Schäden durch Sprayer an U-Bahnen - "Es gibt einen regelrechten Graffiti-Tourismus"

U-Bahn mit Graffito am Schlesischen Tor (Quelle: dpa/Schoening)
Bild: dpa/Schoening

Wenn U-Bahnen in Berlin besprayt werden, fahren sie zur Reinigung in eine Waschstraße. Laut BVG passiert das immer häufiger, so dass der Betrieb kaum noch hinterherkommt - und die Graffiti-Züge fahren lässt. Sprayer fühlen sich offenbar ermutigt. Von Vanessa Klüber

Wenn ihre Graffiti auf einem Zug durch die Landschaft fahren, haben Sprayer gewonnen - Ziel erreicht. Das gelingt ihnen offenbar immer häufiger, weil die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nicht mehr damit hinterher kommen, die Züge wieder zu reinigen. "Schleichend" steige die Zahl der Fälle, in denen ein Zug auf ein "Graffiti-Waschgleis" müsse, um dort mit Chemikalien gereinigt zu werden, sagt BVG-Sprecher Jannes Schwentu. "Das ist eine ziemliche Sauerei, was die Umwelt angeht", bemerkt er dazu, "das sind Chemikalien, die man nicht im Abwasser haben will." Sprayer würden ja Farben einzusetzen, die möglichst gut halten.

Festgehalten werden die Graffiti auch in sozialen Netzwerken, täglich kommen neue Bilder auf Berliner Accounts dazu.

BVG hat den vielen Sprayern wenig entgegenzusetzen

Zur Intensität kommt die Häufigkeit: "Es gibt einen regelrechten Graffiti-Tourismus", beschreibt Schwentu die Situation. Am schlimmsten sei es an den Tagen, an denen die BVG-Mitarbeiter streikten. Dann stünden die Züge länger, es gebe mehr Gelegenheiten, sich an ihnen zu schaffen zu machen.

Dem habe die BVG derzeit wenig entgegenzusetzen, außer die Bahnen weiter in die Waschanlagen zu fahren, Sicherheitsdienste einzusetzen, die aber auch nicht jede Bahn rund um die Uhr bewachen könnten, und auf neue Wagen zu warten. Diese sollen in den nächsten Jahren Stück für Stück fertig sein. Die ersten neuen Züge sollen im Herbst 2022 kommen, teilt die BVG mit.

Mit mehr Reservewagen können dann die besprayten Bahnen herausgezogen werden, während nur saubere fahren. Was nicht bedeuten muss, dass dann weniger Wagen besprayt werden.

Die Reinigung koste Geld, das sich in den Ticketpreisen niederschlage, sagt der BVG-Sprecher. Sprayen sei "kriminell, teuer und ärgerlich". Letzteres vor allem für die Fahrgäste. Es sei außerdem lebensgefährlich, weil auch in der Betriebspause Starkstrom im Gleis herrsche und auch nachts Züge durch Tunnel und Anlagen führen. Ein falscher Schritt könne da tödlich enden.

Hat die BVG mal ans Aufgeben gedacht? Einfach mal bunte Bahnen ihre Kreise ziehen lassen?
"Damit gibt man sich geschlagen", sagt Schwentu, "das wollen wir nicht." Dass Graffiti-Züge fahren, lasse die BVG momentan "weinenden Auges zu". Es sei eine Abwägung zwischen besprühten Zügen oder gar keinen Zügen an dieser Stelle. "Ein Zug alle neun Minuten, das will niemand."

Immer wieder mal erwische man zusammen mit der Polizei auch Sprayer. Trotzdem bleibe das ein schwieriges Unterfangen, weil die Szene hochprofessionell arbeite - und sich auf die Bahnen eingeschossen habe.

48 Kommentare

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  1. 48.

    Mir gefällt die Bahn auf dem Foto ganz gut :)

  2. 47.

    @Ein Radfahrer: das Blöde ist, dafür würden sich hier viele Leute anstellen, um auch mal dran zu kommen.
    Oder gar noch Geld bezahlen.

    Nicht, dass so eine Strafe noch einen extra Anreiz schafft.

  3. 46.

    Icke denke, wenn man diese beka...... Spraydosen nicht mehr verkaufen würde hätte sich sich das Sprayen auch erledigt! Hatten wir früher ja auch nicht!
    Rutsch gut rinn wa!

