Ein Schild mit der Aufschrift «Therapie - bitte nicht stören» hängt an einer Tür in einer Traumaambulanz (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Bild: dpa/Monika Skolimowska

Mehr Trauma-Ambulanzen ab Montag - Brandenburg verstärkt Soforthilfe für Gewaltopfer

Auch aufgrund von mehr häuslicher Gewalt im Land will die Brandenburger Regierung Opfern schneller helfen. Bereits ab Montag stehen zwölf Trauma-Ambulanzen über das Land verteilt zur Verfügung. Weitere Standorte sollen folgen.

Brandenburg will künftig flächendeckend sogenannte Trauma-Ambulanzen für psychotherapeutische Soforthilfe anbieten. Die ersten Verträge mit Kliniken, Trägern und niedergelassenen Therapeuten seien abgeschlossen worden, teilte das Gesundheitsministerium am Samstag mit.

Betroffene könnten sich ab Montag schnell und unbürokratisch an bislang zwölf Einrichtungen in Potsdam sowie in den Landkreisen Elbe-Elster, Oder-Spree, Oberspreewald-Lausitz, Ostprignitz-Ruppin und Uckermark wenden, hieß es weiter.

Landesamt informiert über Möglichkeiten der Trauma-Ambulanzen

"Trauma-Ambulanzen sind Erste-Hilfe-Stellen für die Seele, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen", erklärte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne): "Wer Gewalt erleben musste, einen Überfall, sexuellen Missbrauch oder häusliche Gewalt, braucht Hilfe ohne Wartezeit."

Trauma-Ambulanzen bieten bis zu 15 Sitzungen für Erwachsene und bis zu 18 Sitzungen für Kinder und Jugendliche an. Fahrkosten zur Ambulanz, auch für eine notwendige Begleitperson sowie notwendige Betreuungskosten für die Kinder oder für zu pflegende oder betreuende Familienangehörige werden übernommen. Betroffene nehmen am besten zunächst telefonisch Kontakt zur nächstgelegenen Trauma-Ambulanz auf, empfiehlt das Landesamt für Soziales und Versorgung auf seiner Internetseite [lasv.brandenburg.de]. Spätestens nach der zweiten Sitzung muss ein Antrag auf Schnelle Hilfen oder ein Antrag auf Leistungen für Gewaltopfer beim Landesamt für Soziales und Versorgung gestellt werden.

Eine Übersicht zu allen Trauma-Ambulanzen gibt es auf dieser Internetseite des Landesamtes für Soziales und Versorgung.

Häusliche Gewalt in Brandenburg stieg um ein Viertel

Das Brandenburger Gesundheitsministerium reagiert mit der Aufstockung auch auf jüngste Entwicklungen: So hat die Gewalt innerhalb von Familien in Brandenburg zwischen Ende Februar und der zweiten Septemberhälfte 2020 deutlich zugenommen.

Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt sei um 25 Prozent höher gewesen als im Vorjahreszeitraum, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) Ende Januar in Potsdam. Ein Zusammenhang mit der Pandemie liege hier nahe, könne aber nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Laut Ministerium wurden zwischen 28. Februar und 23. September 2020 insgesamt 2.856 Anzeigen häuslicher Gewalt erfasst, das seien 24,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Frauenhäuser im Land in Geldnöten

Gleichzeitig sieht sich das Netzwerk Brandenburger Frauenhäuser [nbfev.de] unter enormem finanziellen Druck. "Das vom Land und den Kommunen bereitgestellte Geld reicht nicht für eine bedarfsgerechte und verlässliche Finanzierung", sagte Lina Schwarz von der Koordinierungsstelle im November 2020. Es herrsche große Nachfrage und großer Andrang unter Betroffenen. Angaben zur Zahl werden aber nicht veröffentlicht.

"Gewalt gegen Frauen ist wie in Vor-Corona-Zeiten sehr präsent", sagte Schwarz. Anfang des ersten und zweiten Lockdowns sei beobachtet worden, dass eher weniger Frauen kamen. "Das führen wir darauf zurück, dass die Frauen kaum Möglichkeiten hatten, Kontakt aufzunehmen, und allein mit einem gewalttätigen Partner waren", sagte sie. Jetzt nehme der Bedarf wieder zu.

In Brandenburg seien entsprechend der Bevölkerungszahl 251 Familienplätze erforderlich, sagte Schwarz. Bislang stünden in 22 Frauenhäusern und zwei Schutzwohnungen erst 127 und damit zu wenige bereit. Aus ihrer Sicht reichen die bereitstehenden Mittel nicht für weitere.

Sendung: Brandenburg aktuell, 27.02.2021, 19:30 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Echt, man will Müttern und Kinder helfen? Selbst wenn die dazugehörigen Kindsväter das torpedieren? Glaub ich nicht.

  2. 1.

    Gewalt, meist gegen Frauen und Kinder, eskaliert bzw. nimmt zu. Bereits vor der Krise war es nötig hauptsächlich Frauen und Kinder vor Gewalt in der Familie zu schützen und nun scheint es noch mehr der Fall zu sein. Schande. Was stimmt in dieser Welt nicht? Frauen und Kinder sind zusammen die Mehrheit aller Menschen - und müssen beschützt werden. Und warum ist eigentlich die "heilige Familie" aus Mann, Frau und Kind so schützenswert bzw. so viel schützenswerter als nicht-hetero Familien obwohl es im Modell Klassil so viel mehr Gewalt und Unterdrückung gibt?

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