrzeuge ab einem Nettoangebotspreis von 40.000 Euro gibt es eine Prämie in Höhe von 25 Prozent des Nettoangebotspreises, maximal sind 15.000 Euro pro Fahrzeug möglich.

Sei dem Start des Programms im Juli 2018 seien bislang über 4.100 Anträge für insgesamt mehr als 4.700 Fahrzeuge und knapp 800 Ladestationen eingegangen. Bis Ende Oktober 2020 wurden laut Senatsverwaltung für Wirtschaft rund 14 Millionen Euro bewilligt.

Senat fördert vor allem Anschaffung von E-Transportfahrzeugen

Anfang 2020 musste die Förderung zunächst ausgesetzt werden, weil die Mittel frühzeitig ausgeschöpft waren. Seit Oktober können wieder Anträge gestellt werden, der Fokus liegt nun auf der Förderung von elektrischen Klein- und Leichtfahrzeugen. "Wir kurbeln dabei unsere Konjunktur an und machen Berlin sauberer, gesünder und leiser", sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) dem rbb. "Mit unserer finanziellen Unterstützung greifen wir auch weiterhin Spediteuren, Handwerksbetrieben, Pflegediensten oder Logistikern unter die Arme, ihre Flotten zu modernisieren."

Aktuell stehen für dieses und das kommende Jahr ingsesamt knapp 15 Millionen Euro Förderung zur Verfügung.

46 Kommentare

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  1. 46.

    Ich verstehe diesen Hype um E-Autos nicht. Er ist doch völlig unlogisch und umweltseitig keinen Deut besser als der Abbau fossiler Brennstoffe. Das ein Verbrenner eine mehr oder weniger große Umweltsau ist, ist unbestritten, aber zur Produktion bzw. zum Abbau des Lithiums werden ebenfalls ganze Landstriche umgepflügt, es muss z.B. auch Süßwasser und Natriumhydroxid zur Bearbeitung des Metalls eingesetzt werden. Es kann mit sauerstoffhaltigen Substanzen explosionsartig reagieren, die Haut bei Kontakt verätzen u.v.m.
    Ist das wirklich eine Alternative oder nur Augenwischerei?
    Warum hört man von der Brennstoffzelle eigentlich nichts mehr?

  2. 45.

    Die Akkutechnik hat sich in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt. Die halten mittlerweile oft mehrere 100.000 km.

  3. 44.

    Dass die Energiewende aus zig Bausteinen besteht, ist unstrittig. Genau wie beim Umbau der Energieversorgung muss man man aber auch gleichzeitig auf der Verbraucherseite ansetzen. Die heutigen Neuwagen sind noch die nächsten 15 bis 20 Jahre auf unseren Straßen unterwegs. Also muss man irgendwo beginnen und nicht nur auf andere warten.

  4. 43.

    Dass die Energiewende aus zig Bausteinen besteht, ist unstrittig. Genau wie beim Umbau der Energieversorgung muss man man aber auch gleichzeitig auf der Verbraucherseite ansetzen. Die heutigen Neuwagen sind noch die nächsten 15 bis 20 Jahre auf unseren Straßen unterwegs. Also muss man irgendwo beginnen und nicht nur auf andere warten.

  5. 42.

    Wo man dann erstmal viel Geld in eine neue Batterie investieren darf, die halten nämlich nicht so lange wie das Auto.

  6. 41.

    Moin Herr Neumann,
    Zitat: „Warum gleich mehre kW? Wenn der Karren eh stundenlang rumsteht, kann auch langsam nachgeladen werden. Modere E-Auto verbrauchen im Stadtverkehr knapp über 10 kW auf 100 km.“ ..Zitat Ende.

    Der Verbrauch von Energie wird in Joule angegeben, Watt ist die Einheit der Leistung. Wir reden hier also über kWh, Kilowattstunden.

    Dieser Unterschied ist vielen leider nicht bewusst, habe dieses bereits bei sehr vielen Redaktionen angemerkt. Mit mäßigem Erfolg.

    Mfg

  7. 40.

    Der geplante Anbieter liefert dazu ein sogenanntes SmartCable. Das ist das Ladekabel inklusive eines mobilen Zählers.

  8. 39.

