Baupfusch in Berlin-Köpenick - 300 Wohnungen wegen vollgelaufener Baugrube geräumt

Mo 01.02.21 | 22:29 Uhr
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rbb
Video: rbb|24 | 01.02.2021 | Material: TeleNewsNetwork

Bei Eiseskälte mussten am Sonntag dutzende Anwohner in Berlin-Köpenick ihre Wohnungen verlassen. Nach einem möglichen Baupfusch war neben einem Wohnhaus eine Baugrube mit Wasser vollgelaufen. Die Betroffenen können voraussichtlich Dienstag wieder in ihre Wohnungen.

Nach der Evakuierung von 18 Häusern in Berlin-Köpenick gibt es für viele betroffene Bewohner die Aussicht, dass sie am Dienstag wieder in ihre Wohnungen zurückkehren dürfen. "Mit allergrößtem Einsatz" sei es dem Bezirksamt Treptow-Köpenick gemeinsam mit Stromnetz Berlin gelungen, die Stromversorgung in der Pohlestraße in fast allen Gebäuden wiederherzustellen, teilte das Bezirksamt am Montagabend mit.

Die Anwohner könnten voraussichtlich am Dienstag ab 9 Uhr in ihre Häuser zurückkehren. Den Angaben zufolge sind noch drei der evakuierten Gebäude ohne Strom.

Rund 330 Bewohner hatten nach einem Wasserbruch in einer Baugrube ihre Wohnungen verlassen müssen. Das Bezirksamt gehe bei der am Sonntag vollgelaufenen Grube von Baupfusch aus, sagte eine Sprecherin. "Der Grund war die unsachgemäße Ausführung einer Baustelle." Laut Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) sei die Senatsumweltverwaltung bereits im Januar gegen den Bauherren vorgegangen, allerdings mit wenig Erfolg.

Das an der Grube angrenzende Haus drohte laut Polizei abzusacken und eine Giebelwand abzubrechen. Demnach konnten Anwohner wegen der Risse ihre Fenster nicht mehr öffnen. Laut Bezirksamt ist das Haus einsturzgefährdet. Die Bewohner mussten raus. Gas, Wasser, Strom und Wärme wurden laut Polizei und Bezirksamt auch in 17 weiteren Häusern abgestellt. Diese Bewohner konnten dort ebenfalls nicht länger bleiben.

Igel verwies er auf die kälteste Nacht des Jahres, in der die Sicherung und Unterbringung der Menschen organisiert werden musste. Sie kamen bei Bekannten, Freunden sowie in zwei Hotels unter.

Bezirksamt geht von Baupfusch aus

Bereits Anfang Januar hat die Senatsumweltverwaltung nach eigener Darstellung den Bauherrn aufgefordert, die Baugrube unmittelbar zu schließen. Der Bauherr habe keine Genehmigung gehabt, das Grundwasser zu nutzen. Außerdem seien nicht die maroden Wasserleitungen der Berliner Wasserbetriebe die Ursache für das Bersten der Hydranten, sondern dass "schwere Kettenfahrzeuge" der Baufirma fahrlässig über die Bürgersteige gefahren seien, teilte das Bezirksamt per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

"Überbrückungslösung" für Stromversrogung

Das Technische Hilfswerk (THW) hatte am Montagmorgen begonnen, das einsturzgefährdete Gebäude neben der Wassergrube abzustützen. Die Absicherungsarbeiten erwiesen sich allerdings als schwierig. Das Mauerwerk bewege sich leicht, akute Einsturzgefahr bestehe aber nicht, sagte ein THW-Sprecher dem rbb. "Das Komplizierte an der Lage ist, wie sie sich hier darstellt, ist, dass eine Baugrube die Zufahrt zur Einsatzstelle erschwert. Das ist die Baugrube, die vollgelaufen ist und die Giebelwände gefährdet", sagte Pablo Grimm vom THW.

Die Giebelwand müsse nun mit Gewindestangen an die stabilen Seitenwände des Gebäudes verspannt werden, damit das Gebäude nicht weiter abrutsche und weitere Risse entstehen. Zudem sollten vorgefertigte Stützen in der Baugrube verankert werden, um die Giebelwand des Hauses und die Grube zu sichern. Die Sicherungsarbeiten an dem einsturzgefährdeten Haus und der gefluteten Baugrube werden mindestens noch die ganze Nacht andauern. Ein THW-Sprecher sagte der rbb-Abendschau am Montagabend, möglicherweise würden die Arbeiten auch noch am Dienstag weitergehen müssen.

