Gedenken am Breitscheidplatz (Quelle: imago-images/Christian Ditsch)
Video: rbb|24 | 19.12.2020 | Material: Abendschau | Bild: www.imago-images.de/Christian Ditsch

Stilles Gedenken in Berlin - Zwölf Glockenschläge für die Terroropfer vom Breitscheidplatz

Vor vier Jahren tötete ein Attentäter am Breitscheidplatz zwölf Menschen. Um ihrer zu gedenken, wurden Blumen niedergelegt und Kerzen für die Todesopfer angezündet. Auch Überlebende kamen - sie leiden noch heute unter den Folgen des Anschlags.

Mit einem stillen Gedenken ist am Samstag an die Opfer des islamistischen Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg vor vier Jahren erinnert worden.

Um 20.02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags, läuteten die Glocken der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zwölf Mal für die zwölf Todesopfer. Zuvor fand eine Andacht in der Kirche statt, die auch live im Internet übertragen wurde.

Erzbischof: "Solche blutigen Erinnerungen hören nie auf, weh zu tun."

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte in seiner Predigt, nach dem 19. Dezember 2016 sei die Geschichte Berlins "nicht mehr dieselbe wie vorher". "Solche blutigen Erinnerungen hören nie auf, weh zu tun." Der Jahrestag des Attentats erinnere daran, "zu welcher Gewalt Menschen in der Lage sind". Zugleich rief er dazu auf, die Erinnerung auch als Herausforderung zu sehen, "alles zu tun", damit sich derartige Ereignisse nicht wiederholen.

Martin Germer, Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, verlas im Anschluss am Mahnmal vor der Kirche die Namen der Todesopfer. An der Gedenkfeier nahmen neben Angehörigen der Opfer und Überlebenden unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (beide SPD), sowie die Opferbeauftragten des Bundes und des Landes, Edgar Franke und Roland Weber, teil.

Opfer des Anschlags kommen zurück zum Breitscheidplatz

Den Tag über legten Menschen Blumen rund um die Gedächtniskirche nieder und zündeten Kerzen an, auf denen die Namen der Opfer stehen. Manche verweilten dort oder knieten nieder, um der Opfer zu gedenken.

Auch eine Gruppe, die polnische Fahnen in den Händen hielt, war angereist. Das erste Opfer war ein polnischer LKW-Fahrer, den der Attentäter erschoss, bevor er auf den Breitscheidplatz raste.

Überlebende des Anschlags kämpfen weiter mit den Folgen. Manche, die heute zum Breitscheidplatz gekommen sind, erzählen, wie es ihnen vier Jahre nach dem Anschlag geht.

Egbert Schmidt: "Es ist ein Ort, an dem die Erinnerungen hochkommen. Ich stand ein bisschen weiter hier unten, als der LKW kam. Es ging rasend schnell."

Zwölf Tote, 55 Verletzte

Agnes Guba: "Es ist leider ganz schlecht, auch mit der Gesundheit, mit den Gefühlen. Viel kann ich nicht sagen."

Andreas Schwartz: "Durch den Sprung, den ich noch rechtzeitig machen konnte, bin ich am Rücken verletzt worden. Die Hüfte ist kaputt. Seitdem quäle ich mich rum. Ich bin operiert worden, bin letztes Jahr mehr im Krankenhaus als zu Hause gewesen. Das belastet mich alles auch sehr."

Am 19. Dezember 2016 hatte ein Attentäter einen polnischen Lkw-Fahrer erschossen. Danach raste er mit dessen Fahrzeug in den Weihnachtsmarkt und tötete elf Menschen, weitere 55 wurden verletzt, viele von ihnen schwer.

Sendung: Abendschau, 19.12.2020, 19.30 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Bei dieser Art von Unfall ist zu prüfen, ob hier die Unfallkasse mit Leistungen
    aufzufordern ist, die Leistungen, gemäß §1 und §14 SGB VII, zu erbringen.
    ausführliche Informationen:


    http://www.dguv.de/de/index.jsp

    Mit der Bitte, um Weiterleitung an die Helfer der Helfer

  2. 10.

    Unsere Kirchen drücken doch die Augen selbst ganz fest zu, weil sie über das Betreiben von Flüchtlingsunterkünften und sonstiger sozialer Einrichtungen ganz tief im System der Empfänger staatlicher Gelder verflochten sind. Das ist auch im Grundsatz in Ordnung, wenn man nicht vor den negativen Begleiterscheinungen die Augen verschließen und diese ausblenden und verharmlosen würde.

