Staatsanwaltschaft ermittelt - Verdacht auf Tierquälerei in Neuruppiner Bio-Schlachthof

Schlachthof-Skandal in Neuruppin (Quelle: rbb/Björn Haase Wendt)
Video: rbb|24 | 07.01.2021 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb/Björn Haase Wendt

Wenn es um das Fleisch geht, greifen viele lieber zu Bioprodukten, in der Hoffnung, dass es Tieren in der Haltung besser geht. Bilder aus einem Neuruppiner Bio-Schlachtbetrieb zeigen nun ein anderes Bild: Schweine sollen dort gequält worden sein. Von Björn Haase-Wendt

Die Bilder sind schockierend: Schweine werden vor ihrer Schlachtung von Mitarbeitern getreten, geworfen und geschlagen. Außerdem sollen Tiere wiederholt nur unzureichend betäubt worden sein. Diese Vorwürfe erhebt das Deutsche Tierschutzbüro gegen den Neuruppiner Bio-Schlachthof Färber. Die Tierschützer haben jetzt Aufnahmen aus dem August vergangenen Jahres veröffentlicht. "Die uns vorliegenden Bilder zeigen eindeutig, dass in diesem Schlachthof systematisch Tiere gequält werden", sagt der Vorstandsvorsitzende Jan Peifer.

Besonders problematisch sei, dass Tiere nicht ausreichend betäubt würden. "Das bedeutet bei vollem Bewusstsein wird ihnen die Kehle durchgeschnitten", sagt Peifer und fügt an: "Das ist pure Tierquälerei." Unter anderem sollen die Schweine bei der Betäubung nicht fixiert worden sein, so sei es immer wieder zu Fehlbetäubungen gekommen.

Amtstierärztin: "Das bringt mich zur Weißglut"

Für die zuständige Amtstierärztin Simone Heiland sind die Aufnahmen schockierend: "Weil wir das von unseren Kontrollen her nicht kannten. Wenn wir eine Kontrolle durchgeführt haben, war alles in Ordnung. Das bringt mich jetzt zur Weißglut, dass diese Mitarbeiter so eine Rohheit an den Tag gelegt haben."

Das Veterinäramt von Ostprignitz-Ruppin hatte im Oktober erste anonyme Hinweise erhalten, die allerdings nur bedingt aussagekräftig gewesen sein sollen. Das Amt habe daraufhin Kontrollen durchgeführt, bei denen ruhig und korrekt mit den Tieren umgegangen worden sei.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Nachdem das Veterinäramt die Videoaufnahmen gesehen hatte, wurde allerdings zwei verantwortlichen Mitarbeitern die sogenannte Sachkundebescheinigung entzogen. "Das heißt sie dürfen keine Tiere mehr betäuben oder den Blutentzug vornehmen", erklärte die Amtstierärztin. Außerdem prüft das Veterinäramt weitere Maßnahmen, wie etwa Strafanzeigen.

Die Staatsanwaltschaft in Neuruppin hat Ermittlungen aufgenommen, nachdem das Deutsche Tierschutzbüro Anzeige erstattet hat. Derzeit werde ein Verfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz geführt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Zunächst müsse das umfangreiche Videomaterial ausgewertet und die Verantwortlichen ermittelt werden.

Schlachthof-Betreiber entlässt Mitarbeiter

Der Betreiber des Neuruppiner Schlachthofs, die Großschlachterei Färber mit Sitz in Nordsachsen zeigte sich schockiert über die Aufnahmen aus dem Neuruppiner Betrieb. "Wir verurteilen solches Fehlverhalten zutiefst und haben selbstverständlich sofort personelle und organisatorische Maßnahmen ergriffen", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme auf eine rbb-Anfrage. So seien mehrere Mitarbeiter entlassen und Strafanzeige gegen sie gestellt worden. Auch habe das Unternehmen nach eigenen Angaben ein umfangreiches Investitionsprogramm gestartet. "Mit dem auch die Arbeitsabläufe in der Schlachtung so verändert werden, dass in Zukunft solche Vorfälle nicht mehr vorkommen", heißt es schriftlich. Unter anderem sei eine Videoüberwachung installiert und eine Betäubeaufzeichnung erneuert worden.

