Tierschutz-Mängel - Zoo in Nauen darf keine Tiere mehr halten

Im Gehege der Grünen Meerkatzen im Zoo in Nauen, Brandenburg. Das Veterinäramt des Landkreises Havelland hat den Zoo am 15.01.2021 geschlossen. (Quelle: Aktion Tier e.V.)
Bild: Aktion Tier e.V.

Dutzende Affen, Waschbären und Kaninchen lebten bis zuletzt im kleinen Zoo in Nauen - und schon seit Monaten gibt es wegen der Haltung schwere Vorwürfe von Tierschützern. Jetzt schreiten die Behörden vor Ort zur Tat.

Der Zoo Nauen (Havelland) darf wegen fehlender artgerechter Haltung keine Tiere mehr beherbergen. Das hat das zuständige Veterinäramt nach Angaben des Landkreises Havelland angeordnet.

Der Tierhalter habe trotz mehrerer amtlicher Anordnungen, für eine artgerechtere Haltung seiner Tiere zu sorgen, die ihm dafür zur Verfügung gestellte Zeit ungenutzt verstreichen lassen, wie ein Sprecher des Kreises am Dienstag auf Nachfrage mitteilte. Dem Zoo sei zudem ein Tierhaltungs- und Betreuungsverbot auferlegt worden.

"Zum Teil schwerwiegende Tierschutz-Mängel"

Das Veterinäramt hatte dem Kreis zufolge bereits im vergangenen Jahr auf dem Gelände des Zoos Nauen mehrfach Kontrollen wegen "zum Teil schwerwiegender Tierschutz-Mängel" durchgeführt und Auflagen erteilt.

Die Tiere, darunter Waschbären, Affen, Esel und Kaninchen, werden nach Angaben des Kreises nun auf Kosten des Tierhalters anderweitig untergebracht. Der Zoo war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Im Internet stand am Dienstag der Hinweis: "Vorübergehend geschlossen". Zunächst hatten die "Märkische Allgemeine" und die "BZ" berichtet.

Aktion Tier hatte Anzeige erstattet

Die Tierschutzorganisation Aktion Tier hatte nach eigenen Angaben Ende November Anzeige gegen den Tierhalter wegen Verstoßes gegen diverse Tierschutzvorschriften erstattet. Sie sei froh, dass nun endlich gehandelt wurde, sagte die Geschäftsführerin für den Bereich Tierschutz, Ursula Bauer. Das gesamte Areal habe laut Aktion Tier einer Müllhalde geglichen. Der Zoodirektor habe bei seiner Tierhaltung weder Sachkunde noch Tierliebe gezeigt. Teilweise seien viel zu viele Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht gewesen. Durch die unhygienischen Zustände habe ein hohes Gesundheitsrisiko bestanden.

Mittlerweile seien Affen und Waschbären in eine Wildtierstation nach Sachsenhagen in Niedersachsen gebracht worden, berichtete Bauer, die bei der Auflösung des Zoos vor Ort war. Die anderen Tiere wurden ihren Angaben zufolge vom Landkreis an verschiedene Einrichtungen verteilt.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 19.01.2021, 19:30 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    Oh wie schön, das zu lesen! Ich war im Dezember 2x da zum Füttern, doch dann hat es der Besitzer allen Fütterern einen Tag vor Heiligabend für die Zukunft verboten.

    Ich habe mich so sehr in die Eselchen verliebt! Vor allem in den hellen Sancho. Er ist so lieb! Eine Freundin hatte sich schon länger um die Tiere gekümmert und seit Monaten darum gekämpft, dass endlich etwas passiert. Doch erst, als Aktion Tier mit ins Boot geholt wurde, kam endlich Bewegung in die Sache. Zum Glück hat das Elend nun ein Ende - es ließ mir keine Ruhe, seit ich im Dez. das erste Mal dort war!!! Ich habe mich auch sehr gewundert, dass die Esel irgendwie beide total heiser waren und habe mich gefragt, ob so etwas normal sein kann. Habe sogar ein Video davon gemacht. Aber nun können sie sich ja erholen. Vielen, vielen Dank für die Aufnahme und ganz liebe Grüße!

  2. 14.

    Das hatte mitCorona nichts zu tun. Den Tieren ging es schon vor dem Virus schlecht. Ich war da und habe dieses Elend gesehen. Es gab nicht mal fließend Wasser um den Tieren mal frisches Wasser zu geben und die Wasserstellen waren voll mit schimmelndem Essen.

  3. 13.

    Dem kann ich nur zustimmen , dort möchte man nicht mal tot über'n Zaun hängen.
    Zum Glück sind diese armen Tiere endlich weg.

  4. 12.