Einsatzkräfte von BVG bis Polizei

Laut Bezirksamt waren bis zum Montagmorgen 150 Kräfte im Einsatz. Neben Feuerwehr, Polizei und THW waren auch die Berliner Verkehrsbetriebe, der Arbeiter-Samariter-Bund und der Katastrophenschutz dabei, die beim Transport der betroffenen Menschen halfen.

Rohrbruch in Johannisthal

Rohrbruch reißt Loch in Fahrbahn

Ebenfalls am Sonntag war im Bezirk Treptow-Köpenick eine Fahrbahn nach einem Wasserrohrbruch abgesackt. In der Straße im Stadtteil Johannisthal entstand ein meterbreites Loch. Rund 50 Anwohner waren ohne Wasser, sie mussten sich an einem Standrohr auf der Straße versorgen.

Sendung: Inforadio, 31.01.2021, 22 Uhr

30 Kommentare

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  1. 30.

    Hallo Alfred, na ja, die Dimension konnte ich anhand des Videos so nicht ersehen und andere Bilder kenne ich auch nicht. Bei uns in der Nähe ist seit über einem Jahr eine (Neben)Straße in einem auch nicht so kurzen Abschnitt voll gesperrt und aufgerissen wegen Rohrarbeiten (ausführend ist eine Tiefbaufirma). Daher hätte man schon annehmen können, dass es vielleicht auch so etwas dahintersteckt. Aber jetzt weiß ich ja Bescheid.

  2. 29.

    @rbb Darf ich Namen nennen oder steht dann der Hausjurist auf dem Fensterbrett der rbb-Dachlounge im 14. Stock? :-D

    Echt interessant was man so über Pohlestraße 9 herausbekommt... von Crowdinvesting-Projekten einiger Talkönige bis bionade Planungs- und Baugesellschaft mbHs... ;-)

  3. 28.

    Was hat der Senat damit zu tun wenn private Abzocker sich nicht an Bauvorschriften halten? Namen darf ich hier ja nicht nennen.

  4. 27.

    Da wird von diesem Senat einmal mehr wieder die eigene Dämlichkeit abgewiesen! Wenn keine Genehmigung, warum dann die Baugrube? Wasserstand bis oben an den Rand ist kein Grundwasser, sondern von fremder Natur, was sich ja wohl auch bestätigt haben soll. Aber erst von Grundwasser reden???

  5. 26.

    Sorry Angela, eine Baugrube in dieser Dimension wird nur für ein unterkellertes Mehrfamilienhaus ausgehoben; in diesem Fall liegen eindeutig unsachgemäß ausgeführte Tiefbauarbeiten vor. Wie in drei Teufels Namen kann ich bitte davon absehen, die Baugrube an der Giebelwand nicht abzustützen?!
    Und wie kann es sein, dass die Senatsverwaltung nicht einen sofortigen Baustop verhängt?!

    Ende der Fahnenstange ist, dass der ‚Bauherr‘, irgendeine x-beliebige GmbH 25000 € Kapital versenkt hat, die Baufirma in die Insolvenz geht und der Rest da steht mit dem Schaden.

    Aber hallo, den Tiefbauingeneur möcht ich gern mal treffen!

  6. 25.

    Das ist echt total übel. Die armen Anwohner.
    Sobald das überstanden, würde ich da wen auch immer Verantwortlichen auf Schadenersatz verklagen.

  7. 24.

    Besser wäre das Bauaufsichtsamt in Pankow zu informieren. Am besten Email schicken, gleich Fotos mit dranhängen

  8. 23.

    Was ich ebend in der AS gesehen habe ist, das genau diese besagte Firma auch hier in Pankow ein Bau begonnen hat der genau so enden wird. Baugrube ausgehoben neben ein Wohnhaus. Ohne stützen in den Boden zu bringen. Die liegen auf dem Baugrund herrum. Grube schon mit wasser so langsam am volllaufen. Keine absicherung von Str. Bäumen, keine Bauzufahrt mit Asphalt, alles wird über das Wurzelwerk gefahren. Dem Grünflächenamt interessiert es nicht! Trotz mehrmaligen anmahnen. Aber wenn das Kind im Brunnen gefallen ist, werden erst alle wieder wach. Wie zu sehen jetzt in Köpenick. Wir warten auf der selben Bericht erstattung aus Pankow

  9. 22.

