Bogenhanf. (Quelle: imago images/Manuel Ruiz)
Audio: Radioeins | 24.01.2021 | Marja Rottleb (Nabu) | Bild: imago images/Manuel Ruiz

Zimmerpflanzen im Homeoffice - "An neuen Pflanzen sollte man Tiere nicht lecken lassen"

Viele Menschen entdecken während des Lockdowns die Welt der Zimmerpflanzen. Doch nicht jede Pflanze kommt mit so viel Zuwendung klar. Wie viel Pflege ist genug und wann wird es zu viel? Marja Rottleb vom Naturschutzbund (Nabu) hat Antworten.

rbb: Zimmerpflanzen sind gut fürs Raumklima, sie erzeugen Sauerstoff, heißt es immer. Ist das ein Mythos? Macht es wirklich einen Unterschied für die Luft bei mir zu Hause, wenn ich da mehr Grünes stehen habe?

Marja Rottleb, Nabu: Ja, das ist wirklich so. Das hat sogar mal die Nasa untersucht. Die haben Studien durchgeführt, um zu schauen, welche Pflanzen die Luft am besten reinigen. Diese Studien wurden dann widerlegt, dann wieder bestätigt. Das ist durchaus ein umstrittenes Thema, aber Zimmerpflanzen haben auf jeden Fall, wie alle Pflanzen auch, positive Auswirkungen.

Ich habe in letzter Zeit von mehreren Leuten gehört, dass deren Zimmerpflanzen plötzlich eingehen und zwar mysteriöserweise seit dem zweiten Lockdown. Meine Theorie: Wir über-pflegen, also wir gießen zu viel. Ist das möglich?

Ja, ich habe auch schon mehrere Notanfragen bekommen, abends auf mein Handy. Ich habe auch das Gefühl, dass es gerade so ist. Ich denke, die Leute konzentrieren sich total auf ihre Wohnung und wollen natürlich auch das Beste für ihre Pflanzen. Und da kann es auch schon 'mal sein, dass sie über-pflegt werden.

Was können wir falsch machen?

Man kann einiges falsch machen, wenn man zu viel macht. Sogar mehr, als wenn man zu wenig macht. Man kann die Pflanzen zum Beispiel überwässern oder überdüngen. Oder man will ihnen einen schönen Platz am Fenster geben mit viel Licht und da drunter ist dann eine Heizung. Das ist dann auch nicht gut.

Wie ist denn Ihre Pflegeempfehlung jetzt für den Winter? Wie machen wir es am besten?

Also, wenn man Pflanzen hat, die im Sommer viel Wasser brauchen, kann man jetzt das Wasser etwas zurückfahren, weniger gießen. Wichtig ist schon, dass die Pflanzen Licht haben, weil: Besonders im Winter ist es vielen Zimmerpflanzen bei uns zu dunkel. Die kommen teilweise aus tropischen Gebieten, sie brauchen ganz viel Licht und in den Zimmern ist es oft zu dunkel. Also so nah wie möglich ans Fenster, aber dann an eines, wo keine Heizung drunter ist. Und auch nicht ganz so viel düngen wie im Sommer. Auch von den Nährstoffe werden natürlich nicht so viel verbraucht. Und auch schauen, dass der Topf unten nicht so triefend nass ist, dass die Pflanzen unten weggammeln!

Eine Zimmerpflanze steht am 23.01.2021 in einer Berliner Wohnung. (Quelle: rbb|24/Winkler)

Welche Zimmerpflanzen würden Sie empfehlen, möglichst pflegeleicht und widerstandsfähig?

Also es gibt verschiedene Pflanzen, die auch für Einsteiger gut geeignet sind. Zum Beispiel die Efeutute oder die Monstera. Das ist eine super Pflanze, die ist relativ widerstandsfähig. Bogenhanf ist eine ganz tolle Pflanze, die auch die Luft reinigt. Oder auch Einblatt, das ist schon eine kleine Herausforderung, aber das kriegt man auch hin. Grundsätzlich würde ich sagen: Mal gucken, was bei den Nachbarn gut funktioniert oder ähnlich begabten Gärtner-Freund*innen! Und dann: Einfach anfangen!

Jetzt sind ja nicht nur wir zu Hause, sondern meistens auch die Kinder. Von welchen Pflanzenarten raten Sie da ab?

Bei Kindern ist es weniger so, dass sie an den Pflanzen knabbern oder kauen. Aber es gibt ja zum Beispiel auch Haustiere, die empfindlich darauf reagieren können, wie Katzen. Die fressen gerne Pflanzen. Und da gibt es eine ganze Liste von Pflanzen, die man nicht nehmen sollte, zum Beispiel den Gummibaum, Philodendron, Aralie oder auch Ficus. Und die genannte Monstera. Wenn man Tiere oder Kinder hat, wäre es ganz gut, wenn man diese Pflanzen an einen Platz stellt, wo die nicht rankommen. Wichtig ist auch: Wenn man neue Pflanzen kauft, da sind oft Pestizide dran, dass man die Tiere da nicht daran lecken lässt.

Glauben Sie, dass Pflanzen auch emotional eine positive Wirkung haben? So als kleine, stille Krisenhelfer?

Daran glaube ich als Gartenexpertin beim Nabu absolut fest und mit Überzeugung.

Bei diesem Interview handelt es sich um eine redigierte Textversion eines Gesprächs zwischen Radioeins-Moderatorin Sophia Wetzke und Marja Rottleb vom Naturschutzbund (Nabu).

Sendung: Radioeins, 22.01.2021, 10:38 Uhr

Beitrag von Sophia Wetzke und Marja Rottleb

4 Kommentare

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  1. 2.

    ".....die empfindlich daruf reagieren können" ist noch harmlos gesagt. Die können sich böse vergiften. Außerdem kommen Katzen nahezu überall ran. Bitte vorher informieren, welche Pflanzen unbedenklich sind.

  2. 1.

    Auweia, ein Hilferuf der bes. Art. Kümmert Euch mal um Eure mickrigen Büropflanzen. Nirgendwo sonst habe ich soviel Pflanzen leiden sehen, als in irgendwelchen stickigen Büros. Mit viel Glück findet sich eine Seele, die ihnen hin und wieder Wasser spendet. Natürlich ist da was dran. Auch ich streichle und rede manchmal mit meinen 2 Pflanzen. Die Fette Henne ist jetzt schon knapp 15 Jahre alt. Meine Palme bekam ich als Ableger geschenkt, wie auch die erstgenannte und sie erfreut sich bester Gesundheit. Schoss richtig in die Höhe bis zur Decke. Was tun? Ich schnitt sie einfach wieder ab und somit beginnt der Lebenszyklus wieder von vorne.

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