Erster Monitoring-Bericht vorgestellt - Bezirke im Stadtzentrum sind Hotspots homofeindlicher Gewalt

Zwei Protestschilder während der Pride Demo in Berlin am 27.06.2020 (Bild: imago images/Müller-Stauffenberg)
Bild: imago images/Müller-Stauffenberg

Erstmals hat das Land Berlin einen offiziellen Lagebericht zu homo- und transfeindlicher Gewalt in der Hauptstadt veröffentlicht. Er legt offen, wer besonders häufig Opfer solcher Übergriffe wird - und welche Täterkreise dabei am auffälligsten sind.

Im Berliner Stadtzentrum werden homo- und transsexuelle Menschen besonders häufig angegriffen - und fast immer sind die Täter männlich. Zu diesen Ergebnissen kommt der erste Berliner Monitoring-Bericht, der von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) in Auftrag gegeben worden war und am Dienstag vorgestellt wurde.

Der Monitoring-Bericht [camino-werkstatt.de] umfasst eine wissenschaftliche Auswertung der Polizeistatistik sowie Befragungen von Opfern. Der Bericht solle homo- und transfeindliche Gewalt in Berlin transparenter und genauer abbilden, so Behrendt. Betroffene sollten zudem motiviert werden, Vorfälle zu melden und zur Anzeige zu bringen.

Tatverdächtige sind meist vorbestraft

Grundsätzlich stellt der Bericht fest, dass zwei Drittel aller Übergriffe auf homo- und transsexuelle Menschen in Berlin auf die drei Bezirke Mitte, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg entfallen. Die berlinweit am stärksten belasteten Ortsteile sind Neukölln und Mitte.

Der überwiegende Anteil aller angezeigten Übergriffe (67,3 Prozent) findet im öffentlichen und halböffentlichen Raum statt.

Zwischen 2010 und 2018 verübten überwiegend Männer (91,5 Prozent) die Taten. Hinsichtlich von Herkunft und Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen finden sich laut Bericht keine Auffälligkeiten. Deutsche und Menschen mit anderen Nationalitäten treten demnach jeweils gemäß ihres Anteils an der Berliner Wohnbevölkerung als Tatverdächtige in Erscheinung. Auffällig viele Tatverdächtige sind vorbestraft und bereits polizeilich bekannt. Nur ein Viertel der Tatverdächtigen ist nicht vorbestraft, heißt es in dem Bericht.

Die Opfer sind meist jung - und häufiger männlich

Opfer von homo- und transfeindlicher Gewalt wurden mehrheitlich (68,2 Prozent) "zufällig", also ohne vorherige Bekanntschaft ausgewählt. 70 Prozent der Übergriffe in Berlin richten sich gegen ein einzelnes Opfer. Die Opfer sind meist jung: 30 Prozent der Opfer sind zwischen 20 und 30 Jahre, ein Viertel zwischen 30 und 40 Jahre alt.

Laut Monitoring-Bericht neigen Frauen eher als Männer dazu, homofeindliche Beleidigungen hinzunehmen, da sie durch alltäglichen Sexismus zumeist schon seit jungen Jahren an sexualisierte Abwertung und Beleidigung gewöhnt sind. Insgesamt wurden aber deutlich mehr Übergriffe auf Männer (82,2 Prozent) als auf Frauen gezählt. Männer (42 Prozent) werden dabei auch etwas häufiger als Frauen (36 Prozent) gewalttätig angegriffen.

Der Bericht soll künftig alle zwei Jahre erscheinen und jeweils ein anderes Schwerpunktthema haben. In diesem Jahr lag der bei lesbischen und bisexuellen Frauen. Befragungen von Betroffenen haben laut Monitoring-Bericht ergeben, dass sich die Mehrheit der lesbischen und bisexuellen Frauen in Berlin sicher fühlt, gleichzeitig aber durchaus lesbenfeindliche Übergriffe wahrnimmt. Mehr als jede zweite von ihnen (57 Prozent) hat in den letzten fünf Jahren solche Gewalt erlebt, meist in Form von Beleidigungen und Schimpfworten.

Die Kommentarfunktion wurde am 08.12.2020 um 17:45 Uhr geschlossen

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33 Kommentare

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  1. 33.

    Dann herzlichen Glückwunsch; ist mir schon lange nicht mehr passiert. Ansonsten: siehe 32: Da stehe ich voll dahinter.

  2. 32.

    @28. Sportsfreund 21:50 Uhr

    Genau diese Aussage ist doch interessant: Fasst Ihnen eine wildfremde Frau auf den Oberschenkel, beglückt Sie das und es gibt keinen Grund zur Beschwerde.
    Hätte dies aber ein -womöglich auch hübscher- Mann gemacht, erzählten Sie uns hier vermutlich, Sie seien sexuell belästigt worden.

    Wo ist denn jetzt im Verhalten Ihres Gegenübers der große Unterschied? Der homosexuelle kann Ihnen vermutlich genauso wenig ansehen, dass Sie hetero sind, wie die tätschelnde Frau nicht ausschliessen kann, dass Sie eventuell schwul sind.

    Mir haben auch schon nette Männer das Bein gestreichelt, in der Hoffnung, ich sei schwul -da haben sie sich vertan und ich habe sie kurz darüber aufgeklärt. Das war dann schon alles. Und letzten Endes ist´s doch auch ein Kompliment, dass jemand einen scheinbar attraktiv fand... egal ob Mann oder Frau.

    Etwas anderes ist natürlich ein tatsächlicher Übergriff mit Anwendung von körperlicher Gewalt, das ist klar!

  3. 31.

    Leider ist dies die Wahrheit und man kann es nicht schön reden. Ich wohnen in Neukölln km zu meiner Welt offenen Art zu Leben und dem Multikulturellen Leben offen anderen Menschen gegenüber muss ich sagen ich werde oft verachtent beleidigt von Menschen denken wir aus der Not heraus ein neues Zuhause bieten in unserem Land, aber Sie habe leider keine Lust unser Leben anzuerkennen.

  4. 30.

    Liebe Brigitte,

    das ist so schön zu lesen! Dass Dein Sohn einen tollen Partner hat und dass Du jede Person einfach als Menschen siehst. Ich finde es auch so schrecklich, wie "wichtig" es immer noch ist woher man kommt und wen man liebt...Wir müssen uns ja nicht alle mögen oder einer Meinung sein, aber bitte doch tolerant und respektvoll miteinander umgehen! Unsere Gesellschaft bereitet mir solche Sorgen und solch einen Kummer, dass ich echt abwäge Kinder zu bekommen...Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Liebe und schöne Feiertage.

    Lieben Gruß :)

  5. 29.

    Viele Diskussionen und Meinungen machen mich sehr traurig. Ich habe im Partner meines Sohnes den besten Schwiegersohn, den ich mir wünschen kann. Ist es nicht völlig egal, mit wem jemand zusammen lebt oder in welchem Land dieser Welt seine Wurzeln sind? Wichtig ist doch nur, wie wir miteinander umgehen. Das ist m. E.eine Frage von Bildung und Erziehung.

  6. 28.

    Es gibt sie halt doch, die ausgleichende Gerechtigkeit:
    Ja, tatsächlich wurde ich neulich auch von einer Frau angemacht und das hat mir sehr gut gefallen, zumal ich Single bin und sie recht hübsch war. Das Fräulein hat mir sogar die Hand auf den Oberschenkel gelegt und meinte, ich solle meine Station nicht verpassen (hatte in der S-Bahn kurz die Augen zu).
    Hat einfach gut getan. Ja, sogar in Berlin lohnt es sich manchmal noch, Mann, weiß und hetero zu sein. Es gibt halt doch noch Wunder.
    Und Gott sei Dank, gab es da dieses wunderbare Fräulein!

  7. 27.

    Der Ortsteil Neukölln ist gemeinsam mit dem Ortsteil Mitte am stärksten betroffen, obwohl er nicht in einem der drei Bezirke liegt, in denen die meisten Übergriffe auf homo- und transsexuelle Menschen gezählt wurden.

  8. 26.

    Zu welchem der - Drei - Stadtbezirke gehört denn der ORTSTEIL Neukölln ?

  9. 25.

    Sie haben aber hoffentlich schon mitbekommen, dass es hier glücklicherweise in den letzten Jahren einen erheblichen Wandel in der deutschen Gesellschaft gegeben hat? Ein paar Hinterwäldler gibt es leider immer, der Großteil akzeptiert Minderheiten aber inzwischen oder toleriert sie zumindest. Man kann niemanden zwingen, dies zu begrüßen, es reicht aus, dass Minderheiten vollkommen normal behandelt werden. Und das ist im Allgemeinen inzwischen der Fall.

