Das Riesenrad im Spreepark im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Quelle: Sebastian Gabsch/dpa
Bild: Video: rbb|24 | 08.01.2021 | Material: Abendschau

Spreepark wird umgebaut - Riesenrad muss vorübergehend aus dem Plänterwald weichen

Nach vielen Jahren im Dornröschenschlaf soll der ehemalige DDR-Kulturpark im Plänterwald wieder zu neuem Leben erweckt werden. An diesem Freitag hat der Umbau zu einem Ort für Natur, Kunst und Kultur begonnen. Von Thomas Rautenberg

Die Kräne stehen. Seit Freitagvormittag wird das Riesenrad im Plänterwald Stück für Stück zerlegt, wie Christian Pfeuffer, Projektleiter bei der landeseigenen Gesellschaft Grün Berlin, erklärt: "Wir beginnen jetzt mit dem Rückbau der Gondeln, das wird circa eine Woche dauern. Und im Anschluss werden wir dann das eigentliche Riesenrad, also den Kranz und die Stützen abbauen."

Laufsteg durchs Wasser

20 Jahre lang hat sich das Riesenrad nicht mehr gedreht, zumindest nicht als Fahrgeschäft. Es wurde zu einem sogenannten Lost Place, zu einem weltweit bekannten Spielplatz für Abenteurer. Vor allem das quietschende Geräusch, wenn der Wind das Rad in Bewegung setzte, sorgte für eine Atmosphäre, die in jeden Thriller gepasst hätte.

Das in die Jahre gekommene Riesenrad einfach abreißen und ein Neues aufbauen - diese Alternative habe für Grün Berlin nie zur Debatte gestanden, sagte Geschäftsführer Christoph Schmidt: "Welchen Wert hätte das denn? Es gibt ja ganz viele Erfahrungswerte, die eben genau mit diesem Riesenrad von 1989 zu tun haben. Gerade bei der Befragung der Bürgerinnen und Bürger und der Einbeziehung ehemaliger Nutzerinnen wurde doch deutlich erkennbar, wie sehr das Herz auch am oder im Riesenrad liegt", sagt Schmidt. Deshalb müsse der Umgang damit und mit dem Park behutsam sein. Das Motto könne nicht lauten, den Spreepark mit neuen Dingen wieder aufzubauen.

Fläche für moderne Licht- und Kunstinstallationen

Vier Millionen Euro investiert Grün Berlin in die Sanierung des alten Riesenrads. Beim Facelifting werden Techniker und Künstler von Anfang an zusammenarbeiten, sagte Schmidt weiter.

Um nicht einfach ein schnödes Riesenrad wiederentstehen zu lassen, solle die Konstruktion etwa eine Lichtinstallation erhalten. "Damit verbinden wir auch ein Gesamtkonzept. Der gesamte Spreepark soll Hand in Hand mit Ingenieuren und Künstlern weiterentwickelt werden. Nicht als hohe Kunst, sondern etwas, was man als zusätzliches Erlebnis erfahren kann, zukünftig", so Schmidt.

Zukünftig heißt in diesem Fall ab 2024 - dann soll das Riesenrad als Mittelpunkt des neuen Spreeparks wieder in Betrieb gehen. Im kommenden Jahr wird bereits das Areal rund um die historische Gaststätte Eierhäuschen mit einem neuen Schiffsanleger eröffnet.

Ob und wieviel der Eintritt in den Park kosten wird, konnte Geschäftsführer Schmidt noch nicht sagen. Da es sich aber um ein öffentliches Projekt handle, würden eventuelle Eintrittspreise moderat ausfallen.

Sendung: Inforadio, 08.01.2021, 12 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Das was Sie wollen ist dort nicht möglich ohne das Landschaftsschutzgebiet "Plänterwald" in weiten Teilen zu zerstören. Der Heide Park hat zum Beispiel zwei große Parkplätze mit Platz für etwa 8.000 PKW und ca. 300 Busse / Wohnmobile. Kennen Sie die Örtlichkeiten am Spreepark?

  2. 12.

    Gut kommentiert. Ich kann zwar nicht mitreden, wie es damals im Spreepark gewesen sein muß und wie schön. Auch die Idee für ein Familienfreizeitpark finde ich einfach toll. Für mich wird immer in guter Erinnerung bleiben, wie ich als kleiner Knirps zum ersten mal alleine, mutig mit nur 50 Pfennig in der Tasche auf den Münsteraner“ Send“( Kirmes) ging. Natürlich war mein erstes Ziel, das Riesenrad. Man saß darin und konnte die Gondel mit vereinten Kräften zum drehen bringen. Ein Erlebnis, besonders für Kinder.

  3. 11.

    Auch ich hätte gerne wieder einen Vergnügungspark an alter Stelle gehabt.
    Der wäre aber vermutlich an den selben Problemen gescheitert wie schon der Spreepark seinerzeit: Keine Parkplätze, Anwohnerbeschwerden, Umweltschutzverordnungen, mangelnde Besucherzahlen aufgrund fehlender Parkplätze usw.

