Fahrrad-Demo auf A100/A115 - Polizei stoppt Abseil-Aktion an Berliner Avus

Sa 12.12.20 | 16:27 Uhr
  73
Aus Protest gegen den Ausbau von Autobahnen und für die Einhaltung der Pariser Klimaziele seilen sich Umweltaktivisten in Anwesenheit von Polizisten von der Spinnerbrücke über der Autobahn 100 ab. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Im Rahmen einer Fahrraddemo auf der Berliner Stadtautobahn haben sich am Samstag zwei Aktivistinnen von der Spinnerbrücke in Nikolassee abgeseilt. Die Polizei hinderte sie daran, Banner und Plakate anzubringen und leitete ein Strafermittlungsverfahren ein.

Bei einer Fahrraddemo in Berlin sind Demonstranten von der Polizei daran gehindert worden, Plakate und ein Banner an zwei Brücken anzubringen. "Zwei Frauen haben sich während der Demonstration an der Spinnerbrücke abgeseilt", sagte ein Polizeisprecher. Nach Angaben eines dpa-Fotografen wollten sie ein Banner an der Brücke anbringen. Demnach hielten Einsatzkräfte die Aktivistinnen zurück.

Die Polizei hat Strafermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet, wie der Sprecher mitteilte. An einer weiteren Brücke wollten 15 Demonstranten Plakate anbringen, was die Polizei nach eigenen Angaben verhinderte.

Aus Protest gegen den Ausbau von Autobahnen und für die Einhaltung der Pariser Klimaziele fahren Menschen mit dem Fahrrad über die Autobahn 100. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Demo für Klimaschutz und gegen Autobahnbau

Zu der Fahrraddemo aufgerufen hatte das Demobündnis für den Klimaschutz aus Changing Cities, Ende Gelände und weiteren Organisationen. Mehrere hundert Menschen fuhren gegen den Ausbau von Autobahnen und für die Einhaltung der Pariser Klimaziele über die A100 zum Dreieck Funkturm. Die Demo war mit 250 Teilnehmern angemeldet. Von dort aus wollten die Teilnehmer gemeinsam mit einem weiteren Fahrradkorso, der an der Glienicker Brücke in Potsdam gestartet war, über die Avus zum Kohlekraftwerk Reuter West fahren.

Die A100 war am Vormittag wegen der Demos abschnittsweise gesperrt, wie die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) auf Twitter mitteilte. Die A115 war mittags noch wegen der zweiten Fahrraddemo gesperrt.

Sendung: Inforadio, 12.12.2020, 07:00 Uhr

73 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 73.

    Hallo Markus!

    Ich nehme nur die Argumentation von Greenpeace auf und fuehre sie weiter. Die Zahlen werden sich aber auch nicht fuerchterlich aendern, wenn Sie von 10 km statt 5 km Weg zur Arbeit ausgehen. Im uebrigen stimme ich Ihnen zu, dass wir sowohl den Verkehr als auch die Energiewirtschaft dekabonisieren muessen.

    Allerdings ist es nun mal so, dass wir in Deutschland nach 20 Jahren Energiewende immer noch 350 Millionen Tonnen CO2 jaehrlich im Energiesektor rausblasen:

    > https://ourworldindata.org/grapher/ghg-emissions-by-sector?time=latest&country=~DEU

    Waehrend es in Frankreich nur 50 Millionen Tonnen CO2 sind:

    > https://ourworldindata.org/grapher/ghg-emissions-by-sector?time=latest&country=~FRA

    Selbst normiert auf die Einwohnerzahl laege Frankreich mit unserem Energiemix bei 300 Millionen Tonnen CO2 im Jahr statt 50 Millionen Tonnen.

    Was wir brauchen ist daher einen Ausstieg aus dem Atomausstieg:

    > https://saveger6.de/

    Maik

  2. 72.

    Um Klimaneutral zu werden müssen wir Verkehr UND Stromsektor umbauen. Von mir aus auch gerne mit mehr Kernenergie, aber das wird teuer und politisch schwer umzusetzen.

    (Es ist technisch auch etwas unsauber Greenpeace-Schätzungen mit einem angenommenen 5km Arbeitsweg mit der Zahl von Berufspendlern zu multiplizieren, die ein Vielfaches dieser Strecke zurücklegen)

  3. 71.

    Das mit den Atomkraftwerken machen wir aber erst, wenn alle Entschädigungen an die Betreiber ausgezahlt wurden. Dann kommt Herr Altmaier ins Spiel, der erst für die dicken Entschädigungen gesorgt hat und dann gibt es bestimmt Prämien für die AKW Betreiber bei Wiederinbetriebnahme.

  4. 70.

    Laut Greenpeace spart jeder Berufspendler, der vom Auto aufs Fahrrad umsteigt, pro Jahr 350 Kilogramm CO2 ein:

    > https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/mobilitaet-expertise-verkehrssicherheit.pdf (Seite 5)

    Laut FAZ hatten wir in Deutschland 12,6 Millionen Berufspendler:

    > https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/weite-arbeitswege-zahl-der-pendler-in-deutschland-steigt-16619881.html

    Wuerden diese 12,6 Millionen Pendler also alle Rad fahren, koennen wir maximal 4,41 Millionen Tonnen CO2 im Jahr einsparen.