Auch das Veterinäramt hat dem Betrieb Auflagen erteilt, um weiter arbeiten zu können. So muss es künftig Fixiereinrichtungen für die Betäubung geben, aber auch Schulungen der Mitarbeiter. "Und auch einen Tierschutzbeauftragten, der auch seine Arbeit dementsprechend wahrnimmt und den Tierschutz regelmäßig kontrolliert", sagt Amtstierärztin Simone Heiland.

Bio Company beendet Zusammenarbeit

Das Deutsche Tierschutzbüro richtet seine Kritik aber auch gegen die Bio-Supermarktkette Bio Company. Sie sei einer der Kunden des Neuruppiner Schlachthofs gewesen und habe in der Vergangenheit erklärt, dass in der Neuruppiner Schlachterei alles vorschriftsgemäß ablaufe. So heißt es in einer dem rbb vorliegenden Mitteilung aus dem November 2018, dass im Neuruppiner Schlachtbetrieb die Tiere "ausnahmslos würdegerecht betäubt" werden würden und es regelmäßige Kontrollen auch seitens der Bio Company gebe. "Es zeigt für uns erneut, dass man sich auf solche Werbeversprechen nicht verlassen kann", sagt Tierschützer Jan Peifer.

Die Bio Company verteidigt sich auf Anfrage des rbb gegen den Vorwurf. "Jegliche Misshandlung ist für uns absolut inakzeptabel", teilte Unternehmenssprecherin Imke Sturm am Mittwoch mit. Bei den von der Bio Company beauftragten und unangemeldeten Tierwohl-Kontrollen seien "derlei Praktiken nie offenkundig geworden". Nach Bekanntwerden der Vorfälle im Dezember sei die Belieferung der Märkte aus dem Neuruppiner Betrieb sofort gestoppt worden. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben aber nachsteuern und künftig das höchstmögliche Maß an Überwachung vertraglich festlegen. "Dazu gehören noch strenger formulierte Forderungen zum Wohle des Tieres, sodass lückenloser kontrolliert werden kann", so Imke Sturm.

"Sie müssen bedenken, wenn meine Mitarbeiter dort hingehen, müssen sie sich erst umziehen und durch den Betrieb gehen", sagt Heiland. Die Kontrollen würden also vorab bemerkt werden. "Da möchte ich aber keinem etwas unterstellen", sagt die Amtstierärztin. Der rbb kann diese Vorwürfe nicht überprüfen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 06.01.2021, 19:30 Uhr

30 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 30.

    Das ist kein Einzelfall. In den dunklen Ställen kommt keiner rein. Nur den aktiven Tierschützer ist zu verdanken, dass diese TIerquälerei bekannt wird. Hoffentlich werden endlich mal hohe Strafen verteilt!!

  2. 29.

    Hi Markus.
    Aber natürlich gibt es diese sehr vorbildlichen BIO Betriebe. Sogar bei der Schlachtung kann es völlig friedlich zugehen. Es gibt da einen Biobauern z.B. der mit einem vorgefertigten fahrbaren Teil auf die Weide kommt und vor Ort das Tier tötet, ohne das die Herde davon etwas mitbekommt. Und bitte verschone mich mit Frau Klöckner. Ich beschreite längst einen anderen Weg. Esse viel mehr Gemüse und Obst. Fleisch nur noch in Ausnahmefällen. Oder für einen guten Eintopf. LG

  3. 28.

    Ich denke, das Schlachthofproblem ließe sich ggf. dadurch lösen, dass von der ausgesprochenen Eingefleischtheit gelassen wird. Nicht unbedingt Verzicht auf Fleisch, doch eine Abkehr von allen Vorwänden, dass mensch darauf angewiesen sei, ein tagelanger Nichtverzicht von Fleisch der Untergang des Abendlandes wäre.

    Fleisch ist m. E. Luxus, im Prinzip auch Außerordentliches. In normalen Supermärkten sollte es nicht unbedingt angeboten werden, wohl aber in speziellen Fleischereien, die nicht nach dem überkommenen (und mittlerweile offenbar vergangenen) CMA-Motto handeln "Fleisch muss sein, beiß rein!", sondern um das Spezifische ihres Lebensmittels wissen.

    Gegen ein Eisbein zwei- oder dreimal im Winter ist m. E. überhaupt nichts einzuwenden, auch nicht gegen eine Pute aus Hausschlachtung, wohl aber etwas gegen die handfeste eingefleischte Neurose, die sich durch die Gesellschaft zieht.