    Wie viele pendeln täglich 140 km hin zur Arbeit und 140 km zurück und verbringt somit arbeitstäglich vier Stunden im Auto? Selbst dafür reichen 5 - 6 h an einer dreiphasigen 11 kW-Wechselstromladesäule. Das liefern auch die ursprünglich vorgesehenen Laternen-Ladepunkte, die die dienstwagenpendelnde Aktivistin aus der SenUVK schon mal großspurig angekündigt hatte. Man benötigt dafür keine 250 kW eines Tesla Superchargers oder gar die 350 kW, die Stand der Schnellladetechnik sind, sondern eine vergleichsweise einfache Wallbox.

    Ihr Arbeitgeber kann übrigens die Ladepunkte gefördert bekommen wie auch Privatleute demnächst für die Wallbox einen Zuschuss bekommen können.

    Ebenso wenig repräsentativ, aber doch erhellend dürfte dieser Erfahrungsbericht eines Aussendienstlers mit 70.000 km Jahresfahrleistung sein: https://www.elektroauto-news.net/2020/erfahrungen-e-auto-aus-dem-leben-eines-aussendienstmitarbeiters

  9. 38.

    Solange es keine gigantischen Stromspeicher im Netz gibt, wird der Strommix nachts nicht wesentlich klimaneutraler werden. Aus Photovoltaik kommt zumindest nachts an der Straßenlaterne nicht mehr viel Energie für Autos an.

  10. 37.

    Nochmal langsam und in Ruhe lesen. Ich hab nicht von Ladesäulen an jeder Laterne geschrieben sondern alle Laternen eines Straßenzuges müssten mit separatem Dämmerungsschalter umgebaut werden wenn auch nur eine einzige auch tagsüber Spannung liefern soll. In Deutschland werden üblicherweise die Laternen tagsüber zentral komplett vom Netz getrennt. Da liegt nur ein Kabel in der Straße von dem die Laternen versorgt werden. Das Auslegungskriterium ist auf Grund der Länge der Max Spannungsverlust. Wenn mehr Leistung benötigt wird als berechnet, sinkt die Spannung im Kabel unter die zulässige Toleranz.
    Die Reserve je Kabel ist nicht sehr groß also Max ein paar kleine Ladegeräte/Straße, also kaum relevant für eine große Energiewende im Verkehrsbereich.

  11. 36.

    Und da liegt der knackpunkt. Bin Pendler ins Umland 140km. 12 stsd Ladezeit an drr Laterne indiskutabel. 20 min wie bei Tesla wären ok, aber Strassenlaternen sind für solche Leistungen nicht ausgelegt. Also einen neuen Benziner.

  12. 35.

    Die Verkehrswende hat RRG spätestens im März 2017 abgesagt, da in dem Monat Frau Günther die Tram-Pläne aus ihrem Nahverkehrsplan vom Februar massiv zusammengestrichen hatte. Dass die Tram nicht für jeden eine Lösung ist, zeigt der Invalidenstraßenaktivist, der sein Lastenrad gegen zwei Tonnen Blech getauscht hat, besonders deutlich. Aber immer versperren ihm, wenn er vom Hof fährt, bald keine parkende PKWs mehr die Sicht. Ziel erreicht!

  13. 34.

    Gleich zwei Irrtümer: 'Nen vollwertiges E-Auto gibt es mittlerweile auch dank der Förderung zum Golf-Preis. Die landen dann später auf dem Gebrauchtwagenmarkt, der die einkommenschwächeren Bevölkerungsgruppen bedienen.

  14. 33.

    Man munkelt, dass der Strommix sich zu immer weniger CO2 je kWh ändert. Die erneuerbaren sind auf dem Vormarsch, der Abgesang der Kohle ist längst eingeläutet. Dank dieses Wandels sind es mittlerweile oft sogar nur gut 30.000 km bis zum Abbau des CO2 Rucksackes, was etwas mehr als der durchschnittlichen Fahrleistung von zwei Jahren entspricht. Der Strom wird auch zukünftig immer klimaneutraler erzeugt werden, Rohöl aber immer umweltschädlicher gefördert. Manche träumen zwar davon, dass trotz des grottigen Wirkungsgrades e-Fuels den Verbrenner retten könnten. Audi hatte es probiert, mittlerweile aber den Stecker gezogen, weil unwirtschaftlich und viel zu stromintensiv. Damit bleiben fast nur die 911er-Fahrer dafür übrig, auch wenn der Taycan sich besser verkauft.