    Ein einzelnes Kernkraftwerk spart hingegen im Jahr CO2-Emissionen von rund 8 Millionen Tonnen im Jahr ein:

    > https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/chinas-nimmt-ersten-selbst-entwickelten-atommeiler-in-betrieb-a-158c8491-0e88-47c9-a7ec-1ebd747132f6

    Wenn wir also wirklich unsere jaehrlichen CO2-Emissionen senken wollen, muessen wir unsere verbleibenden sechs Kernkraftwerke erhalten und sogar neue bauen.

  5. 69.

    Lieber rbb!

    Das Wort „Aktivisten“ empfinde ich in diesem Zusammenhang als unangebracht.

    Es handelt sich hier um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, welches als Straftat geahndet wird.

    Die richtige Bezeichnung wäre daher hier das neutrale „Personen“.

    Maik Kretschmar

  6. 67.

    Ich hingegen habe ein Fahrrad und ein Auto als Zweitfahrzeug.

  7. 66.

    Es gibt ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, welches Demonstrationen auf Autobahnen für unverhältnismäßig und unrechtmäßig erklärte und entsprechend verboten hat. Man kann und darf auch keine Demo mit Fahrzeugen irgendeiner Art in Fußgängerzonen durchführen. Wie bereits das Gesetz aussagt, dürfen Autobahnen nur mit Fahrzeugen befahren werden, die bauartbedingt mit mindestens 60km/h fahren können. Gleichzeitig unterliegt wegen der großen Gefahr für Dritte jegliche unberechtigte Störung des Verkehrs einer Geldbuße, und zwar nicht zum Spaß. Nichts gegen die Fahrraddemo, auch wenn deren Ziel antidemokratisch ist, aber auf der Autobahn hätte sie untersagt werden müssen,allein weil die Auswirkungen für Dritte unverhältnismäßig sind.

  8. 64.

    Solange jeder mit dem Finger auf den jeweils anderen zeigt braucht keiner etwas zu unternehmen. Problem gelöst.

  9. 63.

    Ohne Umwelt braucht man keinen Wohnraum und auch keine Arbeit. Da braucht man nur einen Liegeplatz zur Bespaßung von Maden und Würmern. Für sie vielleicht schwer verständlich ist aber so.

  10. 62.

    Ich dagegen habe ein Fahrrad und ein Auto als Zweitfahrzeug.

  11. 59.

    "Die Polizei hat Strafermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet,"

    Mal eine ernsthafte Frage (Ist bei mir ja relativ selten).
    Findet auf einer temporär gesperrten Strasse oder einem Teil davon, die für Nicht-Demo-Teilnehmer nicht frei und jederzeit zugänglich ist, überhaupt öffentlicher Straßenverkehr statt?

    Ich habe dazu leider nichts spezielles gefunden, tendiere jedoch dazu, dies zu verneinen.

  12. 58.

    Respekt an die Aktivistis! Hab sie auf der Fahrraddemo gesehen. War wirklich ne coole Aktion!

  13. 57.

    ...dringendere, im Moment vielleicht, aber keinesfalls wichtigere! Nebenbei halte ich derartige Demos mit den ganzen (auch emotionalen) Nebenwirkungen auch eher für kontraproduktiv.

  14. 56.

    Umwelt alleine macht nicht satt und schafft auch keinen Wohnraum. Der Vermieter und die Kassiererin im Supermarkt verlangt nun mal Geld, sonst gibt es nichts

  15. 55.

    "Die Polizei hat Strafermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingeleitet," Warum nicht auch gegen die Sperrung der Autobahn? Wer hat das denn abgesegnet?"

    Viel zu lernen klara noch hat.

    Man meldet eine Demonstration an und eine Behörde genehmigt die in der Regel. Nennt sich Demokratie. Also das Gegenteil von dem was ihnen so vorschwebt.

  16. 54.

    Das Erreichen der Pariser Klimaziele wird also in Berlin und nur durch die Beschneidung der Bürger dieser Stadt erzielt?
    Solange die übrigen Länder nicht mitziehen, werden wir in D noch so gut wie möglich umweltgerecht leben können und doch am Klima krepieren. Was wollen mir radfahrende Traumtänzer dann noch sagen?
    Ich halte nichts von Aktionen,die andere nur noch mehr belasten (Nachbarschaft, die durch den ausweichenden Verkehr gestresst wird),wenn doch bekannt ist, dass diese Stadt mangels konsensfähigem Aktionismus nur noch eins kennt: auf die einzudreschen, die ihre Mobilität durch Kfz benötigen.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Trockene Landschaft in Brandenburg (Bild: dpa/Paul Zinken)
dpa/paul Zinken

Wassermangel in Brandenburg - "Das Problem ist wirklich massiv"

Google kann im ostbrandenburgischen Neuenhagen kein Rechenzentrum errichten, weil es dort zu wenig Wasser gibt. Zwar gebe es im Land viele Seen, erklärt der Potsdamer Forscher Fred Hattermann - das bedeute aber nicht, dass die Region reich an Wasser sei.