Denis Hedeler wird Amtsarzt in Dahme-Spreewald (Quelle: privat)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.01.2021 | Stephan Loge, Landrat Dahme-Spreewald | Bild: privat

Rassismus-Streit in Berliner Bezirk - In Treptow-Köpenick degradierter Mediziner nun Amtsarzt in Dahme-Spreewald

Nach einem Streit mit dem AfD-Bezirksstadtrat Geschanowski musste Denis Hedeler seinen Posten als Amtsarzt im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick räumen. Nur kurze Zeit später kämpft er weiter gegen die Pandemie - im besonders betroffenen Landkreis Dahme-Spreewald.

Der frühere stellvertretende Amtsarzt im Bezirk Treptow-Köpenick, Denis Hedeler, hat im Landkreis Dahme-Spreewald einen neuen Posten als Amtsarzt. Kurz nachdem Hedeler im Dezember von seinen Aufgaben in Berlin entbunden wurde, habe Landrat Stephan Loge (SPD) ihn angerufen und zum Gespräch in das Gesundheitsamt des Kreises nach Königs Wusterhausen eingeladen, wie Hedeler rbb|24 am Mittwoch sagte. Dort war die Amtsartstelle im Dezember vakant.

Der "Tagesspiegel" hatte am Dienstag über die Neuanstellung Hedelers im Gesundheitsamt Königs-Wusterhausen berichtet.

Hedeler sagte rbb|24, er habe nach seiner Vertragsunterzeichnung am 23. Dezember bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag seinen Dienst im Gesundheitsamt in Königs Wusterhausen aufgenommen. "Ich bin Arzt, deshalb war es für mich traurig, da zu sitzen und zu wissen, dass mir in dieser Notlage in der Pandemie die Hände gebunden sind. Ich freue mich, dass ich meine Expertise wieder einbringen kann", sagte der Mediziner.

Streit mit AfD-Bezirksstadtrat Geschanowski

Hedeler musste seinen Posten im Gesundheitsamt Treptow-Köpenick nach einem Streit mit seinem Dienstherren, dem AfD-Politiker Bernd Geschanowski, räumen. Der kubanisch-stämmige Mediziner hatte dem Gesundheitsstadtrat vorgeworfen, ihn bei der Besetzung der ersten Amtsarztstelle aus rassistischen Motiven heraus zu benachteiligen. Geschanowski bestreitet, Hedeler die Beförderung aus diesem Grund verweigert zu haben.

Hedeler hatte rbb|24 bereits im Dezember von einem Gespräch mit Geschanowski berichtet. Der AfD-Politiker soll dem Mediziner demnach gesagt haben, er gebe nach außen kein passendes Bild ab. "Ich dachte erst, meint er, dass ich mit Krawatte und Sacko kommen muss?" Daraufhin habe er nachgefragt, sagte Hedeler: "Was meinen Sie mit Außendarstellung? Und da hat er mit dem Finger auf meine Haut gezeigt."

Entscheidung des Arbeitsgerichts steht noch aus

Kurz darauf hatte die kommissarische Amtsleiterin Hedeler von seinen Aufgaben entbunden. Der Mediziner sollte als einfacher Facharzt in dem Bereich arbeiten, den er zuvor stellvertretend geleitet hatte. "Als Hygiene-Referent habe ich keine Führungsverantwortung mehr, ich bin ein ganz normaler Arzt", sagte Hedeler. "Ich finde das auch okay. Aber was ich nicht okay finde, wer übernimmt jetzt die Verantwortung? In der ganzen Abteilung bin ich der einzige Arzt."

Die Auseinandersetzung in Berlin hat derweil ein juristisches Nachspiel: Gegen seine Absetzung hat Hedeler geklagt, eine Entscheidung des Arbeitsgerichts steht noch aus. "Es geht mir dabei gar nicht so sehr um mich, ich will auch anderen von Rassismus Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen, dass sie nicht alles hinnehmen müssen", sagte Hedeler rbb|24.

Mit der Frage, wie es für ihn weitergeht, falls er mit seiner Klage erfolgt haben sollte, habe er sich noch nicht beschäftigt, sagte Hedeler. "Unabhängig davon kann ich mir auch vorstellen, dass ich im Landkreis Dahme-Spreewald weiter arbeite."

Hedeler lebt seit 24 Jahren in Deutschland. 2018 kam er als Hygiene-Referent nach Treptow-Köpenick, wurde nach kurzer Zeit vom Amtsarzt zu dessen Stellvertreter ernannt. Im Umgang mit Seuchen ist der 51-Jährige erfahren. Für seinen Einsatz in der Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs 2014 in Westafrika wurde er im Bremer Rathaus geehrt. In der dortigen Gesundheitsbehörde war Hedeler vor seinem Wechsel nach Berlin jahrelang tätig.

