Ein angeklagter Polizist (M) steht vor einem Gerichtssaal im Amtsgericht Tiergarten. (Quelle: dpa/Zinken)
Video: Abendschau | 15.12.2020 | Bild: dpa/Zinken

Fahrlässige Tötung - Polizist im Fall Fabien zu Bewährungsstrafe verurteilt

Vor knapp drei Jahren starb eine junge Frau in Berlin, als ein Polizeiwagen mit erhöhter Geschwindigkeit in ihr Auto raste. Nun ist der Unfallverursacher zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Polizeihauptkommissar hatte im Prozess geschwiegen.

Knapp drei Jahre nach dem tödlichen Zusammenstoß eines Funkstreifenwagens mit dem Auto einer jungen Frau in Berlin ist ein Polizist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den 53-jährigen Polizeihauptkommissar am Dienstag der fahrlässigen Tötung schuldig und verhängte eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung.

Die junge Frau, die in der Nähe des Alexanderplatzes gerade einparken wollte, wurde im Januar 2018 in ihrem kleinen Auto von dem Polizeiwagen gerammt. Die 21-Jährige starb noch an der Unfallstelle.

Der Vorsitzende Richter hob hervor, dass der Polizeiwagen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 130 Kilometer pro Stunde aus einem Tunnel gekommen war - wie "ein Geschoss aus einem Gewehrlauf". Auch durch Blaulicht und Martinshorn sei dies nicht zu rechtfertigen gewesen, der Polizist hätte an dieser Stelle mit höchstens 60 Stundenkilometern unterwegs sein dürfen, hieß es.

Nebenkläger hatten vier Jahre Haft gefordert

Der Beamte, der am Steuer gesessen hatte, schwieg in dem Prozess. Die tödliche Kollision hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Erst Monate nach Ermittlungsbeginn war bekannt geworden, dass eine im Krankenhaus genommene Blutprobe des Fahrers Alkohol enthalten haben soll. Es kam der Verdacht auf, dies habe vertuscht werden sollen.

Dieser Punkt der Anklage war vom Gericht nicht zur Hauptverhandlung zugelassen worden, "weil die Beschlagnahme der zum Nachweis erforderlichen Dokumente entgegen einem gesetzlichen Beschlagnahmeverbot erfolgt sei und deshalb nach Auffassung des zuständigen Gerichts zu einem Beweisverwertungsverbot führte", hieß es in einer Pressemitteilung des Strafgerichts dazu.

Die Eltern der getöteten Frau, die den Prozess als Nebenkläger verfolgten, hatten eine Freiheitsstrafe von vier Jahren verlangt. Sie hielten am Vorwurf fest, dass der Beamte alkoholisiert gewesen sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: Abendschau, 15.12.2020, 19.30 Uhr

 

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56 Kommentare

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  1. 56.

    Und das ist meiner Meinung nach nicht genug ! Er hat grob fahrlässig einer 21 Jährigen das Leben genommen ,er hat dem Ansehen der Polizei erheblich geschadet und nicht mal den Mumm gehabt sich bei den Angehörigen öffentlich zu entschuldigen.

  2. 55.

    Titat: "Steht fest? Weil Sie es so wollen? Oder wünschen?"

    Nein Horst, sondern weil dies aus der Patientenakte des Polizisten hervorgeht. Bei der Blutentnahme im KH wurde ein Wert von 1,24 Promille festgestellt, was erst nach einem Jahr durch einen Whistleblower an die Öffentlichkeit kam. Um auf diesen Wert zu kommen, müsste er schon auf die Schnelle zwischen Unfallort und Krankenhaus einiges an Hochprozentigem konsumiert haben. Wahrscheinlicher ist doch, dass er bereits während der Unfallfahrt alkoholisiert war. Da eber direkt vor Ort von den Kollegen unverständlicherweise kein Test vorgenommen wurde, hatte er wohl "Glück".

  3. 54.

    Da fragt man sich, auf welcher Seite des Gesetzes die Polizei eigentlich steht? Ein Armutszeugnis, dass fassungslos macht.
    Was unser „Freund und Helfer“ Fabien und ihrer Familie angetan hat, ist unfassbar schlimm. Solche „Freunde und Helfer“ braucht niemand. Ganz im Gegenteil. Wer schützt den Bürger vor solchen Menschen in der Polizei?
    Mein Mitgefühl gilt der Familie und den Freunden der jungen Frau.

  4. 53.

    Wie sagt man immer eine Krähe hackt der anderen nicht die Augen aus.Das ist ein zeichen das Polizten nach Dienstschluß machen können was die wollen.

  5. 52.

    Tja - so'n goldner Käfig hat auch zwei Seiten. Wer die Eine will, muss eben mit der Anderen auch leben müssen. Nennt sich Leben.
    Btw.:
    Ein Handwerker kann ohne Pappe auch ganz schnell arbeitslos sein (wären also Punkte 1 und 2). Bezieht dann möglicherweise Hartz4 und hat unterm Strich auch weniger Rente (3 und 4).

    Zu "5" kann ich nichts mehr schreiben - mir schiessen gerade die Tränen in die Augen.

  6. 51.

    Haben seine Kollegen bei 1,24 %o nichts gerochen? Ich vermute, die haben die Alkoholkontrolle mit Absicht vergessen. Warum wurde nicht wegen Strafvereitelung im Amt ermittelt?

  7. 50.

    Wer als Beamter mindestens zwölf Monate oder mehr bekommt wird sofort nach Rechtskraft des Urteils entlassen.

  8. 49.

