Durchsuchungen zur Bekämpfung von Schleuserkriminalität in Berlin Mitte am 19.01.2021. (Quelle: Morris Pudwell)
Audio: Antenne Brandenburg | 19.01.2021 | Ute Sander | Bild: Pudwell

Auch in Berlin - Polizei geht bundesweit gegen internationale Schleuserbande vor

Bei einer bundesweiten Razzia gegen eine internationale Schleuserorganisation sind am Dienstag sieben mutmaßliche Schlepper festgenommen worden. Seit den frühen Morgenstunden waren mehr als 400 Polizisten bei Durchsuchungen in Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen im Einsatz, wie die Staatsanwaltschaft Kempten und die Münchner Bundespolizei mitteilten. Die Bande soll mindestens seit April 2019 Menschen über die sogenannte Balkanroute nach Deutschland geschleust haben.

Bei der Razzia wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kempten elf Durchsuchungsbeschlüsse und sieben Untersuchungshaftbefehle vollstreckt. Außerdem konnte umfangreiches Beweismaterial, insbesondere von den Schleusern genutzte Smartphones, beschlagnahmt werden.

Ermittlungen gegen 19 Beschuldigte

Die Ermittlungen richten sich gegen 19 Beschuldigte im Alter von 21 bis 44 Jahren. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, als Bande in mindestens 23 Fällen insgesamt 140 Menschen, überwiegend aus Syrien, eingeschleust zu haben. Die Menschen wurden nach Behördenangaben gegen "hohe Geldbeträge" in Kleintransportern und Autos geschleust, Grenzen überquerten sie demnach häufig zu Fuß.

Die mutmaßlichen Täter gingen laut den Ermittlern "überaus planvoll und sehr professionell" vor. Demnach sollen etwa vorausfahrende "Scouts" vor Polizeikontrollen auf der Strecke gewarnt haben.

Kopf der Bande schon im Dezember festgenommen

Auf die Spur der Bande sei die Bundespolizei nach der Festnahme eines Schleuserfahrers im August 2019 gekommen. Der Kopf der Bande sei bereits im Dezember in Österreich festgenommen worden. An den internationalen Ermittlungen beteiligten sich den Angaben zufolge Behörden in Österreich, Ungarn, Tschechien der Slowakei, den Niederlanden und in Belgien.

Der Vize-Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft (GdP), Thomas Spaniel, teilte zu der Polizeiaktion mit: "Die heutigen Maßnahmen zeigen, dass wir im Kampf gegen organisierte Kriminalität nur erfolgreich sein können, wenn sich Sicherheitsbehörden nicht von den Barrieren des Föderalismus aufhalten halten, sich vernetzen und international zusammenarbeiten."

Sendung: Radioeins, 19.01.2021, 10 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ziemlich zynisch, ihre Frage. Eventuell weil EU-weit die Delegitimation und Kriminalisierung von Migration und Asyl sehr viel umfassender Fuß gefasst haben als die grundlegende substanzielle Einhaltung von Menschenrechten und der legale Weg zunehmend erschwert wird? Von Toten auf dem Mittelmeer und unhaltbaren Zuständen in den Hotspots wie Moria und Co., in denen die Betroffenen oft jahrelang vegetieren, haben Sie aber schonmal gehört? Nachrichten lesen Sie ab und zu? Legale Wege, auch über Asyl, sind selbst dann wenig aussichtsreich, wenn die Betroffenen alle Gründe haben, um aufgenommen zu werden - ein einziges Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In der EU werden keine Brücken, sondern Mauern, Zäune und rechtsextreme Paramilitärs wie Frontex geschützt und ausgebaut.

  2. 1.

    "Die Ermittlungen richten sich gegen 19 Beschuldigte im Alter von 21 bis 44 Jahren. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, als Bande in mindestens 23 Fällen insgesamt 140 Menschen, überwiegend aus Syrien, eingeschleust zu haben. "

    Warum beantragen die Syrer kein Asyl?

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