Kinder sehen am 01.06.2020 einer Schwanenfamilie zu, die auf dem Werbellinsee schwimmt. Ein Kind fotografiert sie. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.02.2021 | Torsten Sydow | Bild: dpa/Annette Riedl

Studie der Uni Potsdam - Kinder und Jugendliche in Brandenburg trotz Coronakrise optimistisch

Junge Menschen in Brandenburg kommen offenbar ganz gut durch die Pandemie - zumindest ergab das eine Studie der Uni Potsdam. Viele Kinder und Jugendliche seien optimistisch für die Zukunft. Und viele Familien wachsen offenbar enger zusammen.

Kinder und Jugendliche in Brandenburg haben die Coronavirus-Pandemie bislang überwiegend gut bewältigt. Zu dieser Einschätzung kommt eine Studie der Universität Potsdam [mbjs.brandenburg.de/pdf], die am Mittwoch vorgestellt worden ist. An der repräsentativen Befragung zwischen dem ersten und zweiten Lockdown beteiligten sich 17.156 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 22 Jahren.

Großer Optimismus - und große Akzeptanz der Maßnahmen

Bei den Antworten zur Lebenszufriedenheit zeigte sich, dass der Zukunftsoptimismus bezogen auf den Beruf trotz der Einschränkungen in der Bildung ungebrochen ist. Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen schätzten ihre Chancen auf eine gesicherte Zukunft als "eher hoch" oder "hoch" ein. Damit sei der Zukunftsoptimismus unter jungen Menschen in Brandenburg "so hoch wie noch nie", sagte Studienleiter Dietmar Sturzbecher vom Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung der Universität.

Mehr als zwei Drittel der brandenburgischen Jugendlichen gehen laut dem Wissenschaftler vorbildlich mit der Corona-Pandemie um: "Sie kennen und akzeptieren die Corona-Regeln" und würden Verschwörungstheorien ablehnen. "Diese Akzeptanz reicht in Abstufungen vom Distanzunterricht über die Kontaktbeschränkungen bis hin zu den Freizeitmöglichkeiten", so Sturzbecher. Die Akzeptanz der Anti-Corona-Maßnahmen werde zudem nicht aus Egoismus, sondern aus Gemeinwohlorientierung gespeist, sagte der Sozialwissenschaftler: "Da können wir ein Vorurteil gegen Jugendliche sehr gut entkräften."

Vielen fehlen die Mitschüler

Trotz der weitgehenden Zustimmung zu den Corona-Beschränkungen fühlen sich rund 52 Prozent der befragten Jugendlichen durch das Kontaktverbot stark oder sehr stark belastet. Etwa 37 Prozent leiden unter der Maskenpflicht, den Veranstaltungsverboten, Ausgangsbeschränkungen, und den Geschäftsschließungen. Jeweils rund 40 Prozent lehnen Kontaktverbote, Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen ab.

Zwar gaben mehr als die Hälfte der Jugendlichen an, dass ihnen der Distanzunterricht zuhause gefallen hat, doch stimmten auch rund 60 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass ihnen dadurch Lernstoff fehlt. Drei Viertel der Befragten fehlten ihre Mitschüler und gut 41 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie sich einsam fühlen.

Kein genereller Anstieg der Gewalt

Das Verhältnis zu den Eltern habe sich deutlich verbessert, betonte Sturzbecher weiter. Entgegen manchen Behauptungen sei auch kein genereller Anstieg der Gewalt in den Familien festzustellen gewesen, so der Studienleiter. Von den rund 3,7 Prozent Jugendlichen, die angaben, häufig von mindestens einem Elternteil geschlagen zu werden, hätten knapp 36 Prozent von einer Zunahme und knapp 45 Prozent von einer Abnahme der Gewalt berichtet. Dies zeige deutlich, dass es Jugendliche in Not gebe, wenn auch wohl nicht sehr viele, sagte Sturzbecher: "Wir müssen sie finden und ihnen helfen."

Die Studie sei eine Momentaufnahme, betonte Sturzbecher. Auch Probleme seien zu erkennen. So habe sich der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die besonders pessimistisch in die Zukunft blicken, von 0,6 auf 1,2 Prozent verdoppelt.

Bildungsministerin will mit Landesschülervertretung sprechen

"Ich freue mich sehr über die hohe Akzeptanz der notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung", sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Die Antworten zeigten, dass die Jugendlichen mit Mut und Zuversicht an diese schwierige Situation herangingen. Ernst kündigte an, den Dialog mit den Jugendlichen zu intensivieren. "Als erstes plane ich ein Gespräch mit der Landesschülervertretung."

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.02.2021, 14 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Eine "Landesschülervertretung" in BB gibt es nicht, wohl aber einen Landesschülerrat, vertreten durch die Sprecherin Fräulein Dreizehner (eine Schülerin, welche KEIN Rechtsmandat für die Schüler in BB besitzt). Was die Ministerin Ernst da wieder aufbläht. Einfach fürchterlich!

  2. 21.

    Und da diese ab 12jährigen Kinder allein daheim können...passiert auch erstmal nichts in den Klassen 7-9.
    Diese 12-15jährigen werden gerade schlichtweg vergessen.....da diese nichts kosten!

  3. 20.

    Wer hier mit Hääää antwortet, hat keine Kinder im entscheidenden Alter und tatsächlich keine Ahnung vom Geschehen draußen, vor der Wohnungstür.

  4. 19.

    12jährige sind keine Kinder mehr, weil die Eltern nicht auf Kindkranktage daheim bleiben dürfen, sobald das Kind 12 ist. Diese Eltern MÜSSEN also zur Arbeit, den Mammon der Unternehmen weiter stärken. Diese Eltern müssen auch ihre "Kinder" allein zu Hause lassen, den ganzen Tag, denn die 6 Wochen Jahresurlaub dürften bald um sein... Insofern sind es im Sinne der Krankenkassen (die zahlen müssten) und des Gesetzgebers KEINE Kinder mehr, sondern sich im Krankheits/Pandemiefall selbständig daheim versorgende kleine Erwachsene....

  5. 18.

    "3 Berichte runterscrollt und dort genau das Gegenteil liest" - der o.g. Artikel ist eine objektive Studie, kein subjektiver Kommentar wie von einer "Mareen" oder von mir; eine Studie ist etwas anderes als eine Patientenfrequentierung in einer Arztpraxis. Ein Arztbesuch allein sagt auch nicht aus, ob eine Krankheit vorliegt - gerade beim Psychiater. Frequenz = (schwere) Krankheit oder Empfindlichkeit = absolute Zahl/Anteile der psychisch Kranken in der Bevölkerung? Wohl kaum. Es ist also etwas ganz anderes. Die Studie sagt etwas über Kinder aus, nicht aber über Eltern und wie hoch deren Anstrengungen/Befindlichkeiten sind. Ohne Studien hat man das Gefühl, das 2/3 der Kinder und Eltern die erhöhten Anforderungen gut meistern und als ihren solidarischen Beitrag zur Eindämmung sehen. Und das ist doch etwas sehr Schönes...

  6. 17.

    Die Einhaltung von Pressekodex und Pressegesetz sind eigentlich ganz einfach.

    § 7 SGB VIII Begriffsbestimmungen
    (1) Im Sinne dieses Buches ist
    1. Kind, wer noch nicht 14 Jahre alt ist, soweit nicht die Absätze 2 bis 4 etwas anderes bestimmen,
    2. Jugendlicher, wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist,
    3. junger Volljähriger, wer 18, aber noch nicht 27 Jahre alt ist,
    4. junger Mensch, wer noch nicht 27 Jahre alt ist,
    (2) Kind im Sinne des § 1 Absatz 2 ist, wer noch nicht 18 Jahre alt ist.
    (4) Die Bestimmungen dieses Buches, die sich auf die Annahme als Kind beziehen, gelten nur für Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

  7. 16.

    Schön für Sie und die Ihren.
    In meinem Bekanntenkreis sieht das ganz anders aus. Der Azubi im Abschlussjahr, der sich neben den Prüfungen mal fix eine neue Firma suchen muss, sein Freund, der trotz Bestnoten nicht übernommen wird, weil die Firma sich den Ausgebildeten nicht mehr leisten kann, die Zehntklässler, die sich bewerben, aber keine Antwort bekommen oder bestenfalls einen "Aufnahmetest, wenn es wieder möglich ist". Die Schüler, die Firmen für ihr Praktikum suchen, und eine Absage (oft ausdrücklich "wegen Corona") bekommen. Die sind - je nach Veranlagung - wenigstens not amused bis vollkommen verzweifelt.