Hedeler will jedes Pflegeheim persönlich besuchen

Nun kommt Hedeler in einen Landkreis, in dem die Corona-Lage "kritisch" ist, wie er sagt. Am Mittwoch meldete das Gesundheitsamt Dahme-Spreewald 65 Neuinfektionen, 375 Menschen befinden sich derzeit in Quarantäne. Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis bei liegt 224,8, in Treptow-Köpenick sind es aktuell 139,2.

Nach den Lockdown-Verschärfungen, die Bund und Länder am Dienstag beschlossen haben, soll ab Sonntag für Menschen in Gebieten mit Inzidenzwerten von mehr als 200 ein maximaler Bewegungsradius von 15 Kilometern rings um den Wohnort gelten. Die Regelung, die bereits kurz nach ihrer Bekanntgabe heftig diskutiert wurde, hält Hedeler angesichts der aktuellen Lage für sinnvoll. "Es ist ein richtiger Schritt, die Mobilität in den betroffenen Gebieten einzuschränken, damit wir damit weitere Infektionen verhindern", so der Amtsarzt.

Ganz andere Methoden als in Treptow-Köpenick brauche man zur Pandemiebekämpfung in Dahme-Spreewald aber nicht. "Auch hier kommt es darauf an, dass wir die älteren Menschen in Heimen schützen. Ich werde das so handhaben, wie ich es in Treptow-Köpenick gemacht habe. Ich werde in jedes Heim persönlich gehen und über einen bestmöglichen Infektionsschutz sprechen", so der Mediziner.

Zuständig für den BER

Direkt am 28. Dezember habe er einen Anruf aus Schulzendorf bekommen, da war er noch keinem drei Tage im Dienst. In einer Pflegeeinrichtung war ein Bewohner positiv getestet worden. "Wir haben alle Bewohner und alle Mitarbeiter sofort innerhalb von zwei Tagen getestet", sagte Hedeler. Insgesamt seien etwas mehr als ein Dutzend Infektionen nachgewiesen worden. Ende Dezember meldete der Landkreis bereits größere Ausbrüche in vier Pflegeheimen.

Abgesehen von dem Gesundheitsschutz für Heimbewohner in Dahme-Spreewald ist Hedeler jetzt auch für das Infektionsschutzkonzept am Flughafen BER zuständig. Man tausche sich dazu mit Experten aus, die bereits erfolgreiche Konzepte an anderen Flughäfen umgesetzt hätten. "Wir haben schon besprochen, was wir machen wollen, wenn der richtige Reiseverkehr wieder losgeht." Einen genauen Fahrplan für den BER gebe es jetzt noch nicht, sagte Hedeler. "Ich fange gerade erst an, aber das sind alles Aufgaben, auf die ich mich freue."

49 Kommentare

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  1. 49.

    Na sehen Sie, da hat sich das Klappern und Greinen bei der Moderation doch auch für Sie ausgezahlt: Seitdem durften Sie wieder in Ihrer Lieblingsrolle als Alleinunterhalter die immer gleichen Platten auflegen.

  2. 45.

    Gut, dass ihre faschistische und völkisch-nationale AfD bald nichts mehr zu entscheiden hat. Die Frage lautet nur ob sie sie sich eher selbst weiter zerfleischen oder von BVG verboten werden.

    Auch der Allerdümmste müßte inzwischen wissen was er da gewählt hat, verkrachte Existenzen, Kriminelle und drittklassige Politiker, die schon bei anderen Parteien gescheitert sind.

  3. 43.

    Sie wollen ernsthaft abstreiten, dass sich bei der rechtsextremen AfD auffällig viele verkrachte Existenzen, Kriminelle und drittklassige Politiker, der schon bei anderen Parteien gescheitert sind, tummeln?

    Wieviele Beispiele wollen sie aus dem Stegreif lesen? Also vorsichtig, wenn sie hier anderen Diffamierungen unterstellen, die sind eher das Metier ihrer rechtsextremen AfD.

    "Die mutmaßlichen Delikte haben den "WamS"-Recherchen zufolge eine erstaunliche Bandbreite: Es geht um Trunkenheit am Steuer, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, Meineid, Steuerhinterziehung, Untreue, Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung, Verbreitung kinderpornografischer Schriften, sexuelle Nötigung, Verstöße gegen das Versammlungsrecht, Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen, Beleidigung und Volksverhetzung."

  4. 42.

    Gut das Sie nichts zu entscheiden haben. Es gibt mehr als schwarz und weiß.

  5. 41.

    Ihre Nebelkerze erweist sich als Rohrkrepierer. Ein Arbeitsgericht entscheidet nach völlig anderen Kriterien.