  3. 9.

    Können die versprochenen wichtigen und kurzfristigen unbürokratischen Hilfen nicht vom Verursacher/Unterstützer des islamistischen Terroranschlages eingetrieben werden? Muss ja nicht ganz so schnell gehen...

  4. 8.

    Daß der Berliner Senat fast vier Jahre (!) gebraucht hat, um ein neues Konzept zur Terror Bekämpfung vorzulegen, spricht Bände.
    Ein Baustein für einen verbesserten Schutz bestünde darin, nicht weiterhin jeden einreisen zu lassen. Ein weiterer Baustein wäre, erkannte ausländische Gefährder und Straftäter umgehend festzusetzen und abzuschieben. In beiden Punkten versagt die Politik. Unverändert.

  5. 7.

    Hinsichtlich des Attentäters verstehe ich die Kritik nicht. Was mir als erstes an dem Beitrag auffiel, war, dass der Name gerade nicht genannt wird. Gut so, damnatio memoriae.

  6. 6.

    Die 12 Glockenschläge waren Teil eines Gottesdienstes. Es ist nicht Aufgabe der Kirche, politische Entscheidungen zu treffen. Was würden Sie denn vorschlagen? Religionsfreiheit abschaffen? Alle Islam-Gläubigen raus aus Deutschland - weil einige Extremisten die Religion für ihren Wahn missbrauchen? Terroranschläge wird es immer und überall geben. Davor kann man sich nur begrenzt schützen.

    Mal sind es religiöse Attentäter. Mal sind es Rassisten oder auch inländische Extremisten, siehe NSU und Halle. Mit Populismus und Polemik wird man das sicherlich nicht lösen, sondern noch verschärfen.

  7. 5.

    Schlußfolgerungen aus dem Terroranschlag? Ich kann keine erkennen. Es ist in der Groko bis heute höchst umstritten, ob Gefährder überhaupt abgeschoben werden "dürfen". Faktisch werden islamistische Gefährder nicht nur nicht abgeschoben, sondern es werden zusätzliche hereingeholt. Der Bürger ist dem Treiben der Islamisten schutzlos ausgeliefert.

  8. 4.

    Wahnsinn.. 12 Glockenschläge.. und weiter? Welche Schlüsse hat man aus diesen und anderen Anschlägen gezogen?! ......
    Genau.. während Frankreich den "Kampf" aufnimmt, schläft bei uns alles weiter. Bloß nichts falsches sagen, sonst wird man gesellschaftlich gelyncht. Die Deutschen werden es immer sein.. Erfüllungsgehilfen und Ja-Sager. Hat ja bisher super funktioniert

  9. 3.

    Der Breitscheitscheidplatz gleicht heute einer Festung - die Sicherheitsmassnahmen geben ein verstörendes Bild unserer Gegenwart wieder. Immerhin, berührend und gelungen ist der Ort jedoch als Ort der Erinnerung, denn durch die Nennung der Namen haben die Opfer ein Gesicht bekommen, sie können so in Erinnerung bleiben, sie haben eine Identität. Warum ermöglicht die Presse das immer wieder dem Attentäter, warum immer wieder dieses Forum seiner Namensnennung? In Israel und Frankreich verzichtet man in den Medien darauf, dem Täter so ein Gesicht zu geben. Die Tat und ihre Opfer dürfen wir nicht vergessen, aber den Täter mit Namen.

  10. 2.

    Wie mag dieser Kommentarbereich wohl aussehen, wenn es kein Corona gäbe, niemand der Weihnachtsgans hinterheulen würde, Glühwein und Böller satt, u.s.w, gar am Tage dieses schrecklichen Ereignisses selbst ausgesehen haben?

    Ich wünsche den Hinterbliebenen und den lebenden Opfern alles erdenklich Gute.

  11. 1.

    Das anlälich des vierten Jahrestages des islamistischen Terroranschlages ist verständlich. Nur, die nötigen politischen Schlussfolgerungen sind für mich nicht erkennbar. Friedrich Merz nimmt das Thema zum Anlass, noch einmal auf die aus seiner Sicht verfehlte Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 zu verweisen. Es wäre besser gewesen, sagt Merz, wenn „die erst gar nicht hierhergekommen wären“.

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