Die Silhouette eines Mannes mit Handy zeichnet sich in einem Buero bei blauer Stunde ab in Berlin (Quelle: imago images/Florian Gaertner)
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Unterhaltung in virtuellen Räumen - Was die neue Social-Media-App "Clubhouse" kann

Ein neuer Hype im Netz: Die audio-zentrierte App "Clubhouse" stürmt die Download-Charts des App-Stores von Apple. Florian Prokop erklärt, was dahinter steckt, ob der Hype berechtigt ist und warum Kritik auch - aber nicht nur - von Android-Nutzern kommt.

Likes, Kommentare und Fotos sind eigentlich fester Bestandteil sozialer Medien. Bei "Clubhouse" ist das anders. Auf "Clubhouse" wird sich unterhalten – per Audio sind die Nutzerinnen und Nutzer in sogenannten "Räumen" miteinander verbunden. Prinzipiell kann jede und jeder so einen Raum erstellen – und so können alle mit allen über alles reden. Das Prinzip der App ist also eher eine Art Live-Podcast oder eine Telefonkonferenz, bei der sich Menschen nach ihren Interessen zusammenschalten können.

Der Chaos Computer Club Berlin sieht den Start von "Clubhouse" gelassen: "Wir sehen da ein überhyptes Social-Media-Startup ohne tatsächliche Moderationskapazitäten, ohne brauchbares Geschäftsmodell und mit eingebautem zwangsweisem Hochladen der gesamten Kontaktliste", antwortet Dirk Engling vom Chaos Computer Club auf Nachfrage.

So finden sich auf "Clubhouse" Politik-Talks aus der Hauptstadt, bei denen bereits FDP-Parteichef Christian Lindner zusammen mit der Journalistin Dunja Hayali im Gespräch [meedia.de] gesichtet – oder besser: gehört wurden. Andere reden über das Gründen, die nächsten über ihre Lieblingssportart oder Marketing-Profis plaudern über das Erfolgsrezept, um auf Tiktok viral zu gehen. "Clubhouse" ist also eine App mit gewaltigen Möglichkeiten: Die App bietet im Prinzip sichere Räume zum Austausch und Wissenstransfer für marginalisierte Gruppen, beispielsweise für queere Menschen oder die schwarze Community.

Auf "Clubhouse" trifft sich eine scheinbare Elite

Die Macher von "Clubhouse", zwei Männer aus dem Silicon Valley [zeit.de], von denen einer bereits bei Google arbeitete, setzen neben hoher Promi- und Influencerdichte als Marketingmaßnahme auf das Prinzip der künstlichen Verknappung: Momentan gibt es die App allein für IOS-User – wer kein iPhone hat, ist nicht dabei. Zugang bekommt außerdem nur, wer eingeladen wird. Das funktioniert so: Wer "Clubhouse" installiert, muss der App Zugriff auf sämtliche Kontakte geben. Zwei Kontakte darf dann jede*r neue Nutzer*in auswählen, die eine Einladung erhalten und sich ebenfalls anmelden dürfen.

Es ist auch möglich, sich ohne Einladung zu registrieren und sich auf eine Warteliste zu setzen. Hat ein Kontakt bereits einen Zugang, darf dieser dann neue Mitglieder auf der Warteliste nach oben schubsen. Das befeuert den Hype, Datenschützer*innen kritisieren allerdings die Pflicht zur Freigabe der Telefonkontakte. Doch das ist nicht die einzige Kritik.

Hate Speech, Fake News, Inklusivität

Im Netz regt sich bereits Widerstand gegen "Clubhouse": Brauchen wir wirklich eine neue Plattform, bei der wir das Gefühl haben, dabei sein zu müssen? Im Moment hat es den Anschein, dass Gesprächsrunden nur live passieren – wer sie verpasst, ist selber schuld. Zudem schließt "Clubhouse" gehörlose Menschen komplett aus. "Was die Welt ganz sicher nicht braucht: eine exklusive statt einer inklusiven App", schreibt der Aktivist Raul Krauthausen [instagram.com].

Ein weiterer Kritikpunkt: Es gibt keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von "Clubhouse", die die einzelnen Räume moderieren. Dafür sind die Menschen verantwortlich, die die Räume erstellen. "Clubhouse" selbst sagt, dass sie neutral seien. Das heißt: Geschieht etwas illegales, sind die Nutzer verantwortlich. Auf diese Weise kann "Clubhouse" auch ein Ort werden, an dem unmoderiert Hate Speech und Fake News geteilt werden [BR24]. Zugegeben: kein neues Problem sozialer Netzwerke. Bisher scheint es aber nicht so, als hätten die Entwickler vor, das zu ändern ["The Verge"].

Sendung: Fritz, 19.01.2021, 07:10

Beitrag von Florian Prokop

2 Kommentare

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  1. 2.

    Eine App, die längeres Zuhören und Konzentration auf ein Thema erfordert. Wer kann das heute noch?

  2. 1.

    Sobald Donald T. und QAnon dort gesichtet werden, hat sich diese unmoderierte App eh erledigt: Apple schmeißt sie aus dem Store wie Parler.

    @rbb: Links mit https://eur01.safelinks.protection.outlook.com/ wirken doch etwas eigenartig.

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