    "Die kommissarische Amtsleiterin begründet die Absetzung mit ihrer "Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitsamt und der Sicherung des ordnungsgemäßen Betriebes". Hedeler habe über einen längeren Zeitraum an keiner Dienstberatung teilgenommen und fachliche Anfragen nicht mehr selber beantwortet. Hedeler widerspricht dieser Darstellung. [...] Auch bei Amtsärzten aus anderen Bezirken ist der Fall ein Gesprächsthema. Aus ihren Reihen hieß es, das Vorgehen des Bezirks sei in der aktuell brisanten Corona-Lage eine "unnötige Eskalation" und geradezu fahrlässig, Hedelers Fachkompetenz sei nur schwer zu ersetzen. "

    Das hat schon mehr als "Geschmäckle" und passt zur rechtsextremen AfD.

  6. 40.

    Wenn ein Migrant als Straftäter auffällt heißt es sofort Einzelfall oder das Opfer bzw. die schon länger hier Lebenden hätten etwas falsch gemacht und man dürfe auf keinem Fall verallgemeinern. Die gleichen Leute nehmen sich aber das Recht heraus jeden Afdler als Rassisten, Rechtsextremen und Homophoben zu verunglimpfen und gehen sogar soweit das Angriffe auf diese wohlwollend oder zumindest tolerierend kommentiert werden. Rassismus ist keine Einbahnstraße.

  7. 39.

    Also woher haben Sie denn ihr umfangreiches Wissen 0ber die handelnden Personen?
    Ich kannte und kenne keinen ,weder den Stadtrat noch den Arzt. Ich bin darauf angewiesen, was die Medien darüber berichten. Und das,was RBB hier berichtet, lässt den Ausgang völlig offen,nichts ist geklärt. Was sollen also ihre diffamierenden Behauptungen??

  8. 38.

    Hedeler hat über einen einen längeren Zeitraum an keiner Dienstberatung teilgenommen und fachliche Anfragen nicht mehr selber beantwortet. So jedenfalls begründet die Stellvertretende Amtsleiterin die Rückstufung von Hedeler.
    Wir können wir uns hier, da wir den Sachverhalt nicht aufklären können, die Finger wund schreiben. Statt "Rassismus" könnte es nach bisherigem Kenntnisstand auch Arbeitsverweigerung gewesen sein. Dann wäre Hedeler mit der Rückstufung noch gut bedient worden.
    Deswegen einfach mal abwarten, wie das Arbeitsgericht entscheidet.

  9. 37.

    Die jetzt freigewordene Stelle ist ausgeschrieben und bis jetzt gibt es noch keinen Nachfolger. Soviel dazu.

  10. 36.

    Man kann nur den Kopf schütteln!

  11. 35.

    Wem würde ich mehr glauben? Einem AfD Politiker oder einem fachlich anerkannten und an anderen Orten gelobten Arzt? ;-))) Typischer Fall für AfD-Gesinnung. Jemanden nach der Hautfarbe zu beurteilen passt bei denen ins Profil.

  12. 34.

    Am lautesten "klappern" hier die Anhänger der Rechtsextremisten. Es sind immer wieder die gleichen Namen, die hier mit unerträglicher Propaganda auffallen und es ist mir unbegreiflich warum der rbb sowas auch noch unterstützt.

    Aber Kritik am rbb wird ja eh wieder zensiert.

  13. 33.

    Sehr interessante Information. Ich habe in meinen Kommentar eine Kontroverse aufgemacht und geschrieben das mir der Fall zu glatt erscheint und der Vorwurf das er wegen seiner Hautfarbe gekündigt wurde mir zu einsilbig klinkt. Mit Rassismus kann man natürlich sehr gut punkten und die ganze Empörung auf sich ziehen. Bei einer öffentlichen Stelle die frei wird, läuft ein Ausschreibungsverfahren und alle Kandidaten durchlaufen diesen Prozess. Ich kann mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen das ein Kriterium die Hatfarbe sein kann, wäre das der Fall, wäre es tatsächlich rassistisch.Der Rbb hat meinen Kommentar nicht veröffentlicht, das heißt er zensiert und läßt eine offene Debatte ob es sich wirklich so zu getragen hat wie berichtet nicht zu. In den USA in den späten siebziger hat man bei Bewerbungen bei Black Americans eine Quote eingeführt, den Sie hatten das Gefühl benachteiltigt zu werden wegen Ihrer Hautfarbe um den Vorwurf des Rassismus zu entkräftigen Genützt hat es wenig

  14. 32.

    Das belegt welche gescheiterten Existenzen sich bei der rechtsextremen AfD wohlfühlen. Die einzige "Qualifiaktion" von Geschanowski scheinen seine Homophobie und Rassismus zu sein. Das scheint ja bei der rechtsextremen AfD vollkommen ausreichend zu sein.

    Wie kann man einen so wichtigen Posten, zumal noch mitten in einer Pandemie, einer solchen "Partei" überlassen?

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