    @Daniel Rohrbeck
    >da konnte auch der Rettungsversuch seitens der Firma vor einer Woche nichts ausrichten..Man
    >konnte quasi Zuschauen wie Situation außer Kontrolle gerät..
    Danke für die Info. So wie es aussieht könnte der Bauherr seiner Sicherungspflicht nur unzureichend nachgekommen sein, evtl. kommt noch Baupfusch hinzu. Ich befürchte eine schnelle Behebung der Schäden in der Form, dass die Mieter schnell wieder in Ihre Wohnungen zurück können ist relativ unwahrscheinlich, im schlimmsten Fall wird es Monate dauern. Ich wünsche den Anwohnern alles Gute.

  10. 21.

    Konnte mir nach den erfolgten Nachrichten auch keine rechte Vorstellung machen. Egal was die Ursache war; das Wasser hätte sofort abgepumpt werden müssen; eine Bodendurchnässung verringert doch die Tragfähigkeit an der Giebelwand. Wer hat da lange rumgegrübelt und tatenlos alles geschehen lassen ? Was waren denn da für Baufahrzeuge, die man ursächlich dafür verantwortlich macht ? Mit Sand beladene LKW haben auch ihr Gewicht. Wer ist Eigentümer des geschädigten Gebäudes ? Wer entschädigt die unschuldigen Mieter ? Läuft denn nichts mehr in unserem einst blühenden Land ?

  11. 20.

    Folgen: Die Käufer sind ihr Geld los (im günstigsten Fall nur eine Anzahlung). Die Firma ist pleite. Wohnungen gibt es erstmal nicht. Den Schaden an den anderen Gebäuden und öffentlicher Infrastrucktur trägt der Steuerzahler.

  12. 19.

    Das ist eine interessante Information, denn dass es sich bei dem Bauprojekt um die Errichtung neuer Wohnungen handelt, habe ich der bisherigen Berichterstattung nicht entnehmen können. In der ersten Artikelversion hieß es noch "unsachgemäß ausgeführte Tiefbauarbeiten", sodass es also auch um den Austausch von Rohren etc. hätte gehen können. Na, die Krönung wäre ja noch, wenn die neuen Mieter und Eigner dann schön einziehen und die anderen dann am Ende vielleicht nicht zurückkehren dürften und woanders hinziehen müssen. Und das in Berlin, wo es so schwer ist, Wohnungen zu finden.-- Einmal die komplette Anwohnerschaft ausgewechselt.-- Bleibt hoffentlich ein hypothetisches worst-case-Szenario.

  13. 18.

    Die Grube ist nicht am Sonntag voll gelaufen, die steht schon seit Wochen Unterwasser..da konnte auch der Rettungsversuch seitens der Firma vor einer Woche nichts ausrichten..Man konnte quasi Zuschauen wie Situation außer Kontrolle gerät..

  14. 17.

    Welche Häuser sind betroffen. Meine Tante wohnt dort. Ich wohne in suedwest Deutschland.... Vielen dank

  15. 16.

    Übel, übel... kann man nur hoffen, dass die Bewohner erstmal vernünftig unterkommen und das man Hab und Gut erhalten kann. Alles Gute von meiner Seite.

  16. 15.

    Kann Köpenick nur noch Negativzeilen machen?
    Das war doch nicht der erste Baupfusch.

  17. 14.

    Ich frage mich bei dem Chaos wer ist dafür verantwortlich und wer bezahlt die ganzen Kosten das Bauunternehmen oder der Steuerzahler. Den Anwohnern kann man nur viel Kraft wünschen und daß Sie Ihr Eigentum sichern können.

  18. 13.

    Ich war ganz zufällig in der Pohlestr. am Samstag davor und haben diese ganze viele Wasser gesehen. Und Tag danach ist das Ganze passiert. Habe auf der Webseite des Bauprojekts nachgesehen, fast alle Wohnungen, die gebaut werden sollen, sind bereits verkauf oder reserviert. Hat eigentlich der aktuelle Vorfall irgendeinen Einfluss auf die zukünftigen Eigentümer (wenn das Haus weiter gebaut wird)?

  19. 12.

    Kleine Korrektur: 99 Haushalt (pro Aufgang 33).
    Zum Glück seit dem Vormittag wieder an der Wasserversorgung.

  20. 11.

    Viel Glück den Betroffenen daß sie so schnellstmöglichst wieder reinkönnen. Habe aber vorhin im Radio gehört daß es Nachrutschungen geben soll. Falls die Häuser aufgegeben werden müssen, hoffe ich das die Mieter so schnell es geht eine Ersatzwohnung zu den bisherigen Konditionen erhalten und die vorher das gesamte Inventar noch herausholen können.
    Mit freundl. Grüßen

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