Wildschwein, Archivbild (Quelle: Zoonar.com/Jakub Mrocek)
Video: Brandenburg Aktuell | 09.01.2021 | A. Meyer | Bild: Zoonar.com/Jakub Mrocek

Verdacht nicht bestätigt - Kadaver in Potsdam war nicht mit Afrikanischer Schweinepest infiziert

Entwarnung in Potsdam: Ein Wildschweinkadaver, der am Freitag kurz vor der Berliner Stadtgrenze gefunden wurde, war nicht mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert. Für Jäger wie Tierproduzenten stellt die Tierseuche eine große Herausforderung dar.

Ein totes Wildschwein, das im Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke gefunden wurde, ist nicht an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verendet. Am Samstag teilte das Gesundheitsministerium mit, dass das Friedrich-Loeffler-Institut den Verdacht nicht bestätigt habe.

Anna Heyer-Stuffer, Leiterin des brandenburgischen Krisenstabs zu der Tierseuche, zeigte sich erleichtert und lobte die zuständigen Behörden in Potsdam, dem Landkreis Potsdam-Mittelmark und Berlin für ihr schnelles Handeln. "Alle sind auf den Ernstfall vorbereitet", teilte sie mit.

Heyer-Suffer: Keine Wurstbrote am Straßenrand entsorgen

Die gesamte Bevölkerung müsse weiter achtsam mit dem Thema umgehen. "Die Afrikanische Schweinepest kann auch durch den Menschen über weite Strecken getragen werden", so Heyer-Suffer.

Unter anderem sollen deswegen keine Wurstbrote am Straßenrand oder der Natur entsorgt werden, da Viren der Krankheit unbemerkt darin überleben können. Seit dem aufkommen der ersten Fälle im vergangenen Jahr versucht Brandenburg mit Zäunen Infektionsgebiete abzusperren. Die Zahl der nachgewiesenen Fälle in Brandenburg liegt mittlerweile bei mehr als 440, betroffen sind vor allem der Osten und der Südosten des Landes.

Der Berliner Bezirk Spandau reagierte erleichtert: "Wir nehmen das erfreut zur Kenntnis und werden die Maßnahmen wieder runterfahren und zurückstellen", sagte Bezirksstadtrat Stephan Machulik (SPD) am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. "Es macht ja jetzt keinen Sinn, Zäune zu bauen. Aber wir haben uns in den letzten Jahren darauf vorbereitet. Und wenn morgen ein Fall bestätigt würde, könnten wir sofort wieder aktiv werden." Letztlich sei es eine Frage der Zeit, wann Berlin betroffen sein könnte. Ein Sprecher des Berliner Verbraucherschutzsenators Dirk Behrendt (Grüne) sagte: "Wir müssen schauen, wie es weiter geht und das genau beobachten."

Der Kadaver war in etwa 400 Meter Entfernung von der Grenze zum Bezirk Spandau gefunden worden. Senator Behrendt schätzt, dass es im Stadtgebiet rund 3.000 Wildschweine gibt. Am Freitag sagte er dem rbb, dass es wichtig sei Lebensmittelreste nicht einfach wegzuwerfen, Wildschweine nicht zufüttern und zu verhindern, dass Hunde Wildtieren nachjagten.

Große Gefahr für Tierproduzenten

Der erste Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen in Deutschland wurde am 10. September 2020 amtlich festgestellt. Aus mehreren Gründen beunruhigt die ASP die zuständigen Behörden. Die Krankheit verläuft in neun von zehn Fällen tödlich. Es gibt weder eine Impfung noch Behandlungsmöglichkeiten, was die Krankheit zu einem gewaltigen Problem für Tierproduzenten macht. Gelangt die Krankheit in landwirtschaftliche Ställe ist dies ein Todesurteil für den gesamte Bestand.

Hat sich ein Tier infiziert, dauert es zwei bis 14 Tage bis die Krankheit ausbricht. In dieser Zeit wäre in der Schlachterei ohne Labortests kaum feststellbar, ob das Tier betroffen ist. Innerhalb von zehn weiteren Tagen verendet es dann. Allerdings ist das Virus nicht ganz so einfach zu übertragen, wie etwa die Klassische also Europäische Schweinepest, bei der eine Tröpfcheninfektion reicht.

Die Krankheit wird hauptsächlich durch Blut übertragen. Und zwar nur von Tier zu Tier. Für den Menschen besteht keine Gefahr. Südlich der Sahara, wo diese Tierseuche ursprünglich auftauchte, ist außerdem eine blutsaugende Lederzecke eine Gefahr für die dortigen Warzen-, Busch- und Hausschweine.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.01.2021, 10.30 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Also waren die schon am Aufbauen, oder wie? Unter "Wir nehmen das erfreut zur Kenntnis und werden die Maßnahmen wieder runterfahren und zurückstellen" erwarte ich, dass im Vorwege auch was passiert ist und nicht nur, dass irgendwo Zäune schon mal bevorratet liegen (die ja dann eh bereit gelegt bleiben.)
    PS: Charmant geantwortet... :-/

  2. 9.

    Sau ist weg, Politiker wieder zuhause, Zäune wieder eingepackt, alle Spuren verwischt. Zufrieden?

  3. 8.

    Spandau fährt die Maßnahmen wieder zurück, aha. Welche wurden eigentlich konkret getroffen?

  4. 7.

    Es ist gesetzlich vorgeschrieben wann ein Verdacht ausgerufen wird. Bei Tierseuchen ist alles exakt geregelt, damit nicht so ein Chaos entsteht wie die Welt gerade bei einer humanen Seuche erleben darf.

  5. 6.

    Ich habe nichts von Pressekonferenz gesehen oder gehört, nur eine Meldung an die Presse, das ist etwas anderes, aber Sie können ja nicht alles wissen.
    Es tut mir sehr Leid, dass Sie in Panik geraten sind, am Besten, Sie bleiben zuhause, kann Ihnen nix passieren.

  6. 5.

    Der Schweinefleisch-expoteur-Weltmeister will also keine Schweinepest erkennen? Ein durchaus lukrativer Ausgang.

  7. 4.

    Altersschwäche, Bleivergiftung, Kommentare gelesen ... was weiss ich.

    "...gibt es einen Verdachtsfall auf Afrikanische Schweinepest. Der Kadaver wird zur genauen Klärung noch untersucht."
    Welcher Test?

  8. 3.

    Irgendwie komisch. Machen "die Oberen" was, isses verkehrt, machen sie nix, ist es auch nicht richtig. Jetzt haben die 'n bisschen was gemacht und war auch falsch. Ja, wie denn nu?
    Wichtig ist doch, dass ich wieder ungestört mit meinem Wuff rumziehen kann. Schön isses!

  9. 2.

    Und an was ist das Schwein gestorben?
    Schließlich wies, laut den Berichten, ein erster Test auf die Schweinepest hin...

  10. 1.

    Wie hirnrissig die Verantwortlichen hier gehandelt haben, ist ja offensichtlich.
    Da wird ne Pressekonferenz veranstaltet mit allem Pi pa Po, vor Ort Besichtigung der Fundstelle usw. Statt vorher die Untersuchung des kadavers anzuordnen, aber nein, da werden wieder alle Register gezogen und die Pferde scheu gemacht, wofür, wie sich rausstellt für nichts.
    Es gilt für alle, erst Hirn einschalten und dann handeln statt in grundlose Panik zu verfallen.

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