Identitätsdiebstahl in Berlin - LKA verzeichnet Anstieg von Warenkreditbetrug

Mo 01.02.21 | 11:02 Uhr
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Eine Lieferung von Amazon steckt am 18.12.2020 in einem Briefkasten in Berlin. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Audio: Inforadio | 01.02.2021 | Ricardo Westphal | Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Täter bestellen online Ware mit gestohlenen Adressen und Daten und fangen das Paket vor der Tür ihres Opfers ab. Der Geschädigte bleibt auf der Rechnung sitzen. Eine Masche, die in Berlin immer häufiger vorkommt - aber nur schwer aufgeklärt werden kann.

Bei der Berliner Polizei werden deutlich mehr Anzeigen wegen Warenkreditbetrugs registriert. Das bestätigte Martin Halweg vom Landeskriminalamt Berlin dem rbb.

"Im Deliktsfeld des Warenkreditbetruges verzeichnen wir aktuell einen Anstieg der Zahlen", sagte Halweg. Im Jahr 2017 habe es noch rund 10.000 Fälle gegeben, 2019 waren es bereits rund 17.000 Fälle, also 70 Prozent mehr. Aufgeklärt worden seien dabei unverändert rund 2.000 Fälle pro Jahr.

Die Betrugsmasche sei laut Ermittlern kaum aufzuklären. Die Täter haben es leicht, an real existierende Adressen und Personendaten heranzukommen – mit Datendiebstahl im Internet oder auch mit dem Durchsuchen von Mülltonnen. "Wir stellen oft fest, dass sich Täter im Altpapiermüll zu schaffen machen und dort alte Briefe herausholen, die Personaldaten dort abschreiben und nutzen", sagte Halweg.

Betroffene sollen Rechnung nicht bezahlen

Dann bestellen die Betrüger unter falschem Namen Waren auf Rechnung im Internet. Für die Bestätigung geben sie eine extra dafür angelegte E-Mail-Adresse an. An diese wird auch die Sendungsverfolgung geschickt, so dass die Täter wissen, wann genau die Lieferung zum Empfänger kommt. Der Paketbote wird an der Haustür abgefangen, bevor er klingelt. Die Täter geben sich als Mieter des Hauses aus, zeigen sogar ihre Handys mit dem E-Mail-Verlauf zum Bestellvorgang, um das Vertrauen des Paketboten zu erlagen.

Möglich wird die Masche, wenn Paketboten sich nicht die Zeit nehmen, bei jeder Zustellung einen Identitätsnachweis zu fordern. Der Paketdienst DHL erklärte gegenüber dem rbb: "Bei einer Übergabe auf der Straße muss sich der Empfänger zwingend ausweisen. (…) Richtig ist aber auch: Wir stellen mehrere Millionen Pakete pro Tag zu - da geschehen leider auch Fehler."

Betroffene sollten die Rechnungen nicht bezahlen und umgehend Anzeige bei der Polizei erstatten und den Anbieter im Internet das Aktenzeichen mitteilen. Kämen Inkassoforderungen, so sollten die Geschädigten diesen widersprechen.

Sendung: Super.Markt, 01.02.2021, 20:15 Uhr

21 Kommentare

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  1. 20.

    Liebe Paula, da haste mich aber jetzt falsch verstanden was ich schrieb. Hier geht es nicht um die Stammzusteller von DHL, sondern um die von der Post extra dafür eingestellten Kräfte für Amazon. Mit meinen Stammzusteller von DHL bin auch ich zufrieden. Nur bestelle ich auch sehr selten etwas im Internet, was diesen Service in Anspruch nimmt. Hermes ist gut. DPD ist grottenschlecht. Die stehen meistens in Reih und Glied geparkt bei mir hier in der Wilmersdorferstraße an der Abgabestelle. So ein arabisch dubioser Trödelladen, wo ich schon mal gleich nach dem reinkommen, um eine Sendung abzuholen wüst beschimpft wurde, obwohl ich meinen Ausweis zeigte. Ich mußte mit der Polizei drohen, um mein Paket ausgehändigt zu bekommen. Das geht gar nicht.

  2. 19.

