Ein Ticketautomat der Deutschen Bahn, VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg
Audio: Antenne Brandenburg | 13.11.2020 | Georg-Stefan Russew | Bild: imago-images/Rüdiger Wölk

Streit um höhere Preise - Studierende lassen VBB-Ultimatum zu Semesterticket verstreichen

Die Studierenden in Berlin und Brandenburg wollen sich vom Verkehrsverbund VBB in punkto Semesterticket nicht unter Druck setzen lassen. Bis Sonntag sollten sie über höhere Preise entscheiden - diese Frist ließen sie verstreichen.

Im Streit um die geplanten Preiserhöhungen für das Semesterticket für die kommenden drei Jahre haben die Studierenden in Berlin und Brandenburg ein vom Verkehrsbund VBB für Sonntag gesetztes Ultimatum verstreichen lassen. Das teilte Matthias Weingärnter, Berliner Verhandlungsführer für die "Interessengemeinschaft Semesterticket", rbb|24 am Sonntag mit.

Die Studierenden hatten vor wenigen Tagen in einem offenen Brief [lak-berlin.de] zum Widerstand gegen VBB-Pläne aufgerufen. So sollten sie bis Sonntag für eine Preiserhöhung oder gegen das Semesterticket als Ganzes entscheiden. "Uns wird die Pistole auf die Brust gesetzt", heißt es in dem Brief. "Wir fordern den VBB auf, uns die einzelnen Verträge im Detail zukommen zu lassen. Das ist bis jetzt noch nicht passiert", sagt Weingärtner im Gespräch mit rbb|24. "Wir wissen nun nicht, wie es weitergeht."

Einjahres- oder Dreijahresvertrag

Der VBB gibt an, den Hochschulen eine Frist bis Mitte November gesetzt zu haben. Innerhalb dieser sie bekunden sollen, ob sie sich für ein oder drei Jahre an einen Vertrag für die Semestertickets binden wollen. Das teilte VBB-Sprecher Joachim Radünz rbb|24 am Montag mit. Einige Berliner und Brandenburger Hochschulen hätten sich bereits zurückgemeldet. "Ein Teil davon hat sich für einen Ein-Jahres-Vertrag ausgesprochen. Dennoch entscheiden sich einige Hochschulen auch für Drei-Jahres-Verträge", so Radünz.

Er spricht bei der Ticketpreiserhöhung von einer "moderaten Anpassung von einem Euro pro Monat", wodurch ein "Angleichung an die allgemeine Tarifsteigerung vom 1.1.2020" angstrebt werde. Zudem betont Radünz, dass das Brandenburger Semesterticket preislich weit unter dem der Berliner Hochschulen liege - bei größerem Nutzungsgebiet.

Zunächst sei aber eine Urabstimmung der Studierenden notwendig, bei der sich die Mehrheit für oder gegen eine Verlängerung der Verträge aussprechen könne, erklärt Radünz. "Die Verkehrsunternehmen und der VBB haben ein großes Interesse daran, das preisgünstige Angebot für die Studierenden zu erhalten." Möchte die Mehrheit der Studierenden einer Hochschule jedoch kein Semesterticket mehr nutzen, werde kein neuer Vertrag abgestimmt.

Studierende: Preise zunächst auf Stand 2020 einfrieren

Derzeit liegen die Semesterticketpreise je nach Standort der Hochschule zwischen 280 und 387 Euro. Im ersten Jahr sollen sie um fünf oder sechs Euro pro Semester steigen, auf das Jahr gerechnet um 15 oder 18 Euro. Nach Angaben des VBB können sich die Studierenden für eine einjährige "Brückenlösung" entscheiden, also bereits nach einem Jahr den für drei Jahre geltenden Tarif kündigen.

Weingärtner sprach in dem Zusammenhang auch davon, dass die Studierenden unter den aktuellen Umständen der Corona-Pandemie nicht einsähen, "einen Drei-Jahres-Vertrag zu unterschreiben". Tatsächlich finden derzeit die meisten Lehrveranstaltungen online statt.

Die Studierenden fordern Weingärtner zufolge hingegen für die kommenden beiden Semester, dass die Preise auf dem Stand von 2020 eingefroren werden. Langfristig würden sie das 365-Euro-Ticket anstreben und somit eine Gleichstellung mit Auszubildenden.

VBB: "Um Preiserhöhungen kommt man nicht herum"

Bereits am Donnerstag wies VBB-Sprecher Radünz die Forderungen als "uneinlösbar" zurück. Zudem verwies er auf die steigenden Kosten für die Verkehrsunternehmen. "Um eine ganz moderate Preiserhöhung kommt man da nicht herum."

Man habe die dreiprozentige Tariferhöhung, die alle anderen Fahrgäste träfen, für Studenten extra ein Jahr lang ausgesetzt, das werde erst jetzt nachgeholt, so Radünz weiter. "Das heißt, dass man als Studierender in Berlin ABC im Jahr für 405 Euro, also für 1,11 Euro pro Tag, das gesamte Verbundsystem nutzen kann, das ist wirklich sehr günstig", verteidigte Radünz die Pläne des VBB.

Sendung: Brandenburg aktuell, 15.11.2020, 19:30 Uhr

26 Kommentare

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  1. 26.

    Da kommt es mitunter auch auf ein paar Euro an.
    Die 15-18 € kann auch der ärmste Vegane Student aufbringen.Sorry
    Und die 1,11 Euro pro Tag gibt mit sicherheit jeder Student am Tag aus,sei es morgens für den Kaffee oder Gebäck.

  2. 25.

    Klar. Manche Studenten wohnen weit draußen, weil sie nichts bezahlbares finden. Sie fahren vermutlich auch täglich 30 km von Erkner zur fu. Inklusive Bücher, Ordner und Laptop? In welchem takatukaland leben Sie eigentlich?

  3. 24.

    Dann sind die Beschwerden bitte an die Bundesregierung zu richten. Ich bin kein Befürworter des aktuellen erneuten Lockdowns (es gibt bessere Schutzmaßnahmen) und auch der VBB ist hier der falsche Ansprechpartner. Ich würde im Übrigen auch lieber mal wieder im Büro arbeiten und persönlich mit Kollegen kommunizieren. Geht gerade nicht, ist jetzt so. Sich aber hier über eine Preiserhöhung von einem Euro im Monat dermaßen zu ereifern, ist unterste Schublade und unfair allen anderen Fahrgästen gegenüber, die den vollen Preis zahlen müssen, selbst wenn sie jetzt arbeitslos oder auf Kurzarbeit sind.

  4. 23.

    Die meisten Studenten müssen nebenbei arbeiten, um die Semestergebühren, ein Zimmer, ihren Laptop usw. zu bezahlen. Da kommt es mitunter auch auf ein paar Euro an. Dass sie neben dem Studium und der Arbeit auch mal ins Cafe gehen oder sonst am sozialen Leben teilhaben, soll ihnen gegönnt sein. Man kann nicht pauschalisieren, dass sie das Geld für Drogen ausgeben!
    Zudem müssen Studenten aus Brandenburg nochmals fast 150€ für ein Zusatzticket ausgeben. Das ist für Studenten jede Menge Geld.

  5. 21.

    Sie werden aber nicht vom Staat fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. TUI und Co schiebt man es tief in den.... Aber die Jugend lässt man im Regen stehen. Verstehen Sie das eigentlich wirklich nicht in ihrem bequemen homeoffice Stuhl??

  6. 20.

    Wie kommen Sie darauf, dass die Diskussion sinnlos wäre? Weil Sie persönlich meinen, nicht zu profitieren? Ein Teil Ihrer Mitstudenten denkt da eben anders. Das Studententicket ist eine extrem preiswerte Möglichkeit, diese Gruppe mobil zu machen. Dafür ist im Gegenzug das Solidarprinzip verpflichtend. Soweit mir bekannt ist, kostet das Ticket auch keine 400,00 EUR, denn da sind Unigebühren enthalten. Quasi bekommen Sie für die Unigebühr ein Ticket mit dazu, das Sie in ganz Berlin jederzeit nutzen dürfen. Corona ist nun eine Ausnahmesituation, in der sich der Preis für den einen oder anderen vorübergehend nicht rechnet. Das geht normalen Abonnenten eben auch nicht anders. Mein Abo läuft trotz HomeOffice auch ohne Ausgleich weiter.

  7. 19.

    Ich verweigere mich diesem Gender-Unfug einfach, denn ein Studierender ist für kein Student. Studierend ist der, der in diesem Moment etwas "studiert", sich also etwas aneignet. Das kann ein schlichter Fahrplan sein, den der normale Bürger studiert. Es kann auch ein Student sein, der gerade im Hörsaal oder der Bibliothek sitzt. In seiner Freizeit ist der Student aber immer noch Student, jedoch kein Studierender mehr. Deutsch ist eine so wundervolle und unglaublich präzise Sprache, dass ich sie mir durch Gendern nicht kaputt machen lasse und für mich ist es selbstverständlich, dass die angeblich männliche Form auch weibliche und diverse Individuen ganz selbstverständlich und wertfrei umfasst. So kann ein Mörder auch eine Mörderin sein, Mordende sind sie nur während der Tatausübung. Komischerweise besteht da aber niemand auf Geschlechterneutralität. Das zeigt für mich das ganze Absurdum.

