Zahlreiche Zahlenkarten haben Kriminaltechniker in einer Hofeinfahrt eines Hauses an der Stresemannstraße in Kreuzberg aufgestellt (Quelle: DPA/Paul Zinken)
Audio: rbb 88.8 | 28.12.2020 | Holm/Drescher | Gespräch mit Andreas Geisel | Bild: DPA/Paul Zinken

Mordversuch und unerlaubter Waffenbesitz - Haftbefehle gegen zwei Männer nach Schießerei in Kreuzberg

Nach der Schießerei in Berlin-Kreuzberg am zweiten Weihnachtstag sind zwei Haftbefehle erlassen worden. In einem Fall geht es um Mordversuch. An der Auseinandersetzung waren Medienberichten zufolge bekannte Clan-Größen der Hauptstadt beteiligt.

Bei den Schüssen im Berliner Stadtteil Kreuzberg am zweiten Weihnachtstag geht die Staatsanwaltschaft von einem eskalierenden Streit in der organisierten Kriminalität aus.

Wie "Bild" [bild.de] und "Tagesspiegel" [tagesspiegel.de] berichten, sollen ein Bruder, ein Neffe und ein Vertrauter des Berliner Clanchefs Arafat Abou-Chaker in die Auseinandersetzung verwickelt gewesen sein. Einer der Beteiligten sei in der Szene als Geldeintreiber bekannt. Die Staatsanwaltschaft wollte diese Informationen nicht bestätigen. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte am Montag der rbb-Abendschau, Kern der Auseinandersetzung soll eine Pokerrunde gewesen sein.

Hintergrund des Streits: "illegale Aktivitäten"

Ein 30-Jähriger soll nach bisherigen Erkenntnissen auf drei Männer geschossen haben, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag sagte. "Im Verlauf der Auseinandersetzung soll der 30-Jährige unvermittelt aus seiner Kleidung eine scharfe Schusswaffe gezogen und hinterrücks auf zwei Presonen geschossen haben, auch als sie schon am Boden lagen. Einem Flüchtenden soll er hinterher geschossen haben", so Steltner.

Alle vier wurden schwer verletzt und in Krankenhäuser gebracht. Gegen den 30-Jährigen wurde laut Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen dreifachen versuchten Mordes erlassen. Gegen einen 39-Jährigen erging Haftbefehl wegen illegalen Schusswaffenbesitzes.

Die drei Männer (30, 39 und 42 Jahre), die zuerst niedergeschossen worden sein sollen, seien ortsansässige Protagonisten der Hauptstadt-Szene der organisierten Kriminalität, hieß es.

Geisel: Corona-Pandemie setzt Clans zu

Am frühen Samstagmorgen waren in der Stresemannstraße in unmittelbarer Nähe der SPD-Parteizentrale Schüsse gefallen. Die Polizei hatte zunächst drei Verletzte entdeckt. Der mutmaßliche Schütze war nach Angaben von Ermittlern zunächst in den nahen Landwehrkanal gesprungen, aus dem ihn Rettungskräfte herauszogen.

Nach Einschätzung des Berliner Innensenators sind die sich zuletzt häufenden Auseinandersetzungen im Clan-Milieu eine Auswirkung der Corona-Pandemie. Die Bestimmungen des Infektionsschutzes würden auch die organisierte Kriminalität unter Druck setzen, sagte Geisel der dpa. Durch geschlossene Bordelle, Gaststätten und Bars sowie durch
fehlende Touristen, die sonst etwa für Nachfrage im Drogenhandel sorgen, würden die Einnahmen sinken. Das könne zu Streit um die Aufteilung führen.

Sendung: Abendschau, 28.12.2020, 19:30 Uhr

12 Kommentare

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  1. 11.

    So richtig wehtun wird diesen Typen das Corona-Bußgeld.

  2. 10.

    aprés Update: das "Austrocknen des Sumpfes" scheint neben der Pandemie Wirkung zu zeigen! Diese teuren italienischen Sportwagen verbrauchen nun mal viel - irgendwann muß man Prioritäten setzen.

  3. 8.

    Weiterhin ist anzumerken , das das Schwimmen im Landwehrkanal aufgrund der winterlichen Temperaturen nicht besonders empfehlenswert ist .

  4. 7.

    Ich begrüße die nüchterne Feststellung von Tatsachen. Chapeau! Das kam unerwartet!

  5. 6.

    Gibt man einem "dummen Menschen" eine Waffe, will er sie benutzen. Die "verletzten Tatverdächtigen" belegen jetzt Krankenhausbetten? Drei Fäden, ne Nadel und ein ernstgemeintes "Viel Glück!" sollten ausreichen...

  6. 5.

    Das ist falsch. Unverantwortlich wäre eine Messerstecherei gewesen. Durch den Einsatz von Distanzwaffen konnten dagegen die empfohlenen Abstände eingehalten werden.

  7. 3.

    Ein Bericht zu einem ernsten Thema und der erste Kommentar muss Satire sein.
    Organisierte Kriminalität in Zeiten von Corona? Unverantwortlich...
    zu andern Zeiten ist OK ok?
    Zurück zu Thema: Leider scheint das gegenseitige sich Erschiessen zuzunehmen. Schön, wenn es auch mal zu Festnahmen kam.

  8. 2.

    Stimmt... In Coronazeiten echt unverantwortlich..ohne Corona wäre es okay gewesen?? Ihr Kommentar ist doch Satire, oder??

  9. 1.

    Unverantwortlich so eine Schießerei in Zeiten von Corona.

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