    Jetzt muss ich aber mal ne Lanze für meine DHL-Fahrer brechen,die hier seit fast einem Jahr im Einsatz sind. Ich habe meine Sendungen ,die ich bestellt habe und auch meine Weihnachtspakete von der Familie zuverlässig bekommen. Auch bei mir gibts immer ein Trinkgeld.
    Konnte ich auch über die Sendeverfolgung in 2 Fällen an einem anderen Tag liefern lassen. Meine Family und ich schicken uns auch gegenseitig die Nr. für die Sendeverfolgung nach dem Paketversand,damit wir den Service nutzen können. Mit Hermes habe ich auch gute Erfahrungen ,nur DPD kann mir nach etlichen Reinfällen gestohlen bleiben.
    Aber vllt haben ja andere Kunden dafür gute Erfahrungen mit DPD gemacht.
    Es arbeiten eben überall nur Menschen.

  3. 18.

    Ich gestehe mir nur „dreimal“ durch Amazon DVDs ab 18 J. bestellt zu haben. Beim ersten Mal kam der DHL Zusteller noch die 3 Treppen hoch und machte ein finsteres Gesicht. Beim hochkommen rief er schon mir entgegen: Ausweis bereithalten. Dies erhellte sich auch nicht, als ich ihm 3 Euro Trinkgeld gab. Die anderen beiden Sendungen durfte ich mir dann in der Postfiliale abholen. Also denke ich, kann ich hier nicht mit solch negativen Erfahrungen punkten wie hier aufgeführt wird. Nur eines weiß ich mit Sicherheit: Die Post AG hat „extra für Amazon“ Leute eingestellt, die es gerade mal schaffen den Benachrichtigungsschein richtig auszudrucken. Guter Service sieht für mich anders aus. Daher Note 5 an die DHL Post.

  4. 17.

    Hat schon jemand mal "adresshandel" und "berlin bezirke scoring" in eine stinknormale Suchmaschine getickert? Frag' ja bloß. Es ist einfach zu einfach.

  5. 16.

    Ganz ehrlich, wenn ich sowas durchziehe würde ich mich nicht auf die DHL Sendungsverfolgung verlassen - es kommt regelmäßig vor, dass die Sendung nicht am angekündigten Tag ausgeliefert wird. Manchmal wird sie auch mehrere Tage im Wagen hin. und hergefahren. Oder die Sendung wird gleich im Paketshop fünf Straßen weiter abgegeben ohne dass der Wagen je auch nur an meinem Haus vorbei gefahren wäre. UPS ist da wesentlich genauer; da kann man im Internet den Wagen verfolgen. deswegen mal eine Frage an den RBB: Verwenden die Kriminellen tatsächlich hauptsächlich DHL für diese Masche und fangen die Boten an der Haustür ab? Wie sieht es mit UPS, DPD; Hermes etc, aus? Haben Sie dort auch nachgefragt?

  6. 15.

    Äh, nee. Bei Sendungen von Amazon gibt es Adressaufkleber - keine durchsichtigen Plastiktaschen. Bei der Sendung im Bild wurde die Pappschachtel von Amazon für eine private Warensendung wiederverwendet. Das SYMBOLBILD hat also nix mit den Amazonzustellern zu tun. Darüber hinaus werden auch Amazonsendungen mit DHL und deren grottenschlechten Zustellern verschickt, nicht nur mit den Amazonzustellern. :-)

  7. 14.

    Hilf auch nix! Wer es will, kommt immer an Adressdaten ran. Die einfachste Variante ist das Telefonbuch online oder eben Namen von Klingelschildern. Ganz böse Buben organisieren die sich im Darknet. Im allerschlimmsten Fall gibts da auch gehakte Kreditkartendaten. Der Fehler liegt in der mangelnden Überprüfung bei der Übergabe außerhalb der Wohnungstüre. Ich selbst hatte auch schon aufregenden Schriftverkehr mit einem Inkossobüro eines Onlineshops, weil jemand auf meinen Namen auf Rechnung bestellt hatte und eine andere Versandadresse angab. Die Kripo ermittelte dann u.a.: Die Ware wurde am Speditionslager von einer Person persönlich abgeholt. Dort hat niemand überprüft durch Ausweiskontrolle, ob der Abholer auch der Bestelleradresse/daten entspricht.

  8. 13.

    Bei genauer Betrachtung des Bildes zum Artikel sieht man deutlich am Zeichen den Absender. Diese Zusteller von Amazon sind ungeschulte Kräfte, die man tunlichst nicht mit dem übrigen DHL Personal verwechseln sollte.

  9. 12.

    Betrogen wird der Verkäufer (Warenkreditbetrug). Identitätsdiebstahl ist eine ganz andere Sache. Der rbb-Beitrag sagt nicht, dass es mehr Anzeigen wegen Identitätsdiebstahl gibt. Dafür gibt es gar keinen eigenen Straftatbestand im StGB. Ich glaube auch nicht, dass noch irgendwer Adressen aus der Papiertonne kramt.

  10. 11.

    Ist stressig und mühselig. Aber es stimmt. Zumindest habe ich das einmal tun müssen und meine Hausbank hat den Geldbetrag sofort für mich zurückgebucht.

  11. 10.

    Die Papiertonnen sind ja oft auch nur deshalb randvoll,weil Leute es nicht schaffen,den Karton platt zu machen. So wie auf dem Beispielfoto und dann noch mit komplettem Aufkleber. Fauler gehts nimmer. Und man kann Kartons auch weiter verwenden !
    Spart Müll.

  12. 9.

    Die Zusteller sollen künftig sich IMMER den Personalausweis zeigen lassen, denn anders kommt man diesen Betrügern nie auf die Spur, es wird sonst noch schlimmer.
    Und bitte jetzt nicht wieder kommen, dies ist zu umständlich etc. für die Zusteller.
    Wer gegen das Vorzeigen eines Ausweises ist unterstützt noch die HOCHKRIMINELLEN.

  13. 8.

    Natürlich bleiben die Personen, deren Adressdaten missbraucht wurden, nicht auf der Rechnung sitzen. Weil sie nicht bestellt haben. Den Schaden tragen Zusteller und Shops.

  14. 7.

    Genau so handhabe ich das schon immer. Sehr richtig liebe Paula. Einer Nachbarin habe ich sogar mal ihren Altpapiermüll wieder vor die Tür gestellt, da sie es nicht für nötig gehalten hatte vorher zu sortieren, nach Plastik und Pappe. Und nein, es war zufällig eine junge Frau und keine ältere Person.

  15. 6.

    Die Kontrolle mit Perso soll m.E.nur gelten,wenn die Sendung vor dem Haus ausgehändigt wird und dem Zusteller die Identität des Gegenübers unbekannt ist. Bei Zustellung an der Wohnungstür nicht.
    Ich nehme auch Sendungen für die Nachbarn ab, die ich gut kenne, um den Zusteller zu entlasten. Wir sind schon ein eingespieltes Team.

  16. 5.

    Der Durschnitt eines Zustellers an Paketen beträgt 100 bis 120 Sendungen. Bei der Post kommen noch Pakete dazu. In der Stunde können durchschnittlich 25 Sendungen zugestellt werden. Muss jetzt bei jedem Empfänger zusätzlich der Ausweis kontrolliert werden, verdoppelt sich ganz schnell die Zustellzeit. Der eine weiss nich, wo sein perso ist. Oma Lieschen hat das ganze portmonee mitgegeben, als der Sohn einkaufen fuhr, nur als Beispiel.

    Wo kriminelle Energie zum Einsatz kommt, ist die Legalität machtlos. Mich wundert allerdings die schlechte Aufklärungsquote. Denn jede E-Mailadresse hinterlässt einen Fingerabdruck im www und kann deshalb zugeordnet werden. Das führt vielleicht nicht unbedingt zum Täter, aber erspart dem Opfer ne Menge Ärger. Hatte den Fall kürzlich selbst und besagte Absender einer gefakten Emailadresse kam aus Russland. Da war die Sache geklärt

  17. 4.

    So viel zum Thema Datenschutz. Die wird doch in Deutschland angeblich so groß geschrieben. Aber mehr Paket bekommt jeder ausgehändigt.

  18. 3.

    Es ist schon erschreckend, wie leicht man an die Lieferung kommt: ich habe selbst zuletzt den Zusteller an der Haustür abgefangen, weil ich die lange erwartete Lieferung (zufällig) erkannt habe. Ohne Ausweisung habe ich das Paket meiner Partnerin mit anderem Namen erhalten, wohlgemerkt vor der Tür. Bei allem Termindruck sollte das nicht möglich sein.

  19. 2.

    Ehe ich Kataloge und Zeitschriften in der Papiertonne entsorge,entferne ich die Adressaufkleber und die personalisierten Bestellkarten,die ja auch die Kundennummer enthalten. Das wird vor der Entsorgung in der Papiertonne auch geshreddert.
    Man kann leider nicht vorsichtig genug sein,eine 100prozentige Sicherheit gibt es leider nie.

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