    Ich hatte am Sonntag das Vergnügen, mir das Gelände anzuschauen, ich bin derjenige der die beiden Esel übernommen hat! Das Gelände hatte mit einem Zoo wirklich nichts zu tun, das war eine Schlammwüste, ungepflegt, lieblos und recht deprimierend - und da waren die Tiere schon alle weggeschafft!
    Ich habe die Esel quasi ungesehen übernommen und weiß bisher vom Veterinäramt und der momentanen Pflegestelle nur, in den nächsten Tagen nach Übernahme werden bei mir Tierärzte und Hufschmied einreiten müssen um erst einmal die Tiere auf Vordermann zu bringen (Zähne, Hufe.... Sowas wäre nicht notwendig, wenn die Tiere gut gehalten und in einem akzeptablen Zustand wären...
    Insofern ist es gut dass dieser "Zoo" geschlossen ist, Ich glaube nicht dass man irgendeinem Tier einen Gefallen getan hatte es da leben zu lassen...

  5. 10.

    "Nauen ist eine wunderschöne Stadt mit netten Menschen die noch normal denken !"

    Naja.

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2020/08/5-jahre-wir-schaffen-das-brand-turnhalle-nauen-fluechtlinge.html

    "Die fühlten sich wie die Vollstrecker des Volkswillens, nach dem Motto: Hier sind eh alle irgendwie gegen Ausländer und finden es schlimm, dass die Flüchtlinge kommen. Also tun wir etwas."

  6. 9.

    @April: "Warum hält man Tiere, wenn man dazu nicht in der Lage ist?"
    Das ist umfangreich unter Kommentar 2 - Artikel in der MOZ - erklärt worden.
    Fehlende Gelder wegen Corona. Da muss man das Virus verantwortlich machen, nicht den Herrn Wilhelm.

  7. 8.

    "auf Kosten des Tierhalters anderweitig untergebracht" - fass mal nem nackten Mann in die Tasche....

  8. 7.

    Warum hält man Tiere, wenn man dazu nicht in der Lage ist? Unverantwortlich und grauenhaft. Zum Glück konnten die Tiere gerettet werden.

  9. 6.

    Nauen ist eine wunderschöne Stadt mit netten Menschen die noch normal denken ! Sehr schade um den kleinen Zoo . Hauptsache die Tiere werden nun gut untergebracht.

  10. 5.

    Merkwürdig, die MOZ schwärmte noch im Juli 2020 in höchsten Tönen.

    https://www.moz.de/lokales/falkensee/zoo-nauen-berndt-wilhelm-blickt-auf-65-tierische-arbeitsjahre-50395973.html

  11. 4.

    Schade, dass unter diesen Umständen eine Schließung und Auflösung erfolgen musste und nicht, dass dem betagten Betreiber nahe gelegt wurde, das Areal zu verkaufen - ein Weiterbetrieb mit entsprechend organisiertem und fachlich fähigen Menschen wäre sicher mehr im Interesse der umgebenden Bevölkerung gewesen.

  12. 3.

    Nauen ist ein echt schlimmer Ort. Nicht mal den Tieren geht es dort gut.

  13. 2.

    Tatsächlich, da herrschte massiver Geldmangel: Der Zoo hatte bereist vor einer Woche um Futterspenden gebeten. https://www.maz-online.de/Lokales/Havelland/Nauen/Zoo-Nauen-braucht-dringend-Futterspenden
    Es ist gut, dass er aufgelöst wurde und ich denke, wenn der Betreiber 80 Jahre alt ist, ist er vielleicht auch nicht mehr in der Lage gewesen, sich richtig zu kümmern. Man gerät u.U. dann in eine gewisse Verdrängung.
    Der Zoo hatte bereits seit längerem diese Probleme: https://www.maz-online.de/Lokales/Havelland/Nauen/Der-harte-Winter-im-Nauener-Zoo

  14. 1.

    Schön, dass es gelungen ist, die Tiere gut unterzubringen. Finde es auch hier wieder sehr gut, dass amtlich konsequent durchgegriffen wurde. Höchstwahrscheinlich war der Zoo pleite und hätte nicht mehr nachbessern können, selbst wenn er es gewollt hätte. Ich mache mir Sorgen um die Zirkustiere. Bei uns in der Nähe war im Sommer ein Zoom gestrandet und hat um Spenden gebeten. Es wurde auch geholfen. Aber jetzt stehen so viele Menschen selbst mit dem Rücken zur Wand, und die Zirkusleute durften ewig nicht mehr auftreten. Ich weiß, dass es viele Zirkusunternehmen mit Tieren gibt, die sich sehr mühen, ihren Schützlingen gerecht zu werden. DIe gehen am Spielort mit ihren Elefanten in der Freizeit baden im See und so weiter und unterhalten riesige Winterquartiersgelände. Es wäre sehr schade, wenn plötzlich die letzten Futtergelder etc. fehlen würden. Ich hoffe sehr, dass das nicht passiert und wenn, betroffene Unternehmen Hilfe suchen und erhalten.

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