  4. 26.

    Es kann mir keiner erzählen das die Geschäftsleitung von diesem Umgang mit den Tieren nichts mitbekommen hat. Ich wünsche mir und ich hoffe das alle verantwortlichen rigoros und angemessen bestraft werden. Meiner Meinung nach dürfte kein Angestellter dieses Unternehmen , einschließlich der Geschäftsführung, jemals wieder einen Fuß in den Arbeitsmarkt bekommen. An dieser Stelle noch ein grosses Dankeschön und meine Hochachtung an die Tierschützer die uns solche Bilder liefern.

  5. 25.

    Man darf nun natürlich nicht alle Bio-Höfe verdammen; es gibt genug, die gut arbeiten. Doch dank Bauern-Lobby und unserer Frau Klöckner ist leider alles verwässert worden.

  6. 24.

    Es ist wohl eher Ideologie zu behaupten, wir wären heute noch auf tierische Nährstoffe angewiesen - Stichwort Karnismus. Tierausbeutungslobbyisten gelingt es heute noch ebenso wie damals den Tabakkonzernen, die Menschen zu täuschen. Aber das wird sich ändern. Es ist bereits wissenschaftlich unstrittig, dass Ernährung ohne tierische Lebensmittel gesund möglich ist. Und zwar in jeder Lebensphase von Schwangerschaft über Säugling bis zum Greis. Noch nicht unstrittig, aber schon sehr wahrscheinlich ist, dass Ernährung ohne tierische Lebensmittel meist gesünder ist.
    Weiterhin ist unstrittig, dass pflanzenbasierte (vegane) Ernährung, die nachhaltigste ist. Und die ethischste sowieso. Jeder, der noch ein kleines bisschen Interesse an seiner Mitwelt und der Zukunft der Menschheit auf dieser Erde hat, wird eher früher als später zu der Erkenntnis kommen, dass nur eine drastische Reduktion tierischer Lebensmittel(gern vegan) für alle das Beste ist.
    Schlachthöfe überflüssig!

  7. 23.

    Oh, das wäre der Sieg des Geistes über den Körper. Weil die Ideologie es so will, benötigen die Körper von heute auf morgen keine tierischen Nährstoffe mehr, auch Kleinkinder nicht für ihre Entwicklung.
    Alles klar...
    ... war nicht der Fleischkonsum Treiber der Evolution des Menschen ? Wenn ich den Umkehrschluss mache, wird mir so langsam einiges klar ...
    Bevor geschrien wird : Ja, Fleisch ist zu billig, weniger und dafür bessere Ware hilft allen. Und lieber mehr kleine Schlachthöfe als die großen.

  8. 22.

    Völlig richtig. Seitdem das Label Bio nun auch im Supermarkt u.Diskounter Einzug gehalten hat, ist es mit der Glaubwürdigkeit so eine Sache. Die jetzige EU Abgeordnete Sarah Wiener hat das damals schon sehr deutlich gemacht u.kritisiert in einer Talkshow. Da wurde sie regelrecht runtergeputzt von dieser besserwisserischen Westdeutschen TV Haushaltsmoderatorin( ihr Name ist mir entfallen), die voll die Meinung vertritt, etwas besseres hätte dem BIO Siegel doch nicht passieren können. Das Ergebnis liegt nun in den Kühlregalen zum Bio Sonderangebot. Demeter meines Vertrauens.

  9. 21.

    Die gekündigten Mitarbeiter können ja bei Tönnies anfangen als Werkvertragsarbeiter. Da wird es bestimmt eine Gesetzeslücke geben.

  10. 20.

    man sollte auch bedenken, das die Qualität des Fleisches unter der unsachgemäßen Schlachtung leidet. Stresshormone werden gebildet ,die sich dann im Fleisch ausbreiten. Auch Odeme (blaue Flecken) machen das Fleisch ungenießbar.

  11. 19.

