Nachtzug im Bahnhof (Bild: dpa/Bodo Marks)
Bild: dpa/Bodo Marks

Neue Bahnverbindungen geplant - Mit dem Nachtzug von Berlin nach Paris

Abends in Berlin einschlafen, und morgens in Paris aufwachen: Die Deutsche Bahn und drei weitere Eisenbahn-Unternehmen wollen die symbolträchtige Nachtzugverbindung zwischen beiden Hauptstädten wieder aufleben lassen - und nicht nur diese.

Über Nacht nach Paris oder Brüssel - die Deutsche Bahn will bis Dezember 2023 direkte Zugverbindungen von Berlin aus anbieten. Zurzeit fährt lediglich einmal die Woche ein russischer Nachtzug von Moskau über Berlin nach Paris und wieder zurück.

Der Nachtzug soll wieder eine Alternative für den Fernverkehr durch Europa werden. Die Deutsche Bahn und die staatlichen Bahngesellschaften SNCF in Frankreich, ÖBB in Österreich und SBB in der Schweiz wollen in den kommenden Jahren mehrere neue Nachtzugverbindungen zwischen den Ländern schaffen.

Am Dienstag unterzeichneten die Chefs der vier Unternehmen eine Absichtserklärung für den gemeinsamen Netzausbau und bessere europäische Verbindungen.

Erstmal keine direkte Verbindung nach Barcelona

Bereits bis Dezember 2021 soll es neue Nachtzuglinien von Wien über München nach Paris sowie von Zürich über Köln nach Amsterdam geben.

Von Zürich aus sollen außerdem bis 2022 auch Rom sowie bis 2024 Barcelona erreichbar sein, teilte die Deutsche Bahn mit.

Eine direkte Verbindung zwischen Berlin und Barcelona, die Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei der Vorstellung eines Konzepts für einen "Trans-Europ-Express (TEE) 2.0" im September nannte, ist offenbar erstmal nicht geplant.

Wiederbelebung des Trans-Europ-Expresses

Die Bahn und Scheuer sehen das Projekt TEE 2.0 als eine Art Wiederbelebung des Trans-Europ-Express, dessen Züge einst jahrzehntelang durch Westeuropa fuhren. Das Vorhaben soll insbesondere bereits bestehende Zugverbindungen besser miteinander verknüpfen. Bei anderen Strecken ist laut Scheuer noch neue Infrastruktur nötig, wie beispielsweise der Fehmarnbelttunnel.

Private Wettbewerber befürchten "Nachtzugkartell"

Der Verkehrsminister werde sich "daran messen lassen müssen", ob sich die ersten der angekündigten neuen Nachtzüge "in einem Jahr buchen lassen", erklärte der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Matthias Gastel. Eine reine Absichtserklärung garantiere kein dauerhaftes Streckennetz zwischen den europäischen Metropolen. Es müsse noch geklärt werden, "wo solche Angebote koordiniert werden, ob es dazu Vergabeverfahren bedarf und wer sicherstellt, dass es einfache Buchungsmöglichkeiten und Tickets zu Preisen unter denen der Airlines gibt", so Gastel.

Die bahnpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Leidig, zeigte sich erfreut darüber, "dass nun die Kooperation statt der Konkurrenz der Bahnunternehmen beschworen wird".

Der Verband Mofair, der private Wettbewerber der Deutschen Bahn vertritt, befürchtet dagegen ein "Nachtzugkartell" mit Nachteilen für nichtstaatliche Zugbetreiber und Bahnkunden. "Wenn die etablierten Betreiber bevorzugt behandelt werden und sie sich nicht dem Wettbewerb stellen, werden sie sich wie Monopolisten verhalten", warnte Geschäftsführer Matthias Stoffregen. Er forderte die Einbeziehung in die Planungen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.12.2020, 16:00 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Na, wenn das mal kein Fortschritt ist: in 3 Jahren werden wieder die Strecken bedient, die es bis vor 4-6 Jahren gab. Wow!
    Das ist einfach ein Riesenwitz, aber was soll man von der deutschen Verkehrspolitik auch erwarten? Der Durchschnittsdeutsche jammert täglich über "ideologische" Politik zugunsten umweltfreundlicher Verkehrsmittel, aber Tatsache ist, dass der CO2-Ausstoß im Verkehr und die Zahl der angemeldeten PKW seit Jahrzehnten kontinuierlich steigen. Dass der Gesamt-CO2-Ausstoß in der BRD und der EU sinkt, liegt ausschließlich an der Verlagerung 'schmutziger' Industrien in andere Weltregionen.

    An die Nachtzug-Hater: Keine Angst, es zwingt Sie niemand zu einer Nachtzugfahrt.
    Im Übrigen machen die Österreichischen und Schweizerischen Bundesbahnen vor, dass Nachtzüge kein Verlustgeschäft sein müssen. Waren sie bei der DB auch nicht: https://www.welt.de/wirtschaft/article155863687/So-rechnet-die-Deutsche-Bahn-die-Nachtzuege-krank.html

  2. 13.

    Ich habe nicht gesagt, dass die Einführung einer Kerosinsteuer auf nationaler Eben sinnvoll ist, Das ist nur ein Beispiel warum die Bahn als "unrentabel" gilt. Tatsache ist, dass der Inlandsflugverkehr vor dem Hintergrund der Herausforderungen einer fortschreitenden weltweiten Klimakatastrophe drastisch reduziert werden muss.
    Wer trotz der teilweise dramatischen Veränderungen von Klima und Naturhaushalt in Deutschland innerhalb einer Generation, insbesondere der letzten drei Jahrzehnte, noch immer nichts gemerkt hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

  3. 12.

