Eberswalde - Gedenkfeier zum 30. Todestag von Amadeu Antonio

Gedenken an Amadeu Antonio (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 06.12.2020 | Michael Lietz | Bild: rbb

Es war einer der ersten tödlichen rassistischen Angriffe nach der Wende: Am 6. Dezember 1990 erlag Amadeu Antonio seinen Verletzungen, nachdem ihn Neonazis wenige Tage zuvor ins Koma geprügelt hatten. In Eberswalde wurde am Sonntag an das Verbrechen erinnert.

In Eberswalde ist am Sonntag mit einer Gedenkfeier an den gewaltsamen Tod von Amadeu Antonio Kiowa vor 30 Jahren erinnert worden. Der angolanische Vertragsarbeiter wurde 28 Jahr alt. Im November 1990 schlugen ihn Neonazis in Eberswalde (Barnim) so schwer zusammen, dass er ins Koma fiel. Am 6. Dezember erlag er seinen Verletzungen. Amadeu Antonio gilt als eines der ersten Todesopfer rassistischer Gewalt nach der Wiedervereinigung.

Ermittlungen gegen 21 Beteiligte eingestellt

Am Abend des 24. November 1990 wurde Amadeu Antonio von einer Horde Skinheads unter anderem mit Baseballschlägern geschlagen und getreten. Einer der Angreifer sprang dem jungen Mann mit beiden Füßen auf den Kopf.

Fünf der Täter wurden 1992 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt. Die Ermittlungen gegen 21 weitere Beteiligte wurden eingestellt. Diese Gerichtsentscheidungen wurden vielfach als zu mild kritisiert.

Gedenkveranstaltung an der Mahntafel

Lange Zeit rang Eberswalde um ein angemessenes Erinnern an Amadeu Antonio. Mittlerweile erinnert eine Mahn- und Gedenktafel an dem Ort, an dem Amadeu Antonio ins Koma geprügelt wurde, an das Verbrechen. Bestrebungen, diesen Abschnitt der Eberswalder Straße iin "Amadeu-Antonio-Straße" umzubenennen, sind bisher allerdings immer wieder gescheitert.

Inzwischen setzen sich mehrere Bürgerinitiativen in der Stadt für eine aktive Erinnerungskultur und gegen Rassismus ein. Seit 2014 ist das Bürgerbildungszentrum nach Amadeu Antonio benannt. Außerdem lobt die Sadt Eberswalde alle zwei Jahre gemeinsam mit der Amadeu Antonio-Stiftung den Amadeu Antonio Preis für kreatives Engagement für Menschenrechte – gegen Rassismus und Diskriminierung aus.

Die Brandenburger Integrationsbeauftragte Doris Lemmereier erklärte am Sonntag, die Aktivitäten der Bürgerinitiativen gegen Rassismus machten Mut und seien notwendiger denn je: "Das Gedenken an Amadeu Antonio ist uns allen eine Verpflichtung, weiter gegen Rassismus und Gewalt zu kämpfen und alles zu tun um zu verhindern, dass in Brandenburg noch einmal so etwas geschieht."

Die Grünen-Vorsitzende in Brandenburg. Julia Schmidt, sagte, dieser Tag erinnere daran, wie viele Menschen in Brandenburg sich ehrenamtlich dafür engagierten, Rassismus zu bekämpfen und Opfern zu helfen: "Organisationen wie die Amadeu Antonio Stiftung leisten unglaublich wertvolle Arbeit. Zusammen mit zahlreichen weiteren großen und kleinen Initiativen überall in Brandenburg bilden sie ein Bollwerk gegen rechte Gewalt und rassistischen Hass."

24 Kommentare

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  1. 24.

    Ich denke, Du hast Dein Herz am (ge)rechten Fleck. "Der Mensch ist Mensch, weil er denkt... und liebt... und lacht." Wer das ablegt, nimmt sich selbst - und anderen - das "Mensch sein".

  2. 23.