  15. 32.

    Warum gleich mehre kW? Wenn der Karren eh stundenlang rumsteht, kann auch langsam nachgeladen werden. Modere E-Auto verbrauchen im Stadtverkehr knapp über 10 kW auf 100 km. Die Tagesfahrleistung liegt bei wenigen Kilometern, so dass man keine besonders großen Ladeströme benötigt. De4n, o Wunder, man kann an den Dingern doch mit 11 kW und mehr laden. Niemand hat geschrieben, dass sofort alle Laternen eines Straßenzuges zu Ladepunkten werden sollen.

  16. 31.

    Jedem Kind wird eingeflüstert, dass das E-Auto wegen des CO2-Rucksackes klimaschädlicher ist als ein moderner Verbrenner. Wenn es dann als Jugendlicher den Dreisatz beherrscht, erkennt es aber leicht die Fehler so man S(!)innloser Studie, die von falschen Annahmen schon beim Strommix zur Herstellung der Traktionnbatterie ausgeht. Die wird trotzdem noch Jahre später von Kolbenherstellern gefeiert und von Verbrennerleerkörpern zitiert.

  17. 30.

    Das würde dann ja für ca. 100km nachladen/Nacht reichen, wenn es gut läuft. Pro Stromkreis wird da trotzdem nicht viel Reserve für eine ordentliche Anzahl an Ladegeräten vorhanden sein. Ausserdem sind die Nächte im Sommer ziemlich kurz. 12 Stunden wird da nix werden ohne Umbau der gesamten Straßenlaternensteuerung. Da kann es dann schonmal deutlich weniger werden. Das Konzept Ladesäulen an Straßenlaternen erscheint mir als elektrisch ausgebildeten Menschen nicht sehr weitreichend. Der summierte Anteil am Marktl wird relativ gering werden, auch wenn es einfach klingt. Dazu müssten die Hersteller deutlich intensiver Großstadttaugliche E-Autos anbieten. Kompakt, preiswert und sparsam sehe ich bei den großen Herstellern noch wenig elektrisches.
    Wenn der Senat fürs gleiche Geld ein paar Tausend Laternen schneller auf LED umrüstet, könnte das effizienter sein und vor allem sicher das es funktioniert und sich sogar direkt auf der Stromrechnung und der Energiebilanz der Stadt rechnet.

  18. 29.

    Mit 'nem E-Smart muss man die Fahrt nach Brandenburg schon planen. Wenn der Wagen aber etwas größer ist, reicht es mittlerweile für eine ausgedehntere Rundreise z.B. der id 3 oder ein Hyundai Kona.

    Ein Plug-In-Hybrid muss auch geladen werden, da der dank Euro-6-FCM sonst die rote Karte bekommen würden. Ganz ohne Ladeanschluss und zunehmend grösserer Traktionsbatterie werden die mit Sicherheit die künftigen CO2-Grenzwerte nicht erreichen. BMW hat sich gerade mit den 49 km Reichweite des Mini PHEV die Karten gelegt.

  19. 28.

    1 Mio Ladesäulen werden laut Bund benötigt? Optimistisch halten die Dinger 10 Jahre also langfristig 100.000 Ladesäulen/Jahr im Elektroschrott der sicher nicht einfach zu recyceln ist da Leistungselektronik und nicht nur Stahl und Kupfer. Dazu der Berg an Millionen Batterien. Ich habe den Eindruck wir fahren mit E-Autos nur in die nächste Sackgasse voller Problemen.

  20. 27.

    Es gibt da einen feinen Unterschied zwischen Berlin und London. Im britischen Bereich stehen die Laternen ständig unter Strom und werden jede einzeln über einen Dämmerungsschalter geschaltet. Die gehen auch je nach Lage zu etwas unterschiedlichen Zeiten an. In Deutschland werden die Laternen Straßenzugweise geschaltet, d.h. tagsüber sind die stromlos. Daher der große Aufwand.

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