  10. 24.

    Sexuelle Belästigung ist natürlich nicht hinnehmbar; egal von wem. Ich habe viele schwule Freunde, Bekannte und Kollegen und bin noch nie beläsigt worden. Ich bin vielleicht mal angequatscht worden, das war es dann aber auch. Was mich interessieren würde, ob der Sportsfreund sich auch belästigt gefühlt hätte, wenn es eine Frau gewesen wäre. Da er sich hier ja auch nicht mehr äußert, kann es sich auch ganz einfach um Trollerei handeln...

  11. 23.

    Warum so dreist? Fehlen wieder mal Argumente? Es ist mir egal, dass Sie selbst betroffen sind. Das heißt aber nicht zwingend, dass der Nutzer gelogen haben muss. Wenn Sie das nicht glauben, können Sie nachfragen. Lüge zu unterstellen ist aber ganz mieser Stil. Basta!

  12. 22.

    "Andere Kulturkreise, die oft wenig Sympathie für Homosexualität haben"? Als ob der "deutsche" Kulturkreis so tolerant wär. Einfach verlogen...

  13. 21.

    Danke Kathrin. Ich sehe das genau so.
    Wichtig ist nicht zu schweigen und die Missstände anzuprangern.

  14. 20.

    @sportsfreund: Und wieso bitte schreiben Sie diese Information unter einen Artikel über Gewalt gegen Homosexuelle?
    Das eine hat mit dem anderen ja doch eigentlich nichts zu tun. Hoffe ich jedenfalls...

  15. 18.

    Genau Lara. Der größte Teil von den Übergriffen kommen aus den Kulturen , wo diese Lebensweisen keine Akzeptanz findet.

  16. 17.

    Stellen Sie sich nicht dümmer als Sie sind. Sie wissen sehr wohl was ich meine. Sehr unwahrscheinlich, was dieser User erlebt haben will. Besonders am Arbeitsplatz. Ich bin offen schwul und habe in den 25 Jahren Betriebszugehörigkeit nur einmal einen Kollegen offen gefragt, ob er mit mir ausgeht. Der Kollege lächelte mich an und sagte mir ganz offen, dass er nicht schwul sei. Damit war alles geklärt. Gute Kollegen sind wir auch weiterhin geblieben. Übrigens: der User Toni bringt es gut auf den Punkt. Heute reicht schon ein“Hallo Süßer“ und schon fühlt sich manch eine*ner sex. belästigt. Auch hier ein Beispiel: ein Hetero-Kollege begrüßte mich immer zu Schichtbeginn sarkastisch mit den Worten: da ist ja mein schwuler Lieblingskollege. Auch das ließ ich geschehen. Da stehe ich drüber.

  17. 16.

    Sichtbarkeit zeigen. Niemals unterkriegen lassen. Jetzt erst recht. Diese Sätze fallen mir spontan dazu ein. Mir will bis heute einfach nicht in den Sinn kommen, weshalb viele Heterosexuelle uns Schwule hassen. Schlimmer noch. Schwule mit Pädophilie gleichsetzen, wie z.B. in Polen. Die Userin Kathrin bringt es auch sehr treffend zum Ausdruck. Ich werde weiterhin für meine Rechte kämpfen. Zum Artikel. So leidvoll das Thema auch ist, Berlin macht hier einen ehrlichen Schritt nach vorne mit der Auflistung. Dies müßte Bundesweit geschehen.

  18. 15.

    Hey, was möchtest du genau mit der Aussage ausdrücken?
    Kein Mensch ist grundsätzlich vor Belästigung in jeglicher Form bewahrt und auch Menschen, die nicht der Norm entsprechen, sind nicht grundsätzlich empathischer oder respektvoller im Umgang mit anderen. Dass du diese Erfahrung(en) gemacht hast tut mir leid und das ist nicht okay, ich hoffe nur, dass sie nicht dazu geführt hat/haben, dass du von diesen auf alle anderen schließt bzw. die Homosexualität als die Ursache dafür siehst, sondern den einzelnen respektlosen Menschen dahinter.

  19. 14.

    Wieso mehrere? Können ja zwei gewesen sein und auch das nicht unbedingt zeitgleich. Auch Homosexuell wissen halt manchmal die Grenze nicht einzuhalten, so dass Äußerungen sehr wohl als Belästigung aufgefasst werden können. Sind halt auch keine Heiligen, genau so wie andersherum auch.

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