  8. 15.

    Unser Opi würde dasselbe sagen. Er ist schön Aussen vor, damit er sich nicht ansteckt und bekommt nur positive Feedbacks, damit er nicht in die Gefahrenzone zu uns kommt. Also praktisch hier ne wertigkeitslose Aussage. Eigentlich wie der ganze Bericht, weil zeitlich komplett überholt.

  9. 14.

    "Diese Studie ist eine Momentaufnahme" steht im Schlussteil. Und sie fand zwischen den Lockdowns statt. Würde man heute die 4. - 6. Klassen befragen die noch keine Rückkehroption haben, stünde hier ein anderes Ergebnis.

  10. 13.

    Ich denke es macht auch einen Unterschied ob ein Kind auf dem Land lebt, es einen Garten hat oder in einer Stadt in einer Mietskaserne lebt. Somit müsste diese Umfrage auch in einer Stadt gemacht werden.
    Vielleicht sieht es da ganz anders aus ?

  11. 12.

    Wie bitte - 12jöhrige sind keine Kinder mehr?
    Na Sie haben vielleicht ne Ahnung, keine Kinder haben aber dafür viel Meinung.

  12. 11.

    „ Ok welche berufstätigen Eltern und deren Grundschuleltern kommen gut zurecht???“

    Häähh???

  13. 10.

    Danke für die Hinweise. Bei mir ist es genau so angekommen, wie es scheinbar bezweckt wurde, wie naiv von mir.
    1)Zeitpunkt der Studie, nach dem ersten Lockdown, nicht mehr relevant
    2) Alter der Kinder und Jugendlichen. 12 jährige sind keine Kinder mehr.
    Jetzt verstehe ich hier auch mal die kritischen Kommentare auf dieser Seite.

  14. 9.

    Mein Kind freut sich schon auf den Tierpark Besuch Morgen. Er ist fröhlich und ausgeglichen, und hat überhaupt keine Probleme mit den Einschränkungen.

  15. 8.

    Wie hier schon erwähnt, vermittelt die Überschrift eine subjektive Sichtweise, da diese Studie vor dem 2. November und den damit verbundenem Wegfall des Vereinsportes und jeglicher Kultur sowie den Kontaktbeschränkungen und den nun seit 2 Monaten andauernden Schulschließungen stattfand. Die Klassen 7-9 (12-15 Jährige) in Brandenburg und in Berlin sogar die 4-9 Klassen (9- 15 jährige) werden vollkommen außen vor gelassen, ohne Perspektiven. Nicht umsonst ging ein Brief von Kinderpsychologen und Kinderärzten mit dem jetzigen Stand, dass sich die Anzahl der Kinder in den Psychiatrien nahezu verdoppelt hat beim Kanzleramt ein. Wozu solch Artikel,RBB, wenn man 3 Berichte runterscrollt und dort genau das Gegenteil liest?

  16. 7.

    Ok welche berufstätigen Eltern und deren Grundschuleltern kommen gut zurecht???

  17. 6.

    Es täte mal interessieren auf was die Jugend einen Optimismus aufbauen sollte.

  18. 5.

    Wer nur Überschriften liest oder den kleinen unauffälligen Satz zum Zeitpunkt der Befragung überliest, geht unweigerlich aus dem Artikel raus mit dem Gefühl, dass das doch alles gar nicht sooo schlimm ist für die Kinder. Merkt man ja an manchen Kommentaren. Diese Befragung ist allerdings für die momentane Situation völlig irrelevant. Sie wurde vor November durchgeführt!!

  19. 4.

    Mein Reden, ich sehe das an meinen Kindern und Enkeln, die dort wohnen. Die Panikschieber und Gegenallesmotzer gibt es da natürlich auch, genau wie in Berlin, aber der überwiegende Teil der Menschen kommt mit den Regeln und der Situation zurecht, die äußern sich und von ihnen hört man nur nicht so viel, wie von den ewigen Meckerfritzen.
    Danke für eine Berichterstattung mal in diese Richtung.

  20. 3.

    "Befragung zwischen dem ersten und zweiten Lockdown" - da kann sich jetzt mit zunehmender Länge der Einkesselung aber schon noch was geändert haben im "Umgang"....

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