  4. 43.

    Noch mehr Gehör als jetzt schon? Im Verhältnis des Anteiles an der Gesamtbevölkerung hat die Jugend ein weit überdurchschnittliches Entgegenkommen, materiell wie moralisch (der Platz reicht hier nicht alles aufzuzählen). Das ist deshalb so, weil wir in die Zukunft investieren wollen, aber nicht m ü s s e n. Seit Jahren werden die Anforderungen herabgesetzt, damit auch noch der Letzte durch die Prüfungen kommt. Rechte ab 16 aber Pflichten erst ab 21? Den Begriff des Eigentums kennt jeder, wenn es an den "eigenen Rucksack oder Lederjacke geht". Bitte mehr Dankbarkeit, Demut und Respekt vor den Lebensleistungen anstatt Anspruchsdenken - sonst "dreht sich die Solidarität".

  5. 42.

    Sehr gute Idee.
    Wird wohl leider vor Gericht als "Augen-Folter" gewertet.
    Genauso, wie diese Farbklekser nicht zur Entfernung der Werke rangezogen werden. Da gehts um den Schutz der Gesundheit. Mal richtig mit einem Lappen putzen, mit ihren eigenen Schutzmasken, wäre doch auch ein Vergnügen.

  6. 41.

    "Erzählst Du die Geschichte noch zu Ende...."
    Moin, ja kann ich machen.
    Sie kamen in Singapur vor Gericht und erhielten eine Haftstrafe von je 9 Monaten sowie 3 Stockschläge auf den nackten Popo!
    Den Bericht kann man googleln!

  7. 40.

    Ich habe eine wunderbare Idee...

    Wenn man einen von diesen Künstler erwischt, sollte man Ihnen als kleines Dankeschön für die Verschönerung der Berliner U-Bahn im Gegenzug ihre Bude komplett in BVG U-Bahn Orange Lackieren bis zur letzten Kaffeetasse, und alles mit dem BVG Logo versehen, und den Schriftzug „von Künstler zu Künstler, we Berlin“.

    Und als i Tüpfelchen alles umrahmen mit einer Borte aus BVG Fleckenmustetsitzbezüge.

    Da bin ich mal gespannt wie dehnen das gefällt, was diese Herrschaften unser Augen Tag für Tag zumuten.

  8. 39.

    Die sich hier für beschmierte U-Bahnen aussprechen würden sich bedanken, wenn ihr Auto ständig zugesprayt würde. Einfach mal Gehirn einschalten!

  9. 38.

    "Wie ist dem bloß beizukommen, also mal so endgültig und für immer?"
    In Deutschland? Mit unseren Strafen überhaupt nicht!

  10. 37.

    Lasst doch die Sprayer selbst die Züge reinigen.
    Wenn sie einen beschmieren und 10 dafür reinigen müssen, das wäre doch mal ein Anfang.
    Einfach durchgreifen anstatt die Fahrpreise zu erhöhen.

  11. 35.

    Sie spielen einerseits auf Empathie an, zeigen im Gegenzug aber selbst keine. Sie sollten sich mal fragen, weshalb die Jugend immer extremere Wege einschlägt. Wohl deshalb, weil ihr dieses Gesellschaftssystem keine Beachtung schenkt, keine Möglichkeiten bietet das auszuleben, was die Jugendphase mit sich bringt. Und es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass immer größere und härtere Strafen genau das Gegenteil bewirken, was sich von Leuten, die so denken wie sie, versprochen wird. Konstruktiver wäre es, wenn man der Jugend Gehör und Beachtung geben würde, die sie verdient.

  12. 34.

    Keine Frage. Dem schließe ich mich sehr gerne an.

  13. 33.

    Gemeint ist nicht bunt oder Kunst sondern Schmutz und Zerstörung. Das ist das Problem. Kunst könnte man fördern, diese Beschmierungen sind aber schlicht kriminell!

  14. 29.

    Vor über 5 Jahren haben 2 Leipziger in Singapur Graffiti an die U-Bahn gesprüht. Sie haben es danach bitter bereut und als den größten Fehler ihres Lebens bezeichnet! Sie erklärten sie würden dies nie wieder tun.
    Guten Rutsch!

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