    Bürgerbeteiligung, Diskussions-Werkstätten und sonstige Dialogformen über die Zukunft des Geländes gab es in den letzten Jahren allerdings reichlich. Nun also zu behaupten, die Zukunftspläne hätte sich eine Politkerelite oder dergleichen ausgedacht und zurechtgeschustert, entspricht nicht der Wahrheit.

  4. 10.

    Es ist so ein toller Ort für viele Ideen. Schön das sich dort was reales tut. Dafür das Berlin mittlerweile nichts weiter als schnöde Einkaufstempel und hässliche Architektur zu bieten hat wäre ein neuer "Spreepark" wohl schon nötig.
    Eine Hauptstadt ohne einen Vergnügungspark dürfte es gar nicht geben. Mir wäre am liebsten das dort Ein Park entsteht in dem Schausteller abwechselnd für längere Zeit "gastieren" können. So wäre der Park voll, der Park wäre abwechslungsreich und lockt somit immer wieder die selben Gäste an, weil es immer was Neues gibt.
    Nuja und für Extraveranstaltungen ist da sicher auch noch Platz. Nee?

  5. 9.

    Ich war dort auf dem Gelände bei Spreeparkführung vor ca. 2 Jahr. Es würden von Besucher wünsche und Vorschläge gesammelt. Zu Bemerken, von ca. 20 Leute in die Gruppe ich war der einziger der sich Vergnügungspark für Familien wünschte. Alle andere fanden sowas in der Mitte von Berlin zu haben "total unangemessen und unmodern". Es gabt damals auch zahlreiche öffentliche Diskussionen/Versammlungen über Zukunft des Geländes etc. Ich nehme an die Meinung die dort zu hören waren, waren auch nur solche. Also geleifert wie bestellt :(

  6. 8.

    Ich kann mir nicht vorstellen das es je zurückkommt...

  7. 7.

    Sprechen Sie bitte nur für sich und nicht für alle DDR-Ehemaligen. Ich vermisse nichts aus Ostzeiten. Doch, meine Großmutter. Die lag im Westen im sterben und ich durfte sie nicht sehen, weil mir dieser "Staat" das verboten hat.

  8. 6.

    Na da bin ich ja gespannt, ob das Riesenrad jemals das Kunst-Kultur-Natur-Ensemble zu sehen bekommt.
    Alles, woran sich die Menschen der ehemaligen DDR positiv erinnern, muß weg.

  9. 5.

    Ich finde tatsächlich auch schade, dass hier eine Kunst- und Kulturstätte entstehen soll. Nichts dagegen per se, aber davon hat Berlin in Mitte und anderen Bezirken doch tatsächlich genug. Freizeitparks, die auch nur annähernd in der selben Liga wie Hansa- oder Heidepark spielen, gibt es hier in der Region genau null. Als Schulkind der Nachwendezeit hatte ich das große Privileg zweimal am Wandertag den Spreepark zu besuchen. Unvergessliche Erlebnisse, weil es eben nicht im Urlaub in der Ferne sondern ganz in der Nähe möglich war, einen Freizeitpark zu erleben.
    Doch das ist jetzt wohl Geschichte. Städteplaner und andere Menschen, deren Horizont sich scheinbar weit oberhalb von uns Normalsterblichen befindet, haben entschieden, dass Berlin eher die 48272ste Kulturstätte braucht, statt einen Raum für Familien zu schaffen.
    Sehr schade um diese vergebene Chance!

  10. 4.

    Was mit den Leuten ist, die nicht Riesenrad fahren wollen? Die fahren kein Riesenrad!

  11. 3.

    Der Eigentümer (und sonst niemand) bestimmt, was auf seinem Gelände passiert. Im Artikel klingt das vielversprechend. Wenn der Eigentümer eine echte Bürgerbeteiligung statt einer bloßen "Ideenabschöpfung im nachhinein" will, muss diese vor den Bauanträgen durchgeführt werden, da das Verwaltungsrecht ein "Kippen" im nachhinein nicht mehr zulässt (pro Forma schon, tatsächlich nicht - Behörden machen keine Fehler(!). Das ist aber ein anderes Thema.

  12. 2.

    Hast recht - es muss wieder so werden wie in alten Zeiten !

  13. 1.

    Nur noch ein Riesenrad??? Es ist mehr als traurig, dass von unserem Spreepark nur noch das Riesenrad erhalten bleiben wird. Wie stellt sich das der Senat nur vor? Wer kommt denn später in den Plänterwald um nur eine Runde Riesenrad zu fahren? Das ist doch wirtschaftlicher Unsinn und sehr Langweilig. Und was ist mit den Leuten, die nicht Riesenrad fahren wollen? Die haben Pech und können träumen, wie es damals mit den anderen Fahrgeschäften gewesen war. Das ist echt absurd!

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