    Danke für eure Unterstützung und Feedback.
    Ich meine alle Antworten auf meinen Beitrag. Danke!

    Bleibt so wie ihr seid!

    Wir bauen die Zukunft, nicht die ewig gestrigen.

    No Nation, no Border!

  3. 22.

    Zitat: "Neine, es waren die "guten, normalen" Jungs von nebenan!"

    Sie haben ganz recht. Ich kannte einiger dieser Angreifer persönlich, da ich damals häufig in Eberswalde war. Das waren m. E. zum Großteil "normale" Heavy Metal Fans etc., die in die Stadtgesellschaft integriert waren. Also Arbeiter und Lehrlinge, die, wie es damals üblich war, sich am Wochenende gemeinschaftlich besoffen und der zuvor schon vorhandenen Faszination für den Nationalsozialismus nun endlich freien Lauf lassen konnten. Dass die Polizisten trotz aller "Unsicherheit" nicht eingegriffen haben, ist ein Skandal. Zumal diese bewaffnet waren und dem "Spuk" schnell hätten ein Ende machen können.

  4. 21.

    Das ist mir doch klar, Dagmar. Nur, die Mutter des Typen war immerhin Ethik-Lehrerin, hätte ihrem Sohn also quasi aus 'erster Hand' etwas über Menschlichkeit etc. beibringen können, ja müssen. Stattdessen haben die Eltern die Radikalisierung ihres Sohnes offenbar nicht mal im Ansatz mitbekommen, oder wollten diese einfach nicht sehen.

    Ich meine, das war kein "Prekariatätshaushalt", sondern eine in der Gesellschaft fest verankerte, gutgestellte Familie - zumindest oberflächlich betrachtet. Und dass die Eltern nach dem Anschlag meinten, der Sohn habe nichts gegen Juden, sondern "nur" gegen "Leute, die hinter finanzieller Macht stehen", zeigt eine erschreckende geistige Verwarlosung dieses Bildungsbürgertums an.

  5. 20.

    Die Einstellung - alle Menschen sind gleich - Ist Sache der Herzensbildung, und nicht der Schul-und Berufsbildung.

  6. 19.

    Von einer "Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft" würde ich auch heute noch sprechen. "durchgängig"? Die Gesellschaft widerspricht nicht genug: das geht durch sie durch "wie durch Butter"...

    Grad die VIdeos von Hoyerswerda waren schon heftig: Typen, die kaum wußten, wie man Freiheit buchstabiert, aber voll davon überzeugt waren, sie "ehemaligen Vertragsarbeitern" nehmen zu müssen. Wenn der Mensch bis zur Nasenspitze denkt, kann man schon von Glück reden.

  7. 18.

    Wer sich auf youtube die Kommentare der Menschen von damals anschaut, merkt schnell, dass es eine durchgängige Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft hier gab.

    Daher verharmlost der Artikel mal wieder, in dem er so tut, als ob die Totschläger eine "Horde Skinheads" waren.

    Neine, es waren die "guten, normalen" Jungs von nebenan!

    Ich konnte auch als "Deutscher" damals kaum ins Umland fahren, sobald man nicht aussah wie komplett verblödet, wurde man angegriffen.

  8. 17.

    "Rassistische Polizei und Justiz?" Da lehnt sich aber jemand weit aus dem Fenster, die ganze Berufsgruppe zu beschimpfen. Es ist richtig, Opfer nicht zu vergessen. Falsch ist es , pauschal zu verunglimpfen. Bei 25 %Afd-Wählern gibt es im von ihnen genannten Landstrich zum Glück 75%DAGEGEN.

  9. 16.

    Der Attentäter von Halle lebte noch bei Mutti und Vati, die aus gutbürgerlicher Bildungschsicht stammen. Und nach der Festnahme und Inhaftierung des Sohnes, versuchten diese den Mordanschlag zu "relativieren". Das ist wirklich erschreckend!

  10. 15.

