Brandenburg - Mehr Straftaten gegen Homosexuelle, Menschen mit Behinderung und Obdachlose

Symbolbild: Blaulicht auf einem Polizeiauto
Bild: Imago/Sven Simon

Die Polizei in Brandenburg hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Straftaten gegen nicht-heterosexuelle Menschen, Menschen mit Behinderung und Obdachlose registriert als 2019. Das geht aus den am Mittwoch veröffentlichten Antworten des Innenministeriums in Potsdam auf Anfragen aus der Linken-Landtagsfraktion hervor.

Mehr als doppelt so viele Angriffe auf Nicht-Heterosexuelle

Allein die Zahl der attackierten Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und intergeschlechtlichen Menschen hat sich demnach im Jahresvergleich von acht auf 19 mehr als verdoppelt. Laut Sozialministerium wird jedoch nur jeder dritte Übergriff dieser Art angezeigt.

Die Zahl der gemeldeten Angriffe auf und Bedrohungen von Obdachlosen stieg laut Innenministerium im Berichtszeitraum von drei auf zehn. Sechs Straftaten gegen Menschen mit Behinderung registrierte die Polizei im vergangenen Jahr. 2019 gab es erst einen Fall dieser Art.

Bei allen angezeigten Delikten handelte es sich laut Ministerium um Fälle, in denen Menschen körperlich geschädigt wurden oder werden sollten. Gründe, weshalb nicht alle Obdachlosen und Behinderten Strafanzeige gestellt hätten, seien der Polizei nicht bekannt, hieß es.

Übergriffe werden häufig nicht gemeldet

Dagegen hatten Interessenverbände von Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuellen sowie Transgender in Brandenburg laut einer früheren Antwort des Innenministeriums Vorbehalte gegenüber den Strafverfolgungsbehörden genannt. Wegen einer vermuteten fehlenden Sensibilität beim Umgang mit den Opfern würden Übergriffe oftmals der Polizei nicht gemeldet. Zwischen den Behörden und Opfern gebe es Berührungsängste und Unsicherheiten.

Laut Innenministerium deckt sich diese Einschätzung mit den Ergebnissen einer Online-Befragung des Sozialministeriums vom Januar 2018 unter Menschen mit einer nicht-heterosexuellen Orientierung, die eine Straftat nicht angezeigt hatten. Danach hatten 92 Prozent geantwortet, eine Strafanzeige habe einen zu hohen Aufwand ohne entsprechenden Nutzen. 91 Prozent hätten bei einer Anzeige nicht mit einem Ergebnis gerechnet, während 83 Prozent befürchteten, sie würden von den Behörden nicht ernst genommen.

2 Kommentare

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  1. 2.

    Werter Rainer,
    wenn Sie eine Anzeige stellen, auch wenn es nur gegen unbekannt ist, hat die Polizei diese erst einmal aufzunehmen. Basta. Das ist Ihr gutes Recht und machen Sie davon Gebrauch. Was ihnen die Polizei erzählt, spielt überhaupt kein Rolle. Letztendlich entscheidet die Staatanwaltschaft ob der Anzeige nachgegangen wird oder diese fallengelassen wird. Habe mir als Schwuler selbst mal von einen Polizisten bei der Anzeigenaufnahme die dumm dreiste Bemerkung anhören müssen: wir haben anderes zu tun. Ich blieb ruhig und gelassen und sagte ihm: sie haben hier nur die Anzeige aufzunehmen. Ihre persönliche Meinung interessiert mich nicht im geringsten. Ansonsten werde ich eine Beschwerde gegen sie einreichen. Schon war er mucksmäuschenstill. Im übrigen kam es dann auch zu einer Gerichtsverhandlung, wo der Täter verurteilt wurde.

  2. 1.

    Möchte rbb24 nicht mal einen Bericht dazu veröffentlichen, was die Opfer genau erfahren, wenn sie Strafanzeige stellen? Ich habe letzte Woche als Schwerbehinderter Strafanzeige gestellt und müsste mir anhören "Man muss die zu unrecht Beschuldigten vor Ihnen beschützen" und die "Anzeige wird eh nichts bringen". Ich wurde verhöhnt und unmenschlich "bearbeitet", damit ich auf die Anzeige verzichte.

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