Oberstaatsanwalt Ralph Knispel (Quelle: dpa/Rolf Kremming)
Video: Abendschau | 27.02.2021 | Norbert Siegmund | Bild: dpa/Rolf Kremming

Kriminalitätsbekämpfung in Berlin - Oberstaatsanwalt Knispel fordert mehr Geld für Strafverfolgung

Der Berliner Oberstaatsanwalt Ralph Knispel fordert mehr Investitionen in die Ausstattung der Polizei und der Strafverfolgungsbehörden. "Es ist Zeit, dass auch die Politik begreift, was in diesem Bereich zu tun ist und die Zustände herzustellen, auf die die Bevölkerung einen Anspruch hat", sagte Knispel am Samstagabend in der rbb-Abendschau.

Das Land Berlin müsse "Geld in die Hand nehmen, mehr Personal einstellen, und die Gerätschaften bei der Polizei auf aktuellen Stand bringen, da hinken wir noch Jahre hinterher", mahnte Knispel an. Berliner Ermittler und Staatsanwälte müssen teilweise in Räumlichkeiten arbeiten, "in denen wir bei Schülern lautes Wehklagen an die Politik senden würden". Hinzu kämen die veralteten Fuhrparks bei der Polizei.

Knispel sieht große Nachwuchsprobleme

Knispel forderte zudem, mehr für den Nachwuchs bei Polizei und Justiz zu unternehmen. In den kommenden Jahren gehen 10.000 Richter und Staatsanwälte in Berlin in Rente. "Es ist schwierig, Nachwuchs zu finden. Die junge juristische Welt drängt nicht nach Berlin. Wir brauchen eine angemessene Besoldung. Im Vergleich mit Jahresgehältern in anderen Bundesländern gibt es bei uns mehrere tausend Euro netto Differenz zu beklagen", so der Oberstaatsanwalt.

Laut Knispel braucht in Berlin die Auswertung von DNA-Spuren acht bis zehn Wochen, die Bearbeitung von Fingerabdrücken durchschnittlich 34 Wochen, die kriminaltechnische Untersuchung von Waffen ebenfalls 34 und die Analyse von Urkunden und Handschriften durchschnittlich sogar 46 Wochen, also fast ein Jahr. Berlin hat zudem die bundesweit niedrigste Aufklärungsquote - mehr als die Hälfte der Täter kommt in der Hauptstadt ungeschoren davon. In der kommenden Woche erscheint Knispels neues Buch "Rechtsstaat am Ende".

Sendung: Abendschau, 27.02.2021, 19:30 Uhr

13 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 13.

    Es soll doch noch Leute geben, die meinen, daß die inflationäre Zahl von Krimis und Serien das wirkliche Abbild der Realität darstellt. Wenn also Frau KHK in den Abendstunden im schicken Hosenanzug mit einem Glas Sekt in der Hand an der Fensterfront ihrer Penthousewohnung auf das nächtliche Berlin schaut und im Alleingang den Mord klärt und sich am Morgen nach einem veganen Frühstück in ihren 5er oder 7er BMW setzt, um den Mörder allein festzunehmen. Fragen Sie mal die Frau KHK aus der Praxis nach ihrem Tagesablauf! Nein, die Wirklichkeit sieht pechschwarz aus. Erst wenn schlimme Attentate oder Verbrechen begangen werden hört man von Politikern Lippenbekenntnisse, die sich aber schnell wieder verflüchtigen, ohne an den Zuständen bei der Polizei und der Justiz etwas verbessert zu haben.

  2. 12.

    Aus eigener Erfahrung kann ich diese Zahlen in etwa bestätigen. Nix Digital. Schwarze Finger auf Papier ! Seit 7 Monaten immer noch kein Ergebnis !

  3. 11.

    Schauen Sie einmal das Interview mit ihm in der Abendschau vom Samstag. Sie werden überrascht sein, was er ohne jede Relativierung zur Personalpolitik des derzeitigen Senates sagt.

  4. 10.

    Hallo,
    in Zeiten der digitalen Erfassung und damit auch des digitalen Abgleichs von Fingerabdrücken erscheint mir die Aussage ..."die Bearbeitung von Fingerabdrücken durchschnittlich 34 Wochen" irgendwie unrealistisch.
    Da wird einem in den allgegenwärtigen Krimis ein komplett unrealistisches Bild, zumindestens in Bezug auf den Abgleich von Fingerabdrücken, vermittelt, oder?

    Für ein kurzes Statement wäre ich dankbar!!!

  5. 9.

    Vielen Dank für Ihren Mut zur Wahrheit. Hochachtungsvoll......

  6. 8.

    RGG setzt letztendlich den mehrheitlichn Wählerwillen um ! Wer die Ergebnisse und Zustände jetzt beklagt oder nicht erfreut ist, kann sich doch nach Alternativen umsehen. Politik ist keine Einbahnstraße. Diese nutzt man immer dann, wenn man Angst vor Gegenverkeht hat.

  7. 6.

    "Es ist unglaublich, was sich die Berliner RRG Regierung ganz offen an Staatsversagen leisten kann."

    Durfte sich doch die Vorgängerregierung GroKo auch leisten. Aber auch da galt schon: Die Stadt ist pleite.

  8. 5.

    Herr Knispel macht das nun endlich einmal öffentlich was weite Teile der Bevölkerung genau so empfinden. Angefangen von diesem unsäglichen Justizsenator Behrendt bis zu diesem elenden RRG Senat. Meinen Respekt und Rückgrat Herr Knispel, danke.

  9. 4.

    Sie wissen genau, dass diese Ergebnisse auf die Sparpolitik von zwei bis drei Legislaturperioden zurückzuführen sind. Verantwortlich für die Kriminalität und die geringe Aufklärungsquote auf Grund von Personalmangel und ungenügender Ausrüstung sind maßgeblich die Parteien, Bürgermeister, Innensenatoren und Justizsenatoren der letzten zehn bis zwölf Jahre. Dazu kommt eine sogenannte "Kuscheljustiz", die aber jetzt zum Teil wieder revidiert wurde. Siehe Razzien gehen organisierte Verbrecher und Urteile gegen Autoraser. Gegen organisierte Kriminalität muss man die Landeskriminalämter stärker. Man könnte Gelder von der Rüstung in den Justiz- und Polizeietat umschichten. Welche Partei strebt das an? Welche Partei hat dies ganz oben in ihrem Wahlprogramm zu stehen?

  10. 3.

    Lieber Herr Knispel,

    Danke für Ihren mutigen Appell, bleiben Sie am Ball.

  11. 2.

    Sicher hat er nicht Unrecht, trotzdem stößt mir gerade auf, dass kaum ein Tag ohne die Schlagzeile vergeht, dass irgendwer was fordert. Von der Leistungs- zur Forderungsgesellschaft, oder so.

  12. 1.

    "Berlin hat zudem die bundesweit niedrigste Aufklärungsquote - mehr als die Hälfte der Täter kommt in der Hauptstadt ungeschoren davon. In der kommenden Woche erscheint Knispels neues Buch "Rechtsstaat am Ende"." Es ist unglaublich, was sich die Berliner RRG Regierung ganz offen an Staatsversagen leisten kann.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren