Eine Frau liegt im BEtt und schnäuzt sich die Nase (Quelle: DPA/Maurizio Gambarini)
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Corona-Maßnahmen verhindern auch Influenzawelle - Bisher gerade einmal fünf Grippefälle in Berlin seit Oktober

Die Zahl der gemeldeten Grippefälle der vergangenen Monate in Berlin kann man an einer Hand abzählen. Auch andere Infektionskrankheiten kommen derzeit deutlich seltener vor - Abstandregeln und Reiseverbote verhindern offenbar nicht nur bei Corona Übertragungen.

Die Grippe-Saison 2020/21 ist in Berlin nach bisherigen Meldedaten äußerst verhalten angelaufen. Die Gesundheitsämter meldeten seit Anfang Oktober nur fünf bestätigte Fälle, wie aus einer Online-Datenbank des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht (Stand 8. Januar).

Eine Sprecherin des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) bestätigte die Korrektheit der Angabe. Vor rund einem Jahr waren etwa zu der Zeit bereits rund 300 Nachweise für die Saison erfasst worden - 60 Mal mehr. Bundesweit wurden seit Oktober ebenso deutlich weniger Grippefälle gemeldet als sonst üblich - insgesamt 266 Erkrankungen.

Bereits im Frühjahr 2020 war die Grippewelle in Deutschland verfrüht zu Ende gegangen. Die Meldezahlen bilden allerdings immer nur einen Teil des tatsächlichen Geschehens ab.

Weniger Fälle von Tuberkulose, Windpocken, Syphilis oder Malaria

Bereits nach dem ersten Lockdown vom Frühjahr haben die gemeldeten Fallzahlen vieler anderer Infektionskrankheiten laut einer Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) um gut ein Drittel abgenommen. Zwischen März und Anfang August 2020 seien insgesamt rund 140.000 meldepflichtige Infektionen registriert worden - 35 Prozent weniger als aufgrund der Daten von Januar 2016 bis Februar 2020 zu erwarten gewesen wären, teilte Sonia Boender vom RKI-Fachgebiet Surveillance auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA mit. Saisonale Effekte und Trends seien berücksichtigt worden.

Für die Analyse wurden Zahlen von meldepflichtigen Krankheiten und Erregern wie beispielsweise Grippe, Tuberkulose, Windpocken, Syphilis und Noroviren berücksichtigt. Die Gründe für den Rückgang beschreibt das RKI als vielschichtig und erregerspezifisch.

Sicherlich hätten auch die Corona-Maßnahmen einen Einfluss auf die Übertragung von anderen Krankheiten gehabt, erläuterte Boender. So hätten Maßnahmen wie etwa Schul- und Kitaschließungen, Homeoffice, Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen und Handhygiene insbesondere die Übertragung von Atemwegs- und Magen-Darm-Erregern von Mensch zu Mensch verhindert. Rückgänge gab es zudem bei Krankheiten wie Malaria, die bisher bei Reiserückkehrern diagnostiziert wurden. Die einzige Zunahme wurde für die Hirnentzündung FSME verzeichnet, die von Zecken übertragen wird.

Sendung: Abendschau, 11.01.2021, 19.30 Uhr

34 Kommentare

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  1. 34.

    Könnte man daraus etwa vermuten, dass an der gern kolportierten Erzählung des „millionenfachen Unterlaufens der verabschiedeten Maßnahmen durch uneinsichtige, minderbemittelte, ignorante Unvernünftige, die nach gängiger Auffassung die Alleinschuld an den Infektionszahlen tragen; woraufhin wiederum ständige Verschärfungen der Auflagen unausweichlich werden“ vielleicht gar nicht so viel dran ist und der Großteil der Bürger eben nicht 'unvernünftig' handelt bzw. der Einfluß der 'Unvernünftigen' gar nicht so groß ist!?

  2. 33.

    Ach so. Alles klar und mein Beileid.... :( Halten Sie durch!

  3. 31.

    Ich arbeite in der Leistungsabteilung der DRV. PC Arbeitsplatz zu Hause geht nicht. Ausschließlich Firmeneigener Laptop mit spezieller Software. Verständlich, aber wie gesagt, keine verfügbar und von daher kein Home Office möglich.

  4. 30.

    Sollte man da nicht differenzierter an die Sache ran gehen? Welcher Grippekranke wurde denn im ersten Halbjahr 2020 auf Corona getestet, obwohl die Symptome von Corona vorhanden waren? Nur Leute, die nachweisbar Kontakt mit Coronainfizierte gehabt haben.

  5. 29.

    Alt-Westberlinerin(1), ein wirklich sinnvoller Beitrag.
    Da drängt sich mir eine Frage auf: gab es in den Jahren 2016,17,18,19, wo es tausendfach Grippekranke gab, tausendfach Reichsbürgern? Wenn man Ihrer kruden Logik folgend, desteht die Anzahl Corona-Erkrankten ausschließlich aus Reichsbürgern, weil die sich gerade nicht an die vorgegebenen Maßnahmen halten.
    Und, was meinen Sie mit "Kotzekocher"?

  6. 28.

    Ok, 6 Personen in einem Zimmer war für mich jetzt kein Großraumbüro. Ich weiß ja nicht, wo Sie arbeiten; bei uns (Reha) sind fast alle im Homeoffice. Komme mir hier ab 14 Uhr wie das Phantom der Oper ..äh... DRV vor... ;)) P.S: Alle, die im Homeoffice sind, haben bei uns einen PC + Arbeitsplatz zu Hause. Laptop ist nur für Notfälle.

  7. 27.

    Wieso wieder einführen bei der DRV? Ich kenne seit Jahren nur Großraumbüros dort mit 6 Kolleg/innen aufwärts. Kleinere Büros gibt es nicht, Homeoffice aufgrund der Verfügbarkeit von 1 (einem) Laptop für ca. 15 Mitarbeiter auch nur schwer möglich.

  8. 26.

    Ja, Rolf, da stimme ich dir zu. vielleicht gehen viele Grippeerkrankungen unterm Radar durch, aber es können nicht so extrem viele sein, denn schlimme Grippewellen haben ja rund 25.000 Tote verursacht. Die müssen vorher mindestens teilweise in Krankenhäusern als Kranke aufschlagen.

  9. 25.

    Hieß es nicht immer, Influenza und Corona hätten den gleichen Übertragungsweg, nämlich Tröpfeninfektionen? Wenn dem so wäre und es so gut wie keine "offiziellen" Grippefälle gibt, warum geht dann C. nicht zurück? Meiner Meinung nach gehen viele Grippefälle einfach unter'm Radar durch, weil Leute mit Symptomen erst mal abwarten oder aus Angst, sich beim Arzt mit C. zu infizieren, nicht hingehen, wenn sie denn überhaupt drankommen, oder keinen Bock auf Quarantäne haben oder auf Biegen und Brechen auf den Job angewiesen sind oder...

  10. 24.

    Mein Arbeitgeber (ÖD: Deutsche Rentenversicherung Bund) hatte gerade die glorreiche Idee, Großraumbüros-entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen-wieder einzuführen. Aber hier hinkt sowieso alles 30 Jahre hinterher...

  11. 22.

    Danke Haka. Ich finde es auch nicht logisch, dass die Maßnahmen alle anderen Atemwegserkrankungen nahezu ausrotten sollen, während die Coronazahlen nahezu konstant bleiben. Das ist ein Widerspruch in sich. Und aufgrund der krassen Größenordnungen 5 Fälle vs. Sehr viele Coronafälle für mich nicht mit unterschiedlicher Verbreitung oder Ansteckungsweisen zu erklären.

  12. 21.

    Es waren auch welche mit erhöhter Temperatur bzw. Fieber dabei.
    Übrigends, ich habe in den letzten 40 Jahren nie Fieber gehabt obwohl ich sehr krank war. Leider bekomme ich kein Fieber,was manchmal wünschenswert wäre weil dann das Immunsystem arbeitet. Ich brauche darum ewig um eine Krankheit auszukurieren.

  13. 20.

    Hallo Herr oder Frau Schneeeule
    Schnupfen ist kei e Grippe. Wenn sie zig Leute mit Grippe kennen - naja.
    Typische Symptome z.B. 38-40 Grad.
    Drunter-> Erkältung

  14. 19.

    Hatten Ihre Bekannten denn tatsächlich eine echte Grippe oder "nur" einen grippalen Infekt? Der Unterschied ist riesig, und bei einer echten Grippe **hat** man hohes Fieber. Laut Ihrer Logik wären Ihre Bekannte dann zum Arzt gegangen. Also doch "nur" ein Infekt (der ja auch fies sein kann)?

  15. 18.

    Ich gehe mal davon aus, daß die „...zig Leute“, die sie zu kennen vorgeben, lediglich einen Grippalen Infekt hatten. Hätten die alle eine echte Grippe gehabt, wären sie froh gewesen, wenn sie zum Arzt hätten 'kriechen' können...
    Davon abgesehen, soll man zur Zeit ohnehin mit Erkältungssymptomen nicht in die Praxis kommen, sondern sich telefonisch krank schreiben lassen. Der Arzt, die Ärztin entscheiden dann, wie weiter vorgegangen wird (Hausbesuch oder „nur“ Krankschreibung z.Bsp.). Sie brauchen also nicht mit „der vollen Bahn“ fahren - eben WEIL sie es gar nicht müssen ;)

  16. 17.

    für die Ungläubigen: das RKI fand nicht nur heraus, dass die Grippe weg ist, sondern auch Noroviren zum Beispiel, all so ein Mist, den man sich sonst gerne einfängt, wenn man Hände schüttelt, unsaubere Griffe (egal wo) anfasst, die Hände nicht wäscht und schlabbernd zum Job rennt, aus ALLEN Körperöffnungen Keime ausscheidend.

  17. 16.

    Dieselben Erfahrungen habe ich in meinem Umfeld auch gemacht: deutlich weniger "normale" Erkältungen im letzten Jahr.

  18. 15.

    Die Maßnahmen wirken dahingehend, daß a) die Anzahl der Grippeinfektionen (und die Zahl anderer Infektionskrankheiten) zurückgeht und b) die Coronazahlen so sind, wie sie sind - und eben nicht um ein Vielfaches höher.

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