    Muss er verurteilt werden? Ja
    Jeder Straftäter wird einmal verurteilt und bekommt eine Strafe. Der Polizist wird 1. Verurteilt 2. Er verliert seinen Job 3. Verdient danach weniger Geld 4. Pension verliert er wird in die Rentenkasse nachgezahlt auch weniger. 5. Renteneintritt später.
    Wäre er z.B Handwerker gewesen für das gleiche Delikt eine Strafe. Er wird mehrfach bestraft. Alle Menschen sind gleich. Der goldene Käfig Beamter

  9. 48.

    "Dass er am Tag des Unfalls ordentlich einen im Turm hatte, steht fest." Steht fest? Weil Sie es so wollen? Oder wünschen?
    Vielleicht sind Sie keiner die blühen "Hängen", Sie schlagen lieber ans Kreuz: "Der Mann soll weder gehängt noch in eine rechtsextreme Ecke gedrängt, sondern ganz simpel aus dem Polizeidienst entlassen werden."
    Lesen Sie sich die Mehrheit der Kommentare durch und dann sagen Sie, dass Sie besser sind als der Mob, der "Hängen" brüllt?

  10. 47.

    Alkoholmissbrauch... Oh man, nicht nachgewiesen und nicht verwendbar was da angeblich war. Einfach emotionslos bei den Fakten bleiben.

  11. 46.

    Als ehemalige langjährige Schöffin, die auch einige Hintergründe dieses Falls näher kennt, ist das tatsächlich als Skandalurteil zu bezeichnen. Verfahrensfehlerhaft durch und durch. Der Fall muss durch die Instanzen. Viel Kraft wünsche ich der betroffenen Familie.

  12. 45.

    Ganz klar, Revision einlegen. Das Gericht versuchte durch die Doppelbesetzung einen "gerechten" Prozess vorzugaukeln, und es hat funktioniert. Drei bis sechs Jahre Haft sind das Mindeste - drunter geht gar nicht. Punkt.

  13. 44.

    Verständnislosigkeit beschleicht mich bei Ihrem Kommentar. Der Mann soll weder gehängt noch in eine rechtsextreme Ecke gedrängt, sondern ganz simpel aus dem Polizeidienst entlassen werden. Dass er am Tag des Unfalls ordentlich einen im Turm hatte, steht fest. Es ist eben nur nicht gerichtsverwertbar, da bei den Ermittlungen geschlampt wurde. Hinzu kommen seine zweifelhaften Auftritte in Sozialen Netzwerken lange bevor der 'Todesfahrt'.

  14. 43.

    Zumindest der Alkoholmissbrauch war vorsätzlich. Und dann Unterdrücken wichtiger Anhaltspunkte zur Aufklärung der Tat. Medizinische Unterlagen, die durch den Unfall erarbeitet wurden werden unterdrückt.

  15. 42.

    Der Volkstribun brüllt: "Hängen, Hängen" und verbreiten nicht erwiesene Tatsachen: "Der was besoffen"
    Die Polizei, nicht nur alles Rechtsradikale, Rassisten wird jetzt noch von der Gerichtsbarkeit geschützt.
    Da kocht die Volksseele.
    Und die Presse? "sollte", "könnte", "wahrscheinlich", "vielleicht", "hätte", ......

  16. 41.

    Vielen Dank für diesen Kommentar. Das ist ernst gemeint.

    Die Mutter eines Polizeibeamten.

  17. 40.

    Die Sirenen der Polizei sind ohnehin schon eher schwach. Wenn dann noch dazu kommt, dass das Polizeiauto mit doppelt bis dreifacher Geschwindigkeit aus einem Tunnel kommt, war "vorher orten" auch nicht wirklich möglich. Seine Wache liegt fast am Tunneleingang, die Problematik war ihm also nicht ganz unbekannt. Ein paar Meter hinter der Unfallstelle kommt dann auch noch eine Kreuzung, wo regelmäßig (im Gegensatz zur Polizei laute) Blaulichtfahrten kreuzen (Feuerwache Voltairstraße).
    An so einer Stelle fährt man anhaltebereit und keine 130! Das Urteil ist kein "Schlag ins Gesicht für alle Polizisten", wie hier auch schon kommentiert wurde. Ihn aus dem Dienst zu entfernen(Bewährungsstrafe >1 Jahr) ist eine logische Schlussfolgerung. Ihm wurde eine mit Beamtenstatus vergütete Verantwortung übertragen. Der ist er augenscheinlich nicht nachgekommen. Warum soll er dann den Beamtenstatus behalten?
    Und jetzt kann noch gerne über die Strafe für den Unfall geurteilt werden.

  18. 39.

    In unserem "Rechtsstaat" bekommt der Recht, der das meiste Geld oder die größte Lobby hat. Mein Mitgefühl an die Hinterbliebenden. Dieses Urteil ist unverschämt und unmenschlich.

  19. 38.

    Der Volkstribun brüllt: "Hängen, Hängen" und verbreiten nicht erwiesene Tatsachen: "Der was besoffen"
    Die Polizei, nicht nur alles Rechtsradikale, Rassisten wird jetzt noch von der Gerichtsbarkeit geschützt.
    Da kocht die Volksseele.
    Und die Presse? "sollte", "könnte", "wahrscheinlich", "vielleicht", "hätte", ......

  20. 37.

    Er behält sein Beamtenstatus zunächst. Per Gesetz ist er nicht entlassen. Es wurde kein Vorsatz festgestellt, aber die Dienstbehörde wird nach Eingang der Mistra diziplanarrechtlich ermitteln müssen. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig und der Verteidiger hat Rechtsmittel angekündigt. Die Urteilsbegründung muss eh abgewartet werden. Diese dürften angreifbar sein. Aber abwarten.

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