    Es kommt immer wieder zu diesen Behauptungen aus propagandistischen Gründen, man solle auf Kerosin die Mineralölsteuer erheben. Aufgrund des Chikagoer Abkommens, dem auch die Bundesrepublik Deutschland beigetreten ist, dürfen die unterzeichneten Staaten bei internationalen Flügen der gewerblichen Luftfahrt keine Mineralössteuer erheben. Dies dient der Gleichbehandlung aller Fluggesellschaften. Außerdem würde das nichts bringen, da die Fluggesellschaften dann ihre Umläufe dann so legen würden, dass zum Tanken ein ausländischer Flughafen angeflogen wird. Also eine Forderung ohne realen Hintergrund. Es sei denn Deutschland wird nach Trump Manier aus internationalen Verträgen aussteigen. Die Forderung ist also nur heiße Luft.

  4. 11.

    Die CSU packt es an?
    Gute Nacht!

  5. 10.

    Gottseidank hat sich seit 1990 einiges getan in Sachen Komfort - D-Züge gibt es schon sehr lange nicht mehr!

  6. 9.

    *schmunzel* - Da habe wohl nicht nur ich (s. 2.) diese unvergessliche Erfahrung gemacht ;-))

  7. 8.

    "- Private werden benachteiligt ? Wenn es Gewinn bringen würde, würden die Privaten schon längst fahren ! "
    Wenn Sie sich auch nur ansatzweise einmal mit der Materie beschäftigt hätten, wüssten Sie, das die Bahn die Gebühren für die Trassenbenutzung selbst festsetzen darf und damit die Konurrenz kleinhält. Der Flugverkehr ist nur deshalb billiger, weil er staatlich begünstigt wird (z.B. fehlende Kerosinsteuer). Würde der Staat die Bahn entsprechend unterstützen und die Kosten für Bau und Instandhaltung des Bahnnetzes selbst übernehmen und nicht in die Unternehmensbilanz einfließen lassen, wäre die Bahn schon längst wirtschaftlich. Dann müssen auch keine Fachleute der Bahn "über die Straße helfen".

  8. 5.

    Was von den tapferen Presseleuten keiner mitgekriegt hat: es fährt seit Jahren ein Nachtzug von Berlin nach Paris, betrieben von der russischen Bahn. In der Gegenrichtung kann man damit von Berlin nach Warschau und Moskau reisen.
    In den jetzigen modernen Schlafwagen der ÖBB (1- und 2-Bettabteile mit Dusche und WC) fährt es sich prima nach Basel, Zürich, Breslau und Wien. Ab 99€ im Sparpreis inkl. Frühstück.
    Wer billiger Sitz- oder Liegewiesen bucht kriegt eben auch weniger Komfort.

  9. 4.

    Man kommt gerädert am Morgen in Paris an. Der Nachbar hat die ganze Nacht geschnarcht. Irgendwo auf der Strecke bremst der Zug und ruckelt einen aus dem Schlaf. Der Schlaf war selbst nur von minderer Qualität. Und morgens dann die katastrophale Toilettensituation: Selbst das Zähneputzen wird zur Überwindung. Eine morgendliche Reinigung ganz ausgeschlossen. Dazu konnte man seinen Reisekoffer nicht sicher vetstauen ... Wir erinnern uns alle noch, warum diese Züge eingestellt wurden. Ein Flug mit Hotel (sowie abendlichem Spaziergang über die Champs-Elysees) kommt wahrscheinlich preiswerter und ist angenehmer. Wird dieses Projekt ob fehlender Kundschaft wieder solch ein Millionengrab?

  10. 3.

    - Warum billiger als das Flugzeug ?
    - Private werden benachteiligt ? Wenn es Gewinn bringen würde, würden die Privaten schon längst fahren !
    - Wird schon funktionieren, sind ja genug Fachleute dabei die der Deutsche Bahn AG über die Straße helfen könnten.

  11. 2.

    Die unangenehmste Bahnfahrt, die ich je gemacht habe, war mit dem D-Zug über Nacht vom Bahnhof Zoo nach Paris. Auf der Hinreise den Sitzwagen gebucht- Sechserabteil. Gehalten hat der Zug mitten in der Nacht ziemlich oft, ich meine, u.a. irgendwo in NRW, natürlich mit Ein- und Aussteigenden. Dann wurde andauernd die Abteiltür aufgerissen und die Fahrkarten nachkontrolliert. Gegenüber schmiegte sich der Mann einer Dame, die den Schlafwagen bevorzugt hatte, im Tiefschlaf an seine , ihm unbekannte Sitznachbarin. Ich saß an der Abteiltür und hatte dadurch auch die volle Geräuschkulisse vom Gang bzw. den sich öffnenden/ schließenden Nebenabteiltüren.
    Rückfahrt im Liegewagen war etwas besser, nur war ganz oben ein junger Mann mit Kopfhörern, der dauernd mit diesem metallenen Mülleimerdeckel klapperte. Mehrere Halte auf freier Strecke in Belgien (um die Fahrzeit zu verlängern, sodass man auch morgens ankommt und nicht um 4h oder so). Gerädert+froh wieder zu Hause angekommen. BERLIN!!

  12. 1.

    Alles schön und gut. Doch wenn man sieht, was nur in den paar letzten Tagen bei der S-Bahn abging, möchte man doch lieber ins Flugzeug steigen. Und wenn jetzt jemand wissen möchte, was das mit dem Artikel zu tun hat, kann ich nur sagen: die Deutsche Bahn ist beteiligt. Das müsste ausreichend sein.

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