    Ja, alle Menschen sind gleich. Das sollten sich die Eltern und alle anderen Erwachsene "hinter die Ohren schreiben ", damit die Kinder endlich wissen was Sache ist.

  11. 14.

    Da er/sie/es sich auf "Ostdeutschland" bezog, ist dann wohl auch nicht "die gesamte Polizei und Justiz" gemeint.

  12. 13.

    Zitat: "Das traurige Ereignis hat keinen Einfluss auf die Migrantenbewegungen. Das hält niemanden ab."

    Ja "schade", dass ein zu Tode geprügelter Vertragsagsarbeiter Menschen nicht davon abhält, weiterhin aus Armuts- und Kriegsgebieten zu flüchten , nicht wahr "fischersfritz"?

  13. 12.

    Sie sollten ein wenig sachlicher argumentieren. Sie unterstellen, dass die gesamte Polizei und Justiz rassistisch ist. Dies ist einfach nicht korrekt.

  14. 11.

    Und alles ohne Maske und Abstand. ( Bild )

  15. 10.

    "Wutburger" + "wird man ja noch sagen dürfen": zu den Stuttgart21 Protestierenden sagte man später auch Wutbürger. Wird man ja noch sagen dürfen, kommt meist aus der Links,-Grünen Ecke Vorwurf-Fraktion. Inzwischen ist praktisch alles was man dazu sagt, egal ob es richtig oder falsch ist, nur noch reines schwarz-weiß denken. Es gibt weder Grautöne, von farblichen Diskurs ganz zu schweigen.
    Dies fängt bereits an, wenn man die Menschen in weiß und schwarzer Hautfarbe versucht einzuordnen, Es gibt weder weiße, genauso wenig wie eine schwarze Hautfarbe.
    Farbe ist in Eimern und damit streiche ich Wände. Aber keinen Menschen, die entweder hell ,- oder dunkelhäutig sind.
    Die Haut ist das größte Organ des Menschen.
    Jeder der mit einer weißen oder schwarzen Hautfarbe einen Menschen bezeichnet, ist für mich selbst ein Rassist,
    Leider passt dies nicht ins Schemata der heutigen Generation, die sich damit nur selbst in eine Opferrolle begibt.
    Für mich sind alle Menschen gleich.

  16. 9.

    Andrzej Fratczak wurde am 7.10.1990 in Lübbenau von rechtsradikalen Schlägern tödlich verletzt und gilt - genau wie Amadeu Antonio - als eines der erstes Todesopfer rechter Gewalt in Gesamtdeutschland.
    Ein öffentliches Gedenken hat es bisher nicht gegeben!!

  17. 8.

    Warum sollte damit Schluß sein? Ich finde es wichtig an diese erste barbarische und feige Tat der Rechtsextremen nach derWende (denen leinder noch wole folgen soltten) erinnert wird.

  18. 7.

    Das kann ja nur aus einer Richtung kommen.
    Schämen Sie sich!

  19. 6.

    Das traurige Ereignis hat keinen Einfluss auf die Migrantenbewegungen. Das hält niemanden ab.
    Auf den Kanaren werden jetzt die wegen Corona leerstehenden touristischen Einrichtungen besetzt. 2020 trafen mehr als 20.000 Migranten über den gefährlichen Seeweg von Nordwestafrika auf den Kanarischen Inseln ein. 2019 waren es in demselben Zeitraum noch 1900 Menschen.

  20. 5.

    Ein unschuldiger Mensch wird von kriminellen Nazis ermordet, die rassistische Justiz und Polizei läßt die Mörder wieder frei, und du @Koala forderst, es soll "Langsam mal Schluß sein mit diesem Thema"
    Dieser rassistische Mord am 29.11.1992 in Eberswalde war weder Anfang noch Ende einer rassistischen deutschen Mordserie, deren Quantität wie Qualität so gewaltig und brutal, hält sie seit 90 Jahren an und auch du Koala, trägst deinen Teil bei.

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