  8. 18.

    Kann mir jemand erklären,warum es jetzt besser ist "Die Studierenden" als "Die Studenten" zu schreiben?

  9. 17.

    Ja. Mindestens der 365 EUR Azubi-Tarif ist für Studierende gut machbar. Dann wird sich zeigen, wie viele während Corona den ÖPNV brauchen. Gleichzeitig sind hunderte Millionen für den Autobahnausbau und den ausgestorbenen BER Flughafen da.

  10. 16.

    Dies.

    Milliarden für Klimakiller sind da, aber für den Ausbau und die Subventionierung des ÖPNV reicht es nicht.

  11. 15.

    Solange Geld für's Cafe,Bars und Gras da ist...
    Da stört den Studenten auch keine höhere Preise.
    Und hier wir rumgejammert weil man 15 bis 18 Euro mehr pro Jahr bezahlen soll.


  12. 14.

    @Jens: Nein, Semestertickets sind NICHT extremst subventioniert, jedenfalls nicht stärker als jedes andere Ticket. Sie sind deshalb so günstig, weil sie jede/r Studierende kaufen MUSS. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise, die gerade für ihren Lebensunterhalt jobbende Studierende ja besonders trifft, sollten sich durchaus andere Lösungen finden lassen - zumal ja in Berlin wie in Brandenburg die sPD (wofür stand nochmal das "S" im Parteinamen?) und die sich als Studierendenpartei Grüne mitregieren...

  13. 12.

    Naja, du startest hier die Grundsatzdiskussion. In der laufenden Verhandlung ist das wohl etwas kontraproduktiv sich auf diese Position zu beschränken. Und zum Thema Verkehrswende ist dein Beispiel denkbar schlecht gewählt.
    1) ist das semesterticket in Brandenburg extremst subventioniert und soll gerade jedem Studenten ermöglichen innerhalb von Brandenburg zu pendeln. Entgegen der falschen Behauptung im Artikel kostet das Semesterticket lediglich 188,16 €. Der genannte Betrag im Artikel bezieht sich wahrscheinlich auf die gesamten Semestergebühren inklusive Rückmeldegebühr, Studentenwerk, etc.
    2) ist der beste Kilometer, der nicht gefahrene. Da die Bahn ihren Ökostrom rechnerisch komplett für den Fernverkehr verbraucht, fährst du auf der Strecke mit Kohle und Gasstrom. Na dann doch lieber Auto ^^

  14. 11.

    Natürlich darf es Diskussionen geben. Das ist so üblich in Demokratien und gut so, da auch Schwächere gehört werden.

  15. 10.

    Die unterschiedlichen Preise und Geltungsbereiche erklären sich mit dem tatsächlichen und zu erwartenden Nutzungsverhalten. Brandenburg befürchtet, dass kleinere Verkehrsanbieter von studentischen berliner AusflüglerInnrn überrannt werden könnten, sobald Brandenburg kostenlos für BerlinerInnen erreichbar ist.

  16. 9.

    Studenten, wie ich, die das meiste selbst zahlen, ohne Bafög, sollen dann auch noch 405 € für ein Ticket zahlen was man nicht nutzen kann da man eh nicht in die Uni fährt. Gehts noch ?!?! Das fehlende Geld sollen die sich von den Schülern holen da zahlen es noch die Eltern welches es sich leisten können !!!!

  17. 8.

    Sinnloser Kommentar. Ich studiere zwar in Berlin, aber ich nutze das Ticket quasi nie und subventioniere zwangsweise andere. Viele Studenten haben ihre Jobs verloren und werden vom Staat völlig allein gelassen. Ich kenne Leute, denen droht Obdachlosigkeit oder sie leben von 70 Euro im Monat. Dabei hat man in dem Alter ein 7.000 fach geringeres Risiko. Die Rentner, Beamte und Co werden gepempert. Studenten opfert man einfach. Wenn wir schon pleite gehen dürfen für eure (der Alten) Gesundheit, wo ist dann eigentlich eure Solidarität? Es ist ruhig. Aber es muss nicht so bleiben. Wir sehen jetzt schon Unruhen in Italien, Spanien, Zypern etc. Verliert uns nicht auf dem Weg. Wie schon Aristoteles sagte: Armut ist die Mutter von Kriminalität und Revolution

  18. 7.

    Der Preis ist absolut angemessen, zumal ja hunderte Studis rund um TK und freie Uni kostenlos mit Papis Auto parken. Zwangsticket für Studis ist absolut angemessen für den genannten Preis, da darf es keine Diskussion geben.

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