    "Bio" hat doch die Bedeutung "Leben", oder nicht? Und Schlachthöfe haben den Zweck zu töten. Der Begriff "Bio-Schlachthof" ist also schon grundsätzlich ein Oxymoron. Hier wird mal wieder jeder getäuscht, der sich bereitwillig täuschen lässt. Die Alternative ist dann aber nicht, auf Nichtbioschlachthöfe auszuweichen, sondern das unnötige Töten entsprechend Grundgesetz Artikel 20a (Staatsziel Tierschutz) und Tierschutzgesetz §1 ganz zu unterlassen. Unser Überleben hängt nicht vom Konsum tierischer Produkte ab und es ist höchste Zeit, sich als Menschheit weiterzuentwickeln. Auch das ist Evolution. Alternativ können wir natürlich weiterhin Tiere, Menschen und Umwelt zugrunderichten und uns schon innerhalb weniger Generationen selbst unsere Lebensgrundlagen entziehen.

  12. 18.

    Was soll sich denn ändern, wenn im Fernsehen, meinetwegen auch zu gleicher Zeit, Schlachthofbilder gezeigt werden? Ich habe jahrelang in einem Schlachthof gearbeitet. Und jetzt? Fleisch wird trotzdem gegessen, wenn es passt. Die Herkunft ist, man sieht es ja, völlig egal. BIO Fleisch ist einfach verlogen und nur teurer als normal.

  13. 17.

    Stimmt, die jede Schlachtung begleitenden Amtstierärzte "können ja nicht überall sein", die Geschäftsleitung hat aber bei jeder Betäubung 24 Stunden am Tag daneben zu stehen ...

  14. 16.


    Einzig bin ich mir nicht sicher, daß das was uns hier gezeigt wird, die "normale" Arbeit ist. Man kann Unruhe bei Tieren auch sehr gut provozieren. Jäger nennen so etwas Vergrämungsmittel. Warum kommen die Anzeigen erst Monate später? Nachweise sind dann nicht mehr zu erbringen. Existenziell sind die Auswirkungen der (zusammengeschnittenen) Bilder für den Schlachthof und die betroffenen Mitarbeiter dort. Für die s.g. NGO's sind es Geschäftsmodelle von denen sie leben. Mir erscheinen die Umstände sowie der missionarische Eifer sehr verdächtig.

  15. 14.

    Bio - drei Buchstaben, für die der Verbraucher sich dumm und dämlich zahlt.
    Das Problem liegt tiefer und ist über den Kostenfaktor nicht regulierbar.
    Ich vertrete die Meinung, dass in nicht wenigen Fällen ein Mensch, der ein Tier quält, dies tatsächlich viel mehr noch in echt einem anderen Menschen antun will. In diesem Sinne sind Tierquäler am ehesten noch als seelisch verkrüppelte Amoktäter zu erkennen - zumindest wenn man "Amok" als nicht-zielgerichtete Kompensationsaggression versteht.
    Vor dem Hintergrund der industriellen Tierquälerei in Deutschland demaskiert sich dieses Land selbst:
    als Entwicklungsland - zumindest in menschlicher Hinsicht.
    Und dass es in anderen Ländern nicht besser ist, macht die Sache tatsächlich nicht besser.

  16. 13.

    Es gibt - nicht zuletzt durch das Winken höherer Preise - mittlerweile eine ganze Reihe von Unternehmen, die mittels Pseudo-Bio auf der Bio-Welle reiten. Mit kontrolliert-biologischer Aufzucht hat das zumeist nicht das Geringste zu tun. Die Bio-Company empfinde ich als im Graubereich: Sie unterscheidet sich von inhabergeführten Bioläden, die überzeugend arbeiten, ganz erheblich.

    Die Bezeichnung "Bio" ist als solche nicht geschützt und ist ein wahlloses Etikett für alles und nichts. Jede/r kann das verwenden. Erst die nähere Kennzeichnung, welche Maßgaben dem jeweils zugrunde liegen - sprich: das EU-Label, Bioland oder Demeter - sind aussagekräftig.



  17. 12.

    Och, und ich habe den Grünen/Ökos immer geglaubt, die Tiere werden wirklich zu Tode gestreichelt. Jetzt muss ich leider feststellen, es ist gar nicht so. Vielleicht ist es an der Zeit, endlich mal aus der verlogenen BIO/Öko Ecke herauszukommen und die Realität zu sehen. Wir leben im Kapitalismus!

  18. 11.

    Eine Schande für die Unternehmen und Behörden - ein großes Dankes schhön an die Tierschützer, die diesen Skandal aufgedeckt haben!

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren